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Magazin Unternehmen & Industrie

Die industrielle Leistungsfähigkeit der EU-Mitgliedstaaten im Vergleich

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Die Europäische Kommission hat ihren jährlichen Bericht zur industriellen Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten veröffentlicht. Anhand fünf unterschiedlicher Kriterien analysiert er die wirtschaftliche Situation der einzelnen Länder mit ihren Stärken und Schwächen. Daraus leitet er Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung ab.

Trotz anhaltender Nachwirkungen der globalen Wirtschaftskrise machen die europäischen Mitgliedstaaten Fortschritte, was Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit im industriellen Sektor angeht. Sie haben Reformen umgesetzt, die das Wachstum stärken und Arbeitsplätze schaffen, und beschleunigen so den Übergang zu einer wissensbasierten Wirtschaft.

Nichtsdestotrotz liegt noch ein langer Weg vor ihnen. In ihrem Bemühen, Reformen und politische Lernprozesse zu fördern, veröffentlicht die Europäische Kommission deshalb jährlich einen Bericht zur industriellen Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten. Er betrachtet fünf Schlüsselbereiche – Industrieproduktivität, Ausfuhrleistung, Innovation und Nachhaltigkeit, Unternehmensumfeld und Infrastruktur sowie Finanzierung und Investitionen.

Auf Grundlage dieser Schlüsselindikatoren teilt der Bericht die Mitgliedstaaten in drei Hauptgruppen ein: Erstens, die Gruppe der anhaltend leistungsstarken Mitgliedstaatenpdf Übersetzung für diesen Link wählen , deren Industrien durch technologisch fortschrittliche Firmen und hoch qualifizierte Arbeitskräfte gekennzeichnet sind. Zweitens, die Gruppe der „Mitgliedstaaten mit unausgeglichener Leistung“. Sie sind in einigen Bereichen sehr leistungsstark, haben in anderen aber Nachholbedarf. Drittens, die Gruppe der „aufholenden Mitgliedstaaten“, deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt ist, da Innovationskapazität und Wissenstransfer ein geringes Niveau aufweisen.

Wie schneiden die EU-Mitgliedstaaten ab?

Die „anhaltend leistungsstarken Mitgliedstaaten“


Zu dieser Gruppe gehören Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Österreich, Irland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Belgien und Frankreich. Ihre Forschungs- und Innovationssysteme weisen mit Blick auf mehrere Indikatoren gute Ergebnisse auf. Trotzdem besteht in all diesen Ländern noch Verbesserungspotenzial.

Zum Beispiel hat die Krise Deutschlands Wirtschaft weniger geschwächt als anfangs angenommen. Das liegt an der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, der Exportorientierung, dem stabilen Arbeitsmarkt, dem Ausbleiben einer Kreditkrise und dem günstigen wirtschaftlichen Umfeld. Deutschland ist einer der Innovationsführer in der EU. Die Rahmenbedingungen begünstigen Forschung und Fortschritt. Dennoch sieht sich das Land Herausforderungen ausgesetzt. So muss es etwa einem generellen Fachkräftemangel entgegenwirken und die adäquate Umsetzung seiner neuen Energiestrategie sicherstellen.

Die „Mitgliedstaaten mit unausgeglichener Leistung“


Zu dieser Gruppe gehören Estland, Slowenien, Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Malta, Zypern und Luxemburg. Bei einigen Kriterien ist ihre Leistungsfähigkeit gut, bei anderen hingegen liegt sie unter dem Durchschnitt. Die meisten dieser Länder haben nur ein relativ schwach ausgebildetes Forschungs- und Entwicklungssystem. Zudem sorgen unzureichende wirtschaftliche Rahmenbedingungen für erhebliche Einschränkungen. Dennoch gibt es in jedem Land Beispiele für innovative, international erfolgreiche Unternehmen bzw. Unternehmenscluster.

In Italien hatte die Wirtschaftskrise beispielsweise extrem negative Auswirkungen auf die Industrie. Erfolgreicher war das Land bei seinen Bemühungen, das wirtschaftliche Umfeld zu verbessern und den Dienstleistungssektor für den Wettbewerb zu öffnen. Nachholbedarf an strukturellen Reformen, um die Produktivität zu steigern, besteht jedoch weiterhin. In dieser Hinsicht liegen die wesentlichen Aufgaben in der Förderung von Innovation und des Zugangs zu Finanzmitteln, vor allem für KMU.

Die „aufholenden Mitgliedstaaten“


Zu dieser Gruppe zählen Bulgarien, Rumänien, die Tschechische Republik, Polen, Ungarn, die Slowakei, Lettland und Litauen. Sie sind zwar in einigen Bereichen relativ stark. Auch gibt es deutliche Anzeichen für einen Aufholprozess. Jedoch bietet die Wirtschaft jedes Landes dieser Gruppe beträchtlichen Raum für Verbesserungen.

In Polen beispielsweise sind die Unternehmen aufgrund der starken Binnennachfrage und guten Exportleistung vergleichsweise unbeschadet durch die Krise gekommen. Das Land konnte eine Kreditknappheit vermeiden, und der Zugang zu Finanzierungen stellt kein wesentliches Problem dar. Dennoch wird das jetzige Wachstumsmodell ohne strukturelle Reformen nicht nachhaltig sein. Der schwachen Innovationsleistung der Unternehmen muss mit stärkeren strategischen Verknüpfungen der Industrie-, Bildungs- und Innovationspolitik begegnet werden. Bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellen vor allem die hohen Verwaltungskosten, der langsame Gesetzgebungsprozess und allgemein die unsichere Gesetzgebung immer noch große Herausforderungen dar. Trotz der schrittweisen Modernisierung bleibt die unterentwickelte Transportinfrastruktur weiterhin ein wesentliches Hindernis für das Wachstum der Industrie.

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