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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

Internationale Marktverzerrung hemmt neue Technologien

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Schlüsseltechnologien (Key Enabling Technologies, KETs) sind entscheidend für die Industrie des 21. Jahrhunderts. KETs, zu denen die Nanotechnologie und industrielle Biotechnologie gehören, verbessern herkömmliche Industrieprodukte und haben ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Drittländer investieren massiv in diesen Zweig, ergreifen dabei jedoch manchmal Maßnahmen, die den internationalen Markt verzerren. Daher unternimmt die Europäische Kommission Schritte, die die Wettbewerbsfähigkeit der EU in Sachen KETs weiterhin sicherstellen sollen.

Bei vielen dürfte das Wort „Industrie“ überdimensionale Bilder hervorrufen – große Stahlplatten oder Fließbänder, die ohne Unterbrechung Autos produzieren. Ohne Frage spielen solche Produkte ihre Rolle in der Industrie. Doch gibt es in Europa einen schnell wachsenden Bereich, der kleiner – viel kleiner –, aber trotzdem genauso wichtig ist: Schlüsseltechnologien (KETs).

Zu KETs zählen Nanotechnologie, industrielle Biotechnologie, Fotonik, Neue Werkstoffe, Mikro- und Nanoelektronik sowie fortgeschrittene Fertigungssysteme. Sie sind die Bausteine für die Industrie des 21. Jahrhunderts. Denn sie machen Stahl stabiler und langlebiger, Autos leichter und sicherer und eine Vielzahl anderer Produkte – von Arzneimitteln über Biokraftstoffe bis hin zu Mobilgeräten – effektiver und nachhaltiger.

Wie wichtig KETs sind, hat nicht nur Europa verstanden. Viele Drittstaaten, vor allem die USA sowie asiatische Länder, verfolgen mittlerweile Strategien, die in diesem Sektor ausländische Investitionen anziehen sollen. In den USA etwa hat die Nationale Nanotechnologie Initiative (National Nanotechnology Initiative) seit 2001 kumulierte Investitionen in Höhe von 14 Milliarden € ausgelöst. In China wiederum sind Biotechnologie, Neue Werkstoffe und die fortgeschrittene Fertigungstechnologie zentrale Bereiche des 12. Fünf-Jahres-Plans, der die strategische Ausrichtung der chinesischen Politik entscheidend mitbestimmt.

Solche Initiativen können mitunter zu Verzerrungen des internationalen Marktes für KET-Industrien führen. Denn sie schaffen Anreize, bei denen die Europäische Union oft nur schwer mithalten kann. Selbst einige KET-Unternehmen aus der EU haben bereits in Drittländern investiert, weil die dortigen Anreize einfach zu attraktiv waren.

Das ist umso problematischer, als KETs eine Schlüsselkomponente auf dem Weg zu einem Ziel der Wachstumsstrategie „Europa 2020“ sind: Bis zum Jahr 2020 soll die Industrie 20 % des BIP der EU ausmachen. Die „Key enabling technologies“ werden bis dahin noch integraler für die Industrie werden. Verliert die EU das Rennen um ein KET-freundliches Klima, könnte ihre Industrie ins Hintertreffen geraten.

Pläne für EU-KETs

Der globale Markt für Schlüsseltechnologien wurde 2008 auf 646 Milliarden € geschätzt. Bis 2015, so die Erwartungen, wird er die Grenze von 1 Billion € überschreiten. Ähnlich gewaltig wie der Markt sind die Investitionen, die notwendig sind, um KETs herstellen zu können: Unternehmen, die sich hier engagieren wollen, benötigen Vorlaufinvestitionen und Anreize – und zwar genau die Art von Vorlaufinvestitionen und Anreizen, wie sie Drittländer derzeit bieten.

Die EU ist sich der Wichtigkeit von KETs bewusst, sieht aber auch die weltweiten Marktverzerrungen. Und sie hat sowohl die Mittel als auch den Willen dazu, KETs in Europa einen gebührenden Platz einzuräumen.

Bereits jetzt hat die EU ein kohärentes Regelwerk zu staatlichen Beihilfen und zum internationalen Handel. Es hilft, einen EU-internen Wettbewerb zweier Mitgliedstaaten zu verhindern, und verleiht der EU mehr Gewicht in der internationalen Arena. Um aber gegen internationale Marktverzerrungen anzugehen, muss sie ihre regulatorischen Instrumente verfeinern und angemessen anpassen.

Genau daran – und da bestehen keinerlei Zweifel – arbeitet die Kommission aktiv. 2012 begann sie beispielsweise, die Regeln für staatliche Beihilfen zu modernisieren. Jetzt wird überprüft, ob sie das Potenzial haben, Europas weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Zudem verhandelt die EU über verschiedene bi- und multilaterale Handelsabkommen, die zu einem günstigen Umfeld für den Warenaustausch sowie zu gleichen Wettbewerbsbedingungen bei KETs führen sollen – natürlich bei voller Einhaltung der Regeln der Welthandelsorganisation (WTO).

Mit Blick auf Investitionen wird es entschlossene Unterstützung für Pilotlinien und Demonstrationsprojekte geben, um die Produktionsaufnahme und die Kommerzialisierung zu erleichtern. Darüber hinaus sind KETs einer der Investitionsschwerpunkte, mit denen sich die Strukturfondsprojekte finanzieren können, die sich der Marktreife nähern. Und schließlich verzeichnet eine Initiative von Kommission und Europäischer Investitionsbank (EIB) bereits Erfolge: EIB-Kredite für KET-Projekte betrugen in der ersten Hälfte des Jahres 2013 insgesamt 2,6 Milliarden € – fast genauso viel wie im gesamten Jahr zuvor.

KET-Marktverzerrungen sind ein echtes Problem. Wie die hier aufgezeigten Maßnahmen jedoch zeigen, arbeitet die Europäische Kommission an Lösungen, die sicherstellen, dass KET-Industrie-Ansiedlungen in der EU international konkurrenzfähig sind.

Kontakt

Weitere Informationen finden Sie unter

http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/ict/key_technologies/

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