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Magazin Unternehmen & Industrie

Für mehr Wettbewerbsfähigkeit in der europäischen Lebensmittelindustrie

Photo: All rights reserved © Anastasia Pelikh - istockphoto.com

Trotz ihrer Größe und Leistungsfähigkeit steht die europäische Lebensmittelindustrie vor einer Reihe von Herausforderungen. Die Europäische Kommission fördert Initiativen zur Stärkung der Wettbewerbsposition und Nachhaltigkeit dieses Sektors und sorgt dafür, dass wichtige öffentliche Belange wie Lebensmittel- und Versorgungssicherheit berücksichtigt werden.

Einige der Herausforderungen, denen sich die Lebensmittelindustrie derzeit gegenüber sieht, stehen in direktem Zusammenhang mit der Versorgungskette. Steigender Druck bei der Beachtung gesetzlicher Vorgaben zwingt Unternehmen der Branche dazu, sich eingehend mit der Koordination der Versorgungskette zu befassen, wobei alle Akteure - von Landwirten bis zu Verpackungsunternehmen - ihre Abläufe anpassen müssen, um höchsten Qualitätsanforderungen zu genügen. Für Unternehmen, die sich nicht an die Vorschriften halten, sind damit zunehmend wirtschaftliche Verluste in Form von Geldbußen, Marktrücknahme von Produkten oder Rückrufaktionen verbunden.

Infolgedessen verfolgt die Lebensmittelbranche mehr und mehr die Strategie einer horizontalen Koordination der Versorgungskette. Deutlich wird dies bei der Entwicklung und Einführung gemeinsamer freiwilliger Normen wie GLOBALGAP, dem Global Standard for Food Safety des British Retail Consortium (BRC) oder dem International Food Standard (IFS). Solche gemeinschaftlichen Normen, die sich in den letzten Jahren immer stärker durchsetzen, sind zumindest teilweise eine Reaktion auf die Verschärfung der Vorschriften. Industrie und Entscheidungsträger haben jedoch im Hinblick auf die Lebensmittelversorgungskette in Europa noch eine weitere große Herausforderung zu bewältigen: die unterschiedlichen Verhandlungspositionen der verschiedenen Akteure - von Landwirten und Lebensmittelproduzenten bis hin zu internationalen Vertriebspartnern und Supermarktketten.

Für einen fairen und wettbewerbsfähigen Sektor

Die EU spielt hier eine zentrale Rolle, insofern sie Verbrauchern den Erwerb von möglichst sicheren und erschwinglichen Nahrungsmitteln ermöglichen, gleichzeitig aber auch optimale Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Ausgewogenheit der europäischen Lebensmittelbranche sicherstellen soll. Die Lebensmittelversorgungskette ist in der Tat ein bedeutendes Element der europäischen Wirtschaft, sie verbindet Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und Vertrieb miteinander - Sektoren mit insgesamt mehr als 7 % aller europäischen Beschäftigten. Allein die europäische Getränke- und Nahrungsmittelindustrie mit mehr als vier Millionen Beschäftigten in 310 000 Unternehmen und einem Jahresumsatz von über 965 Mrd. EUR versorgt über 500 Millionen Verbraucher.

Die Europäische Kommission hat bei der Festlegung ihrer Prioritäten vor allem zwei Instrumente herangezogen: die 2008 ins Leben gerufene Hochrangige Gruppe für die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie und die 2009 veröffentlichte Mitteilung "Die Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette in Europa verbessernpdf Übersetzung für diesen Link wählen  [97 KB] Englishfrançais" mit zehn politischen Schlüsselinitiativen. Die Mitteilung enthielt die Vorstellungen der Kommission zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelversorgungskette. Hauptanliegen ist es, sicherzustellen, dass Verbraucher, Hersteller und Händler einen gerechten Preis für sichere Lebensmittel bezahlen und die Akteure der Versorgungskette - Landwirte, Nahrungsmittelhersteller und Händler - eine angemessene Gegenleistung erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, benennt die Mitteilung eine Reihe von Themen, bei denen Handlungsbedarf besteht.

Während etwa die Vertragsfreiheit einen zentralen Eckpfeiler des EU-Binnenmarktes darstellt, wird die Versorgungskette weiterhin von unlauteren Vertragspraktiken beeinträchtigt. Daher wurde in der Mitteilung eine Sensibilisierungskampagne vorgeschlagen, um Wirtschaftsakteure besser über solche Praktiken zu informieren, da sich die kleinsten Akteure oft ihrer Rechte nicht bewusst sind. Außerdem wurde der Vorschlag gemacht, zusammen mit Interessenvertretern verschiedener Sektoren Musterverträge zu entwerfen. Die Mitteilung wies auch auf die Notwendigkeit hin, Akteure bei der Meldung potenziellen Missbrauchs zu unterstützen.

