Erasmus will durch Förderung der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit zwischen Hochschuleinrichtungen, durch
Förderung der Mobilität für Studierende und Hochschullehrer
und durch unionsweite Verbesserung der Transparenz und
akademischen Anerkennung von Studien und Qualifikationen die
Qualität des Hochschulstudiums verbessern und seine
europäische Dimension stärken.
Bei dem
Intensiv-Programm
(IP) handelt es sich um ein kurzzeitiges Studienprogramm (10
Tage bis 3 Monate), bei dem Studierende und Personal aus
Hochschulen der verschiedenen Teilnehmerländer mit
nichtakademischen Fachleuten in einem bestimmten Sachbereich
zusammenarbeiten.
Zu den derzeitigen Prioritäten gehören Projekte, die den
künftigen Anforderungen im Bereich der Kommunikation und
Informationswissenschaften gerecht werden, einen
multidisziplinären Ansatz bei der Unternehmensführung
anstreben oder den interkulturellen Dialog und das
Verständnis zwischen Europa und seinen Nachbarregionen
fördern wollen. Projekte, die den neuen Anforderungen und
Herausforderungen auf europäischer Ebene gerecht werden
können, etwa der Verwirklichung des Europäischen
Hochschulraums oder der zunehmenden Bedeutung der Hochschule
in der Wissensgesellschaft, werden ebenfalls nachhaltig
gefördert, ebenso Projekte mit einem stark
multidisziplinären Ansatz.
Nachstehend Beispiele für erfolgreiche
Intensivprogramme:
Rumänien: nachhaltige Land- und Wasserwirtschaft – ein
europäischer Vergleich
Mit Blick auf die anzustrebende nachhaltige Landwirtschaft
untersucht das in Rumänien angelaufene Programm die
derzeitigen Methoden der intensiven Agrarerzeugung und weist
auf die gefährlichen und nachteiligen Auswirkungen unnötiger
Bewässerung, übermäßiger chemischer Düngung und
unkontrollierter Abfallbeseitigung der Nahrungsmittelindustrie
auf die Wasserressourcen und -qualität hin.
Das Programm soll ein gemeinsames Konzept für alle
beteiligten European Master-Studenten festlegen,
einschlägige Aspekte auswerten und die für bestimmte
EU-Länder bzw. Regionen typischen Situationen untersuchen.
Dabei soll anhand nationaler oder regionaler Fallstudien
ein Überblick über die verschiedenen die Wasserressourcen
beeinflussenden Ursachen und über die entsprechenden
Vorbeugungsmaßnahmen gewonnen werden.
Die am Programm beteiligte multinationale Gruppe aus 15
Dozenten, 5 externen Fachwissenschaftlern und 45 Studierenden
(20 einheimische und 25 ausländische) soll einen umfassenden
Bericht über die Ursachen der Schädigung, sowie die mit der
Agrar- und Nahrungsmittelproduktion kompatible
Wiederherstellung der Wasserressourcen und ihren Schutz
erstellen.
Italien: politische Systeme und Definitionen
geschlechtsspezifischer Rollen
Mit Unterstützung des italienischen Ministeriums für
Chancengleichheit und des italienischen Verbands freiberuflich
tätiger Frauen soll das in Pisa durchgeführte Programm (an
dem 30 Lehrkräfte, 80 Studierende und 10 externe Fachleute
mitwirken) die sozialen und politischen Aspekte
geschlechtsspezifischer Rollenmuster untersuchen.
Das Programm konzentriert sich auf das Geschlecht als
Schlüsselfaktor, der innerhalb bestimmter Gesellschaften die
Beziehung zwischen einzelnen sozialen Gruppen und den
Mechanismen der politischen Organisation definiert. Da
geschlechtsspezifische Klischees als grundlegender Teil der
nationalen oder ethnischen Identität gelten, wirken sie sich
unmittelbar auf internationaler und europäischer Ebene aus.
Während eines 10-tägigen Studien- und
Forschungsaufenthalts in der Toskana wollen die Teilnehmer von
37 europäischen Hochschulen – z. B. Bielefeld,
Roskilde, Salamanca, Rouen, Graz, Edinburgh, Groningen,
Coimbra, Wilna oder Maribor – anhand der gewonnenen
Erkenntnisse neues Unterrichtsmaterial für die beteiligten
Hochschulen entwickeln, das auch ins Internet gestellt werden
soll.

