Europäische Kommission > EJN > Prozessuale Fristen > Griechenland

Zuletzt aktualisiert am 29-10-2007
Druckfassung Zu Favoriten hinzufügen

Prozessuale Fristen - Griechenland

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Verschiedene Arten von Fristen in der zivilprozessualen Praxis 1.
2. Liste der Tage, die nach der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71 vom 3. Juni 1971 als Feiertage vorgesehen sind 2.
3. Welche allgemeinen Regeln sind auf die Fristen für die verschiedenen Zivilverfahren anwendbar? 3.
4. Wann beginnt eine Handlung oder Formalität, die innerhalb einer gesetzten Frist erfolgen muss („terminus a quo“)? 4.
4.a) Kann der Beginn der Frist durch die Art der Übermittlung oder Zustellung von Schriftstücken (persönliche Übergabe durch einen Gerichtsvollzieher oder Postweg) beeinflusst oder verändert werden? 4.a)
5. Wann beginnt die Frist? 5.
5.a) Sofern eine Frist nach Tagen bemessen ist, zählt dann der tatsächliche Zeitpunkt der Handlung, des Ereignisses, des Urteils bzw. der Zustellung und/oder Mitteilung? 5.a)
5.b) Werden bei einer nach Tagen bemessenen Frist Kalendertage oder nur Arbeitstage gezählt? 5.b)
5.c) Wie verhält es sich, wenn die Frist in Monaten oder Jahren ausgedrückt ist? 5.c)
5.d) Wann enden solche Fristen? 5.d)
6. Verlängert sich eine Frist, die an einem Samstag, Sonntag, gesetzlichen Feiertag oder arbeitsfreien Tag abläuft, bis zum nächsten Werktag? Gilt eine solche Verlängerung auch, wenn der Fristbeginn durch ein künftiges Ereignis bestimmt ist? 6.
7. Wenn der Antrag im Falle eines Mitgliedstaats, der neben dem Kernland noch andere Gebiete außerhalb der Metropole oder räumlich getrennte Gebiete1 umfasst, an ein Gericht mit Sitz im Kernland des Mitgliedstaats gerichtet ist, verlängern sich dann die Fristen für Personen, die in einem dieser Gebiete ansässig sind, oder für Personen, die im Ausland ansässig sind? Falls ja, um wie viel? 7.
8. Wenn umgekehrt der Antrag an ein Gericht mit Sitz in einem vom Kernland räumlich getrennten Gebiet gerichtet ist, verlängern sich dann die Fristen für Personen, die nicht in diesen Gebieten ansässig sind, oder für Personen, die im Ausland ansässig sind? 8.
9. Gelten für bestimmte Zivilsachen spezielle Rechtsmittelfristen? 9.
10. Können Gerichte in einem Notfall oder aus anderen Gründen die Ladungsfristen abkürzen oder für die Ladung eine spezielle Frist setzen? Ist umgekehrt auch eine Verlängerung dieser Fristen möglich? 10.
11. Geht eine Partei, die an einem Ort ansässig ist, an dem ihr eine Fristverlängerung gewährt würde, dieses Vorteils verlustig, wenn sie über eine vorzunehmende Handlung an einem Ort unterrichtet wird, an dem ihr keine derartige Fristverlängerung gewährt würde? 11.
12. Welche Folgen hat die Nichteinhaltung von Fristen? 12.
13. Welche Rechtsbehelfe stehen Parteien bei Versäumnis einer Frist zur Verfügung? 13.

 

