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ECTS und die Qualitätssicherung

Dieser Abschnitt erläutert, welchen Beitrag ECTS zur Qualitätsverbesserung an Hochschulen leistet. Anhand von Beispielen wird die Bewertung der Umsetzung von ECTS illustriert.

In erster Linie liegt die Verantwortlichkeit für die Qualitätssicherung bei jeder einzelnen Einrichtung selbst, wie die Bildungsminister der am Bologna Prozess beteiligten Länder im Berliner Kommuniqué vom 19. September 2003 vereinbart haben. Interne Qualitätssicherung umfasst sämtliche von Hochschuleinrichtungen durchgeführte Maßnahmen, mit denen diese sicherstellen, dass die Qualität ihrer Studiengänge und Abschlüsse den eigenen Vorgaben sowie denen anderer relevanter Organisationen wie Qualitätssicherungsagenturen entspricht. Externe Qualitätskontrollen durch Qualitätssicherungsagenturen geben eine Rückmeldung an die Einrichtungen und liefern Informationen für die Interessenvertreter. Die Grundsätze und Prozesse der Qualitätssicherung gelten für alle Lern- und Lehrmodelle (formal, nicht formal, informell, neue Formen des Lernens, Lehrens und Beurteilens). Die Europäischen Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum (ENQA, 2005) unterstützen die interne und externe Qualitätssicherung.

Nota Bene

Europäischen Standards und Leitlinien

„Die europäischen Standards und Leitlinien beschreiben eine Reihe bewährter Verfahren und Empfehlungen für die interne und externe Qualitätssicherung in der Hochschulbildung. Dabei handelt es sich weder um Qualitätsstandards noch um Vorgaben zur Implementierung der Qualitätssicherung. Vielmehr handelt es sich um Leitlinien für die Bereiche, die essentiell für eine erfolgreiche Bereitstellung qualitativ hochwertiger Lernangebote und Lernumgebungen an Hochschuleinrichtungen sind. Die europäischen Standards und Leitlinien sollten in einem größeren Kontext betrachtet werden, der auch die Qualifikationsrahmen, ECTS und den Diplomzusatz umfasst, die ebenfalls einen Beitrag zur Transparenz und zum gegenseitigen Vertrauen in die Hochschulbildung im europäischen Hochschulraum (EHR) leisten.“

Die Standards 1.2, 1.3, 1.4 und die entsprechenden Leitlinien beziehen sich auf Bereiche, die ECTS betreffen (insbesondere die Gestaltung der Programme, das studierendenorientierte Lernen, Lehre und Beurteilung und Zugangsberechtigungen, Studienordnungen, Anerkennung und Zertifizierung).

Bewährte Verfahren bei der Anwendung von ECTS helfen Einrichtungen, die Qualität ihrer Studiengänge und die von ihnen geschaffenen Lernmobilitätsangebote zu verbessern. Somit sollte die Verwendung von ECTS einer Qualitätssicherung durch entsprechende Bewertungsverfahren wie (z. B. Überwachung, interne und externe Überprüfung der Qualität sowie Rückmeldungen der Studierenden) und kontinuierlicher Qualitätsverbesserung unterliegen. Bei der Bewertung der Effektivität eines Studiengangs (einschließlich der Lernergebnisse, des Arbeitsaufwands und der Beurteilungsverfahren) wird eine Reihe von Maßzahlen eingesetzt. Diese können hohe Quoten von Studienabbrechern oder nicht bestandene Prüfungen oder eine längere Studiendauer umfassen. Ein Studiengang gilt als effektiv, wenn seine Ziele innerhalb einer angemessenen Zeit erreicht werden, d. h. wenn Studierende die definierten Lern- ergebnisse erreichen, die erforderlichen Credits akkumulieren und den Abschluss erlangen, wie es im Studienprogramm vorgesehen ist. Bei jeder Analyse sollte jedoch auch kritisch zwischen den einzelnen Elementen unterschieden werden, da diese auch Hinweise auf ineffektive Planung oder Durchführung sowie unangemessene Maßnahmen zur Unterstützung Studierender sein können.

Die folgenden Indikatoren können zur Bewertung der Qualität der ECTS Umsetzung verwendet werden:

  • Lerneinheiten werden in Bezug auf angemessene Lernergebnisse formuliert und es werden klar verständliche Informationen über deren Niveau, Credits, Durchführung und Beurteilung zur Verfügung gestellt;
  • Das Studium kann in der formal veranschlagten Zeit abgeschlossen werden (d. h. der angesetzte Arbeitsaufwand ist für ein Semester, ein Trimester oder ein akademisches Jahr oder einen einzigen Kurs realistisch);
  • Im Rahmen jährlicher Überprüfungen werden Abweichungen bei erzielten Leistungen und Ergebnissen untersucht und entsprechende Maßnahmen zur Überarbeitung ergriffen;
  • Studierende erhalten ausführliche Informationen und Beratung, sodass sie die Regelungen der Studienordnung einhalten, die Optionen flexibler Lernwege nutzen und Lerneinheiten auf dem angemessenen Niveau ihres Abschlusses wählen können;
  • Den Studierenden werden ihre Ergebnisse unmittelbar mitgeteilt.

Im Hinblick auf mobile Studierende und Anerkennung bedeutet dies, dass

  • die Prozesse zur Übertragung von Credits in die normalen Überwachungs-, Überarbeitungsund Validierungsverfahren eingeschlossen sind;
  • geeignete Mitarbeiter beauftragt sind, die Verantwortung für die Übertragung und Anerkennung von Credits zu tragen;
  • in jedem Fall Lernvereinbarungen geschlossen werden, deren Ausarbeitung und deren gegebenenfalls nachträglichen Änderungen fairen und soliden Genehmigungsverfahren unterliegen;
  • mobile Studierende reguläre Lerneinheiten aus dem jeweils vorliegenden Vorlesungsverzeichnis belegen; sie werden zusammen mit den regulären Studierenden der Einrichtung geprüft und bewertet;
  • detaillierte Leistungsübersicht ausgestellt werden, aus denen die entsprechenden Credits und Noten hervorgehen;
  • alle Credits in Verbindung mit erfolgreich abgeschlossenen Lerneinheiten, die im Rahmen einer genehmigten Lernvereinbarung in ihrer aktuellen Fassung erworben wurden, anerkannt werden; die entsprechenden Ergebnisse sollten unmittelbar bekanntgegeben und übermittelt werden;
  • Notentabellen zur Auslegung der erlangten Noten existieren, sodass sich auch Noten – und nicht nur Credits – ordnungsgemäß in allen erzielten Abschlüssen widerspiegeln.

Studierendenvertreter sollten aktiv an der Qualitätssicherung von ECTS beteiligt werden:

  • Bei der internen Qualitätssicherung tragen Studierende durch Informationen bei (durch regelmäßige Beantwortung von Fragebögen, in Fokusgruppen), sie sind an der Vorbereitung der Berichte zur Selbstbewertung der Einrichtungen beteiligt und engagieren sich aktiv in den Gremien für die interne Qualitätssicherung und die Überprüfung der Zuweisung von ECTS Credits.
  • Bei der externen Qualitätssicherung beteiligen sich Studierende als Mitglieder externer Bewertungsgremien der Hochschuleinrichtungen und/oder Studiengänge.