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08/10/12 Wettbewerb, Energie und Umwelt

CO2-Reduzierung: Ökodesign ebenso wichtig wie der Emissionshandel

Alle Rechte vorbehalten © Si-Gal/istockphoto

Bis zum Jahr 2020 werden durch die Ökodesign-Richtlinie voraussichtlich 400 Millionen Tonnen an Kohlendioxidemissionen in der EU eingespart, vergleichbar mit dem Beitrag, den das Emissionshandelssystems (Emissions Trading Scheme, ETS) zur Verringerung von Kohlendioxid bis 2020 leisten wird. Neben den 13 bereits bestehenden und 20 anstehenden Ökodesign-Maßnahmen für Produkte wird die Europäische Kommission im Laufe der nächsten 2 Jahre Maßnahmen für B2B-Produkte (Business to Business) ergreifen, wie beispielsweise für professionelle Kühlsysteme, Elektrizitätstransformatoren, industrielle Heiz- und Backöfen sowie Klima- und Belüftungsanlagen. Es bestehen ferner Pläne, „energierelevante“ Produkte in die Ökodesignstrategie mit einzubeziehen: Dies sind Produkte, die selbst nicht direkt Energie verbrauchen, aber Energieeinsparungen fördern.

Bis zum Jahr 2020 werden durch die Ökodesign-Richtlinie voraussichtlich 400 Millionen Tonnen an Kohlendioxidemissionen in der EU eingespart, vergleichbar mit dem Beitrag, den das Emissionshandelssystems (Emissions Trading Scheme, ETS) zur Verringerung von Kohlendioxid bis 2020 leisten wird. Neben den 13 bereits bestehenden und 20 anstehenden Ökodesign-Maßnahmen für Produkte wird die Europäische Kommission im Laufe der nächsten 2 Jahre Maßnahmen für B2B-Produkte (Business to Business) ergreifen, wie beispielsweise für professionelle Kühlsysteme, Elektrizitätstransformatoren, industrielle Heiz- und Backöfen sowie Klima- und Belüftungsanlagen. Es bestehen ferner Pläne, „energierelevante“ Produkte in die Ökodesignstrategie mit einzubeziehen: Dies sind Produkte, die selbst nicht direkt Energie verbrauchen, aber Energieeinsparungen fördern (zum Beispiel Fenster).

Energieeinsparungen und weniger Umweltbelastung durch Produkte durch Ökodesign spielen eine bedeutende Rolle für das Ziel einer nachhaltigeren Zukunft. Ökodesign reagiert auf die steigende Nachfrage nach umweltfreundlicheren Produkten von Verbrauchern und Unternehmen. Darüber hinaus bietet es europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, da diejenigen, die am schnellsten auf die Nachfrage reagieren, am besten für den Wettbewerb nicht nur innerhalb der EU, sondern auch auf globaler Ebene positioniert sind. Verbraucher werden ebenfalls von geringeren Stromrechnungen und besserer Produktleistung profitieren.

Die Ökodesign-Richtlinie enthält einheitliche EU-weite Regelungen für einen umweltfreundlicheren Beitrag von energierelevanten Produkten. Die Richtlinie bezieht sich bis heute im Wesentlichen auf Verbraucherprodukte (zum Beispiel Waschmaschinen, Produkte mit Stand-by-Modus und Glühbirnen). Auch B2B-Produktgruppen zählen dazu [siehe Tabelle für Beispiele]. Zu den B2B-Produkten zählen unter anderem Elektrizitätstransformatoren (welche die Spannung von Stromkraftwerken und -leitungen auf die in der Industrie oder privat genutzte Spannung „reduzieren“), professionelle Kühlsysteme (genutzt in Restaurants), gewerbliche Belüftungssysteme (genutzt in Büroräumen und privat) sowie Metall- und Holzverarbeitungsmaschinen (zur Herstellung von Komponenten für zahlreiche bedeutende EU-Sektoren, zum Beispiel Luft- und Raumfahrt und Autoproduktion).

