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07/10/11 Wettbewerb, Energie und Umwelt

Eine nachhaltige Industrie für ressourceneffizientes Wachstum und Arbeitsplätze

All rights reserved © Shutterstock © John Kasawa

Europa braucht dringend mehr Wachstum und Arbeitsplätze. Dies darf jedoch nicht zulasten der Umwelt geschehen. Daher muss eine Industriepolitik, die wirkungsvoll sein will, Wert auf Ressourceneffizienz legen. Zwei kürzliche vorgelegte Studien liefern wertvolle Erkenntnisse zu den in Europa erzielten Fortschritten sowie den künftigen Chancen für nachhaltiges Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die EU möchte die europäische Industrie dazu ermutigen, ihre Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern und innovative Lösungen zu präsentieren, mit denen sich die bestehenden ökologischen Herausforderungen bewältigen lassen. Zu diesem Zweck werden große Anstrengungen unternommen, um Europa künftig ressourceneffizienter zu gestalten und Unternehmen in die Lage zu versetzen, die Möglichkeiten, die ihnen durch den Übergang zu einer durch Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz geprägten CO2-armen Wirtschaft zur Verfügung stehen, auch voll auszuschöpfen.

Zwei von der Europäischen Kommission durch das Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) finanzierte Studien geben Aufschluss über die insgesamt in den letzten Jahren erzielte Umweltleistung der europäischen Industrie und unterstreichen das vorhandene Potenzial für weitere Verbesserungen. Die Studie zur Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen und zur Ressourceneffizienz befasst sich mit Ressourceneffizienz und den dadurch entstehenden Hindernissen für Unternehmen, aber auch mit den sich bietenden Chancen. Der Bericht über die EU-Industrie vor dem Hintergrund nachhaltigen Wachstums hingegen befasst sich mit der Umweltleistung, die die EU-Industrie in den letzten zehn bis 20 Jahre insgesamt erzielt hat.

Die Chance nutzen

Beide Studien bestätigen, dass in der europäischen Industrie sowohl Ressourceneffizienz als auch Umweltleistung in den letzten Jahren erheblich verbessert werden konnten. Eine deutliche Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltbelastung konnte bereits erreicht werden und setzt sich weiter fort. Zum Beispiel hat sich die Energieintensität der Industrie seit 1995 um mehr als 20 % verbessert, während zugleich Treibhausgasemissionen und Abfallaufkommen stark reduziert werden konnten.

Die Einhaltung der Umweltvorschriften gilt nach Auffassung der Studie als bedeutender Faktor für Ressourceneffizienz. Den bei der Erstellung der Studie beratend hinzugezogenen Vertretern der Industrie zufolge stellt darüber hinaus Ressourceneffizienz selbst eine sinnvolle Strategie zur Senkung von Kosten, zur Verringerung der Importabhängigkeit zunehmend knapper Rohstoffe und möglicherweise auch zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit dar.

Tatsächlich ist die Industrie zentrale Triebkraft für technische und technologische Innovationen, die zur Steigerung von Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz erforderlich sind. Obwohl Öko-Innovationen noch nicht ausreichend genutzt werden, haben in der EU in den letzten zehn bis 20 Jahren staatliche und private Investitionen in diesem Bereich stetig zugenommen. Dies gilt auch für Umweltschutzausgaben, die sich 2006 insgesamt auf über 50 Mrd. EUR beliefen.

Zudem hat sich die Öko-Industrie zu einem Wirtschaftszweig entwickelt, der sich im Hinblick auf die Zahl der Beschäftigten mit der Chemieindustrie und dem Sektor Elektrogeräte und optische Geräte durchaus vergleichen lässt. Zwischen 1999 und 2008 wuchs die Beschäftigung in der Öko-Industrie um durchschnittlich fast 180 000 Arbeitsplätze pro Jahr – eine jährliche Wachstumsrate von über 7 %; die Anzahl der EU-weit Beschäftigten wurde 2008 auf 3,4 Millionen geschätzt.

Ergebnisse verbessern

In den Berichten werden auch Möglichkeiten zur Verbesserung der Ressourceneffizienz erörtert. Dabei spielen das Potenzial zur Entwicklung neuer nachhaltiger Produkte und zur Nutzung alternativer Materialien sowie Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle wie Chemikalienleasing eine wichtige Rolle. Dieses Geschäftsmodell gewährleistet, dass Hersteller nicht nur chemische Stoffe zur Verfügung stellen, sondern auch das Know-how und die Kenntnisse, wie man den Chemikalienverbrauch reduzieren und deren Anwendungsbedingungen optimieren kann. Die Förderung der Nutzung von Abfällen als potenzielle Ressource mithilfe besserer Information, Produktdesign und Austausch bewährter Verfahren ist ein weiterer Schwerpunkt.

