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Verbraucherpolitik und Gesundheitsschutz

Speeches Commissioner Byrne

EMBARGO bis 17.00 , 15. März 2001

Rede von David BYRNE, Mitglied der Europäischen Kommission, zuständig für Gesundheit und Verbraucherschutz, aus Anlass des Europäischen Tages der Verbraucher am 15. März 2001.

"Die Qualität der Lebensmittel in Europa" - Konferenz in Brüssel, 15. März 2001

Das Thema des diesjährigen Europäischen Verbrauchertags "Qualität der Lebensmittel" beschäftigt meinen Kollegen, den für Landwirtschaft zuständigen Kommissar Franz Fischler und mich nun schon seit geraumer Zeit. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Lebensmittelsicherheit integraler Bestandteil der Lebensmittelqualität ist.

Die europäischen Verbraucher werden sich nicht mit weniger als mit sicheren Lebensmitteln zufrieden geben, und das zu Recht. Sie erwarten jedoch, dass die Lebensmittel, die sie verzehren und ihren Kindern geben, mehr als nur sicher sind. Die Verbraucher erwarten von Lebensmitteln, dass sie den Ernährungsbedarf decken, gesund und schmackhaft sind. Sie erwarten, dass sie unter einer breiten Vielfalt von Lebensmitteln die Auswahl haben. Sie erwarten, dass ihre Lebensmittel gemäß den Leitlinien für eine gute landwirtschaftliche Praxis und unter größerer Berücksichtigung der Umwelt- und Tierschutzbelange erzeugt und verarbeitet werden. Und sie erwarten präzise und korrekte Informationen über die Zusammensetzung, den Nährwert, die Haltbarkeit, die Herkunft und, in manchen Fällen, die Methoden der Produktion der ihnen angebotenen Lebensmittel.

Im anbrechenden 21. Jahrhundert steht der europäische Lebensmittelmarkt vor immer neuen Herausforderungen. Wir verzehren das ganze Jahr hindurch immer vielfältigere Lebensmittel, die nicht nur aus der gesamten Europäischen Union, sondern aus allen Teilen der Welt stammen. Wir schätzen die außerordentlich hohe Esskultur in Europa, und wir sind eifrig bemüht, andersartige Lebensmittel kennenzulernen, die aus den gleichermaßen reichen Esskulturen anderer Kontinente stammen.

Wir verzehren immer mehr Fertiggerichte. Wir sehen – manchmal mit Skepsis –, wie in steigendem Maße Technologien eingesetzt werden, um Lebensmittel sicherer, nahrhafter oder schmackhafter zu machen. Und wir pflegen die regionalen kulinarischen Traditionen, die wir von unseren Eltern und Großeltern übernommen haben.

Dass Europa es ermöglicht, die Reichhaltigkeit und die Vielfalt von Lebensmitteln aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, ist mir ein wichtiges Anliegen. Ich bin einerseits der Auffassung, dass allgemeine Sicherheitsvorschriften erlassen werden müssen, um für alle Verbraucher in ganz Europa den gleichen Schutz zu gewährleisten und ihr Vertrauen zu stärken. Ebenso bin ich aber der Meinung, dass die Mitgliedstaaten darüber entscheiden sollten, wie dies auf lokaler Ebene am besten zu erreichen ist. Wir brauchen flexible Vorschriften für Erzeugnisse, die lokal erzeugt und vermarktet werden. Auf diese Weise werden lokale Märkte und Traditionen erhalten. Europa fördert eigentlich die lokalen Märkte!

Ich sehe nicht, warum wir nicht in der Lage sein sollten, diese verschiedenen Erwartungen der europäischen Verbraucher zu erfüllen. Ich glaube nicht, dass unser Bedarf an hochwertigen Erzeugnissen zu bezahlbaren Preisen im Widerspruch zu unserem Streben nach einem hohen Niveau der Lebensmittelsicherheit stehen muss. Wir können die Vorteile des technischen Fortschritts nutzen und den Umweltschutz verbessern und brauchen dabei unsere Ernährungsgewohnheiten nicht umzustellen.

Wenn wir diese drei miteinander verflochtenen Merkmale guter Lebensmittel – Sicherheit, Qualität und Nährwert – betrachten, sehen wir, wie diese ebenfalls zum Schlüssel für Erzeugung und Verbrauch werden. Ich habe zusammen mit meinem Kollegen Franz Fischler die Initiative ergriffen, eine Debatte über die Qualität, Sicherheit und Erzeugung von Lebensmitteln einzuleiten. Gerade haben wir ein erstes Rundtischgespräch zu diesem Thema geführt. Wir planen eine Konferenz aller Beteiligten, auf der die betreffenden Fragen ausführlicher untersucht werden sollen, und würden uns über jeden Beitrag zu dieser Erörterung freuen.

Dies ist der Weg, auf dem ich in Europa vorankommen möchte - in Richtung auf eine nachhaltigere Art der Produktion und des Konsums von Lebensmitteln.

Ich bin davon überzeugt, dass der Schlüssel für das Erreichen dieser ehrgeizigen Ziele darin liegt, einen integrierten Ansatz der Lebensmittelproduktion zu verfolgen. Dabei sollte größeres Gewicht auf die Qualität gelegt und die gesamte Lebensmittelkette in einem integrierten und umfassenden Konzept betrachtet werden. Einem Konzept, das bei der Sicherheit keine Kompromisse eingeht. Einem Konzept, das den Verbrauchern die Wahl lässt. Einem Konzept, das berücksichtigt, dass Essen ein Vergnügen und gleichzeitig gesund sein sollte. Und dass es zu unserer Gesundheit und dem allgemeinen Wohlbefinden beitragen sollte. Hierauf hat der Verbraucher meiner Meinung nach ein Recht.