Neue B2B-Ökodesign-Produktgruppen

 

B2B Ökodesign "Lot"

B2B Produktgruppe

Voruntersuchungen

(TWh)

Mögliche Umsetzung der Maßnahme & Datum

Geplante Maßnahme soll gelten ab

Beginn

Ende

Geschätzte jährliche Energieeinsparungen ab 2020

ENTR Lot 1

Professionelle Kühlsysteme

Jan 09

Feb 11

6 TWh

Regelung + Kennzeichnung: 2014

2015-16

 

ENTR Lot 2

Transformatoren

Jan 09

Feb 11

12 TWh

Regelung: 2014

2015-16

ENTR Lot 3

Sound- und Bildgebungsgeräte

Jan 09

Nov 10

4 TWh

Freiwillige Vereinbarung: 2014

2015-16

ENTR Lot 4

Industrielle Heiz- und Backöfen

Jan 10

Aug 12

35 TWh

Regelung + Kennzeichnung (kleine bis mittelgroße Produkte): 2015

2016-17

ENTR Lot 5

Maschinen

Jan 10

Juli 12

4 TWh

Freiwillige Vereinbarung: 2014-15

2015-16

ENTR Lot 6

Klima- und Belüftungsanlagen

Jan 10

Dez 12

100 TWh

Regelung: 2015

2016-17

Endgültig geplante jährliche B2B-Energieeinsparungen ab 2020

c. 160 TWh

Entspricht jährlich circa 80 Millionen Tonnen an eingespartem CO2

Das B2B-Ökodesign untersucht lediglich die Produkteigenschaften, deren Umweltverträglichkeit beträchtlich verbessert werden kann und bei denen zugleich die Umsetzung von Maßnahmen durch Marktaufsichtsbehörden und anderen zuständigen Stellen überprüft werden kann.

Die EU beabsichtigt nicht, den Verwaltungsaufwand von Herstellern zu erhöhen. Stattdessen ermöglicht Ökodesign Herstellern, einen Wettbewerbsvorteil durch eine bessere Leistung ihrer Produkte zu erzielen.

Transformatoren – der Prozess einer B2B-Ökodesign-Maßnahme

Die Ökodesign-Regelung für Transformatoren wird die Energieeffizienz von Stromverteilungstransformatoren verbessern. Obwohl die aktuellen Transformatoren bereits äußerst effizient arbeiten, betragen deren Energieverluste rund 2,5 % des gesamten EU-Energieverbrauchs. Wird deren Energieeffizienz durch die Regulierung nur leicht verbessert, könnten über 10 TWh pro Jahr bis 2020 eingespart werden (das entspricht etwa der jährlichen Stromerzeugung eines kleinen Kernkraftwerkes). Durch die vorgeschlagene Maßnahme und die neuen europäischen Standards, die derzeit entwickelt werden, wird die EU den strengen internationalen Regelungen im Hinblick auf Transformatoren gerecht. Europäische Hersteller, Versorgungsunternehmen und Umwelt-NGOs unterstützen die vorgeschlagene Regelung weitgehend, da durch diese wahrscheinlich Markttrends für die Entwicklung effizienterer Transformatoren verstärkt werden. Das Einsparpotenzial ist enorm. Die veranschlagten und in der Tabelle dargelegten Energieeinsparungen pro Jahr in Höhe von 160 Milliarden kWh entsprechen der jährlichen Leistung von 16 kleinen Kernkraftwerken beziehungsweise rund 25 % der gesamten EU-weiten erneuerbaren und verbrauchten Elektrizität (Statistik von 2009). Diese B2B-Einsparungen werden sich ab 2020 jedes Jahr weiter erhöhen, da Ökodesign-Maßnahmen strenger werden und neue Produkte schrittweise ältere ersetzen. Andere Maßnahmen, die ebenfalls in Betracht gezogen werden: Verringerung 1. der CO2-Belastung bei der Produktion von Kältemittelgasen, 2. des Einsatzes von Hydraulik- und Schmierölen sowie 3. energieintensiver Schweißgase.

B2B-Produkte tragen 20 % zur Energieeinsparung durch Ökodesign bei, gegenüber 80 % von Verbraucherprodukten. Die gesamten gleichwertigen CO2-Einsparungen bis 2020 für die 20+-Ökodesign-Produktgruppen (Verbraucher + B2B) betragen circa 800 TWh beziehungsweise rund 400 Millionen Tonnen an CO2 pro Jahr (25 % aus Einsparungen bei Wärme und 75 % aus Einsparungen bei Elektrizität). Dies entspricht der gleichen jährlichen CO2-Verringerung, die für ETS für das Jahr 2020 veranschlagt wurde. Das Ergebnis einer kürzlich durchgeführten Ecofys-Studie besagt, dass Unternehmen und Verbraucher der EU bis zu 90 Milliarden EUR einsparen könnten, wenn die aktuellen Maßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt werden.

