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Europäisches Kulturerbe-Siegel

Die Europäische Kommission hat am 9. März 2010 einen Vorschlag verabschiedet, um ein Europäisches Kulturerbe-Siegel zu schaffen. Der Vorschlag der Kommission wurde an das Europäische Parlament und den Rat übermittelt, um über ein Mitentscheidungsverfahren angenommen zu werden.

Robert Schuman's house - Scy-Chazelles (photo: Robert Shuman Haus in Scy-Chazelles)

Die allgemeinen Ziele des Europäischen Kulturerbe-Siegels bestehen darin, das Zugehörigkeitsgefühl der europäischen Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen Union anhand gemeinsamer Elemente der Geschichte und des Kulturerbes zu stärken, den Stellenwert der Vielfalt zu steigern und den interkulturellen Dialog zu fördern.

Zu diesem Zweck sollen durch das Siegel Stätten, die in der Geschichte und beim Aufbau der Europäischen Union eine wesentliche Rolle gespielt haben, besser bekanntgemacht und aufgewertet und die europäischen Bürgerinnen und Bürger eingehender mit dem europäischen Aufbauwerk und mit ihrem gemeinsamen und zugleich vielfältigen Kulturerbe vertraut gemacht werden, insbesondere unter Bezugnahme auf die demokratischen Werte und die Menschenrechte, die das Fundament der europäischen Einigung bilden.

Mit dem Vorschlag kommt die Kommission der Vorgabe des Rates der Europäischen Union nach, der sie in seinen Schlussfolgerungen vom 20. November 2008 aufgefordert hatte, „einen geeigneten Vorschlag für die Schaffung eines ‚Europäischen Kulturerbe-Siegels‘ durch die Europäische Union zu unterbreiten und die praktischen Modalitäten für die Durchführung dieses Projekts festzulegen“.

Die Idee eines Europäischen Kulturerbe-Siegels entstand im Jahr 2005 bei der Suche nach Instrumenten, um die Kluft zwischen der Europäischen Union und ihren Bürgerinnen und Bürgern zu verkleinern. Eine wesentliche Ursache dieser Kluft ist die mangelnde Kenntnis der Geschichte Europas sowie der Rolle der Europäischen Union und ihrer Werte.

Das Siegel wurde im April 2006 von mehreren europäischen Ländern in Form einer zwischenstaatlichen Initiative offiziell ins Leben gerufen. Das Ziel bestand darin, das Potenzial des Kulturerbes auszuschöpfen, um das Zugehörigkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu Europa zu stärken und die Entwicklung einer europäischen Identität zu fördern. Bislang wurde das Siegel insgesamt 64 Stätten zuerkannt (Für mehr info über die  zwischenstaatliche Initiative).

Nachdem die Mitgliedstaaten die Kommission in den Schlussfolgerungen des Rates dazu aufgefordert hatten, das derzeit noch zwischenstaatliche Europäische Kulturerbe-Siegel in eine förmliche Maßnahme der Europäischen Union umzuwandeln, führte die Kommission eine Folgenabschätzung durch.

Diese ergab, dass das Siegel über ein großes Potenzial verfügt, das sich jedoch im Rahmen der derzeitigen zwischenstaatlichen Initiative nicht voll ausschöpfen lässt. Ferner wurde deutlich, dass die Einbindung der Europäischen Union einen eindeutigen Mehrwert generieren und der Initiative den notwendigen qualitativen Schritt nach vorn ermöglichen würde, um effektiv etwas bewirken zu können.

Der Vorschlag der Kommission für einen Beschluss von Seiten des Europäischen Parlaments und des Rats führt neue gemeinsame, eindeutige und transparente Auswahlkriterien für das Siegel ein, die von allen teilnehmenden Mitgliedstaaten angewandt würden (die Teilnahme am Siegel wäre freiwillig). Neue Auswahl- und Kontrollverfahren würden gewährleisten, dass nur die relevantesten Stätten das Siegel erhalten und diejenigen, die die Kriterien nicht länger erfüllen, es aberkannt bekommen würden.


Gdansk shipyards (photo: Die Danziger Werft)

Die Umsetzung der Maßnahme durch die Europäische Kommission würde für mehr Stabilität sorgen und den Aufbau von Fachkompetenz fördern. Im Kulturerbesektor Tätige könnten ihr Wissen einfacher austauschen. Schließlich würden die Glaubwürdigkeit, der Bekanntheitsgrad und das Prestige des Siegels zunehmen.

Besondere Aufmerksamkeit wurde in dem Vorschlag auf den Mehrwert des Europäischen Kulturerbe-Siegels gelegt, im Vergleich zu anderen Initiativen im Kulturerbesektor wie zum Beispiel der UNESCO Weltkulturerbeliste und den "Europäischen Kulturwegen" des Europarats. Dieser Mehrwert ist darauf aufgebaut, dass das neue Europäische Kulturerbe-Siegel nur solche Stätte auszeichnen würde, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte der Europäischen Union gespielt haben.

Es geht nicht um die Schönheit oder architektonische Qualität einer Stätte, sondern vielmehr um ihren symbolischen Wert für den Europäischen Einigungsprozess. Es geht nicht um die Bewahrung der Stätten an sich, sondern um ihre Tätigkeiten und deren Bildungsdimension, besonders für junge Leute. Und letztendlich würde es dazu beitragen, dass mit dem Siegel ausgezeichnete Stätten effektiver zusammen arbeiten könnten.

In Folge seiner Annahme durch das Europäische Parlament und den Rat könnte der Vorschlag der Kommission im Jahr 2011 oder 2012 in Kraft treten.

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