Die EU als „Innovationsunion“ – neues Programm im Rahmen der Strategie Europa 2020
Im weiteren Sinne bedeutet Innovation neues Denken mit Mehrwert und die Fähigkeit, die Zukunft nach unseren Wünschen zu gestalten. So schafft Innovation neue Wachstumsmöglichkeiten.
Im Zuge der allmählichen Erholung von der Finanzkrise müssen weltweite Herausforderungen bewältigt werden, wozu Innovation mehr denn je beitragen kann. Die mit Klimawandel, Energie- und Ernährungssicherheit, Gesundheit und Bevölkerungsalterung verbundenen Herausforderungen erfordern innovative, neue Lösungen.
Europa blickt auf fast zwanzig Jahre Innovationspolitik auf EU-Ebene zurück und kann bemerkenswerte Ergebnisse sowie eine kontinuierliche Verbesserung der Innovationsleistung vorweisen. Doch die Welt ändert sich rasch, genau wie die Innovation selbst: Vor diesem Hintergrund hat die Kommission als Teil der Strategie Europa 2020 einen Vorschlag für eine „Innovationsunion“ vorgelegt:

Antonio Tajani auf der Pressekonferenz zur Innovationsunion am 6. Oktober 2010
Die Innovationsunion konzentriert sich auf Innovationen, die den wichtigsten sozialen Problemstellungen im Rahmen von Europa 2020 Rechnung tragen. Dabei wird das Konzept möglichst breit gefasst und bezieht alle Interessenvertreter und Regionen ein.
Die Einzelziele lauten:
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Stärkung der europäischen Wissensgrundlage und Reduzierung der Fragmentierung – durch Förderung von Exzellenz bei Bildung und Kompetenzentwicklung, durch Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums und Unterstützung des Europäischen Forschungs- und Technologieinstituts.
Wie eine neue Studie belegt, könnten bis 2025 durch Verwirklichung unseres Ziels die Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen um 3 % des BIP steigen, 3,7 Mio. Arbeitsplätze entstehen und das jährliche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 795 Mrd. € anwachsen.
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Guten Ideen auf den Markt verhelfen: Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln für innovative Unternehmen, Schaffung eines Innovationsbinnenmarktes, Förderung der Öffnung und Kapitalisierung des kreativen Potenzials Europas.
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Abbau sozialer und geografischer Ungleichgewichte: Durch gemeinsame Nutzung der Vorteile der Innovation in der gesamten EU zur intelligenteren Spezialisierung im Hinblick auf mehr Gewinn für den öffentlichen Sektor und die soziale Innovation.
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Kräfte bündeln, um einen Durchbruch zu erzielen: Gründung spezifischer Initiativen, so genannte „Europäische Innovationspartnerschaften“, die gleichzeitig alle Hemmschwellen auf Angebots- und Nachfrageseite abbauen und die Vorteile der Innovation so schnell wie möglich allen Bürgerinnen und Bürgern Europas nahebringen sollen.
Vergleich EU – China


Note: comparisons based on latest available data: 2008 for all indicators except: international co-publications (2009); most cited publications (2007); public private co-publications (2007); PCT patents (2007); KIA employment (2007). For China: data not available for new doctorate degrees, venture capital, cost of patents, KIA employment.
Einige Beispiele für wichtige politische Maßnahmen:
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Zugang zu Finanzmitteln: Aus Umfragen geht immer wieder hervor, dass Unternehmen mangelnden Zugang zu Finanzmitteln als größtes Hindernis für Innovationen betrachten, gefolgt von bürokratischem Aufwand.
Öffentliche Investitionen sollten privaten Investitionen auf die Sprünge helfen. Bis jetzt haben die 400 Millionen Euro, die aus dem EU-Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation für Darlehensbürgschaften und Risikokapital zur Verfügung gestellt wurden, Investitionen von 9 Milliarden Euro nach sich gezogen, die ungefähr 70 000 Kleinunternehmen zugute kommen.
Dies ist jedoch nicht genug. Europa investiert ungefähr 15 Milliarden Euro weniger in Risikokapital als die USA. In der „Innovationsunion“ wird deshalb eine Regelung für grenzübergreifendes Risikokapital vorgeschlagen, des Weiteren die Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank, um laufende EU-Finanzprogramme auszubauen, und die Bestellung einer hochrangigen Persönlichkeit mit dem Auftrag, innovative Unternehmen und Investoren grenzübergreifend zusammen zu bringen.
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Öffentliche Beschaffung innovativer Produkte: Öffentliche Einrichtungen geben jährlich über 2 Trillionen Euro für Lieferungen, Arbeit und Dienstleistungen aus. Nur ein geringer Teil dieser Finanzmittel wird für innovative Produkte und Dienstleistungen ausgegeben – eine verpasste Chance.
Die Gründe dafür sind falsche Anreize, mangelnde Informationen und Fähigkeiten sowie eine weit zerstreute Nachfrage. Um dem abzuhelfen, wird die Kommission öffentliche Behörden EU-weit finanziell unterstützen, zum Beispiel bei der Entwicklung innovativer Lastenhefte.
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Designorientiertes Denken: Zwar wird „Design“ oft lediglich mit dem Aussehen von Produkten in Zusammenhang gebracht, doch seine Anwendungsmöglichkeiten sind weit vielfältiger. Design wird immer mehr als ein wichtiger Aspekt der Vermarktung anerkannt, als Möglichkeit, Ideen in benutzerfreundliche, ansprechende und hochwertige Produkte zu verwandeln.
Wird Design benutzerorientiert und auf Dienstleistungen, Systeme und Organisationen angewandt, ist es ein Motor für die Innovation von Geschäfts- und Organisationsmodellen sowie anderer Formen nicht-technologischer Innovation.
Aus dieser Erkenntnis heraus wird die Kommission eine Innovationsinitiative für das europäische Design einleiten, eine offene und flexible Plattform zur Ausarbeitung konkreter Vorschläge, wie Design, Benutzeranforderungen und sonstige nicht-technologische Aspekte in die Innovations- und Unterstützungspolitik integriert werden können.
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Innovation im öffentlichen Sektor: Ausgehend vom Erfolg des Europäischen Innovationsanzeigers – ein Instrument, mit dem die Innovationsleistung der EU-Länder gemessen sowie Anreize und Beispiele für Maßnahmen auf Länderebene gegeben werden – wird die Kommission einen Europäischen Innovationsanzeiger für den öffentlichen Sektor erproben, um Informationen über die Charakteristiken der Innovation im öffentlichen Sektor und mittelfristig Beispiele für effiziente politische Maßnahmen und Leistungsvergleiche auszutauschen.
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Soziale Innovation: 2011 wird die Kommission ein Pilotprojekt für die soziale Innovation in Europa durchführen, das Know-how vermitteln und als virtuelle Drehscheibe für Unternehmer im Sozialbereich sowie im öffentlichen und gemeinnützigen Sektor fungieren soll.
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