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16/07/09 Wettbewerb, Energie und Umwelt

Eine Nahaufnahme der europäischen Unternehmenslandschaft

Photo: All rights reserved © Dmitry Sunagatov

Ein neuer Bericht gibt Aufschluss über die branchen- und länderspezifische Situation der europäischen Wirtschaft und stellt die wichtigsten Triebkräfte, Modelle und Tendenzen der europäischen Wettbewerbsfähigkeit vor.

Mit der Lissabon-Strategie verfolgt die EU das ehrgeizige Ziel, die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die EU zu einer innovativen wissensbasierten Wirtschaft und Gesellschaft umzuwandeln. Die gesamtwirtschaftlichen Ziele von Lissabon erfordern jedoch auch mikroökonomische und beschäftigungspolitische Maßnahmen.

Ein Vergleich der Gesamtheit der Maßnahmenpakete vermittelt jedoch nur ein unvollständiges Bild der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Auch hier steckt der Teufel sprichwörtlich im Detail. Um die wirtschaftliche Leistungskraft der EU so anzukurbeln, dass die Lissabon-Ziele in greifbare Nähe rücken, müssen die EU und ihre Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass alle einzelnen Bestandteile der Volkswirtschaft bestens funktionieren und ineinandergreifen. Ein detailliertes Bild der aktuellen Lage lässt sich jedoch nur mit Hilfe umfassender und präziser statistischer Daten erstellen.

Die Entwicklung wirtschaftspolitischer Maßnahmen erfordert zudem eine genaue Einschätzung der Wettbewerbssituation in den einzelnen Branchen. Die Europäische Kommission hat daher finanzielle Mittel für einen ausführlichen Bericht mit dem Titel "Sektorspezifische Wachstumsfaktoren und Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union" bereitgestellt, der Aufschluss über die branchen- und länderspezifische wirtschaftliche Situation in der EU gibt und die wichtigsten Faktoren, Modelle und Tendenzen aufzeigt, die für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in Europa entscheidend sind. Gleichzeitig wurde untersucht, wie schnell und effizient bestimmte Entwicklungsfaktoren in den einzelnen Branchen und Mitgliedstaaten genutzt werden.

Es wird die Situation innerhalb von Europa verglichen, aber auch Europa insgesamt anderen Wettbewerbern gegenübergestellt. Einer der wichtigsten Unterschiede, die bei der Erarbeitung des Berichts zwischen beiden Seiten des Atlantiks festgestellt wurden, ist der unterschiedliche Anteil der Gesamtproduktivität an der Erhöhung der Wirtschaftsleistung, der in den USA insbesondere in Bereichen wie dem Elektromaschinenbau, im Post- und Fernmeldewesen oder auch im Vertrieb bedeutend höher liegt.

Triebkräfte und Wachstumsindikatoren

Der Bericht ist in zwei Teile untergliedert. Im ersten Teil wird anhand von zehn Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit eine umfassende Einschätzung der relativen Stärken und Schwächen der europäischen Wirtschaftsbranchen hinsichtlich der Wertschöpfung, der Beschäftigungssituation, der Arbeitsleistung und Gesamtproduktivität sowie bezüglich der Rentabilität, des internationalen Handelsvolumens und der Investitionen vorgenommen. Im zweiten Teil werden die entscheidenden Faktoren des sektorspezifischen Wachstums und insbesondere die Auswirkungen makroökonomischer Bedingungen, wie Nachfrageregelung, eingesetzte Produktionsmittel, Marktstruktur und Marktoffenheit untersucht.

Volkswirtschaftliche Bedingungen wie Veränderungen der Einkommensstruktur, der Zinssätze, der Wechselkurse, der Besteuerung und der Preisgestaltung bestimmen das allgemeine wirtschaftliche Umfeld. Aus diesem Grund ging der Bericht der Frage nach, inwieweit die makroökonomischen Faktoren die sektorspezifische Wachstums- und Leistungskraft beeinflussen.

Zu den entscheidenden Entwicklungsfaktoren in den Unternehmen gehören u. a. die eingesetzten Produktionsmittel wie das materielle Kapital und die Arbeitskräfte als grundlegende Ressourcen der Unternehmen und Branchen, denen entscheidende Bedeutung zukommt, da die Akkumulation von Produktionsressourcen die Ausgangsbasis für wirtschaftliches Wachstum darstellt.

FuE sowie Innovation sind als Schlüsselfaktoren ausschlaggebend für Veränderungen in der Wirtschaftsleistung (bzw. der Erwirtschaftung von Einkommen). In Volkswirtschaften mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen bietet die Innovation die beste Möglichkeit, sich dem reinen Preiswettbewerb zu entziehen.

Der Wegfall von Handelsbarrieren spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, da dadurch nicht nur der Wettbewerb innerhalb einer Branche insgesamt gefördert, sondern auch die Absatzmärkte erweitert und internationale Handelsgeschäfte ermöglicht werden, wodurch die Vorteile durch Spezialisierung und Verbreitung von Kenntnissen besonders zur Geltung kommen. In dem Dokument wird ebenfalls untersucht, wie Nachfrage und Produktionsmittel die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungskraft verschiedener Branchen beeinflussen.

Ein vielschichtiges Bild

Die EU ist mit ihren 27 Mitgliedstaaten und etwa 500 Millionen Bürgern ein vielschichtiges Gebilde. Der Bericht verweist auf diese Tatsache und stellt fest, dass die Wettbewerbsleistung der europäischen Wirtschaftsbranchen und der Erfolg wachstumsfördernder Maßnahmen sowohl zwischen den Ländern als auch den einzelnen Sektoren sehr stark variieren.

In der gesamten EU verweisen die Daten auf eine ausgeprägte Rangordnung in der wirtschaftlichen Entwicklung großer Industriezweige, wobei die Dienstleistungsbranche, insbesondere IKT und Telekommunikation, an der Spitze und der kontinuierlich zurückgehende Bergbau an letzter Stelle steht.

Bestimmte Faktoren haben sich überall als besonders einflussreich erwiesen. Es überrascht nicht, dass die Preise einen starken Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit ausüben. So wird durch eine relative Preissteigerung das Wachstum eher gehemmt, insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten und den Bereichen, wo die Preise schneller steigen als in anderen Branchen. In den meisten Sektoren stellen höhere langfristige Zinssätze, Wechselkurse und darin enthaltene Steuersätze sowie ein hohes staatliches Defizit bedeutende Wachstumshemmnisse dar. Erwartungsgemäß wurde im Bericht ein enger Zusammenhang zwischen Innovation und Wachstum festgestellt, der jedoch nicht unmittelbar besteht oder einfach und stetig verläuft.

Der Bericht "Sektorspezifische Wachstumsfaktoren und Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union" bietet einen neuen Ausgangspunkt und ist gewiss ein nützliches Instrument für politische Entscheidungsträger, die sich um eine ausgewogene, abgestimmte und zielgerichtete Unterstützung der einzelnen Wirtschaftsbranchen bemühen. Der Vorteil des im Bericht verfolgten Ansatzes ist die Tatsache, dass ein detailliertes und präzises Bild der Situation in den einzelnen Sektoren in der EU vermittelt wird, aus dem politische Entscheidungsträger und andere beteiligte Akteure ihre eigenen Schlussfolgerungen und Maßnahmen ableiten können.

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