Ecofys bezifferte die Ökodesign-Einsparungen bei Strom und Wärme pro Haushalt auf circa 280 EUR pro Jahr für Konsumprodukte, basierend auf vier elektrischen Geräten (zum Beispiel Waschmaschine, Kühlschrank, Staubsauger) und zwei Wärmegeräten (zum Beispiel Boiler/Wärmepumpe und Wasserkocher). Die Einsparungen beinhalten die Kosten für den Kauf neuer Geräte, verteilt über deren Lebensdauer.

Ökodesign – wie funktioniert der Prozess?

Die Ökodesign-Richtlinie ist die erste Richtlinie der EU für Produkte mit lebenszyklusorientiertem Fokus. Produktgruppen werden im Rahmen eines Arbeitsplanes selektiert, wobei die Europäische Kommission in Absprache mit der Industrie, mit Verbraucher- und Umweltverbänden sowie Mitgliedstaaten Produkte zur Prüfung auswählt. „Voruntersuchungen“ werden normalerweise über 2 Jahre für jede Produktgruppe durchgeführt, um weltweit die besten Standards und Verfahrensweisen sowie die Möglichkeiten zur Ökogestaltung zu prüfen und im Rahmen einer Gegenprobe festzustellen, ob die Standardisierungsverfahren auf EU-Ebene (via CEN-CENELEC) oder auf internationaler Ebene (via ISO) mandatiert werden müssen. Neue, alte und die „besten verfügbaren Technologien“ (und sogar – um zukunftsorientiert zu sein – die „besten nicht verfügbaren Technologien“) innerhalb einer Produktgruppe werden zusammen mit Marktdetails untersucht (aktuelle Umsätze, künftige Trends und historische Börsenkurse). Ökodesign sieht sich zunächst alle Umweltauswirkungen im Rahmen eines leicht vereinfachten LCA-Modells (Life Cycle Assessment) an, wozu auch Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs, LCC) zählen. Auch die zu erwartenden Kosten für Verbraucher, Unternehmen (als Nutzer) und Hersteller, einschließlich KMU, werden abgeschätzt.

Auf dieser Basis werden die Minimalanforderungen für die Ökogestaltung für die verschiedenen Produkte festgelegt, unter anderem im Rahmen von ausgiebigen Gesprächen und Absprachen mit Interessenvertretern sowie formelleren Konsultationsforen. Solche Ökodesign-Minimalstandards können mit einer Energiekennzeichnung (die bekannte „A-G“-Kennzeichnung, die man zum Beispiel auf Kühlschränken usw. findet) kombiniert werden.

Bestandsaufnahme und Aufgreifen von energierelevanten Produkten

Die Prüfung der Effektivität der Ökodesign-Richtlinie wird 2012 abgeschlossen, ebenso wie der zweite Arbeitsplan (2012-2014), der die ersten energierelevanten Produkte enthält, zum Beispiel Fenster (Dreifachverglasung etc.) und Dämmungsmaterialien sowie weitere B2B-Produktgruppen.

Ökodesign bei KMU

Ein Aufruf für Vorschläge zur Förderung der Ökogestaltung bei KMU erfolgt im November 2012 durch das Enterprise Europe Network („das Netzwerk“). Das Ziel dieses Aufrufs besteht darin, das Bewusstsein und die entsprechende Kompetenz von KMU zu fördern. Ab April 2013 werden Mitglieder des Netzwerkes die Organisationen des Aufrufs sowie 5.000 gezielte KMU mit Schulungen und Training für die Ökogestaltung unterstützen.

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Lediglich die Artikeltexte können reproduziert werden, sofern die Quelle des jeweiligen Artikels angegeben wird: Magazin Unternehmen & Industrie (http://ec.europa.eu/enterprise/magazine/index_de.htm), © Europäische Union, 2008 - 2012