Das Europäische Parlament und der Rat verabschiedeten im Jahr 2006 die Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Sie sollte zur Entwicklung einer hochwertigen, zukunftsorientierten, allgemeinen und beruflichen Bildung beitragen, die auf die Bedürfnisse der europäischen Gesellschaft zugeschnitten ist.

Sie enthielt einen an politische Entscheidungsträger, Bildungs- und Ausbildungsträger, die Sozialpartner und die Lernenden selbst gerichteten europäischen Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen. Ferner ist sie dazu gedacht, auch andere Politikbereiche wie die Beschäftigungs- und die Sozialpolitik sowie andere junge Menschen betreffende Politikbereiche zu unterstützen.

Im Sinne der Empfehlung sind Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen Kompetenzen, die alle Menschen für persönliche Entfaltung, soziale Integration, Bürgersinn und Beschäftigung benötigen. Schlüsselkompetenzen sind also für alle Bereiche der allgemeinen und beruflichen Bildung (Schulen, berufliche Aus- und Weiterbildung, Hochschulbildung, Erwachsenenbildung) und des nicht formalen und informellen Lernens von Bedeutung.

Schlüsselkompetenzen sind wichtig für:

  • junge Menschen am Ende ihrer allgemeinen und beruflichen Pflichtschulzeit, damit sie für das Erwachsenenleben gerüstet sind;
  • Erwachsene während ihres gesamten Lebens durch Weiterentwicklung und Aktualisierung ihrer Kompetenzen.

Der Referenzrahmen umfasst acht Schlüsselkompetenzen, die jeweils eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen sind. Die acht Schlüsselkompetenzen sind:

  • muttersprachliche Kompetenz
  • fremdsprachliche Kompetenz
  • mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
  • Computerkompetenz
  • Lernkompetenz
  • soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  • Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz und
  • Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit.

Viele der Kompetenzen überschneiden sich bzw. greifen ineinander: Querschnittskompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität, Initiative oder Problemlösung werden im Referenzrahmen immer wieder genannt.

Im Hinblick auf die weitere Förderung eines gemeinsamen Verständnisses für digitale und unternehmerische Kompetenzen hat die Kommission zwei weitere Referenzrahmen ausgearbeitet, und zwar Den Europäischen Referenzrahmen für unternehmerische Initiative und den Referenzrahmen für Entwicklung und Verständnis digitaler Kompetenz in Europa.

Nutzung des Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen

Der Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen wird von den Mitgliedstaaten und den beteiligten Kreisen weitgehend anerkannt. Während der letzten zehn Jahre hat er die nationale politische Entwicklung in den verschiedenen Bereichen der allgemeinen und beruflichen Bildung durch seinen Beitrag zum kompetenzbasierten Lehren und Lernen in den Mitgliedstaaten beeinflusst. Insbesondere wurden Fortschritte bei der Entwicklung von Lehrplänen in Schulen verzeichnet. Der Referenzrahmen wird auch als Basis für die Anerkennung des nichtformalen Lernens im Jugendbereich (Jugendpass-Zertifikat) herangezogen.

Er wird jedoch von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat, im Bildungs- und Ausbildungsbereich und in Bezug auf Kompetenzen unterschiedlich angewandt, wobei sich die Einbeziehung von Querschnittskompetenzen schwierig gestaltet. Es ist anerkannte Tatsache, dass Lehrkräfte, Ausbilder und Schulleiter bei der Anwendung des auf Schlüsselkompetenzen beruhenden Ansatzes stärker unterstützt und die Bewertungs- und Evaluierungsinstrumente weiterentwickelt werden müssen.

Überarbeitung des Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen

Es geht darum, den Referenzrahmen auf den neuesten Stand zu bringen, um sicherzustellen, dass er den politischen, sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und technologischen Entwicklungen seit 2006 Rechnung trägt. Dementsprechend sind Abänderungen denkbar, die besser auf die Entwicklungen in Bereichen wie Mehrsprachigkeit, kulturelle Vielfalt und unterschiedliche Formen der Kommunikation, Migration, Bürgerschaft, und Fragen der Nachhaltigkeit eingehen.

Ein besseres Verständnis der Bedürfnisse der Interessenträger im Hinblick auf die künftige Nutzung des Referenzrahmens und die Ermittlung nützlicher Instrumente und Prozesse zur Unterstützung politischer Entscheidungsträger und Akteure sind weitere Gründe für seine Überarbeitung.

Letztere soll sicherstellen, dass der Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen auch elf Jahre nach seiner Annahme ein bewährtes Instrument für die Entwicklung der allgemeinen und beruflichen Bildung bleibt. Mit der Aktualisierung und Weiterentwicklung des Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen bezweckt die Kommission eine stärkere Förderung des kompetenzbasierten Lehrens und Lernens in Europa. Der aktualisierte Referenzrahmen wird weiterhin Maßnahmen zur generellen Weiterentwicklung von Schlüsselkompetenzen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene in einem formalen und nichtformalen Rahmen für Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen unterstützen.

Konsultationsverlauf

Die Konsultation zur Überarbeitung des Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen begann im Juni 2016 und wird im laufenden Jahr (2017) fortgesetzt. Die Annahme eines überarbeiteten Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen ist für das 2. Halbjahr 2017 geplant. Zweck der Konsultation ist es, dafür zu sorgen, dass alle Zielgruppen einbezogen werden. Sie wird eine Bewertung der bisherigen Nutzung des Referenzrahmens in den Mitgliedstaaten sowie vorausschauende Studien zur Ermittlung des künftigen Bedarfs an Schlüsselkompetenzen umfassen.

Machen Sie mit!

Wir laden all Bürger/-innen und Interessenträger ein, sich an der öffentlichen Konsultation zu beteiligen und einen Beitrag zur Überarbeitung des Referenzrahmens für Schlüsselkompetenzen zu leisten.