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REGION DER WOCHE:

Sardinien

Sardegna

04/06/2012

Am 4. Juni 2012 ist Kommissar Hahn zu Besuch in Sardinien. Er wird dort mit Fabrizio Barca, dem italienischen Minister für regionale Entwicklung, zusammentreffen, um über bestimmte Punkte bezüglich der italienischen Programme im aktuellen Finanzierungszeitraum sowie die Vorbereitung der zukünftigen regionalpolitischen Programme für den Zeitraum 2014-2020 zu sprechen. Der Kommissar wird außerdem Ugo Cappellacci, den Präsidenten der sardischen Regionalregierung, treffen, um den aktuellen Stand der Dinge in der Kohäsionspolitik auf der Insel zu besprechen. Zu guter Letzt wird der Kommissar mit Vertretern verschiedener Einrichtungen, Universitäten, Unternehmen sowie Studenten der Bereiche Forschung & Entwicklung und Innovation der Universität Cagliari zusammentreffen.

 

Was sind die Prioritäten der Region?

Das zu Italien gehörende Sardinien ist mit 23 821 km² nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Ungefähr 1,7 Millionen Einwohner leben in der Region. 2009 lag das BIP pro Kopf bei 79 % des EU-Durchschnitts.

Aufgrund seiner Insellage hat Sardinien mit besonderen Problemen zu kämpfen, insbesondere was die Energie- und Verkehrskosten angeht. Sowohl im Energiesektor als auch im Verkehr sind jedoch eine Reihe von Initiativen angelaufen, welche die derzeitigen Herausforderungen in zukünftige Stärken verwandeln können. Im Bereich Verkehr werden die regionalen Schienen- und Straßennetze sowie die städtischen Verkehrssysteme umfassend modernisiert. Darüber hinaus gibt es wichtige Häfen wie Cagliari – ein wichtiger Transitpunkt für die Insel, der auch als Umladestation dient – gefolgt von Olbia und Porto Torres. Die Regionalpolitik der EU hat bereits zur Modernisierung der wichtigsten regionalen Flughäfen beitragen, an denen eine steigende Zahl von Passagieren umsteigt.

Sardiniens Prioritäten sind:

  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch Unterstützung von Forschung und Innovation in Unternehmen, Förderung der Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen und Entwicklung einiger weniger Cluster in genau festgelegten Bereichen;
  • Effiziente und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie Ausbau der natürlichen und kulturellen Ressourcen zur Stärkung des Tourismus, sowohl an der Küste als auch im Innern der Insel;
  • Verbesserung des Aufbaus der Agrarindustrie zur Stärkung der Produktion und Vermarktung landwirtschaftlicher und agrarindustrieller Produkte;
  • Vorabfestlegung einer koordinierten und ergebnisorientierten Strategie für die Entwicklung der Tourismusindustrie;
  • Vollständige Einbindung der Entwicklung des Landesinnern der Insel in eine übergeordnete Strategie zur territorialen Entwicklung;
  • Förderung einer nachhaltigen Entwicklung durch Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen;
  • Verbesserung der Qualität der Dienste der Informationsgesellschaft sowie Stärkung des Zugangs zu ihnen, zum Beispiel durch die Einrichtung von Breitband in Gegenden, die von der digitalen Kluft betroffen sind. Ein Projekt für die Einrichtung von Breitbandtechnik auf der Insel läuft bereits;
  • Bekämpfung vorzeitiger Schulabbrüche.

 

Welchen Beitrag leistet die EU-Regionalpolitik?


Das Programm für die Region Sardinien verfügt im Zeitraum 2007-2013 über ein Gesamtbudget von 1,7 Mrd. EUR. Die EU-Finanzierung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) beläuft sich auf circa 681 Mio. EUR. Dies entspricht etwa 2,4 % der insgesamt im Rahmen der Kohäsionspolitik 2007-2013 für Italien vorgesehenen Mittel.

Das Programm hat das Ziel, ungefähr 5 500 neue Arbeitsplätze zu schaffen, darunter 1 200 für Frauen. Es wird erwartet, dass der Kohlendioxidausstoß um 26 % sinken und die Produktivität der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Hinblick auf den Mehrwert um 9 % steigen wird.

Sardinien ist auch an dem grenzüberschreitenden Programm entlang der Seegrenze zwischen Frankreich und Italien „Italien – Frankreich Meeresgebiete“ beteiligt. Es betrifft die Provinzen Sassari, Nuoro, Cagliari, Oristano, Olbia-Tempio, Ogliastra, Medio Campidano, Carbonia-Iglesias, Imperia, Savona, Genua, La Spezia, Massa-Carrara, Lucca, Livorno und Grosseto in Italien sowie die Départements Corse-du-Sud und Haute-Corse in Frankreich und wird im Zeitraum 2007-2013 mit 122 Mio. EUR aus dem EFRE unterstützt. Dieses grenzüberschreitende Kooperationsprogramm hat das Ziel, Zugang, Innovation und die bestmögliche Nutzung im Bereich der natürlichen und kulturellen Ressourcen zu verbessern sowie die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur und integrierten Dienste zu fördern und so die Wettbewerbsfähigkeit der kooperierenden Regionen im Mittelmeer zu stärken.

