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02/02/2015

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Magazin Unternehmen & Industrie

Innovative Holz- und Forstwirtschaft im Aufwind

Photo: All rights reserved © Vladimir Melnikov - Fotolia.com

Um die internationale Führungsrolle der EU in vielen Bereichen der holzverarbeitenden Industrie und deren hohe Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, sind innovative Lösungen erforderlich. Die Europäische Kommission unterstützt den Sektor dabei, seine Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit weiter auszubauen. Besonderes Interesse gilt dabei Bioraffinerien, da sie zur Entwicklung neuer Produkte beitragen, die auch ökologischen Zielen gerecht werden. Bedeutende Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet sind bereits auf den Weg gebracht worden.

Der holzverarbeitende Sektor - dazu zählen Holz-, Papier- und Druckindustrie - leistet mit einer Gesamtproduktion im Wert von 365 Mrd. EUR, einem Mehrwert von rund 120 Mrd. EUR und mit 3 Millionen Arbeitsplätzen in 344 000 Unternehmen einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaft der Europäischen Union. Viele dieser Arbeitsplätze bestehen überdies in ländlichen Gebieten mit geringen Beschäftigungsalternativen.

Der Mythos von Wäldern und Fußballfeldern

Aufgrund der Abhängigkeit des Sektors von der Natur als Rohstofflieferant für die Produktion ist das Konzept der Nachhaltigkeit für diesen Wirtschaftszweig von zentraler Bedeutung. Ungefähr 93 % unseres Papiers stammen aus der EU, in deren Gebiet die Waldflächen seit 1950 um 30 % zugenommen haben und gegenwärtig jedes Jahr um eine Fläche, die 1,5 Millionen Fußballfeldern entspricht, anwachsen.

Waldrestholz und Durchforstung, die notwendig ist, um die Wälder in Europa in gutem Zustand zu erhalten, decken einen großen Anteil des Bedarfs der Holzbranche. Auch die Wiederverwertung von Papier gewinnt zunehmend an Bedeutung. So hat die Papierindustrie seit 1998 die Menge des jährlich recycelten Papiers um 45 % gesteigert. Mittlerweile wird die Hälfte der von der Holz- und Forstwirtschaft genutzten Primärenergie aus Biomasse gewonnen. Dabei handelt es sich um eine erneuerbare Energiequelle, bei der die Rückstände aus Produktionsprozessen verwertet werden.

19 Punkte für die Zukunft

Die Europäische Kommission hat 2008 einen 19-Punkte-Aktionsplan aufgestellt, um auf die Herausforderungen des Sektors zu reagieren und ihn in die Lage versetzen zu können, seine Chancen zu Nutzen.

Der EU-Aktionsplan betont die strategische Rolle der holzverarbeitenden Industrie bei den Bemühungen im Klimaschutz - Bemühungen, die es zu verstärken gilt. Er hebt außerdem hervor, dass verstärkte Investitionen in Forschung und innovative Nutzung technischen und wirtschaftlichen Know-hows notwendig sind, um die Wettbewerbsfähigkeit dieses Industriezweigs zu verbessern. Schwerpunkte des Aktionsplans sind:

  • Zugang zu Rohstoffen
  • Klimaschutzpolitik und Umweltrecht
  • Forschung und Innovation in den Bereichen Technologie und Wirtschaft
  • Handel und Zusammenarbeit mit Drittländern
  • Kommunikation und Information

Ein beratender Ausschuss bringt Vertreter aller Akteure des Sektors zusammen, damit diese die Entwicklungen verfolgen und Maßnahmen ergreifen. Währenddessen koordiniert das von der EU unterstützte Technologie-Forum des holzverarbeitenden SektorsEnglish die Forschungsbemühungen von Industrie, Europäischer Kommission und den Mitgliedstaaten.

Die künftige Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der holzverarbeitenden Industrie ist an die Verfügbarkeit von Fachwissen und die Fähigkeit zur Innovation gebunden. In diesem Rahmen stellen Bioraffinerien und Papierrecycling zwei Bereiche dar, in denen die EU eine führende Rolle einnimmt und über viel Potenzial verfügt.

