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Galileo: alles nach Plan

Image: All rights reserved: © OHB System AG

Der Start der beiden ersten Galileo-IOV-Testsatelliten (In-Orbit Validation) am 21. Oktober 2011 war für das globale Satellitennavigationssystem (GNSS) der Europäischen Union ein denkwürdiger Tag, und dieses  Projekt wird weitere wichtige Meilensteine erreichen. Während die Europäische GNSS-Aufsichtsbehörde ihren Hauptsitz noch nach Prag verlegen wird, wurden bereits im Februar in London in Anwesenheit von Vizepräsident Tajani neue Verträge für Satelliten und Abschussrampen unterzeichnet, die gewährleisten sollen, dass Galileo auf gutem Wege ist, den Zeitplan zur Lieferung seiner ersten Dienste im Jahre 2014 einzuhalten. Die potenziellen Vorteile für die europäische Industrie und die Wirtschaft insgesamt sind immens.

Mit der Unterzeichnung von drei neuen Wirtschaftsverträgen bestellte die Europäische Kommission Anfang 2012 weitere acht Satelliten und sicherte den Start dieser Satelliten inklusive der Anpassung der Ariane-5-Rakete. Durch das vierte Abkommen, eine Standortvereinbarung mit der tschechischen Regierung, wird die GSA mit einem neuen Hauptsitz ausgestattet.

Damit wird der Kurs auf das Ziel der Europäischen Kommission, den Bürgern und Unternehmen in der EU 2014 Zugang zu den Vorzügen des neuen Satellitennavigationssystems zu gewähren, eingehalten.

Umzug der Satelliten-Agentur der EU nach Prag

Nach fast fünf Jahren in Brüssel ist die Europäische GNSS-Agentur die erste EU-Aufsichtsbehörde, die ihren Hauptsitz in die Tschechische Republik verlegt. Im September wird das GSA-Team in der ehemaligen Tschechischen Konsolidierungsagentur in Prag, das als die „Goldene Stadt“ bekannt ist, seine Arbeit aufnehmen.

Die tschechische Regierung ist nicht nur ein großer Befürworter der Agentur und des GNSS. Das Land ist auch der osteuropäische Vorreiter bei der Anwendung des GNSS in der Landwirtschaft und verfügt außerdem über eine hochmoderne Luftfahrtindustrie. Die Agentur wird das Gebäude mit der Tschechischen Raumfahrtbehörde teilen.

Marktchancen für die europäische Industrie

Pavel DobeŇ°, der Verkehrsminister der Tschechischen Republik, und Carlo des Dorides, der leitende Direktor der GSA, unterzeichneten die Standortvereinbarung am 27. Januar, dem zweiten Tag des 6. Galileo Applications Congress in Prag.

Satellitennavigationsexperten und Interessenvertreter aus der ganzen Welt kamen zusammen, um die Vorzüge und Chancen dieses ehrgeizigen EU-Projekts zu diskutieren.  „Dies ist ein guter Zeitpunkt zur Bestandsaufnahme der bisherigen und zukünftigen Entwicklung von Galileo“, stellte des Dorides in seiner Eröffnungsrede fest. „Unser Blick ist auf die Zukunft und die erweiterten Aufgaben unserer Agentur gerichtet.“

Die GSA umfasst sieben Abteilungen einschließlich Sicherheit und Marktentwicklung. Während die Europäische Kommission die politischen Ziele der GSA festlegt, stellt die Europäische Raumfahrtagentur das ingenieurwissenschaftliche Know-how zur Verfügung. So kann die GSA ein reibungsloses Funktionieren des Satellitensystems gewährleisten und sich auf die Vermarktung konzentrieren. Hierbei ist es äußerst wichtig, den potenziellen Nutzern die große Bandbreite an Diensten und Anwendungsmöglichkeiten, die Galileo ermöglichen wird, zu verdeutlichen, damit die europäische Wirtschaft alle Vorzüge des Systems nutzen kann.

Erste Dienste 2014

Die GSA garantiert die Sicherheitsakkreditierung von Galileo und auch, dass die beiden Sicherheitsüberwachungszentren bis 2014 betriebsbereit sein werden. Es wird erwartet, dass die Dienste dank der drei neuen Lieferverträge pünktlich 2014 ihren Betrieb aufnehmen:

  • Die Europäische Kommission vergab einen Vertrag in Höhe von 250 Millionen Euro an die deutsche OHB System AG, um weitere acht Satelliten für das Galileo-System zu bauen. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen aus Bremen bereits die Ausschreibung für den Bau von 14 Satelliten im Wert von 566 Millionen Euro gewonnen.
  • Außerdem nahm die Europäische Kommission das Know-how der europäischen Industrie in Anspruch und sicherte sich eine Buchungsoption für drei Satellitenstarts mit einer Ariane-5-Rakete. Das Flaggschiff des französischen Raumfahrtunternehmens wird adaptiert, damit es gleichzeitig vier Galileo-Satelliten ins All befördern kann.
  • Die Anpassung wird von Astrium SAS, einer Tochtergesellschaft der European-Aeronautic-Defence-and-Space-Company (EADS), vorgenommen, mit der die Kommission einen weiteren Vertrag in Höhe von ungefähr 30 Millionen Euro unterzeichnet hat. Derzeit werden Galileo-Satelliten von russischen Sojus-Raketen paarweise ins All geschossen.

Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und verantwortlich für Industrie und Unternehmertum, erklärte: „Die heutigen Vertragsabschlüsse bedeuten für Galileo, dass die Fortsetzung des Programms im Zeitplan liegt und im Budget bleibt. Ich bin stolz darauf, dass wir die Auslieferung der Satelliten und Abschussrampen beschleunigen konnten. Das bedeutet, dass die Europäer in der Lage sein werden, die Chancen der erweiterten Satellitennavigation, die Galileo bietet, im Jahre 2014 nutzen können.“

Ermutigende Ergebnisse

Unterdessen haben die beiden Satelliten im All ihre Funktionsfähigkeit durch das Senden von Testsignalen an die Bodenstation der Europäischen Raumfahrtagentur in Redu, Belgien, unter Beweis gestellt.

Wie von der ESA bestätigt wurde, verläuft der Betrieb der seit Oktober im All befindlichen IOV-Testsatelliten äußerst gut. Derzeit durchlaufen sie ein umfangreiches Testprogramm, um alle Systeme und die Nutzlast zu überprüfen, und die bisherigen Ergebnisse liegen über den Erwartungen.

Die Tests sind Teil der ersten IOV-Testphase des Galileo-Programms, in der vier Satelliten einschließlich ihrer Infrastruktur überprüft werden. In diesem Sommer werden zwei weitere IOV-Satelliten mit den Namen Natalia und Thijs (siehe Kasten) gestartet, um sich den beiden im All befindlichen anzuschließen. Dies bildet die Grundlage für die nächste Phase namens IOC (Initial Operational Capability – „Erste Einsatzfähigkeit“), die laut Zeitplan 2014 mit einer Anfangskonstellation von 18 Satelliten abgeschlossen sein wird. Diese sollen den europäischen Bürgern und Unternehmen drei innovative Navigationsdienste anbieten.

Lebensrettung für die Bürger

Während der kostenlose offene Dienst für die allgemeine Öffentlichkeit vorgesehen ist, werden die verschlüsselten Signale des öffentlich regulierten Dienstes (PRS) auf den Zugriff durch Leitzentralen wichtiger Infrastrukturanbieter wie Rettungsdienste, Polizei und Grenzschutz beschränkt.

Galileo wird mit seinen Such- und Rettungsdiensten einen Beitrag für das MEOSAR-Projekt innerhalb von COSPAS-SARSAT leisten. Aufgrund einer einzigartigen Eigenschaft von Galileo können Signalgeräte an Bord eines Schiffes oder Flugzeugs nach der Abgabe eines Notsignals eine Bestätigungsnachricht empfangen.

Bis 2020 wird die ursprüngliche Konstellation um zwölf weitere Satelliten erweitert worden sein. Zudem werden bis dahin auch zwei weitere Dienste angeboten: ein gebührenpflichtiger, kommerzieller Dienst mit größtmöglicher Präzision sowie ein Rettungsdienst für die Luftfahrt.

Es gibt keine Grenzen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Europas eigenem GNSS werden gewaltig sein. Verschiedene unabhängige Studien sagen voraus, dass das System der europäischen Wirtschaft in den ersten 20 Betriebsjahren etwa 90 Milliarden Euro einbringen wird.

Marina Martinez vom spanischen Amt für Wissenschaft und Technologie hebt das Potenzial des Programms hervor, „Arbeitsplätze und Geschäftspotenzial für Unternehmen verschiedener Größenordnungen sowie Spin-offs in anderen Sektoren und Bereichen zu schaffen.“ Im Transportbereich werden Pendler und Transportunternehmer dank der erhöhten Genauigkeit erheblich profitieren.

Nach Ansicht von Gard Ueland, des Präsidenten der Non-Profit-Organisation Galileo Services, muss die EU eine notwendige Bedingung erfüllen, damit das gesamte wirtschaftliche Potenzial von Galileo zum Tragen kommt: „Galileo ist eine fantastische Wachstumschance für Europa. Der Schlüssel zur Freisetzung dieses Potenzials liegt darin, auch die nachgelagerten, unteren Ebenen der Industrie für GNSS-Anwendungen zu entwickeln.“

Dank hoher Erträge und der Bereitstellung wichtiger Dienste gibt es unzählige Möglichkeiten und zweifellos keine Grenzen.

Galileo – als Inspiration für Kinder

Der Galileo-Malwettbewerb für Kinder wurde von der Europäischen Kommission in allen 27 Mitgliedsländern veranstaltet, um die Verbundenheit mit dem Galileo-Programm und das Interesse von Kindern an Aktivitäten im Weltall zu fördern. Kinder mit den Geburtsjahren 2000, 2001 oder 2002 konnten teilnehmen und eine künstlerische Arbeit zum Thema „Weltraum und Raumfahrt“ einreichen.

In jedem Mitgliedsland wählte eine Jury Gewinner aus, deren Namen die Galileo-Satelliten tragen werden. Der Wettbewerb begann in Belgien und Bulgarien, weshalb die ersten beiden Satelliten, die im Oktober 2011 ins All geschossen wurden, die Vornamen der jeweiligen Gewinner, Thijs Paeleman und Natalia Nikolaeva, tragen.

In Slowenien wählte die Jury die zehnjährige Tara Keber zur Gesamtsiegerin des Wettbewerbs, und auf Zypern gewann Adrianna Yiallourou. Die elfjährige Milena Kaznatsejeva gewann den Wettbewerb in Estland, während Tijmen van Kraaijs Bild die holländische Jury überzeugte.

Ein Satellit, der nach Anastasia Panagiotakopoulou benannt wurde, wird Griechenland im Orbit repräsentieren. Doresa Demaj zeichnet verantwortlich für den deutschen Beitrag zur Namensgebung der Satelliten. Bis Ende März werden alle Gewinner der verbleibenden EU-Mitgliedstaaten bekannt gegeben.

Kontakt

Referate "EU-Satellitennavigationsprogrammes"
Generaldirektion für Unternehmen und Industrie

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