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5 ECTS & lebenslange Lernen

Anerkennung früherer Studienleistungen
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Anerkennung früherer Studienleistungen und Erfahrungen

Hochschulen sollten Credits auch für solche Lernergebnisse vergeben dürfen, die außerhalb des formalen Rahmens durch Bereiche Praxis, ehrenamtliche Tätigkeit, Engagement als Studierender oder eigenständiges Studium erzielt wurden, sofern diese Lernergebnisse die Bedingungen ihrer Abschlüsse oder Lerneinheiten erfüllen. Für Lernergebnisse, die durch nicht formales und informelles Lernen erreicht wurden, sollte automatisch die gleiche Anzahl von ECTS Credits vergeben und anerkannt werden, wie sie der entsprechenden Lerneinheit des formalen Studiengangs entspricht.

Genau wie bei der formalen Bildung geht auch hier der Vergabe von Credits eine Beurteilung voraus, um das Erreichen der entsprechenden Lernergebnisse zu überprüfen. Die Beurteilungskriterien und die damit verbundenen (Beurteilungs)Verfahren sollten so gestaltet werden, dass das Erreichen der erforderlichen Lernergebnisse auf angemessenem Niveau und ohne Bezug auf bestimmte Studienaktivitäten oder Arbeitsaufwand gemessen werden kann. So würde beispielsweise die „Teilnahme an Diskussionen im Unterricht“ zum Lernstoff nicht mehr in die Beurteilung einbezogen, hingegen könnte das entsprechende Lernergebnis „Formulierung von Argumenten im Rahmen der Gruppeninteraktion“ einen relevanten Faktor darstellen. In jedem Fachbereich oder für jedes Fachgebiet sollten geeignete Mitarbeiter benannt werden, die formal autorisiert sind und die Ausbildung besitzen, um auf Grundlage transparenter Kriterien, die von der Einrichtung festgelegt und veröffentlicht wurden, Credits für Lernergebnisse zu vergeben, die außerhalb des formalen Lernkontexts erzielt wurden. Von diesen Mitarbeitern wird selbstverständlich erwartet, dass sie im Rahmen von regelmäßigen Berichten an ein zuständiges Komitee (z. B. auf Ebene des Fachbereichs, der Fakultät oder der Hochschule) ihre Entscheidungen darlegen und dokumentieren.

Nota Bene

Beurteilung (Annerkennung) früherer Studienleistungen

Es gibt ein großes Spektrum an Beurteilungsverfahren zur Anerkennung früherer Studienleistungen und Erfahrungen. Eines dieser Beurteilungsinstrumente ist die Portfolio-Methode. Portfolios umfassen Dokumente, die Lernende als Nachweis für die einzelnen Fertigkeiten und Fähigkeiten gesammelt haben, die sie auf unterschiedliche Art und Weise erworben haben.

In einem Portfolio werden alle gesammelten Unterlagen berücksichtigt, die einen Nachweis über die Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse darstellen, die durch frühere Erfahrungen in nicht formalen und informellen Lernkontexten erworben wurden. Ein Portfolio umfasst u. a. Empfehlungsschreiben und Zeugnisse von Arbeitgebern und Vorgesetzten, es kann die Leistungsbewertung eines Mitarbeiters enthalten, einen Lebenslauf sowie weitere Dokumente. Indem ein Portfolio zugrunde gelegt wird, stützt sich die Beurteilung auf unterschiedliche vom Lernenden zur Verfügung gestellte Informationen. Lernende benötigen bei der Vorbereitung ihres Portfolios unter Umständen Unterstützung und Beratung.

Einrichtungen sollten Anerkennungsrichtlinien für nicht formales oder informelles Lernen entwickeln. Diese Richtlinien sollten die Beratung, die Rückmeldung zu den Ergebnissen der Beurteilung und die Möglichkeit enthalten, das Ergebnis anzufechten. Darüber hinaus werden die Einrichtungen dazu angeregt, Empfehlungen und Beratungsangebote zur Anerkennung von nicht formalem und informellem Lernen zu entwickeln. Diese können je nach nationalen und institutionellen Verfahren unterschiedliche Formen annehmen (beispielsweise können Anlaufstellen hochschulintern oder übergreifend für verschiedene Einrichtungen eingerichtet werden). Einrichtungen sind aufgefordert, ihre Richtlinien und Verfahren deutlich sichtbar auf ihrer Webseite zu veröffentlichen.

Durch die Anerkennung nicht formaler und informeller Bildung wird die soziale Integration an den Hochschulen verbessert. Die Erweiterung der Zugangsmöglichkeiten von Lernenden aus dem Berufsleben und verschiedenen, nicht traditionellen Lern- umgebungen trägt dazu bei, das lebenslange Lernen Wirklichkeit werden zu lassen. Einrichtungen sollten sich insbesondere für die Anerkennung beruflicher Aus- und Weiterbildung öffnen.

Nota Bene

Vergabe von Credits für nicht formales oder informelles Lernen

Der Prozess der Vergabe von Credits für nicht formales oder informelles Lernen erfolgt in vier Hauptstufen:

  1. Beratung und Betreuung im Vorfeld (Was umfasst das Verfahren für den Lernenden? Welche Beschränkungen gelten hinsichtlich Credits für nicht formales/informelles Lernen? Welche Kosten, Aufgaben und Pflichten fallen für den Lernenden und den Dozenten/Berater an? Welche unterschiedlichen Lernwege gibt es zum Erreichen des Abschlusses?).
  2. Unterstützung (Reflexionsprozess, Verstehen der Lernergebnisse, Identifizierung eigener Lernergebnisse, Sammlung und Auswahl von Nachweisen).
  3. Anerkennung/Beurteilung (Beurteilung der Nachweise für das Erreichen von Lernergebnissen und Beurteilungskriterien).
  4. Vergabe von Credits (die über diesen Prozess vergebenen Credits besitzen den gleichen Wert wie die im Rahmen formaler Bildungsmaßnahmen erlangten Credits).
Nota Bene

ECVET

Das europäische Creditsystem für die Berufsbildung (European Credit System for Vocational Education and Training, ECVET) wurde nach Empfehlungen des Europäischen Parlaments und des Rats im Jahr 2009 etabliert (2009/C/155/02).

ECVET zielt darauf ab, die Übertragung, Akkumulierung und Anerkennung von beurteilten Lernergebnissen von Lernenden zu erleichtern, die einen Abschluss im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung (vocational education and training, VET) anstreben.

Ebenso wie ECTS fördert und unterstützt ECVET Lernende dabei, ihre eigenen Lernwege durch die Akkumulierung von Credits zu gestalten – sei es innerhalb einer bestimmten Einrichtung, von Einrichtung zu Einrichtung, von Land zu Land oder zwischen unterschiedlichen Teilbildungssystemen und Lernkontexten (d. h. formalem, nicht formalem und informellem Lernen). Damit unterstützt ECVET diese Lernenden dabei, auf ihre individuellen Lernstile und -erfahrungen aufzubauen.

Genau wie ECTS basiert ECVET auf dem Konzept von 60 Credits, allerdings werden die Credits anders zugewiesen. Oftmals wird ECVET zur Dokumentation und Akkumulierung geprüfter Lernergebnisse eingesetzt, ohne diese in Credits umzuwandeln. Deshalb sollte die Anerkennung des Lernens im Rahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung auf Grundlage von Lernergebnissen erfolgen, nicht durch die Umwandlung von Credits.