Auch wenn das europäische Lebensmittelangebot schon das sicherste der Welt ist, können wir es immer noch verbessern. Wir müssen in allen Aspekten der Lebensmittelsicherheit ein integriertes Konzept verfolgen. Das integrierte Konzept umfasst die Betrachtung der Lebensmittelerzeugung von der Art und Weise, wie Nutzpflanzen angebaut werden, über den Tierschutz und die artgerechte Tierhaltung bis hin zur Art und Weise, wie Lebensmittelerzeugnisse zubereitet und verpackt werden. Dies bedeutet auch, dass Kontrollen sich über die gesamte Lebensmittelkette bis hin zum Verbraucher erstrecken – und wieder zurück – mittels des Prinzips der Rückverfolgbarkeit.

In meinem Weißbuch zur Lebensmittelsicherheit, das die Kommission im letzten Jahr angenommen hat, wurde ein Aktionsplan vorgeschlagen. Die darin enthaltenen Aktionen sind Teil des umfassenden, integrierten Konzepts, das ich angeprochen habe. Im Zusammenhang mit dem Aktionsplan des Weißbuchs bezieht sich dieses Konzept speziell auf die Lebensmittelsicherheit. Die Lebensmittelsicherheit ist unser übergeordnetes Anliegen und hat für die Kommission Priorität.

Wie groß auch unsere Befürchtungen sein mögen und wie oft auch eine Krise eintritt, wir dürfen indessen nicht den Fehler begehen, zu versuchen, die Lebensmittelsicherheit mit einer Reihe von Einzelaktionen zu erreichen. Selbstverständlich müssen wir uns jeder Krise stellen und sie nach bestem Wissen und Gewissen zu bewältigen versuchen.

Meine Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz und unsere wissenschaftlichen Berater setzen alle Hebel in Bewegung, um die BSE-Krise zu bewältigen. Wie Sie wissen, haben wir in den letzten Wochen zusammen mit den Behörden der Mitgliedstaaten eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um die Verbreitung von BSE einzudämmen und aufzuhalten. Außerdem werde ich in Kürze eine Strategie zur Bekämpfung der Hauptkrankheiten vorlegen, die durch Lebensmittel übertragen werden, wie zum Beispiel Listeriose.

Ich empfinde große Anteilnahme für all jene, deren Leben durch diese schrecklichen Lebensmittelkrisen in irgendeiner Weise erschüttert worden ist. Seien Sie versichert, dass wir nichts unversucht lassen werden, um mit den Mitgliedstaaten und allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, um diese Krisen zu bewältigen.

Wir müssen weiterhin in hohem Maße Wachsamkeit üben, und zwar über die gesamte Lebensmittelkette, auch mitten in der Krise.

Unser Bestreben, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen, indem wir der Lebensmittelsicherheit einen festen Platz unter den Hauptprioritäten der EU einräumen, kommt am deutlichsten in unserem Vorschlag zur Errichtung einer Europäischen Lebensmittelbehörde und zur Festlegung von Lebensmittelvorschriften zum Ausdruck. Dieser Vorschlag bildet den Eckpfeiler unserer neuen Lebensmittelsicherheitspolitik.

Ich rechne damit, dass die Europäische Lebensmittelbehörde im Laufe des nächsten Jahres ihre Arbeit aufnehmen wird. Diese Behörde wird ein maßgebliches Expertengremium für das europäische Lebensmittelsicherheitssystem bereitstellen. Dieses wird das herausragendste wissenschaftliche Expertengremium der Welt für den Bereich der Lebensmittelsicherheit sein. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde wird ebenfalls ein integriertes Konzept verfolgen, denn sie hat den wissenschaftlichen Überblick über alle direkt oder indirekt mit der Lebensmittelsicherheit verbundenen Fragen – vom Erzeuger bis zum Verbraucher.

Lassen Sie mich schließlich Ihre besondere Rolle als Verbraucher betrachten. Bessere Rechtsvorschriften, die künftige Europäische Lebensmittelbehörde und verbesserte Inspektionen durch die Behörden allein werden noch nicht dafür sorgen, dass in Europa sichere und nahrhafte Lebensmittel auf den Tisch kommen. Die Verbraucher müssen in der Lage sein, die Angaben auf den Etiketten zu verstehen, sie müssen ihre Kaufentscheidungen in Kenntnis der Sachlage treffen und mit ihren Lebensmitteln zuhause richtig umgehen können. Je nachdem, wie die Verbraucher ihre Lebensmittel einkaufen, lagern oder zuhause zubereiten, wird die Qualität und Sicherheit der Lebensmittel bewahrt oder beeinträchtigt, da eine Reihe von möglicherweise gefährlichen Fehlern bei der Behandlung von Lebensmitteln gemacht werden können.

Die Verbraucher selbst sind der letzte entscheidende Faktor bei der Verhütung von Risiken durch Lebensmittel. Wenn sie in der Lage sind, aufgeklärte Entscheidungen zu treffen, werden sie zu Hauptakteuren der Lebensmittelqualitätspolitik. Hier setzen Aufklärungsprogramme und -kampagnen an – und Veranstaltungen wie diejenigen, die nun aus diesem Anlass in ganz Europa stattfinden.

Die Wahl des Themas "Lebensmittelqualität" für den diesjährigen Europäischen Verbrauchertag war sehr geeignet, und ich freue mich, dass ich Gelegenheit hatte, zu diesem Thema zu Ihnen zu sprechen.

 

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