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Magazin Unternehmen & Industrie

Eine europäische Rohstoffstrategie

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Rohstoffe spielen für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit eine bedeutende Rolle. Dazu zählen auch Branchen, die sich mit der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien wie Elektroautos und Photovoltaik befassen. Auf der Grundlage früherer Initiativen hat die Europäische Kommission Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen der Zugang der Europäischen Union zu Rohstoffen im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit sowie die sozialen und ökologischen Dimensionen verbessert werden soll.

Roh- und Grundstoffe sind ein Lebensnerv der europäischen Industrie, deren Preise und Verfügbarkeit jedoch von zunehmender Volatilität und Unsicherheit gekennzeichnet sind. Dies kann zu großen Schwankungen bei den Produktionskosten und somit auch zu einem Anstieg der Verbraucherpreise führen.

Dies geschieht zu einer Zeit, in der die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie auf dem Weltmarkt vor wachsenden Herausforderungen steht. Tatsächlich ist diese Volatilität auch auf sich verändernde globale Angebots- und Nachfragestrukturen von Primärrohstoffen zurückzuführen, was sich in der stark gestiegenen Nachfrage aufstrebender Wirtschaftsmächte wie China widerspiegelt. China hat sich weltweit bereits zum größten Abnehmer von Metallen entwickelt. Da fast 14 % der EU-Arbeitsplätze (30 Millionen) in Unternehmen zu finden sind, die von mineralischen Rohstoffen abhängig sind, gibt es keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit.

Zudem scheint diese Herausforderung auch in Zukunft weiter zu bestehen. In einem von der EU unterstützten Expertenbericht, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, wird die Versorgungssicherheit bei 14 von insgesamt 41 analysierten Mineralien und Metallen als „kritisch“ eingestuft.

Um den Herausforderungen im Bereich der Rohstoffversorgung zu begegnen, hat die Europäische Kommission kürzlich in einer Mitteilungpdf Übersetzung für diesen Link wählen  eine Reihe strategischer Maßnahmen umrissen, die sicherstellen sollen, dass die europäische Industrie auch künftig über einen zuverlässigen und dauerhaften Zugang zu Ressourcen verfügt. Was die Rohstoffe anbelangt, enthält dieser strategische Ansatz folgende Kernelemente:

  • regelmäßige Aktualisierung der Liste der von der Europäischen Kommission bereits ermittelten 14 kritischen Rohstoffe (siehe unten);
  • Beobachtung der Entwicklung des Zugangs zu kritischen Rohstoffen, um prioritäre Maßnahmen festzulegen;
  • Stärkung der EU-Handelsstrategie für Rohstoffe und Verfolgung einer „Rohstoffdiplomatie“;
  • Entwicklung einer bilateralen Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern im Bereich Rohstoffe auf der Grundlage der Förderung von verantwortungsvollem Regieren, Investitionen, geologischen Kenntnissen und Fähigkeiten;
  • Verbesserung des Rechtsrahmens für die nachhaltige Rohstoffgewinnung in der EU;
  • Steigerung der Ressourceneffizienz und Förderung von Recycling;
  • weitere Förderung von Forschung und Innovation für die gesamte Rohstoff-Wertschöpfungskette, von Gewinnung und Verarbeitung über Recycling und Ressourceneffizienz bis hin zu Substitution.

In der neuen Mitteilung wurde außerdem ein ehrgeiziges Programm vorgestellt, das der Stärkung von Integrität und Transparenz auf den Märkten für Rohstoffderivate dienen soll.

Für nachhaltiges und integratives Wachstum

Die Strategie „Europa 2020“ stellt die Gesamtkonzeption der Union für das kommende Jahrzehnt zur Förderung eines intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums durch sieben Leitinitiativen dar. In zwei der Leitinitiativen – „Eine integrierte Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung“ und „Ressourcenschonendes Europa“ – in denen Rohstoffe eine wichtige Rolle spielen, werden sich gegenseitig verstärkende Maßnahmen miteinander verknüpft, um die wichtigsten Ziele zu erreichen.

Entsprechend diesem strategischen Rahmen baut die jüngste Mitteilung über Grund- und Rohstoffe auf den Ergebnissen der 2008 von der Europäischen Kommission initiierten Rohstoffinitiative auf und entwickelt sie weiter. Mit ihr sollte sichergestellt werden, dass europäische Unternehmen und Branchen gegenüber ressourcenreichen Ländern keine Wettbewerbsnachteile erleiden. Die durch die Initiative in drei Bereichen festgelegten Maßnahmen sind bestätigt und in „Europa 2020“ integriert worden: Sicherung des fairen Zugangs zu Rohstoffen außerhalb Europas, Verbesserung der Abbaubedingungen in Europa und Förderung von Recycling und Ressourceneffizienz.

Da die jüngsten Preisentwicklungen auf den Rohstoffmärkten zeigen, dass zwischen den Derivatemärkten und den physischen Märkten vielfach ein Zusammenhang besteht, enthält das Dokument damit zudem ein integriertes strategisches Konzept für Grund- und Rohstoffe.

„Um eine sichere Rohstoffversorgung für die europäische Industrie in den nächsten Jahren zu gewährleisten, müssen wir unsere Rohstoffpolitik mit den Reformen im Bereich der Finanzmärkte verbinden.“, erklärte der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso. „Ein besseres Verständnis der Synergien zwischen diesen beiden Bereichen wird nicht nur sicherstellen, dass Angebot und Nachfrage an Grund- und Rohstoffen ressourcenschonend in Deckung gebracht werden, sondern auch zu nachhaltigem Wachstum in der Europäischen Union beitragen.“

Diplomatie für Rohstoffe

Europa braucht einen dauerhaften Zugang zu Rohstoffen aus Drittländern, verfolgt dabei jedoch einen Kurs, der beiden Seiten gerecht werden soll und von dem beide Seiten profitieren. Erreichen lässt sich dies durch eine Vorgehensweise, die von der Europäischen Kommission als „Rohstoffdiplomatie“ bezeichnet wird und die sich durch Förderung von verantwortungsvoller Staatsführung, Menschenrechten, Konfliktlösungen, Nichtweiterverbreitung und regionaler Stabilität in ressourcenreichen Ländern auszeichnet.

Zu diesem Zweck sind bereits im Rahmen der Rohstoffinitiative Maßnahmen eingeleitet worden. So haben sich etwa die Kommission der Afrikanischen Union und die Europäische Kommission auf eine Zusammenarbeit in den Bereichen verantwortungsvolles Regieren, Infrastruktur sowie geologische Kenntnisse und Fähigkeiten verständigt. Afrika verfügt zwar über ein großes, aber noch nicht voll entwickeltes Potenzial. Während der im Januar 2010 geführten Gespräche in Addis Abeba wies Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum, darauf hin, dass er zahlreiche Synergien zwischen der EU-Rohstoffinitiative im Hinblick auf die Entwicklungszusammenarbeit und der „Africa Mining Vision“ in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung sehe.

Die EU hat im Rahmen des 10. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) zu einer verantwortungsvolleren Regierungsführung ermutigt, während der Treuhandfonds für die Infrastrukturpartnerschaft EU-Afrika geologische Untersuchungen finanziert hat, damit sich ressourcenreiche Länder ihres Reichtums an Bodenschätzen bewusst werden können. Die EU hilft auch bei der Schaffung solider Investitionsbedingungen durch Finanzierung von Projekten, die zur Einnahmentransparenz in der mineralgewinnenden Industrie beitragen.

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