Bioraffinerien: Holz, Kraftstoff und vieles mehr

Der Aktionsplan weist darauf hin, dass die Entwicklung holzbasierter Bioraffinerien durch Schaffung neuer Märkte und Produkte, die auch dem Nachhaltigkeitsziel entsprechen, eine bedeutende Rolle für die Zukunft des Sektors spielen kann. Bioraffinerien bieten die Möglichkeit, erneuerbare Rohstoffe und Energie zu erzeugen, die als Ersatz für fossile Energieträger dienen können und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

In Bioraffinerien kann eine Vielzahl von Produkten hergestellt werden, darunter Papier, Holz, Klebstoffe, Treibstoffe, Tinte, Vanillin für Crème brulée sowie Spezialzellulose für Gewebe und Modeaccessoires.

Interdisziplinäre Forschung ist jedoch erforderlich, um das Potenzial von Biomasse voll auszuschöpfen und Biotreibstoffe der zweiten Generation zu entwickeln, bei denen die Rohstoffe nicht in Konkurrenz mit der Produktion von Nahrungsmitteln treten. Die Europäische Kommission unterstützt die Entwicklung von Technologien und Märkten für Bioraffinerien durch ihren Aktionsplan und ihre FuE-Programme, insbesondere das Siebte Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7).

Dabei ist nicht nur die Einrichtung von Bioraffinerien in der EU vorgesehen. Es soll in diesem Bereich auch eine international führende Position eingenommen und erreicht werden, dass die europäische Bioraffinerie-Technologie weltweit angewendet wird.

Investition in Forschung und Entwicklung

Mit vier verwandten RP7-Projekten wurde Anfang 2010 eine umfassende gemeinsame Initiative gestartet. Die Projekte Star-COLIBRI, SUPRABIO, BIOCORE und EuroBioRef dienen der Entwicklung neuer Methoden, um biologische Rohstoffe sowohl ertragreich wie auch nachhaltig in Energie und Wertstoffe umzuwandeln.

Die Europäische Kommission fördert das Programm mit 52 Mio. EUR über einen Zeitraum von vier Jahren. Rund 81 Partner von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrie aus 20 Ländern investieren weitere 28 Mio. EUR.

Die Forschung soll die EU in die Lage versetzen, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, zum Beispiel bis 2020 den Verkehrssektor in allen Mitgliedstaaten auf die Nutzung von mindestens 10 % erneuerbarer Energien - einschließlich Biokraftstoff - zu verpflichten.

Bioraffinerien sind auch ein wichtiges Element der Bioenergie-Initiative der europäischen Industrie, einer der sechs Industrie-Initiativen im Rahmen des Europäischen Strategieplans für Energietechnologie (SET-Plan). Ziel ist die Überwindung der technischen und wirtschaftlichen Hemmnisse für die Weiterentwicklung und beschleunigte kommerzielle Nutzung ausgewählter modernster Technologien.

Städtische Wälder für Recycling-Meister

Die Steigerung des Anteils an wiederverwendetem Papier stellt einen weiteren Bereich dar, in dem sich die Europäische Union in einer internationalen Spitzenposition präsentiert. Dabei wendet sich die Branche wieder den sogenannten "städtischen Wäldern" zu - dem Papierabfall aus den städtischen und ländlichen Siedlungsgebieten, der zunehmend zur Herstellung neuer Papierprodukte in der EU genutzt wird.

Die wichtigsten Interessenvertreter der Papier-Wertschöpfungskette (papierproduzierende und -verarbeitende Industrie, Recyclingunternehmen, Verlage, Druckereien und Hersteller von Tinten und Klebstoffen) einigten sich 2006 auf eine freiwillige Selbstverpflichtung - die Europäische Erklärung zur Wiederverwertung von Papier -, um ihre Umweltleistung zu verbessern und die Wiederverwendungsquote bis 2010 auf 66 % zu steigern.

Die Branche erreichte dieses Ziel bereits im Jahr 2009 mit über 58 Millionen Tonnen recyceltem Papier insgesamt und der weltweit höchsten Quote von über 72 %. Der Erfolg dieser Bemühungen macht deutlich, was mit Hilfe eines konzertierten Programms von Investitionen in Kapazitäten, Forschung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit erreicht werden kann.

Führen Sie Ihren Ausdruck dieses Artikels nach Gebrauch der Wiederverwertung zu!

Kontakt

Referat Textil, Mode und holzverarbeitende Industrie,
Generaldirektion Unternehmen und Industrie Website Holz- und Forstwirtschaft: Holz, Papier, Druck der GD Unternehmen

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