1. Verschiedene Arten von Fristen in der zivilprozessualen Praxis

Als Fristen werden die Stichtage bezeichnet, bis zu denen eine Handlung vollzogen oder ein Schriftstück eingegangen sein muss, damit über eine Sache gerichtlich verhandelt oder eine Handlung vorgenommen werden kann. Fristen sollen die Rechtsprechung beschleunigen und den Anspruch auf rechtliches Gehör sichern. Prozessuale Fristen sind solche Fristen, deren Einhaltung oder Versäumnis bestimmte Folgen für das Verfahren haben. Unterschieden werden grundsätzlich zwei Arten von Fristen: 1) HANDLUNGSFRISTEN, innerhalb derer eine Prozesshandlung vorzunehmen ist, etwa die gesetzliche Rechtsmittelfrist (vgl. Artikel 318 Ziffer 1 der Zivilprozessordnung) und 2) VORBEREITUNGSFRISTEN, nach deren Ablauf eine Prozesshandlung vorzunehmen ist. Diese Fristen, wie etwa die Frist zur Ladung des Beklagten (Artikel 228 der Zivilprozessordnung), dienen in der Regel dem Interesse des Beklagten, indem sie ihm Zeit zur Vorbereitung geben. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Handlungsfristen von den Parteien einvernehmlich verlängert werden können, Vorbereitungsfristen jedoch nicht. Handlungsfristen, deren Stichtag auf einen gesetzlichen Feiertag fällt, enden am darauf folgenden Werktag, während Vorbereitungsfristen stets an ihrem Ablauftag enden, egal ob dieser auf einen Feiertag fällt oder nicht. Die wichtigsten nach der Zivilprozessordnung zu beachtenden prozessualen Fristen:

  1. Frist zur Ladung der Parteien nach Einleitung des Verfahrens: sechzig (60) Tage vor dem Termin der mündlichen Verhandlung; hat die Partei ihren Wohnsitz im Ausland oder ist ihr Aufenthalt unbekannt, beträgt diese Frist neunzig (90) Tage vor der mündlichen Verhandlung (vgl. Artikel 228 der Zivilprozessordnung).
  2. Antragsfrist zur Aufhebung eines Versäumnisurteils: fünfzehn (15) Tage vor der Urteilszustellung, wenn die Partei, gegen die das Versäumnisurteil erlassen wurde, ihren Wohnsitz in Griechenland hat. Hat die Partei ihren Wohnsitz im Ausland oder ist ihr Aufenthalt unbekannt, beträgt diese Frist sechzig (60) Tage vor der Urteilszustellung (vgl. Artikel 503 der Zivilprozessordnung).
  3. Berufungsfrist: dreißig (30) Tage ab Zustellung des Endurteils, falls der Berufungskläger seinen Wohnsitz in Griechenland hat. Hat der Berufungskläger seinen Wohnsitz im Ausland oder ist sein Aufenthalt unbekannt, beträgt die Frist sechzig (60) Tage ab Zustellung des Endurteils. Wird das Endurteil nicht zugestellt, beträgt die Berufungsfrist drei (3) Jahre ab der öffentlichen Bekanntmachung des Urteils (vgl. Artikel 518 der Zivilprozessordnung).
  4. Frist für die erneute Verhandlung: sechzig (60) Tage, falls der Antragsteller seinen Wohnsitz in Griechenland hat. Hat der Antragsteller seinen Wohnsitz im Ausland oder ist sein Aufenthalt unbekannt, beträgt die Frist einhundertzwanzig (120) Tage (vgl. Artikel 545 der Zivilprozessordnung).
  5. Revisionsfrist: dreißig (30) Tage ab Zustellung des Urteils, falls der Revisionskläger seinen Wohnsitz in Griechenland hat. Hat der Revisionskläger seinen Wohnsitz im Ausland oder ist sein Aufenthalt unbekannt, beträgt die Frist neunzig (90) Tage ab Zustellung des Urteils. Wird das Urteil nicht zugestellt, beträgt die Revisionsfrist drei (3) Jahre ab der öffentlichen Bekanntmachung des Urteils (vgl. Artikel 564 der Zivilprozessordnung).

Prozessuale Fristen sind in der Zivilprozessordnung und anderen Verfahrensvorschriften - etwa denen, die sich auf Ehestreitigkeiten (Scheidung, Aufhebung der Ehe), Konkurserklärungen, Aufhebungsanträge bei Konkurs wegen Fristversäumnis (vgl. Artikel 632 der Zivilprozessordnung), Lohnstreitigkeiten, arbeitsrechtliche Streitigkeiten, einstweilige Verfügungen, Vollstreckung und Aufhebungsanträge bei Vollstreckung wegen Fristversäumnis beziehen - festgelegt.

