|
Press releases
Brüssel, den 21. September 2000
EU-Wissenschaftler prüfen den neuesten
Stand der BSE-Forschung und nehmen zur BSE-bedingten
Keulung Stellung
Der Wissenschaftliche
Lenkungsausschuss (WLA) hat heute zur BSE-bedingten
Keulung, zu den jüngsten Veröffentlichungen im Bereich
der BSE-Forschung sowie zur Unbedenklichkeit der
Ausfuhren von nicht entbeintem Kalbfleisch aus dem
Vereinigten Königreich Stellung genommen. Nach Prüfung
der jüngsten Studien über die mögliche endemische
Verbreitung des BSE-Erregers in sehr geringen Mengen
bei Schafen, die Träger des Scrapie-Erregers sind, und
bei anderen Tieren wie Schweinen, Geflügel und Fisch,
sieht der Ausschuss weder Grund zur Besorgnis noch
sofortigen Handlungsbedarf oder einen Anlass für die
Überarbeitung seiner Stellungnahmen. Letztere wie auch
die Empfehlungen bezüglich des Risikos von
TSE-Infektionen bei Schafen und anderen Tieren haben
solche Möglichkeiten bereits insofern ausreichend
berücksichtigt, als sie durch die derzeit vorliegenden
oder von den Sachverständigen des Ausschusses
vorausgesehenen wissenschaftlichen Erkenntnisse
untermauert worden sind. Der Ausschuss wird allerdings
auch weiterhin aufmerksam alle etwaigen neuen
Erkenntnisse verfolgen. Er ist der Ansicht, dass die
Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung,
die deutlich niedrigere Zahlen von vCJD-Erkrankungen
als bisher angenommen voraussagen, verfrüht
sind.
BSE-bedingte Keulung
Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss
hat eine Stellungnahme zu den Keulungsstrategien für
Bestände mit bestätigten BSE-Fällen abgegeben. In den
meisten Ländern ist es derzeit gängige Praxis, den gesamten
Bestand zu keulen, zu dem ein bestätigter BSE-Fall gehört
oder in dem letzterer geboren wurde. Damit soll wie auch
bei anderen von Tier zu Tier übertragbaren Seuchen üblich
die weitere Seuchenausbreitung verhindert werden. Die
spezifischen BSE-Merkmale legen nahe, dass die Keulung
ganzer Bestände nicht unbedingt eine wirksamere Strategie
zur Tilgung der BSE-Seuche darstellt als ein gezielteres
Vorgehen, das sich auf alle Tiere richtet, die die gleichen
Futtermittel erhalten haben wie ein bestätigter Fall
(Futtermittel-Kohorten"). Die Geburtskohorte, die alle
Tiere umfasst, welche innerhalb eines bestimmten Zeitraums
vor oder nach der Geburt des bestätigten BSE-Falls im
gleichen Bestand geboren oder aufgezogen worden sind,
entspricht in den meisten Fällen eher der idealen
Futtermittel-Kohorte" als der aktuelle Bestand oder der
Geburtsbestand. Aus den vorliegenden Daten geht nach
Aussage des Ausschusses hervor, dass die Geburtskohorte die
meisten, wenn nicht alle zusätzlichen BSE-Fälle umfasst,
die bisher bei Bestandskeulungen festgestellt wurden. Daher
hätte die Strategie zur Keulung der Geburtskohorte genau
den gleichen positiven Effekt wie die Strategie zur Keulung
des Gesamtbestands, würde aber die Zahl der gekeulten Tiere
um zwei Drittel verringern.
Ausfuhren von nicht entbeintem Kalbfleisch aus dem
Vereinigten Königreich
Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass
Ausfuhren von Kalbfleisch mit Knochen im Rahmen der
geburtsdatengestützten Ausfuhrregelung (DBES) aus dem
Vereinigten Königreich als unbedenklich gelten können. Die
BSE-Diagnose bei einer nach dem 1. August 1996 geborenen
Kuh hatte keinen Einfluss auf seine Risikobewertung. Der
WLA ist der Ansicht, dass die betreffende Kuh nicht für die
DBES-Regelung in Betracht gekommen sei und dass wegen der
möglichen BSE-Übertragung von der Mutterkuh auf das Kalb
mit Ausnahmen gerechnet werden müsse. Der Ausschuss sprach
sich jedoch für die sorgfältige Rückverfolgung und
detaillierte Untersuchung solcher Ausnahmefälle aus, um den
Ursprung der Infektion genau zu ermitteln. Sollte sich
herausstellen, dass die Infektion durch Futtermittel
übertragen wurde, so müsste die Risikobewertung abgeändert
werden.