Deutschland: Sozialarbeitskonzepte gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Europa
Mit dem in Frankfurt/Main angesiedelten Intensivprogramm
soll das Ausmaß von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in
Europa und ihre historischen, kulturellen und ideologischen
Ursachen erforscht werden; dabei werden Sozialarbeitskonzepte
und Gegenmaßnahmen in sechs EU-Ländern verglichen. Dieser
interkulturelle Ansatz soll integraler Pflichtbestandteil im
Lehrplan des Sozialarbeitsstudiums werden und die Strategien
gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stärken.
Das Projekt ermittelt die drei Hauptursachen des Phänomens
– Orientierungslosigkeit unter Jugendlichen, soziale
Ungleichheit und globale Migration – mit Schwerpunkt auf der
ersteren Ursache. Die Untersuchung wird in Deutschland
durchgeführt, da Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in
besorgniserregendem Umfang aus diesem Land gemeldet wurden und
eine Reihe von unlängst getroffenen Gegenmaßnahmen vielfach
Misserfolge waren.
Während der 12-tägigen Arbeit setzen die Teilnehmer
kleine Arbeitsgruppen ein zur Überprüfung statistischer
Daten, theoretischer Konzepte, Prozesse der
(Wieder-)Herstellung der Ethnizität, Maßnahmen der
Zivilgesellschaft und Sozialarbeit gegen Rassismus und
Neonationalismus. Außerdem werden vor der Diskussion der
Ergebnisse im Forum praxisorientierte Besuche durchgeführt.
Ungarn: Erfordernisse im Bildungsbereich in benachteiligten
Gemeinschaften Europas
Das in Békéscsaba (Ungarn) angesiedelte aus dem laufenden
Intensivprogramm „Erziehung zur demokratischen
Staatsbürgerschaft in einem Europa im Wandel"
hervorgegangene Projekt befasst sich mit dem Problem der
Zersplitterung der Gesellschaft unter sozialen, kulturellen,
ethnischen und religiösen Gesichtspunkten. Ausgangsbasis sind
die gewonnenen Erkenntnisse bei der Verbesserung der
Bildungschancen von Roma-Kindern in Ostungarn durch
Intervention der Sozial- und Entwicklungshelfer sowie von
Lehrern mit Sachkompetenz im Bereich der kulturellen
Beziehungen.
Mehr als drei Viertel der 38 beteiligten Lehrkräfte und
Studierenden kommen von den Teilnehmeruniversitäten in Wilna
(Litauen), Liepaja (Lettland), Porto (Portugal), Banska
Bystrica (Slowakei) und Bristol (Vereinigtes Königreich).
Anhand von Fallstudien aus verschiedenen europäischen
Kontexten sollen erzieherische Maßnahmen zur Bekämpfung der
Marginalisierung und zur Förderung der
Gemeinschaftsfähigkeit vorgeschlagen werden.
Die Erkenntnisse werden dann in den Fachbereichen und
Fakultäten der beteiligten Hochschuleinrichtungen verbreitet.
Sie sind auf den Bedarf von Auszubildenden im Erziehungs-,
Sozialarbeits- und Betriebswirtschaftsbereich
zugeschnitten und sollen die Entwicklung neuer Module mit
Schwerpunkt auf sozialer Gerechtigkeit und Bildungsfragen in
Europa fördern.
Vereinigtes Königreich: politische Eliten im Neuen Europa
– Regieren und Legitimität
Schwerpunkt des Intensivprogramms in Keele (Vereinigtes
Königreich) sind die Herausforderungen, denen sich die
politischen Eliten im „Neuen Europa" in Bezug auf
Regieren und Legitimität gegenübersehen. Mit zu den
größten Herausforderungen gehört, dass die nationalen
Politiker gezwungen waren, den Entscheidungsprozess auf
nachgeordnete staatliche Stellen sowie auf supranationale
Ebenen zu verlegen. Darüber hinaus stellen der
sozioökonomische Wandel, begrenztes Wachstum, die
Globalisierung und die daraus resultierende Schwächung der
gesellschaftspolitischen Bindungen die Legitimität der
innenpolitischen Regierungsform und des Nationalstaats als
Hauptentscheidungszentrum in Frage.
