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ECTS und der Europäische Hochschulraum (EHR)


Eines der wichtigsten Ziele der Bologna Erklärung von 1999, zu denen sich die am Bologna Prozess teilnehmenden Länder verpflichteten, war ECTS. Aufgrund der im Rahmen des Bologna Prozesses durchgeführten Reformen wurde ECTS zu einem wichtigen Instrument im Europäischen Hochschulraum (EHR).

ECTS wurde als nationales Creditsystem in den meisten Ländern des EHR eingeführt. In anderen Regionen der Welt wird es in zunehmendem Maße von Einrichtungen genutzt oder erfolgreich mit den vor Ort eingesetzten Creditsystemen verwendet, die auf [3] vergleichbaren Kriterien basieren. Damit spielt ECTS eine Rolle bei der zunehmend globalen Dimension der Bildung.

Innerhalb des EHR sorgt ECTS für bessere Transparenz und Lesbarkeit der Bildungsprozesse. Es spielt somit eine effektive Rolle bei der Anregung zum Wandel und zur Modernisierung, da seine Umsetzung den Paradigmenwechsel von einem lehrerzentriertem hin zu einem lernendenzentrierten Ansatz stärkt. Dabei handelt es sich um ein unter dem Begriff „Studierendenzentriertes Lernen“ (Student-Centred Learning, SCL) zusammengefasstes Grundprinzip des EHR.

Nota Bene

Studierendenzentrierte Lernen (SCL)

Das studierendenzentrierte Lernen (SCL) stellt einen qualitativen Sprung für Studierende und andere Lernende in einer Lernumgebung dar, die deren Selbständigkeit und kritische Fähigkeiten durch einen ergebnisorientierten Ansatz stärkt.

Das Konzept des SCL kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Schwerpunkt auf aktivem und weniger auf passivem Lernen;
  • Betonung auf kritisches und analytisches Lernen und Verstehen;
  • Zunehmend Eigenverantwortung und Rechenschaftspflicht seitens des Studierenden;
  • Stärkere Autonomie des Studierenden;
  • Ein reflektierter Ansatz im Lern- und Lehrprozess sowohl auf Seiten des Studierenden als auch des Lehrenden.

Durch Einbeziehung der Lernergebnisse und des studentischen Arbeitsaufwands in die Lehrplangestaltung und -durchführung rückt ECTS den Studierenden ins Zentrum des Bildungsprozesses. Zudem erleichtert die Verwendung von Credits, flexible Lernwege zu schaffen und ermöglicht Studierenden somit größere Autonomie und Eigenverantwortlichkeit.

Aufgrund seines ergebnisorientierten Ansatzes dient ECTS auch anderen Zielen des EHR:

  • Es fördert die Anerkennung früherer Lernleistungen und Erfahrungen und sorgt damit für einen höhere Abschlussquote und größere Teilhabe am lebenslangen Lernen.
  • Es schafft eine engere Verzahnung zwischen den Bildungsprogrammen und dem Bedarf der Gesellschaft und fördert den Austausch mit Interessenvertretern, wie den Arbeitgebern und der Gesellschaft als Ganzes.
  • Zudem erleichtert es durch die Anerkennung und Übertragung von Credits die Mobilität innerhalb einer Einrichtung oder Landes, zwischen den Einrichtungen, zwischen den Ländern und zwischen unterschiedlichen Bildungsbereichen und Lernkontexten (d. h. formal, nicht formal, informell und am Arbeitsplatz/ praxisbezogen).

In der nationalen Gesetzgebung kann die Anwendung von ECTS eine Grundvoraussetzung für die Akkreditierung von Hochschulprogrammen oder ‑abschlüssen sein.



3. ECTS war Vorbild für die Entwicklung von Creditsystemen in anderen Regionen, beispielsweise in Südostasien, Lateinamerika und in jüngster Zeit in Afrika.