Navigationsleiste

 
5 ECTS & lebenslange Lernen

lebenslange Lernen
Startseite

Lebenslanges Lernen – Chancen offener Lernmodelle

Die Hochschullandschaft erlebt derzeit aufgrund der raschen Entwicklung von breiter gefächerten und flexibleren Lernmöglichkeiten einen Wandel – z. B. mit integriertem Lernen („blended learning”), Online- Kursen ohne Zugangsbeschränkung (Massive Open Online Courses, MOOCs), offenen Bildungsinhalten, Lernen am Arbeitsplatz, selbstgesteuertem Lernen, individuellen Lernwegen sowie kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung (siehe ECTS Gestaltung). Immer mehr Lernende absolvieren „eigenständige“ Bildungseinheiten oder Kurse, ohne dabei einen bestimmten Abschluss anzustreben. Hochschulen sehen sich daher gefordert, den Bedürfnissen einer zunehmend breiter gefächerten Gruppe von Studierenden gerecht zu werden und Angebote für individuelle Lernwege und unterschiedliche Lernmodelle anzubieten. Deshalb diversifizieren sich viele und bieten Lerneinheiten für alle an, auf Grundlage innovativer Lern- und Lehrmodelle, die auf neuen Technologien und offenen Bildungsinhalten basieren.

Der Vorteil von ECTS liegt darin, dass es in jedem Kontext des lebenslangen Lernens genutzt werden kann und die gleichen Grundsätze für die Zuweisung, Vergabe, Akkumulierung und die Übertragung von Credits gelten. Auf die gleiche Weise, wie man Lehrveranstaltungen im Rahmen von Studiengängen Credits zuweist, entsprechen Credits, die den offenen Lernmodellen und anderen Formen des lebenslangen Lernens zugewiesen werden, dem normalen Arbeitsaufwand zum Erreichen der definierten Lernergebnisse.

Anbieter von allen „formalen“ Bildungsangeboten auf Hochschulniveau, die einer Qualitätssicherung unterliegen (d. h. deren Qualitätssicherungsprozesse und -kriterien denen herkömmlicher Hochschulen entsprechen) wie z.B. offene Lernmodelle, werden dazu ermutigt, ECTS mit seinen transparenten Mechanismen einzusetzen, wie sie in diesem Leitfaden beschrieben werden. Dadurch wird der Übergang zwischen unterschiedlichen Lernmodellen, die Anerkennung und die Übertragung enorm vereinfacht, während das Vertrauen der Lernenden und der Interessenvertreter in die Ergebnisse offener Formen des Lernens wächst.

Nota Bene

Kontinuierliche berufliche Weiterbildung

Es wird mehr und mehr gesehen, dass die kontinuierliche berufliche Weiterbildung für all jene, die in reglementierten Berufen tätig sind, notwendig ist. Dies trifft insbesondere auf Berufe im Gesundheitsbereich zu. Die kontinuierliche berufliche Weiterbildung enthält einen grenzüberschreitenden Aspekt, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unabhängig davon, ob sie freiwillig oder verpflichtend erfolgt, wird die kontinuierliche berufliche Weiterbildung von Berufstätigen und Anbietern gleichermaßen als Form des lebenslangen Lernens angesehen. Sie umfasst formales, nicht formales und informelles Lernen. Elemente der kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung können zwar in Abschlüsse des zweiten Studienzyklus (Master) umgewandelt werden oder in professionelle Abschlüsse auf Promotionsniveau (je nach nationaler Gesetzgebung), doch weist die kontinuierliche berufliche Weiterbildung als rein berufsorientierte Praxis Besonderheiten auf: Sie kann selbstorganisiert sein und wird im Rahmen einer Selbstbewertung, die wissenschaftlich evaluiert wird, vorgenommen. Überlegungen zur Beschäftigungsfähigkeit, zum Recht auf fortgesetzte Berufsausübung, zur Wahrung von Standards beruflicher Praxis, zum Schutz der Öffentlichkeit und – im Gesundheitsbereich – zur Patientensicherheit können dennoch bedeuten, dass die Umsetzung einer kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung messbar, überprüfbar und durch eine anerkannte/autorisierte Stelle zertifiziert sein muss.

Wie dies erreicht werden kann, wird in Kreisen der kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung weiterhin debattiert. Sowohl das europäische Creditsystem für die Berufsbildung (European Credit System for Vocational Education and Training, ECVET) als auch ECTS gelten als relevant, da die kontinuierliche berufliche Weiterbildung allen acht Niveaus des EQR zugeordnet werden kann. Doch die Schnittstelle der beiden Systeme ist noch nicht durchlässig genug, und die verschiedenen Berufe besitzen unterschiedliche Kulturen und nationale Subkulturen. Die Diskussion über die Verknüpfung mit dem europäischen Credit-System dauert noch an und man erhofft sich daraus größere Klarheit über die Verwendung von Credits bei der kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung. Anbieter von kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung auf den Niveaus fünf bis acht des EQR werden inzwischen dazu aufgefordert, die Anwendbarkeit der ECTS Credits zum Zweck der Transparenz, Anerkennung, Akkumulierung und Übertragung von Credits gemäß der in diesem Leitfaden dargelegten Methodologie zu prüfen.

Erworbene Credits für alle Formen der Hochschulbildung, inklusive der Weiterbildung und beruflichen Ausbildung, können anerkannt und zum Erreichen eines Abschlusses akkumuliert werden oder nicht, abhängig vom Wunsch des Studierenden und/oder den Anforderungen für die Verleihung eines Abschlusses. Einige selbständig Lernende sind unter Umständen nur an der Teilnahme an einer Lerneinheit interessiert, ohne den entsprechenden Abschluss erwerben zu wollen. Doch die Zuweisung und die Dokumentation von Credits ermöglichen es ihnen, diese Credits in Zukunft zu verwenden, falls sie es wünschen.

Die Dokumentation aller Lernergebnissen und die Vergabe der entsprechenden Anzahl von ECTS Credits auf der Niveaustufe der Bildungsmaßnahme ermöglicht die Anerkennung dieses Lernergebnisses auf transparente, anerkannte Weise, so dass die Credits zu einem künftigen Abschluss beitragen können. Die in der formalen Bildung angewendeten Instrumente zur Validierung und Anerkennung sollten an die sich entwickelnde breiter gefächerte, flexiblere Bildungsumgebung angepasst werden, um so den durch Technologien möglichen neuen Formen des offenen Lernens Rechnung zu tragen. Die korrekte Anwendung von ECTS wird diesen Prozess erheblich verbessern und erleichtern.