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EU will Industrieanteil in Europa auf 20 % erhöhen

Alle Rechte vorbehalten © Pavel L Photo and Video/Shutterstock

Um der Wirtschaft in Europa zu neuem Wachstum zu verhelfen, muss stärker auf die Realwirtschaft gesetzt werden. Mit einem detaillierten Maßnahmenplan setzt die EU deshalb alles daran, dem derzeitigen Abwärtstrend entgegenzusteuern und gleichzeitig die Industrialisierung Europas zu stärken. Derzeit trägt die Industrie mit knapp 16 % zum BIP bei. Bis zum Jahr 2020 will die EU diesen Anteil auf 20 % steigern.

Der Begriff „industrielle Revolution“, die Beschreibung des industriellen Siegeszuges im 19. Jahrhundert, muss heute neu gedeutet werden. Denn Europa setzt mit einem Maßnahmenplan auf die Stärkung der Industrie und damit quasi auf eine „Reindustrialisierung“. Hauptziel ist es, dass die Wirtschaft in Europa wieder wächst, und dies ressourceneffizient und nachhaltig. Entfallen derzeit auf den Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) knapp 16 %, soll dieser bis 2020 auf 20 % steigen.

Die europäische Wirtschaft ist ausgezeichnet aufgestellt, um diese Rolle zu übernehmen: Europa ist in den wichtigen Branchen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau, Chemie und Pharma besonders stark. Auf die Industrie entfallen immer noch 80 % der EU-Exporte, und 80 % der industriell getätigten privatwirtschaftlichen Investitionen gehen in Forschung und Entwicklung. So aufgestellt, wird wieder investiert werden, sobald Vertrauen und Zuversicht zurückkommen.

„Wir können nicht weiter zulassen, dass die Industrie aus Europa abwandert“, unterstrich der Vize-Präsident der Europäischen Kommission, Antonio Tajani, Kommissar für Industrie und Unternehmertum. „Unsere Zahlen sind eindeutig: Die europäische Industrie kann Wachstum und Arbeitsplätze schaffen. Darum haben wir deutlich gemacht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit wir in Europa auf eine nachhaltige Industrie bauen können, in der die notwendigen Investitionen in neue Technologien getätigt werden und wieder ein Klima der Zuversicht und des Unternehmergeists herrscht. Wenn wir zusammenarbeiten und das Vertrauen wiederherstellen, können wir die Industrie zurück in die EU bringen.“

Wachstumsbranchen nutzen

Erstens soll Europa stärker auf den boomenden Umweltsektor setzen. Dazu sollen die Mitgliedstaaten unterstützt werden, die notwendigen Anpassungen bei Nachhaltigkeit und Ressourcennutzung vorzunehmen. So beläuft sich zum Beispiel der globale Markt für umweltfreundliche Produktionstechnologien auf 380 Mrd. Euro und wird sich bis 2020 auf 765 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Einige Verfahren, wie die automatische Abfalltrennung, werden noch stärker wachsen.

Um auf den wichtigen, weltweiten Märkten erfolgreich zu sein, erfordert zweitens die industrielle Neuorientierung eine solide Basis in Europa. Mit einem Maßnahmenpaket könnte die Produktivität gesteigert und die Einführung neuer Technologien erleichtert werden.

Auf dem europäischen Binnenmarkt liegt der Handel mit Gütern knapp unter 21 % des BIP, könnte aber bis 2020 infolge eines Wirtschaftsaufschwungs auf 25 % anwachsen. Um dies zu unterstützen, wird die EU den Binnenmarkt vereinfachen und die derzeitige Rahmengesetzgebung auf der Basis von Richtlinien durch direkt anzuwendende EU-Verordnungen ersetzen. Diese werden die noch existierenden Handelshemmnisse im Binnenmarkt reduzieren. Außerdem will die Kommission den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern, der seit der Krise im Jahr 2008 erschwert ist.

Hatten die Bruttoanlageinvestitionen 2007 noch einen Anteil von 21,25 % am BIP, so ist dieser Anteil im Jahr 2011 auf 18,6 % gefallen. Die EU wird alles daran setzen, diese Zahlen bis 2020 auf 23 % steigen zu lassen. Der Anteil der Investitionen für betriebliche Ausrüstungen am BIP beträgt derzeit 6 bis 7 % und soll bis 2020 auf 9 % anwachsen.

Digitale Agenda setzt Zeichen

Um die technologische Entwicklung voranzutreiben, hat die Kommission eine „Digitale Agenda“ für Europa entwickelt. Ein Ziel dieses Programms ist es, noch mehr kleineren Unternehmen den Zugriff zu grenzüberschreitendem E-Commerce zu ermöglichen. Für den digitalen Binnenmarkt erwartet die EU ein jährliches Wachstum von 10 % bis 2016. Zur Unterstützung dieses Prozesses soll z. B. das Recht am geistigen Eigentum für KMU besser geschützt werden, so dass sich finanzielle Investitionen für Investoren und Unternehmer besser lohnen und somit zur „Reindustrialisierung“ beitragen.

Außerdem wird die EU die europäische Industrie mit der Entwicklung neuer Güter, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle umgestalten, die noch vor Jahrhunderten als Science Fiction gegolten hätten. So werden heute dreidimensionale Druckverfahren für die Produktion von Kunststoff- und Metallteilen in der Automobilwirtschaft, Raumfahrt und bei Konsumgütern eingesetzt. Bei dieser modernen Verfahrenstechnik – die Rohstoffe und Energie einspart – werden aus flüssigen oder pulverförmigen Werkstoffen computergesteuert per Laser- oder Elektronenstrahlen dreidimensionale Produkte hergestellt.

Ein weiterer Eckpfeiler der neuen industriellen Revolution sind Schlüsseltechnologien (KET), die ihre Vorteile in verschiedenen Einsatzgebieten zeigen. Ob korrosionsbeständige Nanomaterialien für Brücken oder hitzebeständige Materialien für Flugzeuge – dank KET kann in Europa wieder der richtige Nährboden für Produktionsprozesse bereitet werden, die sonst außerhalb der EU stattfinden würden.

Europa wird richtungsweisend

Die neue industrielle Revolution bietet Europa enorme Möglichkeiten: umweltfreundlichere Produktionswege sowie ein neuer Wachstumsschub. Die „Reindustrialisierung“ in Europa wird ressourcenfreundlicher und energieeffizienter sein. Dies senkt auch die Herstellungskosten, so dass Europa ein günstigerer Investitionsstandort für Industriebetriebe wird. Gleichzeitig werden die Verbraucher in der EU entlastet und die europäischen Exporte auf dem Weltmarkt gestärkt. Zweifellos wird sich die neue industrielle Revolution erheblich von der ersten unterscheiden. Aber ein Merkmal hat sich nicht verändert: Erneut gibt Europa die Richtung vor.