Es wird allerdings eingeräumt, dass ressourceneffiziente Maßnahmen normalerweise erhebliche Vorabinvestitionen erfordern, die für Unternehmen, insbesondere KMU, finanziell nicht tragbar sein könnten. Dieses Problem ist im Hinblick auf die derzeit schwierige Wirtschaftslage von besonderer Aktualität, da sie den Zugang zu Finanzmitteln erschwert. Beide Berichte rufen dazu auf, in dieser Hinsicht auf EU-Ebene noch mehr zu unternehmen.

Für eine bessere Zukunft

Die Berichte stehen in engem Zusammenhang mit den Zielen der Mitteilung zur Leitinitiative für eine integrierte Industriepolitik im Rahmen von „Europa 2020“, in der ein neuer Rahmen zur Förderung einer moderneren industriellen Basis in Europa und für den Übergang zu einer emissionsarmen und ressourceneffizienten Wirtschaft abgesteckt wird. Die Leitinitiative für Ressourceneffizienz ist ebenfalls Teil der „Europa 2020“-Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum.

Die Mitteilung zur Industriepolitik soll das gesamte Spektrum an Strategien der EU und ihrer Mitgliedstaaten mobilisieren, um sicherzustellen, dass die EU weiterhin ein attraktiver Standort für Investitionen von Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen – nicht zuletzt auch in der „grünen“ Wirtschaft – bleibt. Sie umreißt eine zielgerichtete industrielle Innovationspolitik zur Förderung eines breiten Einsatzes von Schlüssel- und Umwelttechnologien und geht auch auf den Zugang zu wichtigen Rohstoffen ein. Die EU fördert darüber hinaus Wachstum und Ressourceneffizienz durch Zusammenarbeit mit den Akteuren und Nutzung ihrer Erfahrungen.

Beide Berichte unterstreichen, dass größere Nachhaltigkeit und verbesserte Ressourceneffizienz nicht nur dem Schutz der Umwelt dienen, sondern auch der Industrie durch Eröffnung neuer Marktchancen zugute kommen. Die Berichte heben eine Reihe von Herausforderungen hervor, die bewältigt werden müssen, um weiteres Potenzial für Wachstum und Ressourceneffizienz erschließen zu können. Solange Unternehmen in der Lage sind, diese Vorteile zu erkennen und umzusetzen, und sie von der Politik durch entsprechende Rahmenbedingungen unterstützt werden, kann Europa gelassen in eine ressourceneffiziente Zukunft blicken. Die bevorstehende Überarbeitung des industriepolitischen Aktionsplans für mehr Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch wird sich mit einer Vielzahl dieser Themen befassen.

Ein glänzendes Beispiel

Die Glasherstellung ist ein mit hohen Temperaturen verbundenes, energieintensives Verfahren. Die bei der Produktion verbrauchte Energie stammt entweder aus der direkten Verbrennung fossiler Energieträger, aus elektrischer Beheizung oder aus beidem.

Glas-Recycling kann zu deutlichen Energieeinsparungen führen. Für jede 10 % an recyceltem Glas, das beim Produktionsverfahren anstelle von Rohstoffen verwendet wird, kann ein Hersteller zwischen 2 und 3 % Energie einsparen. Darüber hinaus ist Glas ohne Qualitätseinbußen vollständig wiederverwertbar.

Die Niederlande haben mit einer Glasrecyclingquote von 92 % (2009) Maßstäbe gesetzt. Die positive Einstellung der niederländischen Bürger gegenüber der Wiederverwertung sowie Marketingkampagnen zur Schaffung eines entsprechenden Bewusstseins trugen unter anderem zum Erfolg bei. Außerdem wurden für Unternehmen und Bürger Recyclinganreize geschaffen.

Die Last verringern

Zement ist einer der wichtigsten Baustoffe, von dem 2009 weltweit rund 3 Milliarden Tonnen produziert wurden, ungefähr 7 % davon in der EU. Die Zementindustrie ist nicht nur ressourcenintensiv, sondern gehört auch zu den größten CO2-Emittenten. Die Energiekosten und die für die Genehmigung zur Emission von CO2 anfallenden Kosten haben einen Anteil von 40 % an den Zementherstellungskosten.

Die Branche arbeitet jedoch bereits an nachhaltigeren Produktionsverfahren. Durch die zunehmende Verwendung von Abfällen als Ersatz für Rohstoffe und als Brennstoff bei der Energieerzeugung wird ein Beitrag zum Erhalt natürlicher Ressourcen und zur Reduzierung von CO2-Emissionen geleistet.

Diese Veränderungen zeigen bereits Wirkung. 2006 konnten schätzungsweise 5 Millionen Tonnen Kohle durch Nutzung alternativer Brennstoffe als Ersatz für fossile Energieträger eingespart werden – ein Anteil von 18 % am gesamten Energiebedarf der EU-Zementindustrie. Dies ist die weltweit mit Abstand höchste Substitutionsrate.

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Lediglich die Artikeltexte können reproduziert werden, sofern die Quelle des jeweiligen Artikels angegeben wird: Magazin Unternehmen & Industrie (http://ec.europa.eu/enterprise/magazine/index_de.htm), © Europäische Union, 2008 - 2012