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Magazin Unternehmen & Industrie

Bausektor: Binnenmarkt macht es Unternehmen leicht

Alle Rechte vorbehalten © Justin Guariglia/Corbis

Andere Beschäftigungs-, Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen sowie unterschiedliche Baumaterialien und -produkte: Bauunternehmen, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat tätig werden wollen, müssen wissen, was im neuen Markt anders ist. Die EU-Kommission hat deshalb verschiedene Initiativen gestartet, um Betrieben bei diesen Schwierigkeiten zu helfen. So können Baufirmen in anderen EU-Staaten erfolgreich sein.

Bauindustrie und Bauprodukte sind wichtig für Europas wirtschaftlichen Wohlstand. Sie machen 9,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus und stellen 10 Prozent der Beschäftigten. Dennoch hat die Wirtschaftskrise dem Sektor heftig zugesetzt: In vielen EU-Staaten schnellte die Arbeitslosigkeit hoch, vor allem in Spanien, Irland und den baltischen Ländern. Der Umsatz im europäischen Bausektor sank zwischen dem ersten Quartal 2008 und dem zweiten Quartal 2011 um durchschnittlich 16 Prozent. Seitdem haben sich die Zahlen nur leicht erholt.

Die Europäische Kommission hat mehrere Programme aufgelegt, um den Sektor wieder auf die Beine zu bringen.

BauPVo: eine gemeinsame technische Sprache

In der Vergangenheit verhinderten Handelsbarrieren, dass der europäische Bausektor alle Möglichkeiten des Binnenmarktes voll ausschöpfen konnte. Die Bauproduktverordnung (BauPVo) wird jedoch den gesetzlichen Rahmen vereinfachen und die Branche beleben. Sie wurde 2011 verabschiedet und wird im Juli in Kraft treten.

Die BauPVo sieht eine „gemeinsame technische Sprache“ vor, mit deren Hilfe Hersteller die Leistung und Eigenschaften ihrer Produkte in der EU diskutieren können. Die Sprache basiert auf standardisierten Normen und ersetzt bisherige nationale technische Regelungen. Die erhöhte Markttransparenz nutzt Entwicklern, Bauherren und -unternehmern. Insbesondere Architekten haben es leichter, sich verlässlich über die verschiedenen Produkteigenschaften zu informieren, so dass ihre Sicherheitsvorkehrungen bei Bauvorhaben den Anforderungen des jeweiligen Landes entsprechen können.

CrIP: die „Bausuchmaschine“

Die europäische Bauinformationsplattform (Construction Information Platform, CrIP) hilft Bauunternehmen, vor allem kleinen und mittleren Firmen (KMU), neue Herausforderungen zu meistern sowie neue Arbeitsmethoden und innovative Ideen umzusetzen. CrIP funktioniert wie eine Web-Suchmaschine – allerdings findet sie ausschließlich branchenspezifische Dokumente, die offiziell auf EU-Websites veröffentlicht wurden.

CrIP wird in neun Sprachen angeboten und deckt ein breites Feld an baurelevanten Themen ab, inklusive Bildung, Energie, Umwelt, nachhaltiges Bauen, Besteuerung und viele mehr. Die Suchmaschine beinhaltet auch die Eurocodes – Standards, die im Bauwesen das Rückgrat des Binnenmarktes bilden (siehe unten).

EU-Maßnahmenplan für Niedrigenergiehäuser

Trotz ihrer wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile sind Niedrigenergiehäuser immer noch nur sehr begrenzt marktfähig. Deshalb fördert ein EU-Maßnahmenplan Niedrigenergiehäuser mit hohem CO2- und Kostensparpotenzial. Der Maßnahmenplan soll:

  • günstige Investitionsbedingungen fördern – speziell für die Sanierung und den Erhalt von Häusern und Infrastrukturen. Dazu gehören Maßnahmen wie Kreditgarantien oder Anreize im jeweiligen Mitgliedstaat (zum Beispiel ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz);
  • Innovationen vorantreiben, Arbeitsqualifikationen verbessern und Mobilität erhöhen, indem besser über Lehrpläne und den entsprechenden Bedarf von Arbeitnehmern und Arbeitgebern informiert wird;
  • Ressourceneffizienz und ökologische Leistung durch die gegenseitige Anerkennung von nachhaltigen Bausystemen in der EU verbessern;
  • einheitliche Designvorgaben für den Arbeitsalltag von Bauunternehmen entwickeln, um deren Arbeit in anderen Mitgliedstaaten zu erleichtern;
  • die globale Position europäischer Baufirmen stärken, um auch in Drittstaaten Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Standards zu gewährleisten.

Eurocodes sichern Binnenmarkt

Eurocodes, die technischen Standards in der Union, sind in ganz Europa Grundlage für das Design von Bauvorhaben. Vom Europäischen Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation, CEN) im Auftrag der Kommission entwickelt, gibt es eine Reihe von Eurocodes, die Normen für bestimmte technische Aspekte umfassen – zum Beispiel Feuer, Brückenkonstruktion, Sicherheit, Zweckdienlichkeit, Robustheit, Langlebigkeit oder Erdbebeneinwirkungen.

Eurocodes bilden ein gemeinsames technisches Regelwerk für das Designvon Bauvorhaben in allen Mitgliedstaaten. Das System beinhaltet aber auch nationale Parameter, die den unterschiedlichen geografischen, geologischen oder klimatischen Bedingungen Rechnung tragen, so dass die Mitgliedsländer über gewisse Bereiche des Bauprozesses bestimmen können. Diese Parameter sind in den Nationalen Anhängen der Eurocodes enthalten.

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