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Verbraucherpolitik und Gesundheitsschutz

Press releases

Brüssel, 4. Juli 2001

Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuß veröffentlicht neue Stellungnahmen

Der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss (WLA), der die Europäische Kommission berät, hat am 4. Juli eine Reihe von Stellungnahmen zur bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) veröffentlicht. Neue Erkenntnisse haben den WLA veranlasst, seine früheren Stellungnahmen zur Unbedenklichkeit von Talg und Gelatine zu überarbeiten. Bei Talg, der in Rinderfuttermitteln verwendet wird, kann nach Einschätzung der Wissenschaftler ein BSE-Risiko nicht ausgeschlossen werden, wenn er aus anderem Gewebe als Fleischfettgewebe gewonnen wird, ohne dass dabei die jeweils angezeigten Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Risikos getroffen werden, wie z. B. Beseitigung von spezifischem Risikomaterial und Filterung sowie, bei bestimmten Geweben, eine Hitzebehandlung. Aktualisiert hat der Ausschuss auch die Sicherheitsanforderungen für die verschiedenen Verwendungszwecke von Gelatine. In einer weiteren Stellungnahme kommt der Ausschuss zu dem Schluss, dass bestimmte Teile des unmittelbar am Verdauungstrakt anhaftenden Fettgewebes als potenzielles BSE-Risikomaterial angesehen werden sollten. Der Ausschuss hat außerdem Stellungnahmen verabschiedet zum geografischen BSE-Risiko (GBR) in El Salvador und Panama (beide Risikostufe I) und in Nigeria (Risikostufe II), worin er bewertet, inwieweit ein Risiko besteht, dass Tiere in diesen Ländern BSE-infiziert sind. Ferner hat der WLA eine Stellungnahme verabschiedet über die Bewertung des Risikos der Verwendung gentechnisch veränderter Baumwolle in Medizin- und Hygiene-Produkten. Seit 1997 liegen zwei Anträge auf Inverkehrbringen von gentechnisch veränderter Baumwolle in der EU vor, über die noch nicht entschieden ist. Und schließlich hat der Ausschuss einen Rahmen vorgeschlagen für die vergleichende Bewertung des Risikos unterschiedlicher Verfahren der sicheren Beseitigung und Verwendung von Fleisch- und Knochenmehl und anderer Produkte, die möglicherweise mit TSE und anderen Stoffen kontaminiert sind.

Die Wissenschaftler haben ihre Stellungnahme aus dem Jahr 1998 über die Unbedenklichkeit von Talg überarbeitet. Auslöser hierfür waren in jüngster Zeit veröffentlichte Daten über die BSE-Inaktivierung sowie die in bestimmten Futtermitteln für Rinder, wie z. B. Milchaustauschern, verwendeten Talgmengen. Die Wissenschaftler bestätigen in der überarbeiteten Stellungnahme, dass aus Fleischfett gewonnener Talg unbedenklich ist. Bei der Gewinnung von Talg aus anderen Rindergeweben, insbesondere Schlachtnebenprodukten von Wiederkäuern, sind dagegen - sofern diese Gewebe nicht aus Ländern ohne BSE-Risiko stammen - entsprechende Maßnahmen zur Beseitigung eines potenziellen BSE-Risikos zu treffen, z. B. SRM-Beseitigung und Filterung sowie, bei bestimmten Neben-produkten, eine Hitzebehandlung.

Der WLA hat außerdem eine Stellungnahme verabschiedet über die Unbedenklichkeit von dem Verdauungstrakt von Rindern anhaftendem Fettgewebe. Er kommt darin zu dem Schluss, dass die unmittelbar am Verdauungstrakt anhaftenden Fettgewebepartien als spezifisches Risikomaterial angesehen werden sollten, sofern ein BSE-Risiko für das betreffende Tier nicht auszuschließen ist. Das Rinderomentum und die obere Schicht des Bauchfetts können dagegen in Futtermitteln, Lebensmitteln und für andere Zwecke verwendet werden, sofern eine SRM-Kontamination ausgeschlossen werden kann.

Ebenfalls aktualisiert hat der Ausschuss seine Stellungnahme vom Januar 2000 über die Unbedenklichkeit von Gelatine. Gegenstand der Aktualisierung ist die Feststellung, dass zwei vor kurzem validierte Verfahren der Gelatineherstellung mindestens genauso sicher sind wie die bereits zugelassenen Verfahren. In der Stellungnahme sind für alle einzelnen Verwendungszwecke von Gelatine (Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel und industrielle Verwendung), die Sicherheitsanforderungen in Bezug auf SRM-Beseitigung, Beschaffung des Rohmaterials usw. aufgelistet.

Bewertung des geografischen BSE-Risikos (GBR) in Panama, El Salvador und Nigeria

In der Bewertung des geografischen BSE-Risikos kam der WLA zu dem Schluss, dass eine Infektion von Rindern mit dem BSE-Erreger höchst unwahrscheinlich ist in den einheimischen Beständen von Panama und El Salvador (Risikostufe I). Unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, ist eine BSE-Infektion in den einheimischen Beständen Nigerias (Risikostufe II).

