Vizepräsident Šefčovič im Gespräch mit Nobelpreisträger Haroche: Forschungsförderung ist Investition

Maroš Šefčovič receive Serge Haroche, laureate of the Nobel Prize in Physics 2012

Die Finanzierung wissenschaftlicher Forschung wird laut Vizepräsident Maroš Šefčovič zu oft als Ausgabe und nicht als Investition in die Zukunft gesehen. Er äußerte diese Überlegung am 7. März in einem Gespräch mit einer Gruppe herausragender Wissenschaftler, darunter der Nobelpreisträger von 2012 Serge Haroche.

Vizepräsident Šefčovič sprach nach einer Konferenz in Brüssel, die vom kommissionsinternen Forschungsinstitut – der Gemeinsamen Forschungsstelle – organisiert wurde, über die Anwendungsmöglichkeiten der Quantenforschung in wichtigen Wirtschaftszweigen wie Informatik und Kommunikation sowie über ihr Potenzial zur Steigerung der europäischen Wirtschaftsleistung. Professor Haroche erhielt 2012 den Physik-Nobelpreis für seine experimentellen Methoden, die die Manipulation individueller Quantensysteme ermöglichen.

Europa ist im Bereich der Quantentechnologie führend. Viele Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass mehr getan werden muss, um diesen wissenschaftlichen Vorsprung auch in einen Wettbewerbsvorteil umzumünzen. Vizepräsident Šefčovič schloss sich dieser Meinung an.

„Wir sind uns bewusst, dass wir noch an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müssen“, erklärte er. „Ohne gute Wissenschaftler und gute Programme verlieren wir unseren Vorsprung. Deswegen bin ich froh, dass sich die europäischen Staats- und Regierungschefs trotz der harten Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt in den letzten Monaten darauf geeinigt haben, die Forschungsgelder zwischen 2014 und 2020 um 30 % zu erhöhen.“

„Aber wir können noch weiter gehen und die Vorschriften für den Zugang zu diesen Fördermitteln vereinfachen, so dass die europäischen Wissenschaftler ihre Zeit in ihren Laboren und nicht mit Ausfüllen von Formularen verbringen. Natürlich müssen wir uns rückversichern, dass das Geld nicht versickert – schließlich geht es um erhebliche öffentliche Mittel. Aber die Forschung selbst sollte nicht darunter leiden. Das Geld sollte als Investition gesehen werden, nicht als simpler Kostenfaktor, der an irgendeiner Stelle der Bilanz auftaucht.“

Professor Haroche ging es vor allen Dingen darum, dem Bürger besser zu vermitteln, um was es bei der Wissenschaft eigentlich geht. In den Medien sei in Zusammenhang mit der Quantentechnologie immer von „superschnellen Rechnern“ die Rede – diese seien aber noch lange nicht Wirklichkeit. Er betonte jedoch, dass die Quantentechnologie – beispielsweise in Form von Widerständen – bereits Einzug in unser Leben gehalten und es damit entscheidend verändert habe. Er fügte hinzu, dass die Öffentlichkeit mehr über die praktische Anwendung der Grundlagenforschung erfahren müsse, die nicht von heute auf morgen möglich sei und langfristige finanzielle und politische Unterstützung erfordere.

Bei der Konferenz der Gemeinsamen Forschungsstelle trafen europäische und internationale Wissenschaftler auf Technologiefirmen wie Intel und Thales sowie politische Entscheidungsträger der Kommission. Bei ihren Gesprächen ging es um die bestmögliche Gestaltung ihrer Zusammenarbeit und wie diese dazu beitragen kann, durch Quantenforschung neue Marktchancen in wichtigen Wirtschaftszweigen wie Messtechnik und IKT zu erschließen.

Letzte Aktualisierung: 22/10/2014 |  Seitenanfang