Diplomzusatz
Die Zahl neuer Qualifikationen nimmt weltweit zu, und Länder ändern ihre Qualifikationssysteme und Bildungsstrukturen ständig. Immer mehr mobile Bürger bemühen sich um eine angemessene Anerkennung ihrer außerhalb des Heimatlandes erworbenen Qualifikationen, so dass die Nichtanerkennung und schlechte Bewertung von Qualifikationen inzwischen zu einem globalen Problem geworden ist. Da die Originalzeugnisse allein keine ausreichenden Informationen liefern, lassen sich Niveau und Zweck einer Qualifikation ohne detaillierte Erläuterungen nur sehr schwer abschätzen.
Der Diplomzusatz ist eine Reaktion auf diese Herausforderungen und unterstützt die Mobilität und den Zugang zu Möglichkeiten des lebenslangen Lernens. Er fördert die Transparenz in der Hochschulbildung und die gerechte und sachkundige Beurteilung von Qualifikationen. Außerdem trägt er dem raschen Wandel bei den Qualifikationen Rechnung.
Der Zusatz wird von den nationalen Hochschuleinrichtungen anhand einer Vorlage erstellt, die gemeinsam von der Europäischen Kommission, dem Europarat und der UNESCO entwickelt wurde.
Er besteht aus acht Punkten: Angaben zur Person des Qualifikationsinhabers, zur Qualifikation selbst und zu deren Niveau und Zweck, zum Inhalt der Qualifikation und zu den erzielten Ergebnissen, Beurkundung des Zusatzes, Angaben zum nationalen Hochschulsystem sowie weitere Angaben.
Dem Diplomzusatz muss eine Beschreibung des nationalen Hochschulsystems, in dem die im Original-Befähigungsnachweis genannte Person ihren Abschluss erworben hat, beigefügt sein. Diese Beschreibung wird von den Nationalen Informationszentren für Fragen der akademischen Anerkennung (NARIC) bereitgestellt.
Der Zusatz soll eine Anerkennung unterstützen – er ist kein Lebenslauf, kein Ersatz für den Original-Befähigungsnachweis und garantiert nicht die Anerkennung.
Die 48 am Bologna-Prozess beteiligten europäischen Länder haben sich darauf geeinigt, jedem Graduierten im jeweiligen Heimatland automatisch einen Diplomzusatz auszuhändigen, unentgeltlich und in einer wichtigen europäischen Sprache. Näheres dazu auf der offiziellen Website des Bologna-Prozesses.
Der Diplomzusatz bietet Studierenden:
- einen Abschluss, der im Ausland besser verständlich und leicht zu vergleichen ist;
- eine genaue Beschreibung des Studienverlaufs und der während des Studiums erworbenen Kompetenzen;
- eine objektive Beschreibung der erzielten Ergebnisse und erworbenen Kompetenzen;
- leichteren Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten oder einem weiterführenden Studium im Ausland;
- Förderung der Beschäftigungsfähigkeit.
Seine Vorteile für Hochschuleinrichtungen:
- Er fördert die akademische und berufliche Anerkennung und erhöht so die Transparenz von Qualifikationen;
- Er trägt zur Wahrung der Autonomie der Länder und Einrichtungen bei und bietet zugleich einen einheitlichen Rahmen, der in ganz Europa anerkannt wird;
- Er fördert eine sachkundige Beurteilung von Qualifikationen, die in anderen Bildungskontexten verstanden werden können;
- Er erhöht den Bekanntheitsgrad der Einrichtung im Ausland;
- Er fördert die Beschäftigungsfähigkeit der Graduierten auf nationaler und internationaler Ebene;
- Er hilft Zeit zu sparen, da er Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen liefert, die den Verwaltungsstellen der Einrichtungen immer wieder zum Inhalt und zur Übertragbarkeit von Abschlüssen gestellt werden.