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Neue Regeln für Sportboote helfen Unternehmen und Umwelt

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Mehrere Millionen Motor-, Segel- und Sportboote sowie Jet-Skis bevölkern jeden Sommer Europas Gewässer. Touristen lieben diese Freizeitabwechslung, doch sie sorgt leider auch für Luftverschmutzung in Ufernähe. Die Europäische Kommission möchte nun die Emissionen von Sportbooten senkenund sie zudem sicherer machen. Ihre Vorschläge entsprechen internationalen Vorschriften, so dass sich die Exportperspektiven für europäische Bootsbauer verbessern werden.

Die Sportbootindustrie hat das Interesse der Europäischen Kommission geweckt. Zum einen wegen der Umweltbelastung, die sie verursacht, zum anderen ist sie aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Um Verbraucher und Umwelt besser zu schützen und um mit internationalen Handelspartnern Schritt halten zu können, möchte die Kommission deshalb die Sportbootrichtlinie (Recreational Craft Directive, RCD) um neue Sicherheits- und ökologische Bestimmungen erweitern.

Dieser Schritt ist nötig, weil Sportboote bzw. Motorschiffe die Stickstoffoxid-Konzentration an Küsten bzw. in den Seen und Flüssen Europas signifikant erhöht haben – und dass vor allem in Touristengebieten während der Sommermonate. Die neue RCD wird die jährliche Emission von Stickstoffoxiden sowie Kohlenwasserstoffen um 20% und die Feinstaubemission um 34% reduzieren.

Die Richtlinie bringt aber nicht nur ökologische Vorteile: Sie schafft eine klare und schlanke EU-Verordnung zu Produktsicherheit, Design und Konstruktion, die wiederum die Marktüberwachung verbessert. Insbesondere die Regeln für die CE-Kennzeichnung – also die Zertifizierung, dass ein Produkt geprüft wurde und die Sicherheits-, Gesundheits- sowie Umweltschutzbestimmungen der EU erfüllt – werden präzisiert.

Sicherheitsmaßnahmen zu Auftrieb und Schwimmstabilität werden ebenfalls verstärkt. Bewohnbare Mehrrumpfboote, die oft im Rennsport und bei Kreuzfahrten im Mittelmeer zum Einsatz kommen, müssen folgende Bedingungen erfüllen: Entweder sie sind gar nicht inversionsanfällig oder sie haben so viel Auftrieb, dass sie in invertierter Position – also wenn sie zum Beispiel durch starken Wellengang umgedreht wurden – schwimmfähig bleiben.

Um diese neuen Umwelt- und Sicherheitsstandards umzusetzen, müssen die Mitgliedstaaten ausreichend Kontrollen durchführen, sowohl an den Außengrenzen als auch innerhalb der EU. Dazu gehören unter anderem Kontrollen in Betrieben der Hersteller und Importeure, um zu verhindern, dass Sportboote, die eine Gefahr darstellen, nicht auf den Binnenmarkt gelangen.

Mit der Konkurrenz Schritt halten

Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Sportbootindustrie wird sich durch die neuen Regelungen ebenfalls verbessern. Denn die EU wird die technischen Bestimmungen mit denen der wichtigsten Handelspartner in Einklang bringen. Damit entfällt die Notwendigkeit für zwei getrennte Produktionslinien – eine für den Binnenmarkt und eine für Drittländer. Und dies macht es wiederum EU-Herstellern leichter, ihre Produkte weltweit zu verkaufen.

Vorreiter in Sachen Rechtsvorschriften zur Regelung der Abgasemissionen sind die USA. Einige EU-Mitgliedstaaten haben mit lokalen Maßnahmen zu Geschwindigkeitsbegrenzungen oder dem Verbot von Booten in bestimmten Gebieten dahingehend bereits gehandelt. Dennoch sind stärkere, EU-weite Maßnahmen erforderlich: Die neuen Regelungen werden die Umwelt besser schützen, Europas Sportbooten den Weltmarkt öffnen, und nationalen Lösungen vorbeugen, die zu Diskrepanzen in den EU-Vorschriften führen.

Was die Maßnahmen für KMU und Industrie bedeuten

Da zwei getrennte Produktionslinien nicht mehr notwendig sein werden, wird die überarbeitete Direktive die Kosten für EU-Hersteller verringern, insbesondere jene für Entwicklung, Herstellung und Zertifizierung.

Einige Unternehmen müssen eventuell ihre Produktion anpassen, um den neuen Anforderungen zu entsprechen. Zum Beispiel müssen Antriebsmotoren so konstruiert und hergestellt werden, dass sie weniger Feinstaub, Kohlenwasserstoff und Stickstoffoxid emittieren. Dies macht aber Änderungen seitens der Hersteller notwendig. Um den Übergang zu erleichtern, gibt die RCD Akteuren aus der Industrie drei Jahre Zeit, die Abgasgrenzwerte einzuhalten. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die bestimmte Motortypen herstellen – mit einer Leistung von 15 kW oder weniger –, haben weitere drei Jahre Zeit, um sich den regulatorischen Änderungen anzupassen.

Es gibt rund sechs Millionen Sportboote in Europa. Etwa 37.000 Unternehmen verdanken dieser Freizeitaktivität ihre Existenz: zum Beispiel Jachthäfen, Bootsbau, Motor- oder Schiffsausrüstung, Segelschulen und Anwälte für Seerecht. Dieser Sektor, der zu 97 % aus KMU besteht, erholt sich langsam von der Wirtschaftskrise und beschäftigt heute rund 272.000 Arbeitnehmer.

„Das neue Gesetz dient nicht nur der Umwelt, sondern auch der Qualität der Ferienorte. Darüber hinaus schafft es Arbeitsplätze in der Tourismusbranche. Sauberere und sicherere Boote helfen den Sportboot-Unternehmen, Kosten zu sparen. Außerdem geben sie ihnen die Möglichkeit, auf dem Weltmarkt mit einer einzigen Produktionslinie vertreten zu sein, da wir unsere Richtlinien mit internationalen Standards abstimmen.“
Vize-Präsident der Europäischen Kommission Antonio Tajani

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