Anhand der Vorstellung und Diskussion von
Forschungsprojekten und Arbeitspapieren konnten
32 Teilnehmer (7 Lehrkräfte und 25 Studierende) von 10
europäischen Hochschulen und Ländern wie Finnland, Spanien,
Deutschland, Norwegen und Österreich einen Beitrag leisten
zur Untersuchung der künftigen politischen Landschaft Europas
bei gleichzeitiger Förderung der Europäisierung im
Fachbereich Politikwissenschaft. Angestrebt wird, die
Forschungskapazität der Teilnehmer zu verbessern und –
besonders interessant für Studierende als künftige
europäische Meinungsbildner – ihr Verständnis für
komplexe politische Entwicklungen in Europa zu wecken und ihr
Bewusstsein für europäische Kernfragen zu schärfen.
Niederlande: kultureller Aufbau Europas – europäische
Identität im 21. Jahrhundert
Das 10-tägige Intensivprogramm in Groningen gehört zu den
wichtigsten Teilen des SOKRATES-Projekts Euroculture, ein
interdisziplinäres 1-Jahres-MA-Programm von neun etablierten
EU-Hochschulen, Deusto (Bilbao), Freiburg, Gent, Groningen,
Göttingen, Straßburg, Tartu, Udine und Uppsala.
Dahinter steht der Gedanke, dass nach der wirtschaftlichen
Einigung der kulturelle Aufbau Europas mittlerweile zu den
wichtigsten Aufgaben der EU gehört und damit Gegenstand
wissenschaftlicher Untersuchung und Diskussion wird. Die
Kernfrage dabei ist, ob und inwieweit von einer europäischen
kulturellen Identität gesprochen werden kann.
Neben Ausflügen zum niederländischen Parlament in Den
Haag und der Hanse-Euro-Region im Gebiet um die Stadt
Groningen werden auch Lehrer an höheren Schulen in den
Fächern Geschichte, Geografie, Literatur und Religion
beteiligt, die bestimmte Programmteile verfolgen und zu den
Erkenntnissen Stellung beziehen sollen.
Belgien: Tiergesundheit und
Nahrungserzeugung – eine europäische Perspektive
Dieses von der Universität Gent organisierte und zum Teil
in Uppsala (Schweden) angesiedelte Programm strebt eine
Verbesserung des veterinärmedizinischen Lehrplans an, damit
die internationale Tiergesundheit und kulturübergreifende
Ausbildung zu nachhaltigen Elementen der
veterinärmedizinischen Ausbildung in den EU-Mitgliedstaaten
werden. Von den 55 teilnehmenden Studierenden, Lehrern und
externen Fachleuten von 16 Partnerhochschulen kommen 34 aus
anderen europäischen Ländern wie Österreich, Deutschland,
Dänemark, Spanien, Finnland, Frankreich, der Slowakei oder
Italien.
Der Schwerpunkt des Programms, bei dem in kleinen Gruppen
gearbeitet wird und praktische Erfahrungen ausgetauscht
werden, liegt auf dem Verständnis der Auswirkungen des
globalen Nutztierhandels auf die tierische Erzeugung sowie auf
Gesundheit und Wohlergehen der Tiere. Der dramatische Anstieg
der internationalen Tiertransporte nach der Ratifizierung der
Freihandelsabkommen durch die Mitglieder der Europäischen
Union wirft Fragen auf wie die Bekämpfung der Tierkrankheiten
und Zoonosen, Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit und
Durchsetzung internationaler Tierschutznormen.
Litauen: ERASMUS-Dirigentenkurse
Seit dem Jahr 2000 organisiert die Litauische
Musikakademie als Intensivprogramm alljährlich einen
ERASMUS-Dirigentenkurs. Im Februar 2000 studierten und
dirigierten 15 Studenten aus Konservatorien in Wilna, Tallinn,
Riga, Krakau, Helsinki, Berlin, Oslo, Utrecht und Paris ein
Repertoire, das von den Symphonien Beethovens und Schuberts
bis zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts – Schönberg
und Stravinsky – reichte. Es war dies eine
außergewöhnliche Gelegenheit für fortgeschrittene
Studierende, 10 Tage lang intensiv mit drei namhaften
Dirigenten zu arbeiten, mit János Fürst (Konservatorium
Paris), Neil Thomson (Royal College of Music) und Jonas Aleksa
(Litauische Musikakademie).
