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Neue Klimavorschriften für Autos sorgen für Milliardeneinsparungen
Von Connie Hedegaard, EU-Kommissarin für Klimapolitik

12/07/2012

Trees © Medioimages/Photodisc/Digital Vision

„Brauchen wir wirklich noch mehr EU-Vorschriften?“ Das haben sicherlich viele gedacht, als ich Anfang des Monats die Vorschläge der Kommission für weitere Minderungen der CO2-Emissionen von PKW und leichten Nutzfahrzeugen vorlegte.

Die Antwort ist: Ja, wir brauchen diese Vorschriften. Neue Vorschriften sind vollkommen angebracht, wenn sie gut durchdacht und einer strengen Analyse unterzogen werden, was bei uns der Fall ist. Beim Umweltschutz hat sich in Europa stets gezeigt, dass wir große Fortschritte wir erzielen können, wenn wir ein vernünftiges Regelwerk vorlegen. Vor einigen Jahren haben wir die ersten Schritte zur Eindämmung von Emissionen von Kraftfahrzeugen unternommen. Und es hat funktioniert! Schauen Sie sich nur an, wie stark der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen in lediglich ein paar Jahren gesunken ist. EU-Vorschriften haben diese Entwicklung vorangetrieben. Hier haben wir ein ausgezeichnetes Beispiel für einen Bereich, in dem es sinnvoll ist, die Dinge in Europa gemeinsam anzugehen anstatt 27 einzelne Systeme zu entwickeln.

Die neuen Vorschriften werden nicht nur gewährleisten, dass bis 2030 ungefähr so viel CO2 eingespart wird, wie heute pro Jahr in Italien emittiert wird. Die Autobesitzer werden ebenfalls viel Geld sparen, und der europäische Automobilsektor wird seine Forschung und Entwicklung auf innovative, kraftstoffeffiziente Technologien konzentrieren, die seine Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Unser jetziger Vorschlag steht im Einklang mit unseren früheren, erfolgreichen Einsätzen für die Innovationsbereitschaft unserer Industrie. Wir schlagen heute vor, die Treibhausgasemissionen von PKW bis 2020 auf 95 Gramm CO2 pro Kilometer und diejenigen für leichte Nutzfahrzeuge auf 147 Gramm zu senken. Ist dies ehrgeizig? Ja – doch unsere Folgenabschätzungen zeigen, dass diese Grenzwerte technologisch erreichbar und gleichzeitig kosteneffizient sind.

Einige Stimmen aus der Industrie sagten, dass die Ziele zu schwierig zu verwirklichen seien, wohingegen die NRO viel strengere Grenzwerte gefordert hatten. Ich bin der Meinung, wir haben einen guten Kompromiss gefunden, indem wir Grenzwerte vorschreiben, die zwar ehrgeizig, doch realistisch sind. Und ich freue mich, dass sowohl die Europäische Verbraucherschutzorganisation als auch der Dachverband der europäischen Automobilzulieferer derselben Ansicht sind.

Mit den neuen Vorschriften wird Europa einige der strengsten CO2-Standards für PKW haben – und damit auch für die Kraftstoffeffizienz. Und das ist gut so, denn es handelt sich hierbei um einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der Automobilindustrie für die kommenden Jahre. Trotz der Wirtschaftskrise liegt der Ölpreis immer noch bei 100 Dollar pro Barrel, und es sieht nicht danach aus, also ob sich dies in Kürze ändern würde.

Die Einsparungen für Europa werden gewaltig sein. Legt man die heutigen Kraftstoffpreise zugrunde, werden wir ab 2020 jedes Jahr Kraftstoff im Wert von 30 Milliarden Euro einsparen. Dies wird sich sowohl bei den Unternehmen, als auch bei den Verbrauchern bemerkbar machen. Außerdem dürfte es einen deutlichen Einfluss auf unsere Handelsbilanz haben, die zurzeit durch unsere hohen Ölimporte belastet wird.

Was bedeuten die neuen Vorschriften für die einzelnen Autobesitzer? Zunächst einmal nicht besonders viel, denn die Vorschriften gelten lediglich für Neuwagen und werden erst 2020 vollständig umgesetzt sein. Bis dahin könnte der Kauf eines Neuwagens ein wenig teurer werden, doch diese Kosten sind in ein paar Jahren schnell wieder ausgeglichen, denn weniger CO2-Emissionen bedeuten auch weniger Kraftstoffkosten. Unseren Berechnungen zufolge könnte der durchschnittliche Autobesitzer jedes Jahr ungefähr 340 Euro in aktuellen Preisen sparen. Über die gesamte Lebensdauer des PKWs dürften sich die Nettoersparnisse auf ungefähr 200 Euro belaufen, den höheren Kaufpreis eingerechnet.

Nun sind die EU-Umweltminister und das Europäische Parlament am Zug. Es liegt in ihrer Verantwortung, das ehrgeizige Projekt weiterzubringen. Denn Eines ist klar: Wird der Vorschlag abgeschwächt, verringern sich die Vorteile für Verbraucher und Unternehmen entsprechend.

Letzte Aktualisierung:01/08/2012 | Seitenanfang