Die GBR-Bewertung der genannten Drittländer wurde nach dem Verfahren vorgenommen, das in der Stellungnahme des WLA zum GBR vom Juli 2000 beschrieben ist( 1 ). In der Juli-Stellungnahme hatten die Wissenschaftler bereits das GBR bewertet für alle EU-Mitgliedstaaten, ausgenommen Griechenland( 2 ), sowie für eine erste Serie von Drittländern( 3 ). Bereits früher in diesem Jahr veröffentlicht wurden die Bewertungen für Uruguay, Botswana, Litauen, Namibia, Nicaragua, Swasiland, Albanien, Brasilien, Kolumbien, Republik Zypern, Tschechische Republik( 4 ), Estland, Ungarn, Indien, Mauritius, Pakistan, Polen, Singapur, Slowakische Republik, Costa Rica, Kenia, Slowenien und Rumänien (siehe

http://ec.europa.eu/dgs/health_consumer/library/press/press138_de.html

Risikobewertung für die Beseitigung und Verwendung von Fleisch- und Knochenmehl

Die Stellungnahme schlägt einen Bewertungsrahmen vor für die Bewertung des Sicherheitsstandards alternativer Verfahren der Beseitigung und Verwendung von Fleisch- und Knochenmehl, einschließlich Empfehlungen zu den Bewertungs-komponenten. Das Dokument soll als Vorlage für Gremien dienen, die sich mit der Bewertung der Sicherheit bestimmter Verfahren und/oder Anlagen in Verbindung mit TSE zu befassen haben.

Risikobewertung von gentechnisch veränderter Baumwolle

Der WLA war außerdem von der Kommission aufgefordert worden, sich zu zwei Fragen zu äußern, die mit der potenziellen Verwendung gentechnisch veränderter Baumwolle in Frauenhygieneprodukten, Inkontinenzprodukten für Kleinkinder und Erwachsene sowie in Kleidungsstücken in Zusammenhang stehen.

Die erste Frage betrifft für die Risikobewertung relevante Unterschiede in den Materialeigenschaften zwischen Fasern aus gentechnisch veränderter Baumwolle und Fasern, die aus nicht gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen hergestellt werden.

Der WLA kam zu der Schlussfolgerung, dass es keinen Grund für die Annahme und auch keinen Beleg dafür gibt, dass die Verarbeitung gentechnisch veränderter Baumwolle zur Herstellung der beiden Baumwollsorten, für die eine entsprechende Zulassung für Europa beantragt wurde, Baumwollfasern ergibt, die sich in ihren Eigenschaften von genfreien Baumwollfasern unterscheiden. Darüber hinaus vertritt der WLA die Auffassung, dass den vorliegenden Analysedaten nach zu urteilen Proteine, endogene oder durch gentechnische Veränderung eingebaute, während der Verarbeitung der Baumwollfasern und der Herstellung des Endprodukts denaturiert oder entfernt werden sollten.

Die zweite Frage betrifft potenzielle Unterschiede im Sicherheitsstandard zwischen Produkten, die aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt werden, und Produkten, die frei sind von gentechnisch veränderter Baumwolle. Betroffen hiervon sind insbesondere Frauenhygieneprodukte und Inkontinenzprodukte sowie weitere Verbrauchsartikel. In seiner Stellungnahme sieht der WLA keinen Grund für die Annahme, dass derartige aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellte Produkte ein größeres Risikopotenzial haben als Produkte, die frei von gentechnisch veränderter Baumwolle sind, in Bezug auf etwaige Wechselwirkungen bei innigem Kontakt mit der Haut, der Vaginalschleimhaut, dem Endometrium oder anderem Körpergewebe.

Dessen ungeachtet empfiehlt der Ausschuss, künftig bei jeder vorgesehenen Verwendung gentechnisch modifizierter pflanzlicher Erzeugnisse zur Herstellung von Baumwollprodukten für medizinische und hygienische Zwecke in jedem Einzelfall eine Risikobewertung vorzunehmen, die Folgendes beinhaltet: Kennzeichnung des Moleküleinbaus und dessen Auswirkung auf Metabolismus und Faserstruktur, Analyse der Rohfaser und der verarbeiteten Faser auf Proteingehalt, Nachweis der substantiellen Äquivalenz und der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Medizin- und Hygieneprodukten, die aus gentechnisch verändertem bzw. aus genfreiem Pflanzenmaterial hergestellt werden.

Der volle Wortlaut der Stellungnahmen ist abrufbar unter:

http://ec.europa.eu/food/fs/sc/ssc/outcome_en.html

Veröffentlicht am 06/07/2001

Aktualisierte Einstufung von Drittländern in Bezug auf das geografische BSE-Risiko

Risikostufe I: BSE-Risiko höchst unwahrscheinlich

Argentinien
Australien
Botswana
Brasilien
Chile
Costa Rica
El Salvador
Namibia
Nicaragua
Norwegen
Neuseeland
Panama
Paraguay
Singapur
Swasiland
Uruguay

Risikostufe II: BSE-Risiko unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen

Kanada
Kolumbien
Indien
Kenia
Mauritius
Nigeria
Pakistan
Slowenien
USA

Risikostufe III: BSE-Risiko wahrscheinlich, wenn auch bisher nicht bestätigt, bzw. manifestes geringes BSE-Risiko

Albanien
Republik Zypern
Tschechische Republik
Estland
Ungarn
Litauen
Polen
Rumänien
Slowakische Republik
Schweiz

Risikostufe IV: Manifestes hohes BSE-Risiko

Kein Land

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1 Siehe IP vom 1. August 2000: http://ec.europa.eu/dgs/health_consumer/library/press/press66_en.html

2 Griechenland meldete den ersten BSE-Fall in einheimischen Beständen im Juli 2001

3 Argentinien, Australien, Kanada, Chile, Norwegen, Neuseeland, Paraguay, Schweiz, USA

4 Die Tschechische Republik meldete den ersten Fall in einheimischen Beständen im Mai 2001

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