SeitenanfangSeitenanfang

2. Liste der Tage, die nach der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1182/71 vom 3. Juni 1971 als Feiertage vorgesehen sind

In Griechenland geltende Feiertage sind im Gesetz Nr. 1157/1981 aufgeführt. Allerdings ist diese Liste nicht erschöpfend. Ein Tag gilt dann als Feiertag, wenn an ihm grundsätzlich keine Geschäfte abgewickelt werden. Deshalb sind arbeitsfreie Tage für bestimmte Berufsgruppen oder Dienste unerheblich. Es gibt nationale, religiöse und sonstige Feiertage, darunter auch lokale oder temporäre Feiertage. Gesetzliche Feiertage sind arbeitsfreie Tage für Regierungsbehörden. Folgende Tage gelten als gesetzliche Feiertage: 25. März (Nationalfeiertag), 28. Oktober (Nationalfeiertag), 1. Januar, Heilige Drei Könige (6. Januar), Karfreitag, Ostersamstag, 1. Mai, 15. August, 1. und 2. Weihnachtstag, Pfingstmontag, Rosenmontag, Ostermontag und jeder Sonntag.

3. Welche allgemeinen Regeln sind auf die Fristen für die verschiedenen Zivilverfahren anwendbar?

Prozessuale Fristen sind in den Artikeln 144 bis 151 der Zivilprozessordnung geregelt. Je nach Ursprung der Frist wird unterschieden zwischen gesetzlichen Fristen (deren Dauer das Gesetz vorgibt, etwa Fristen zur Einleitung von Gerichtsverfahren), richterlichen Fristen (deren Dauer das die betreffende Rechtssache verhandelnde Gericht bestimmt, etwa die Frist für das persönliche Erscheinen der Parteien, vgl. Artikel 245 der Zivilprozessordnung), verschiebenden Fristen (deren Versäumnis eine Vertagung der Verhandlung zur Folge hat) und obligatorischen Fristen (deren Versäumnis die Verwirkung eines Rechts zur Folge hat). Beginn und Ende von Fristen werden nachstehend erörtert. Eine Frist wird ausgesetzt, wenn eine Partei vor ihrem Ablauf verstirbt. Hat die ausgesetzte Frist mit der Zustellung eines Schriftstücks begonnen, so beginnt die neue Frist mit der Zustellung desselben Schriftstücks an die gesetzlichen Erben des Verstorbenen. Hat sie mit einem anderen Ereignis begonnen, so beginnt die neue Frist mit der Zustellung einer diesbezüglichen Erklärung an die genannten Personen. Wird ein Rechtsstreit vor Ablauf einer Frist vertagt, so wird die Frist ausgesetzt und läuft weiter, wenn das Verfahren wieder aufgenommen wird. Der Zeitraum vom 1. bis 31. August wird auf die in Artikel 147 Ziffer 7 der Zivilprozessordnung aufgeführten Handlungsfristen (zu denen Fristen zur Einleitung von Gerichtsverfahren und Antragsfristen zur Aufhebung von Versäumnisurteilen zählen) nicht angerechnet.

SeitenanfangSeitenanfang

Das Gesetz gestattet die Verlängerung von Fristen durch Vereinbarung zwischen den Parteien und mit Zustimmung des Gerichts. Verlängert werden können sowohl gesetzliche als auch richterliche Fristen, sofern dadurch nicht die Rechte Dritter beeinträchtigt werden. Der Richter ist nicht an den Inhalt eines Antrags auf Fristverlängerung gebunden und kann nach Beurteilung der jeweiligen Umstände dem Antrag teilweise stattgeben oder ihn ablehnen. Die Parteien müssen daher Gründe anführen, die die Fristverlängerung rechtfertigen. Schließlich können Fristen durch Vereinbarung zwischen den Parteien und Gerichtsbeschluss abgekürzt werden. Dies gilt für alle gesetzlichen Fristen mit Ausnahme der Fristen zur Einleitung von Gerichtsverfahren.

