Worum geht es?

Im Januar 2018 hat die Kommission einen Aktionsplan für digitale Bildung angenommen, der elf Initiativen zur Förderung der Technologienutzung und der Entwicklung digitaler Kompetenz im Bildungswesen umfasst.

Zusammen mit dem Aktionsplan wurde eine Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen angenommen, in der die Kommission ihr Konzept für digitale Bildung näher erläutert. 

Der Aktionsplan umfasst drei Prioritäten für Maßnahmen, die die EU-Mitgliedstaaten dabei unterstützen sollen, mit den Chancen und Herausforderungen für den Bildungsbereich im digitalen Zeitalter umzugehen.

Priorität Nr. 1: Bessere Nutzung digitaler Technologien im Unterricht und zu Lernzwecken

Maßnahmen:

1. Beseitigung der Konnektivitätskluft durch Anschluss aller Schulen an Breitbandnetze mit hoher Kapazität, u. a. durch ein Gutscheinsystem für benachteiligte Gebiete.
2. Förderung der Bereitschaft allgemeinbildender und berufsbildender Schulen für den digitalen Wandel durch Stärkung ihrer digitalen Kapazität und durch Verbreitung des Selbstbewertungstools SELFIE, sodass bis Ende 2019 eine Million Lehrkräfte, Ausbilder/innen und Lernende damit erreicht werden.
3. Bereitstellung eines Rahmens zur Ausstellung digital zertifizierter Qualifikationen und zur Validierung digital erworbener Kompetenzen. Der Rahmen wird mit dem europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) und der europäischen Klassifikation der Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe (ESCO) verknüpft.

Priorität Nr. 2: Entwicklung digitaler Fertigkeiten und Kompetenzen

Maßnahmen:

1. Einrichtung einer europaweiten Plattform für die digitale Hochschulbildung, u. a. für Online-Lernangebote, gemischte Mobilität, virtuelle Campusse und den Austausch bewährter Verfahren zwischen Hochschuleinrichtungen.
2. Spezifische Schulungen für Studierende, Forschende und Lehrkräfte zum Thema „offene Wissenschaft“ an Hochschuleinrichtungen.
3. Ausweitung der EU Code Week auf mehr Schulen in Europa.
4. Start einer EU-weiten Sensibilisierungskampagne zu den Themen Internetsicherheit, Cyberhygiene und Medienkompetenz sowie eines Unterrichtsprogramms zur Cybersicherheit.
5. Förderung der digitalen und unternehmerischen Kompetenzen von Schülerinnen und Studentinnen in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen.

Priorität Nr. 3: Bessere Bildung durch aussagekräftigere Datenanalysen und Prognosen

Maßnahmen:

1. Durchführung einer Referenzstudie über die Fortschritte bei der flächendeckenden Einführung von IKT im Bildungsbereich. Die Studie soll unter anderem Informationen über die Verfügbarkeit und Nutzung der Infrastruktur und digitaler Instrumente sowie über das Niveau der digitalen Kompetenzen liefern.
2. Start von Pilotprojekten zu künstlicher Intelligenz und Lernanalytik im Bildungsbereich.
3. Durchführung strategischer Prognosen zu zentralen Trends, die sich aufgrund des digitalen Wandels für die Zukunft der Bildungssysteme ergeben. 

Warum ist der Aktionsplan notwendig?

In Europa ist es dringend angezeigt, die digitalen Kompetenzen zu stärken und den Einsatz von Technologien im Bildungswesen zu verbessern:

  • 37 % der Arbeitskräfte in der EU verfügen nur über geringe oder gar keine digitalen Kompetenzen.
  • Weniger als die Hälfte der Kinder besucht Schulen mit einer guten digitalen Ausstattung.
  • Nur 20-25 % der Schüler/innen werden von Lehrkräften unterrichtet, die in der Klasse kompetent mit Technologien umgehen können.
  • 18 % der Primär- und Sekundarschulen in der EU verfügen über keinen Breitband-Internetzugang.

Quelle: Digital Economy and Society Index (DESI)

Was wurde bisher unternommen?

Umsetzung des Aktionsplans

Im Aktionsplan werden elf Maßnahmen beschrieben, die die Kommission zusammen mit den Mitgliedstaaten, Interessenträgern und der Gesellschaft bis Ende 2020 umsetzen wird. Über die Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Maßnahmen wird künftig auf dieser Seite berichtet. 

Definition digitaler Kompetenz

Am Tag der Verabschiedung des Aktionsplans für digitale Bildung wurde auch eine Empfehlung zur Aktualisierung des Rahmens für Schlüsselkompetenzen aus dem Jahr 2006 angenommen. Die Definition des Begriffs „digitale Kompetenz“ wurde erweitert und aktualisiert, um der veränderten Rolle der digitalen Technik im Arbeitsleben und in der Gesellschaft insgesamt Rechnung zu tragen. Die neue Definition steht auch mit dem Referenzrahmen für die digitalen Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger im Einklang:

Definition 2018 

Digitale Kompetenz umfasst die sichere, kritische und verantwortungsvolle Nutzung von und Auseinandersetzung mit digitalen Technologien für die allgemeine und berufliche Bildung, die Arbeit und die Teilhabe an der Gesellschaft. Sie beinhaltet Informations- und Datenkompetenz, Kommunikation und Zusammenarbeit, die Erstellung digitaler Inhalte (einschließlich Programmieren), Sicherheit (einschließlich digitales Wohlergehen und Kompetenzen in Verbindung mit Cybersicherheit) und Problemlösung.

