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Brüssel, 9. April 2001
Lebensmittelqualität: die Diskussion geht
in Östersund weiter
Die Überprüfung der
Produktionsverfahren der Ernährungswirtschaft ist ein
Thema der EU-weiten Diskussion über die
Lebensmittelqualität, die die Kommissare Byrne und
Fischler Anfang März 2001 angestoßen haben. Diese Frage
wird auch bei den morgigen Gesprächen der Agrarminister
der 15 Mitgliedstaaten in Östersund (Schweden) im
Vordergrund stehen. Schweden, das derzeit den
EU-Ratsvorsitz innehat, hat dieses informelle
Ministertreffen angesetzt, das als Forum für die
Erörterung aller wichtigen Themen im Zusammenhang mit
der Lebensmittelqualität dienen soll. Das
Hauptaugenmerk der EU-Politik hat sich von der Menge
(die sichergestellt ist) und von der Sicherheit der
Lebensmittel (die als gegeben vorausgesetzt wird)
verlagert. Künftig müssen alle Akteure der
Ernährungswirtschaft ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf
Fragen der Qualität im weitesten Sinne richten.
Nachhaltigkeit ist das wichtigste Schlagwort für die
Zukunft.
Zu den Diskussionsthemen erklärte Franz
Fischler, Kommissar für Landwirtschaft "Wenn sich die
Menschen in Europa an den Tisch setzen, dann wollen sie
gutes, gesundes Essen auf ihrem Teller haben. Dies ist kein
Sonderwunsch von einigen Wenigen, sondern ein ganz
entscheidender Gesichtspunkt und die wichtigste Forderung
sowohl der Verbraucher als auch der Landwirte. Wir müssen
sicherstellen, dass wir bei der landwirtschaftlichen
Produktion schonend mit Pflanzen, Umwelt und Tieren
umgehen. Wenn wir mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft
wollen, müssen wir mit den Landwirten zusammenarbeiten,
denn sie stehen dabei an vorderster Front. Die Zukunft
unserer Nahrung ist die Zukunft unserer Landwirte."
Kommissar Byrne erklärte: "Es gibt bei
den Verbrauchern eine zunehmende Besorgnis hinsichtlich der
Nachhaltigkeit der modernen Agrarverfahren und ihrer
Auswirkungen auf unsere Nahrung. Immer mehr Menschen haben
Bedenken wegen der Produktionsverfahren in den
landwirtschaftlichen Betrieben und den
Verarbeitungsunternehmen. Wir gehen auf diese Anliegen ein
und unterstützen den Wandel. Als eine der Kernfragen
untersuchen wir die Beziehungen zwischen Preis und
Qualität."
Nach Auffassung der Kommission werden
die Diskussionen in Östersund einen konstruktiven Beitrag
zu der Debatte über die Lebensmittelqualität leisten. Die
Themen werden unter drei umfassenden Aspekten erörtert:
Produktion, Verbraucher und die Rolle der Gesellschaft.
Zwar wird es - wie bei informellen Ratstagungen üblich -
keine formellen Schlussfolgerungen geben, es ist aber davon
auszugehen, dass die Mitgliedstaaten über die Vorstellungen
der Kommission zum Thema Lebensmittelqualität Konsens
erzielen und sich zunehmend der Notwendigkeit bewusst
werden, dass alle Akteure der Ernährungswirtschaft in allen
Mitgliedstaaten in die Debatte einbezogen werden
müssen.
Im Rahmen des Aktionsplans der beiden
Kommissare(
1) für die Ausweitung der Diskussion wurden
folgende Termine angekündigt:
Deutschland: Round-Table-Gespräch in
Berlin am 7. Juni 2001
Frankreich: Round-Table-Gespräch in
Paris am 11. Juli 2001
Belgien: Internet-Chat am am 6. Juni um
18 Uhr
Bei den Round-Table-Gesprächen, die in
den nächsten neun Monaten in allen Mitgliedstaaten
stattfinden werden, wird die Kommission mit Akteuren aus
allen Bereichen der Ernährungswirtschaft - von der
Primärerzeugung über die Verarbeitungsunternehmen bis zum
Einzelhandel und den Verbrauchern - zusammentreffen. Durch
die Internet-Diskussion als wichtigem neuen Medium werden
viele Bürger in der gesamten Union in die Debatte
einbezogen, können ihre Meinung äußern und sich mit ihren
Fragen direkt an die Kommissare wenden.
Außerdem haben Herr Byrne und Herr
Fischler angekündigt, dass sie ein Round-Table-Gespräch zum
Thema Forschung und Lebensmittelqualität leiten wollen, an
dem sich auch der für die Forschungspolitik zuständige
Kommissar Busquin beteiligen wird. Zeit und Ort dieser
Veranstaltung werden noch bekanntgegeben.
Die Forschung spielt bei der
Unterstützung der Initiativen für mehr
Lebensmittelsicherheit und -Qualität, die in der gesamten
Europäischen Union gestartet wurden, eine wichtige Rolle.
Im Fünften Rahmenprogramm 1998-2000 wurden für die
Lebensmittelforschung Mittel in Höhe von 500 Mio. EUR
bereitgestellt, im nächsten Rahmenprogramm 2003-2006 werden
es sogar über 600 Mio. EUR sein.
Beispiele für Forschungsvorhaben:
- ökologischer Landbau - Ein
europäisches Netzwerk für die Koordinierung der Forschung
zum ökologischen Landbau
- Tiertransporte / Fleischqualität -
Minimierung stressauslösender Faktoren bei dem Transport
von Rindern zur Verbesserung des Tierschutzes und der
Fleischqualität
- Schaffleisch - Einsatz von Gentechnik
zur Verbesserung der Qualität und der Sicherheit von
Schaffleischerzeugnissen
- Tiefkühlkost - Erhaltung von Qualität
und Sicherheit von Tiefkühlkost über die gesamte
Vertriebskette
- Zöliakie - Prävalenz in der EU,
genetische Grundlagen und auslösende Faktoren
Veröffentlicht am 10/04/2001
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