Gemeinsam mit dem Litauischen Symphonieorchester gaben zwei
zeitgenössische Musikensembles (Studenten der Litauischen
Musikakademie und vier Pianisten) erfolgreich drei
Abschlusskonzerte in der staatlichen litauischen Philharmonie.
Zum Abschluss der Kurse erhielten die beteiligten Studenten
entsprechende Nachweise und 3 ECTS-Gutschriften. Darüber
hinaus brachte das Audio/Video- und Internet-Zentrum der
Litauischen Musikakademie drei CDs mit drei Konzertprogrammen
heraus.
Vereinigtes Königreich: Einfluss der
Verbrauchervorstellungen auf die Entwicklung von
Nahrungsmitteln
Nach einem gemeinsamen Projekt der Hochschulen in Teesside
(Vereinigtes Königreich), Lille (F), Umea (S), Anhem/Nijmegen
(NL), Navarra (E) und Amsterdam (NL) wird untersucht, wie die
Entwicklung neuer Lebensmittel auf europäischer Ebene durch
unterschiedliche und vielfach abweichende Konsumentenwünsche,
durch Gesundheits-, Sicherheits- und Qualitätsvorgaben und
durch regionale oder nationale Präferenzen beeinflusst wird.
Da der Nahrungsmittelmarkt in Europa gleichzeitig
kulturbedingt vielfältig und zunehmend verbraucherorientiert
ist, ist die Ermittlung und Erfüllung von
Verbraucherwünschen durch neue Produkte für den Markterfolg
– großer und kleiner – europäischer
Nahrungsmittelunternehmen von entscheidender Bedeutung.
Mit diesem Programm verfolgen Studierende und Dozenten im
Bereich der Nahrungswissenschaft und Ernährung drei
Hauptziele. Erstens wollen sie die theoretischen Grundlagen
und die Hauptfaktoren bei der Entwicklung neuer Produkte
erarbeiten; zweitens geht es darum, neue Märkte dadurch zu
erforschen, dass untersucht wird, wie Verbraucherwünsche in
den einzelnen europäischen Ländern in fertige Produkte
umgesetzt werden können, und drittens gilt es, bei der
Sicherheit neuer Nahrungsmittel zwischen europäischen
Richtlinien auf der einen und Verbraucherforderungen auf der
anderen Seite zu unterscheiden. Abgesehen von Vorlesungen und
Arbeitsgruppen stützt sich das Gesamtkonzept stark auf die
neuen Medien und das Internet. So liefern die Universitäten
von Teesside, Lille und Navarra multimediaunterstützte Lehr-
und Lernumfelder zur Wissensvermittlung und zur Entwicklung
von Unterrichtsmaterial.
Österreich: der Gottesbegriff im globalen
religiösen Dialog Europas
15 europäische Hochschulen u. a. in Dublin, Glasgow,
Frankfurt, München, Posen, Paris, Löwen und Salzburg
organisieren ein Seminar für graduierte und promovierte
Studierende, in deren Studienplanung ein europäischer Kurs
über Theologie und Religionsstudien vorgesehen ist und deren
Forschung sich auf das Verständnis der heutigen
Gottesdiskussion in Europa konzentriert. Insbesondere
analysiert das Programm unter theologischen Gesichtspunkten
vordringliche kulturelle, religiöse und sozioökonomische
Konflikte und fordert die Studierenden auf, sich mit den
vielfältigen traditionellen europäischen Untersuchungen zu
Gott im Globalisierungskontext zu befassen.
Außer der Zusammenführung anerkannter Gelehrter und von
Doktoranden der Theologie – ein Novum auf europäischer
Ebene – umfasst das Programm die Entwicklung einer
interaktiven Website für die Teilnehmer und die
Veröffentlichung eines CD-ROM-Resource Book „Naming and
thinking God in Europe today" mit pädagogischen
Hilfsmitteln und entsprechendem Unterrichtsmaterial. Außerdem
soll die Einrichtung eines europäischen Netzes zum
Religionsstudium gefördert werden, anhand dessen bis 2005
eine neue europäische Disziplin über „Vergleichende
Theologie und interreligiöse Studien" geschaffen werden
soll.