Navigationsleiste

Weitere Extras

Magazin Unternehmen & Industrie

Mode: Kreativität trifft Produktivität

Alle Rechte vorbehalten © Africa Studio/Shutterstock

Die europäische Modebranche steht für mehr als nur die neuesten Trends. Mit ihren Verkaufspunkten, ihren Herstellern und weiteren Gliedern der Lieferkette repräsentiert sie Hunderttausende von Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen. Um sicherzustellen, dass dieser Industriezweig weiterhin erfolgreich ist, unternimmt die Europäische Kommission die erforderlichen Maßnahmen: Sie beseitigt Handelsschranken, schützt das geistige Eigentum und erleichtert den Eintritt in internationale Märkte.

Mit 850.000 Unternehmen und fünf Millionen Arbeitsplätzen – die drei Millionen Jobs in der Lieferkette sind hierbei noch nicht einmal eingerechnet – ist die europäische Modeindustrie ein wesentlicher Teil der Wirtschaft. Vom Design über die Produktion bis hin zum Vertrieb und Einzelhandel bildet sie eine komplexe und stark vernetzte Wertschöpfungskette. Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, erklärt: „Die europäische Modeindustrie braucht angemessene Bedingungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Möglichkeiten zu nutzen, die beispielsweise eine verstärkte Internationalisierung bietet. Die Kommission ist entschlossen, genau dafür zu sorgen.“

Ein komplexer, kreativer Sektor

Die Modebranche verbindet Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Innovation, Altes und Neues. Hier geht es um Handwerk und Fertigungskompetenz, aber auch um moderne Technologien und erfolgreiche Geschäftsmodelle. Darüber hinaus gilt es, ständig wechselnde Modetrends zu beachten und jedes Jahr verschiedene neue Kollektionen zu erstellen.

Der Einfluss und die Spill-over-Effekte der Modebranche auf andere Sektoren, wie die Tourismus- und Medienbranche, sind unbestritten. Daher ist es nicht nur für Modebegeisterte, sondern auch für die wirtschaftliche Stabilität in ganz Europa entscheidend, in diesem Bereich Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten sowie das Wachstum zu fördern.

Wettbewerbsfähigkeit stärken, Herausforderungen angehen

Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage stehen EU-Unternehmen in der Modebranche jedoch vor extremen Herausforderungen. Dies liegt zum Teil am erhöhten Wettbewerb und an unterbewerteten Währungen. Zudem verhindern bestehende Handels- und Investitionsbarrieren in Drittländern, dass europäische Produkte neue Märkte und Vertriebsnetze erreichen. Gleiche Wettbewerbsbedingungen im internationalen Handel zu gewährleisten, hat deshalb für die Kommission Priorität: Sie arbeitet daran, protektionistische Handelsvorschriften zu verhindern und Maßnahmen zu beseitigen, die ausländische Investitionen ersticken.

Eine weitere Herausforderung betrifft die Rechte an geistigem Eigentum (intellectual property rights, IPR), da die zunehmende Digitalisierung des Marktes Verstöße auf diesem Gebiet begünstigt. IPR-Verletzungen sind eine ernsthafte Bedrohung für die EU-Wirtschaft, vor allem in der Modebranche, in der die Kreativität im Zentrum des Produktionsprozesses steht. Das Problem wird dadurch verschärft, dass den KMU häufig das nötige Wissen und die Mittel fehlen, um ihre Rechte zu schützen.

Dieses Problem geht die Kommission an, indem sie derzeit auf europäischer und internationaler Ebene neue Maßnahmen auslotet. Hierzu zählt die Verknüpfung verschiedener IPR-Unterstützungsmechanismen, wie des KMU-Zentrums der EU und des China-KMU-Helpdesks für IPR (China IPR SME Helpdesk). Für einen besseren Informationsaustausch über Fälschung und Piraterie wird das Programm COPIS (antiCOunterfeit and antiPiracy Information System) entwickelt, das sich allen zollrelevanten Belangen bezüglich IPR widmet.

Europa muss in Kreativität investieren

Der Abwärtstrend in der Fertigungsindustrie stellt ebenfalls eine Herausforderung dar, da er einen Mangel an jungen Fachkräften verursacht. Dies könnte auf lange Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der Modebranche schwächen.

Darum hat die Kommission mehrere Initiativen in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Kompetenzen ins Leben gerufen, darunter das Programm Europäische Fähigkeiten, Kompetenzen und Berufe, ESCO (European Skills, Competences and Occupations), und branchenspezifische Kompetenzgremien (Sektor Skills Council, SSC). Zudem könnten Initiativen Jugendliche für Karrieremöglichkeiten in der Modebranche sensibilisieren.

Da die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in diesem Sektor KMU sind, fördert die Kommission die Einführung neuer Geschäftsmodelle und die kommerzielle Nutzung kreativer Ideen durch das künftige Programm für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und KMU, COSME (Programme for the Competitiveness of enterprises and SMEs). Das WORTH-Pilotprojekt, das im Jahr 2013 startet, fördert marktorientierte Unterstützungs- und Beratungsangebote für kleine Hersteller und Handwerker, damit sie in Zusammenarbeit mit Designern neue, kreative Produkte und Dienstleistungen entwickeln können.

Darüber hinaus wird die Kommission den bestehenden Europa-Mittelmeer-Dialog intensivieren, um gleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem internationalen Markt und gemeinsame Strategien für die Industrie zu schaffen.

Dank der EU-China Standardisation Information Platform (CESIP) sind Normen und ähnliche technische Regelungen besser zugänglich für Unternehmen, insbesondere KMU. Angesichts der großen Anzahl von Normen in der Modeindustrie wäre es eine wirksame politische Option, die Plattform um diese Branche zu erweitern.

Weiterempfehlen: FacebookGoogle+LinkedInSeite versenden