Definition 2006 

Computerkompetenz umfasst die sichere und kritische Anwendung der Technologien der Informationsgesellschaft (TIG) für Arbeit, Freizeit und Kommunikation. Sie wird unterstützt durch Grundkenntnisse der IKT: Benutzung von Computern, um Informationen abzufragen, zu bewerten, zu speichern, zu produzieren, zu präsentieren und auszutauschen, über Internet zu kommunizieren und an Kooperationsnetzen teilzunehmen.

Politische Zusammenarbeit

Die Kommission arbeitet eng mit den nationalen Bildungsministerien und mit Interessenträgern zusammen, um im Bereich der digitalen Bildung Erfahrungen und bewährte Verfahren auszutauschen sowie praxistaugliche Instrumente zur Förderung des Lernens im digitalen Zeitalter zu entwickeln. Diese Zusammenarbeit erfolgt im Rahmen der Arbeitsgruppe für digitale Kompetenzen, die regelmäßig in Brüssel und in den Mitgliedstaaten zusammenkommt.

Weitere Informationen zur Arbeitsgruppe

Rahmen für digitale Kompetenzen

Die Kommission hat in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten verschiedene Bezugsrahmen entwickelt, die politische Entscheidungsträger, Lernende und Bildungseinrichtungen dabei unterstützen sollen, digitale Kompetenzen und ihre „Reife“ für das digitale Zeitalter zu bewerten. Solche Rahmen wurden für Bürgerinnen und Bürger, Bildungseinrichtungen und zuletzt für Lehrkräfte entwickelt. 

Referenzrahmen für digitale Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger

Im europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger wird die große Bandbreite an digitalen Fertigkeiten und Kompetenzen beschrieben, die alle Lernenden benötigen (5 Bereiche, 21 Kompetenzen). Der Rahmen wurde erstmals 2013 veröffentlicht und hat sich zu einem Referenzinstrument für viele Initiativen zu digitalen Kompetenzen sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene entwickelt. Im Jahr 2016 wurde der Rahmen aktualisiert.

Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender

Der Rahmen für die digitale Kompetenz Lehrender wurde im Dezember 2017 veröffentlicht. Darin wird dargelegt, welche digitalen Kompetenzen Lehrkräfte benötigen, und zwar auf allen Ebenen des Bildungssystems: von der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung bis hin zur Hochschul- und Erwachsenenbildung, einschließlich allgemeiner und beruflicher Bildung, sonderpädagogischer Förderung und nichtformaler Lernumfelder. 

Bezugsrahmen zu digitalen Kompetenzen für Bildungseinrichtungen

Dieser (im Dezember 2015 veröffentlichte) Rahmen soll es Bildungseinrichtungen ermöglichen, ihre Fortschritte bei der Integration des digitalen Lernens und entsprechender pädagogischer Konzepte zu beurteilen, und politischen Entscheidungsträgern die Entwicklung, Umsetzung und Bewertung politischer Maßnahmen erleichtern, die auf die Integration und die wirksame Nutzung von Technologien für digitales Lernen ausgerichtet sind. Der Rahmen bildet zugleich die Grundlage für das Selbstbewertungsinstrument SELFIE für Schulen, das künftig in ganz Europa zur Verfügung stehen wird.

Forschung

Die Kommission finanziert Forschungsarbeiten zu digitalen Kompetenzen und zur Nutzung von Innovationen und neuen Möglichkeiten im Bildungswesen. Forschungsberichte und Studien werden regelmäßig von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission veröffentlicht.

Aktuelle Studien:

Projektfinanzierung

Im Rahmen des Programms Erasmus+ werden Austauschmaßnahmen zur digitalen Kompetenz im Rahmen der Lehrkräfteausbildung sowie Projekte finanziert, die das Potenzial der Technologienutzung im Bildungswesen untersuchen und weiterentwickeln. Zudem fördert das Programm die Schaffung und Bereitstellung neuer, digitaler pädagogischer Konzepte und Ressourcen.

Finanzierungsmöglichkeiten im Rahmen von Erasmus+

Die Europäischen Struktur- und Investitionsfonds unterstützen die Anbindung von Bildungseinrichtungen an Breitbandnetze, die Anschaffung entsprechender Hardware sowie Bildungsmaßnahmen für junge Menschen und Erwachsene.

Beitrag der Strukturfonds zur Förderung digitaler Kompetenzen

 

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