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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

Europäische Kampagne gegen Produktfälschungen

Alle Rechte vorbehalten © European Commission
Italienische Zollbeamtezeigen Antonio Tajani beschlagnahmte Produktfälschungen

Mit der Absicht zu betrügen und zu täuschen, sind gefälschte Waren eine Gefahr für die europäischen Bürger und die europäische Wirtschaft. Ihre mindere Qualität wirft erhebliche Gesundheits- und Sicherheitsbedenken auf, und ihr betrügerisches Geschäftsmodell bringt Tausende von Arbeitsplätzen in Gefahr. In einem Interview mit Unternehmen und Industrie spricht Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, über die EU-weite Anti-Fälschungs-Kampagne der Kommission und erklärt, warum konkrete Maßnahmen nötig sind.


U & I
: Warum sind Sie im Kampf gegen Fälschungen so engagiert?

Tajani: Die Verbreitung gefälschter Waren behindert das Wirtschaftswachstum. Sie imitieren Produkte, kosten aber deutlich weniger als die Originale. Dadurch schädigen sie seriöse Unternehmen und erhöhen die Arbeitslosigkeit. Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich das jährliche Volumen des Handels mit gefälschten Waren auf weltweit mehr als 200 Milliarden € beläuft – eine Zahl, die dem Volumen des illegalen Drogenhandels entspricht. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – der Motor für neue Arbeitsplätze in Europa – sind besonders anfällig für Produktpiraterie, weil ihnen die Mittel fehlen, um Fälschungen zu vermeiden. Aus all diesen Gründen hat die Europäische Kommission die Kampagne „Stop Fakes“ gestartet. Sie soll die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen europäischen und nationalen Behörden fördern, um das Vorgehen gegen Produktfälschungen stärken.

U & I: Welche Waren sind von Fälschungen am stärksten betroffen?

Tajani: Fälschung betrifft eine Vielzahl von Branchen: Medizin, Mode, Lebensmittel, Kfz-Teile, elektrische Geräte, Kosmetika und Kinderspielzeug – um nur einige zu nennen. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Darum ist „Stop Fakes“ eine paneuropäische Aktion, die weder nationale noch branchenspezifische Grenzen kennt.

U & I: Welche Branchen sind für Fälschungen besonders anfällig?

Die Modeindustrie gehört zu den am stärksten gefährdeten Sektoren. Modeartikel machen 60 % der Fälschungsfälle aus, die von den EU-Zollbehörden aufgespürt wurden. Und die Folgewirkungen sind enorm. Mit seinen knapp 850.000 Unternehmen, die meisten davon KMU, ist dieser Industriezweig für 3 % des BIP der EU verantwortlich. Vom Design über Fertigung und Logistik bis hin zum Einzelhandel versorgt die Modeindustrie mehr als 5 Millionen Menschen mit Arbeit. Als weltweit führender Hersteller von Modeartikeln hat Europa durch Fälschungen am meisten zu verlieren.

U & I: Inwiefern sind gefälschte Produkte ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko?

Tajani: Zwar macht jeder gern ein Schnäppchen, doch sind Fälschungen schnell unbrauchbar oder defekt. Sie können ohne die nötige Rücksicht auf europäische Gesundheits- und Sicherheitsstandards hergestellt werden, so dass man ihnen einfach nicht trauen kann. 2011 waren 28,6 % der beschlagnahmten Artikel Produkte, die potenziell gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher sind. Im Vorjahr waren es noch 14,5 %. Ein besonders gefährliches Beispiel sind gefälschte Autoteile: Sie stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar – nicht nur für diejenigen, die sie kaufen, sondern für alle, die sich mit den betroffenen Fahrzeugen die Straße teilen müssen.

U & I: Welche Auswirkungen hat Fälschung auf Arbeitsplätze?

Tajani: Die Hersteller der Originalprodukte investieren auch in Forschung und Innovation. Gefälschte Produkte, die die Originale kopieren, verursachen sinkende Verkaufszahlen und Gewinne, was wiederum zu Arbeitsplatzverlusten führt. Fälscher umgehen auch die Zahlung von Steuern oder Sozialabgaben. Das verringert Staatseinnahmen, was letztlich die europäischen Steuerzahler zu spüren bekommen.

U & I: Wie hemmen gefälschte Waren Innovation?

Tajani: Jahrzehnt für Jahrzehnt ist die europäische Wirtschaft nach einem redlichen Prinzip gewachsen: Diejenigen, die etwas erschaffen oder erfinden, haben Anspruch auf den Schutz ihrer geistigen Eigentumsrechte. Einzelne und Unternehmen investieren nur dann ihre Zeit und ihr Geld in die Entwicklung neuer Produkte, wenn ein angemessener Schutz gewährleistet ist. Der Kampf gegen gefälschte Waren ist daher von grundlegender Bedeutung für die EU-Wirtschaft und ein wichtiger Erfolgsfaktor bei Forschung, Innovation und der Bereitstellung von Arbeitsplätzen.

U & I: Wer kann beim Kampf gegen Fälschung helfen?

Tajani: Die nationalen Behörden spielen eine Schlüsselrolle, um zu verhindern, dass gefälschte Waren in die EU gelangen. Mit ihnen arbeitet die Europäische Kommission an einer Reihe von Maßnahmen, um stärker gegen den Handel mit gefälschten Waren vorgehen zu können. Um die Marktüberwachung zu verbessern, schlug die Kommission im Februar 2013 einen mehrjährigen Plan und einen einheitlichen Rechtsrahmen vor, der die Kontrolle von Produkten im Binnenmarkt stärkt. Er ermöglicht es den Behörden, nicht konforme und gefährliche Produkte umgehend vom Markt zunehmen. Diese Verordnung wird direkt anwendbar und in allen Mitgliedstaaten verbindlich sein.

Kontakt

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/tajani/stop-fakes/index_de.htm

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