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Eurobarometer: Deutsche verlangen koordinierteres Vorgehen der EU-Staaten

11.02.2014 Die Deutschen sehen in der Europäischen Union den effektivsten Akteur im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise.

Sie stehen zum Euro, verlangen aber eine strengere Regulierung der Finanzmärkte und bessere Abstimmung der EU-Staaten in der Wirtschaftspolitik. Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik wird von den meisten Deutschen unterstützt, nicht jedoch eine erneute Erweiterung der EU.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist für die Europäische Union nach wie vor eine zentrale Herausforderung. 59% (-8 Prozentpunkte) der Deutschen und 65% (-7 Prozentpunkte) der Europäer sehen die europäische Wirtschaft in einem schlechten Zustand.  Das ist das Ergebnis der von der Vertretung der Europäischen Kommission heute vorgelegten aktuellen Eurobarometer-Umfrage für Deutschland.

Gefragt, welchen Akteuren sie am ehesten effektive Maßnahmen zur Eindämmung der Wirtschafts- und Finanzkrise zutrauen, sprechen sich die befragten Deutschen zuerst für die Europäische Union aus (24%), dann folgen die Bundesregierung (21%), die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) (17%) und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit 14%. Europaweit stehen EU (22%) und nationale Regierungen gleichauf, gefolgt vom IWF (13%) und den G20 (12%).

Der Weg aus der Wirtschafts- und Finanzkrise führt nach Meinung der EU-Bürger über  verstärkte Kooperation. 90%  der Deutschen und 83% der Europäer glauben, dass die Länder der EU infolge der Krise enger zusammenarbeiten müssen.  86% der Deutschen meinen, dass Deutschland trotz der derzeit guten Konjunktur weitere Reformen braucht, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Europaweit sehen 88% der Befragten dies für ihr eigenes Land genauso.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat zu einer neuen Diskussion über die Zukunft der Europäischen Union geführt. Viele Europäer haben entdeckt, dass es sie ganz direkt angeht, was auf europäischer Ebene entschieden wird. Eine Mehrheit der Befragten in Europa und Deutschland sehen diesen Diskussions- und Reformprozess positiv. 57% der Deutschen und 54% der Europäer sind der Meinung, dass die EU infolge der Krise langfristig stärker sein wird als zuvor.

Deutsche stehen zum Euro
Eine Wirtschafts- und Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung, dem Euro, unterstützen nach wie vor die meisten Deutschen (71%, +5 Prozentpunkte) und Europäer (52%, +1 Prozentpunkt).

Eine Mehrheit der befragten Deutschen (75%) und Europäer (63%) befürwortet eine gemeinsame Außenpolitik der 28 Mitgliedstaaten. Eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik wünscht ebenfalls die Mehrheit der Deutschen (82%, +3 Prozentpunkte) und der Europäer (73%, -1 Prozentpunkt). Eine erneute Erweiterung der Europäischen Union um weitere Staaten lehnen Deutsche (69%, -6 Prozentpunkte) und Europäer (52%, -1 Prozentpunkt) mehrheitlich ab.

Im Jahr der Wahlen zum Europäischen Parlament möchten die meisten Deutschen und Europäer eine lebendigere Demokratie auf europäischer Ebene:  69% (-2 Prozentpunkte) der Deutschen und 57% (+1 Prozentpunkt) der Europäer finden es gut, wenn die europäischen politischen Parteien einen eigenen Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten aufstellen. 
  
Aufgaben der EU aus Sicht der Bürger
Hauptziel der europäischen Politik ist gegenwärtig nach Ansicht von 29% der Deutschen und 27% der Europäer die Ankurbelung von wirtschaftlichem Wachstum innerhalb der EU.  Ginge es nach den befragten Deutschen (27%),  besteht das eigentliche Hauptziel der EU jedoch darin, Frieden und Stabilität in Europa aufrecht zu erhalten. Europaweit finden die meisten der Befragten (26%), dass die Europäische Union vor allem den Lebensstandard ihrer Bürger verbessern sollte.