Zu guter Letzt ist Sardinien dem im letzten Jahr von der Kommission gegründeten Forum für intelligente Spezialisierung beigetreten. Bei der intelligenten Spezialisierung handelt es sich um einen strategischen Ansatz gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung, in dem Forschung und Innovation zielgerichtet unterstützt werden. Sie bildet die Grundlage für die Investitionen der Strukturfonds in Forschung und Innovation als Teil des Beitrags der zukünftigen Kohäsionspolitik zur Strategie Europa 2020 für Wachstum und Beschäftigung.

 

Projektbeispiele



  • Tossilo als Interventionsmodell für die wirtschaftliche Erholung in Krisengebieten: EFRE-Mittel: 7 000 000 EUR

    Das Projekt „Cluster- und lokale Entwicklungsprojekte in Krisen- und benachteiligten Gebieten“ hat das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und Erholung in Gebieten, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind, durch einen integrierten Ansatz – Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften, Konzentration von Ressourcen sowie synergetische Nutzung verschiedener Förderinstrumente zur Unterstützung der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung – zu stärken. Dieser Ansatz wurde in dem Industriegebiet „Tossilo“ in Zentralsardinien erstmals getestet. Die Menschen im Gebiet „Tossilo“ kommen in den Genuss spezieller Schulungsprogramme sowie Wege zur Arbeitsaufnahme und Unternehmensgründung. Unternehmen – vor allem kleine und mittlere – profitieren von Investitionsbeihilfen, Verwaltungsdienstleistungen und Schulungen zur Umsetzung ihrer Entwicklungsprojekte.

  • Mediateca del Mediterraneo in Cagliari:
  • EFRE-Mittel: 4 070 000 EUR

    Der Aufbau der Mittelmeerbibliothek in Cagliari hat die Wiederbelebung eines Gewerbegebiets ermöglicht, das nicht mehr als solches genutzt worden war. Der Bevölkerung stehen Bücher, DVDs, Zeitschriften, historische Dokumente und technische Informationsinstrumente zur Verfügung. Die Bibliothek treibt die kulturelle Innovation im gesamten Stadtgebiet voran und ist ein wichtiger Ort der kulturellen Förderung im Hinblick auf Integration, kulturellen Austausch und Synergien mit Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen. Sie arbeitet außerdem mit anderen Bibliotheken an verschiedenen Orten am Mittelmeer zusammen. Mit Kinos, einer Ausstellungsfläche und einem Angebot für Kinder und Jugendliche bringt die Bibliothek darüber hinaus die Menschen zusammen.

  • Centro di ricerca e conservazione dei beni culturali in Li Punti – Sassari:
    EFRE-Mittel: 5 900 000 EUR

    Das „Zentrum für die Erforschung und Bewahrung der Kulturgüter“ in Li Punti, Sassari, kümmert sich um alle Aspekte der Restaurierung von Kulturgütern in der Region. Es war für die Restaurierung der monumentalen Statuen, die am Monte Prama gefunden wurden, verantwortlich, veranstaltet jedoch auch Workshops für die Öffentlichkeit und hat eine Schule für Restaurierung mit Kursen und Laboren gegründet. Mit diesem Zentrum, das die Ausgrabung, Lagerung und Restaurierung von Kulturgütern sowie die Erforschung, Förderung und Entwicklung des Kulturerbes verbindet, ist Sardinien ein Pionier.

  • Initiative Sardegna CO2.0: EFRE-Mittel: 15 200 000 EUR

    Sardegna CO2.0 ist ein innovatives, von der Giunta Regionale della Sardegna (dem sardischen Regionalrat) gefördertes Pilotprojekt, das den CO2-Ausstoß in Sardinien deutlich senken soll. Es arbeitet mit öffentlich-privaten Partnerschaften, die das Ziel haben, territoriale Energiepläne auszuarbeiten und umzusetzen. Die EIB unterstützt die Aktion durch die JESSICA-Initiative.

  • „Cluster für grüne Chemie“:

    Die Schaffung eines Exzellenzclusters im Bereich der „grünen Chemie“ hat die Produktion von Chemikalien aus erneuerbaren Ressourcen in den Industriegebieten von Sassari und Porto Torres zum Ziel. Das Cluster wird eine Bioraffinerie und Forschungseinrichtungen beherbergen. Multinationale Unternehmen sind vollständig in das Projekt eingebunden. Die Europäische Union unterstützt das Gesamtkonzept und die Einrichtung des Clusters.

 

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