Die erforderliche Verbesserung der Preistransparenz in der Lebensmittelversorgungskette ist ein weiteres wichtiges Thema, da das optimale Funktionieren der Branche durch Preisvolatilität behindert werden kann. In der Mitteilung wurde die Einrichtung eines Instruments für die Überwachung der Lebensmittelpreise vorgeschlagen (siehe Kasten). Außerdem regte die Europäische Kommission die Entwicklung von Diensten an, mit denen sich die Lebensmittelpreise verschiedener Einzelhändler vergleichen lassen. Für einen faireren und wettbewerbsfähigeren Lebensmittelsektor sind zudem Maßnahmen zur Verbesserung der Marktaufsicht bei Agrarrohstoffderivaten erforderlich. Dies trägt zur Eindämmung von Spekulation und Volatilität bei und kommt damit allen Akteuren der Versorgungskette zugute.

Die nächste Stufe

Um diese Vorschläge umsetzen zu können, muss sich die Europäische Kommission aufgrund der Komplexität der Materie auf die Unterstützung der Mitgliedstaaten und der beteiligten Interessenvertreter verlassen können. Dies gab den Anstoß zur Einsetzung der Hochrangigen Gruppe mit Vertretern der Mitgliedstaaten, der Lebensmittelindustrie, Berufsverbänden und der Zivilgesellschaft. Das Mandat der Gruppe besteht in der Behandlung von Fragen zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Lebensmittelindustrie und der Ermittlung von Faktoren, die die Wettbewerbsposition und Nachhaltigkeit dieses Sektors beeinflussen.

Die Hochrangige Gruppe hat bereits 30 Empfehlungenpdf [416 KB] English für Entscheidungsträger formuliert und einen Fahrplan von Schlüsselinitiativen vorgelegt, der zu mehr Wachstum und Effizienz der gesamten Lebensmittelversorgungskette - vom Primärsektor bis zum Einzelhandel - beitragen soll. Im Mittelpunkt der Gespräche innerhalb der Gruppe standen die Agrar- und Umweltpolitik, der Binnenmarkt für Lebensmittel, die Funktionsweise der Lebensmittelkette, Forschung und Innovation sowie Handel und Ausfuhren.

Zur Stärkung des Mandats der Hochrangigen Gruppe entschloss sich die Europäische Kommission im Juli 2010, den Kreis der Mitglieder auszuweiten und die Gruppe zu einem Hochrangigen Forum für die Verbesserung der Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskettepdf [710 KB] aufzuwerten. Das Forum, in dem alle betroffenen Parteien vertreten sind und das der Förderung von Gesprächen über die optimale Umsetzung der Vorschläge dient, wird seine Arbeit voraussichtlich im Herbst 2010 aufnehmen und bis 31. Dezember 2012 abschließen. "Die Hochrangige Gruppe wird in Zukunft zu mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in der europäischen Lebensmittelindustrie beitragen. Sie wird sich damit beschäftigen, wie den Auswirkungen der Globalisierung zu begegnen ist und wie man die damit verbundenen Chancen nutzen kann", erklärte Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, zuständig für Industrie und Unternehmen. "Dadurch sollte die Lebensmittelwirtschaft wettbewerbsfähiger werden und davon würden wiederum die Verbraucher, die Landwirte und die Industrie profitieren."

Während der am 14. Oktober 2010 in Brüssel stattfindenden Konferenz "Für eine wettbewerbsfähige Lebensmittelversorgungskette in EuropaEnglish" kommen Entscheidungsträger und Interessenvertreter zusammen, um Antworten auf die Herausforderungen zu finden, mit denen sich die Lebensmittelindustrie konfrontiert sieht.

Der Preis stimmt

Einer der Vorschläge, die die Europäische Kommission in ihrer Mitteilung von 2009 gemacht hatte, war die Schaffung eines europäischen Instruments für die Überwachung der Lebensmittelpreise, mit dem die Transparenz der gesamten Versorgungskette erhöht werden soll. Dieses Überwachungsinstrument informiert über Preisentwicklungen bei Nahrungsmitteln über alle Phasen der Versorgungskette hinweg und liefert außerdem Daten über das Preisniveau bestimmter Lebensmittel.

Das der Öffentlichkeit zugängliche Instrument ermöglicht Verbrauchern, die Entwicklung von Lebensmittelpreisen auf jeder einzelnen Stufe der Versorgungskette zu verfolgen. Daraus lässt sich etwa ein nicht schnell genug erfolgender Rückgang der Verbraucherpreise bestimmter Lebensmittel ablesen. Eurostat hat den Prototyp eines einfachen Überwachungsinstruments entwickelt, mit dem sich die Preise einiger Nahrungsmittel entlang der Versorgungskette vergleichen lassen. Nach der Aktualisierung des Instruments im Sommer 2010 prüft Eurostat Möglichkeiten zu seiner Weiterentwicklung, um eine größere Anzahl von Nahrungsmitteln und deren Versorgungsketten erfassen zu können.

Kontakt

Referat Lebensmittelindustrie,
Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission

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