Gefragt, wie sie die EU-Politik wahrnehmen und welche konkreten Aufgaben die EU übernehmen soll, sind  40% (+2 Prozentpunkte) der Deutschen und ebenfalls 40% (+3 Prozentpunkte) der Europäer der Ansicht, dass die Europäische Union die Bedingungen für mehr Jobs in Europa schafft. Allerdings ist eine Mehrheit der Befragten in Deutschland (55%, -3 Prozentpunkte) und Europa (52%, -4 Prozentpunkte) der gegenteiligen Auffassung. Dass die EU für die Haushaltsdisziplin in den Mitgliedstaaten verantwortlich ist, davon sind 60% (-3 Prozentpunkte) der Deutschen und 63% (-1 Prozentpunkt) der Europäer überzeugt. Eine Kernaufgabe der EU, der Handel im Binnenmarkt, wird von Deutschen wie Europäern insgesamt anerkannt: Die Europäische Union macht es einfacher, Geschäfte in Europa zu machen (DE: 81%; EU: 62%)

Dass die EU zu viel Bürokratie produziert, dieser Meinung sind 85% der Deutschen und 74%  der Europäer.
Gefragt, ob sie glauben, dass die Europäische Union nicht nur stärker, sondern auch fairer als zuvor aus der Wirtschafts- und Finanzkrise hervorgehen wird, antworten 32%  der Deutschen und 37%  der Europäer optimistisch: sie glauben, dass die Krise die EU fairer machen wird. Die Mehrheit der Befragten ist allerdings pessimistisch: 52% (+4 Prozentpunkte) der Deutschen und 45% (+1 Prozentpunkt) der Europäer meinen nicht, dass die Krise die EU gerechter machen wird.

Positiv bewerten 62% der Deutschen und 55% der Europäer die Rolle der EU, wenn es darum geht, globale Bedrohungen und Herausforderungen  anzugehen. 58%  der Deutschen und 54% der Europäer glauben, dass die Europäische Union dazu beiträgt, ihre Bürger zu schützen.
Eine große Mehrheit der Befragten in Deutschland (86%) und Europa (81%) sind der Ansicht, dass die Europäische Union dringend eine klare Botschaft für ihre Ziele und Werte braucht.

Wirksamkeit der EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise
Nach der Wirksamkeit der bisherigen EU-Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise gefragt, gaben 84% der Deutschen und 76% der Europäer an, dass sie eine stärkere Abstimmung der Wirtschaftspolitik zwischen allen EU-Mitgliedstaaten unterstützen.

51% der Deutschen und 52% der Europäer könnten sich einen Finanzminister für die EU vorstellen. 59% der Deutschen und 58% der Europäer würden in einer Vorabgenehmigung der Haushalte der EU-Mitgliedstaaten durch die EU eine geeignete Disziplinierungsmaßnahme sehen.

Geldbußen für die Regierungen von EU-Mitgliedstaaten, die zu viel Geld ausgeben oder leihen halten 54% (-5 Prozentpunkte) der Deutschen und 63% (+1 Prozentpunkt) der Europäer für ein geeignetes Mittel, die Verschuldung der Mitgliedstaaten der Europäischen Union unter Kontrolle zu bringen. Diese Meinung vertreten auch die Bürger aus den Staaten Europas, die derzeit am stärksten von den Sparmaßnahmen zur Bewältigung der Krise betroffen sind: Auch in Griechenland (54%), Spanien (73%), Italien (70%) und Portugal (71%) ist jeweils eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass die EU finanzielle Solidität notfalls über Geldbußen erreichen sollte.
 
Eine zentrale Überwachung des Bankensystems auf EU-Ebene  halten schließlich 83% der Deutschen und 70%  der Europäer für eine effektive Krisenstrategie.   94% der Deutschen und 89% der Europäer verlangen von der Europäischen Union schärfere Regeln gegen Steuerumgehung und Steueroasen.  88% der Deutschen und 81% der Europäer halten die Einführung einer Steuer auf Gewinne der Banken für eine geeignete Maßnahme. 80% der Deutschen und 62% der Europäer können sich die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen vorstellen, strengere Vorschriften für Ratingagenturen befürworten 82 % der Deutschen und 78 % der Europäer.

Die Befragungen wurden zwischen dem 2. und 17. November 2013 in den 28 Mitgliedstaaten der EU, den fünf Kandidatenländern Türkei, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, Island, Serbien und Montenegro sowie der türkisch-zypriotischen Gemeinschaft durchgeführt. 

Den vollständigen Eurobarometer-Bericht für Deutschland können Sie hier pdf - 1002 KB [1002 KB] abrufen.

Präsentation mit den wichtigsten Ergebnissen hier pdf - 326 KB [326 KB] .

Frühere Eurobarometer-Umfragen und Tools zur Bildung statistischer Zeitreihen finden Sie auf der zentralen Eurobarometer-Webseite der Kommission.

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