Europäische Kommission

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Gesundheit und Verbraucherpolitik

Personally Speaking

Gemeinsam für unsere Gesundheit

 

Am 29. Juni sind über 500 Gesundheitsakteure aus Europa und der ganzen Welt nach Brüssel gekommen. Ich hatte sie eingeladen, um unter dem Motto „Gemeinsam für unsere Gesundheit“ darüber zu sprechen, wie wir dafür sorgen können, dass gesundheitliche Belange stärker in alle Politikbereiche einbezogen werden. Mein Ziel ist es, die öffentliche Gesundheit in ganz Europa zu verbessern. Um dies zu erreichen, müssen viele Hände mithelfen, und es darf kein Politikbereich ausgespart werden.

In der derzeitigen Finanzkrise ist es besonders wichtig, alle Synergien zwischen Politik und Akteuren auszuschöpfen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit Investitionen in die Gesundheit zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum beitragen. Eine gesunde Bevölkerung garantiert widerstandsfähige Arbeitskräfte, lange Lebensarbeitszeiten und weniger Gesundheitskosten. Darum sind Entscheidungen, die wir heute über Gesundheitsmaßnahmen und Gesundheitsbudgets treffen, mitbestimmend für die Gesundheit und das Wohlergehen künftiger Generationen. Dies ist besonders angesichts der Alterung der Gesellschaft wichtig, durch die der Druck auf unsere Gesundheitssysteme noch erhöht wird.

Eine Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung zu verbessern und die steigenden Gesundheitskosten langfristig finanzierbar zu halten, ist der intelligente und verantwortungsvolle Umgang mit Gesundheitstechnologien. Elektronische Gesundheitsdienste können beispielsweise dazu beitragen, Krankheiten zu verhindern, die Patientensicherheit zu erhöhen und die Effizienz der Gesundheitssysteme zu steigern. Medizinische Geräte sind wichtig bei Diagnose, Vorsorge, Überwachung und Behandlung von Krankheiten. Neue und zukunftsträchtige Technologien und Therapien – etwa auf die Bedürfnisse einzelner Patienten abgestimmte Arzneimittel – können einen bedeutenden Nutzen bringen. Ich bin überzeugt, dass mit Gesundheitstechnologie Leben gerettet und die medizinische Versorgung erheblich verbessert werden können. Und genau darum müssen wir verantwortungsvolle Innovationen im Gesundheitsbereich unterstützen. Innovationen, bei denen Wirksamkeit, Sicherheit und Risiken sowie der Nutzen für die Gesellschaft sorgfältig abgewogen werden müssen.

Am besten wäre es natürlich, wenn die europäischen Bürger irgendwann so gesund wären, dass sie kaum noch medizinische Versorgung benötigen. Viele Krankheiten hängen mit unseren Lebensgewohnheiten zusammen: Was wir essen und trinken, ob wir uns ausreichend bewegen und ob wir rauchen. Europa muss mehr in die Förderung eines gesunden Lebensstils investieren – nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Zeit und Kraft. Dabei geht es nicht nur darum, die Bürger zu überzeugen oder in Kampagnen für einen gesünderen Lebenswandel zu werben. Wichtig ist vor allem, dass die Bürger tatsächlich die Möglichkeit haben, sich für die gesunde Lebensvariante zu entscheiden. Und genau hier muss die Politik ansetzen.

Wenn es zum Beispiel keine Parks, keinen Platz für Fußgänger und keine Fahrradspuren gibt, werden Gesundheitskampagnen für mehr Bewegung im Alltag keinen Erfolg haben. Denn die Leute müssen auch tatsächlich Gelegenheit erhalten, sich zu bewegen. Dafür brauchen wir eine gesunde Städteplanung und eine intelligente Verkehrspolitik. Genauso müssen wir dafür sorgen, dass Ernährung auch in der Bildungspolitik und in den Stundenplänen eine Rolle spielt, wenn wir wollen, dass unsere Kinder gesunde Essgewohnheiten entwickeln. Und in den Schulkantinen müssen gesunde Mahlzeiten angeboten werden. Europas Bürger können nur dann gesund bleiben, wenn sie unter gesunden Bedingungen leben.

Deshalb ist Gesundheitspolitik zugleich Sozialpolitik, Umweltpolitik, Verkehrspolitik, Bildungspolitik, Forschungspolitik, Digitalpolitik – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Gesundheit ist harte Arbeit – für uns alle!