Verbreitung des BSE-Prions bei Schafen
Professor Prusiner hat die Hypothese
aufgestellt, dass geringe Mengen von BSE-Prionen bei
Schafen, die Träger des Scrapie-Erregers sind, endemisch
verbreitet sein könnten. Der Ausschuss sieht in dieser
Hypothese zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Anlass, seine
Stellungnahme über die Notwendigkeit von Maßnahmen zur
Verringerung des TSE-Risikos bei Schafen und Ziegen zu
überprüfen. Außerdem erklärte der Ausschuss, er
beabsichtige, die weiteren Ergebnisse der
Forschungsarbeiten von Professor Prusiner und anderen
Wissenschaftlern im Rahmen seiner laufenden Arbeiten
aufmerksam zu verfolgen. Er wolle eine proaktive
Risikobewertung vornehmen, falls der BSE-Erreger bei
Schafen unter natürlichen Bedingungen nachgewiesen werde.
Professor Prusiners Hypothese war durch Medienberichte im
Juli bekannt geworden; allerdings sind die
Forschungsarbeiten, auf denen sie beruht, noch nicht
abgeschlossen und bisher nicht veröffentlicht
worden.
TSE-Infektiosität bei Geflügel, Fisch und
Schweinen
Ferner hat der Ausschuss einen unter
Mitwirkung von Professor Collinge verfassten Bericht über
eine mögliche subklinische TSE-Infektiosität bei bestimmten
Tieren und deren Bedeutung für die Übertragung von TSE über
die Artenschranke hinweg geprüft. Der Ausschuss kam zu dem
Ergebnis, dass er die meisten wissenschaftlichen
Erkenntnisse, auf denen diese These beruht, in seinen
Stellungnahmen bereits berücksichtigt oder vorhergesehen
habe. Er hat in seinen Stellungnahmen stets eine niedrige
Schwelle für die TSE-Übertragung von einer Art auf eine
andere angesetzt. Deshalb hat er Maßnahmen empfohlen wie
die unschädliche Beseitigung des spezifizierten
Risikomaterials, die geographische Herkunftssicherung,
geeignete Produktionsverfahren und den Ausschluss von toten
Tieren und Falltieren aus der Futtermittelkette, um eine
mögliche Weiterverbreitung des Erregers innerhalb der Art
über die Futtermittelkette zu vermeiden. Angesichts dieses
Berichts von Professor Collinge holt der Ausschuss die
aktuellsten Ergebnisse der laufenden britischen und
europäischen Forschungsarbeiten über TSE-Infektionen bei
Schweinen, Geflügel und Fisch ein.
Prognostizierte Zahl von vCJD-Fällen
Der Ausschuss reagierte darüber hinaus
auf einen Bericht, der im August von einem britischen
Forschungsteam unter der Leitung von Professor Anderson in
der Zeitschrift 'Nature' veröffentlicht worden war und der
deutlich niedrigere Fallzahlen der neuen Variante der
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) als bisher angenommen
voraussagt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die
veröffentlichten Daten die an sich fragwürdige Annahme des
Forschungsteams nicht stützten, der zufolge ein infiziertes
Rind durchschnittlich nicht mehr als zwei vCJD-Fälle
verursache. Eine solche Vorhersage abzugeben sei angesichts
der vielen Unbekannten zu diesem Zeitpunkt sehr schwierig.
Der Ausschuss bleibt daher bei seiner im April dieses
Jahres abgegebenen Stellungnahme über die Exposition des
Menschen gegenüber dem BSE-Erreger.
Der vollständige Wortlaut der
Stellungnahme zur Unbedenklichkeit von Kalbfleischausfuhren
aus dem Vereinigten Königreich und ein Auszug aus dem
Protokoll der WLA-Sitzung vom 14.-15. September mit den
Erklärungen über die jüngsten Erkenntnisse der
BSE-Forschung sind von folgender Website abrufbar:
http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/outcome_en.html
Veröffentlicht am 25/09/2000
Press releases
FOOD SAFETY
|
PUBLIC
HEALTH |
CONSUMER
PROTECTION |
DIRECTORATE GENERAL "HEALTH
& CONSUMER PROTECTION"
|