4. Wann beginnt eine Handlung oder Formalität, die innerhalb einer gesetzten Frist erfolgen muss („terminus a quo“)?

Die Frist beginnt am Tag nach dem Eintreten des auslösenden Ereignisses (a momento ad momentum). Sie endet grundsätzlich am Ablauftag um 19 Uhr. Handlungsfristen, deren Stichtag auf einen gesetzlichen Feiertag fällt, enden am darauf folgenden Tag. Dasselbe gilt, wenn der Stichtag auf einen Sonntag fällt. Ist der Tag nach dem Stichtag ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag, endet die Frist am nächsten Tag, der kein gesetzlicher Feiertag ist. Der Grund für den Fristbeginn am Tag nach dem auslösenden Ereignis besteht darin, dass der Verlust eines ganzen Tages vermieden werden soll, wenn das auslösende Ereignis (in der Regel eine Zustellung) erst kurz vor 19 Uhr eintritt. Dabei ist es unerheblich, ob der nächste Tag (d. h. der Tag des Fristbeginns) ein Feiertag ist oder Feiertage in die Frist fallen, es sei denn, das Gesetz sieht ausdrücklich etwas anderes vor (vgl. Artikel 632 der Zivilprozessordnung zu Aufhebungsanträgen bei Konkurs wegen Fristversäumnis).

SeitenanfangSeitenanfang

4.a) Kann der Beginn der Frist durch die Art der Übermittlung oder Zustellung von Schriftstücken (persönliche Übergabe durch einen Gerichtsvollzieher oder Postweg) beeinflusst oder verändert werden?

Die Zivilprozessordnung enthält keine Vorschriften, wonach sich Fristen verlängern oder verkürzen, wenn Schriftstücke per Post oder auf andere Weise übermittelt bzw. zugestellt werden.

5. Wann beginnt die Frist?

5.a) Sofern eine Frist nach Tagen bemessen ist, zählt dann der tatsächliche Zeitpunkt der Handlung, des Ereignisses, des Urteils bzw. der Zustellung und/oder Mitteilung?
[Ist der Beginn einer Frist davon abhängig, dass der Empfänger von der Handlung Kenntnis hat? Wenn ja, auf welche Weise?]

Der Tag, an dem das auslösende Ereignis eintritt, kann nur dann mitgerechnet werden, wenn das Gesetz, der Gerichtsbeschluss oder die Vereinbarung dies ausdrücklich zulässt. Dies gilt nicht, wenn die Frist mit der Zustellung beginnt. Somit beginnen die wichtigen Fristen für die Berufung, Revision oder Beantragung der Aufhebung eines Versäumnisurteils am Tag nach der Zustellung oder öffentlichen Bekanntmachung des Urteils. Ist jedoch vereinbart, dass die Frist an einem bestimmten Tag beginnt, so wird sie ab diesem Tag gerechnet. Ist die Zustellung das fristauslösende Ereignis, so ist eine auf andere Weise erlangte Kenntnis des Inhalts des zuzustellenden Schriftstücks für den Fristlauf irrelevant (vgl. Antwort 4).

5.b) Werden bei einer nach Tagen bemessenen Frist Kalendertage oder nur Arbeitstage gezählt?

Wie bereits ausgeführt, ist es in den meisten Fällen unerheblich, ob Feiertage in die Frist fallen. Es werden nur dann ausschließlich Werktage gezählt, wenn dies ausdrücklich vorgesehen ist (etwa bei der Frist für Aufhebungsanträge bei Konkurs wegen Fristversäumnis, die grundsätzlich am Montag, dem 18. April [sic] endet).

SeitenanfangSeitenanfang

5.c) Wie verhält es sich, wenn die Frist in Monaten oder Jahren ausgedrückt ist?

Ist die Frist in Monaten oder Jahren ausgedrückt, so ist es ebenfalls unerheblich, ob Feiertage in die Frist fallen.

5.d) Wann enden solche Fristen?
[Ist für Fristen, die in Ausnahmefällen oder in bestimmten Zivilsachen gelten, ein bestimmter Anfangspunkt vorgesehen]

Gesetzliche oder richterliche Fristen beginnen regelmäßig am Tag nach dem fristauslösenden Ereignis. Ihr Ablauftermin wird in Bezug auf dem Tag nach dem auslösenden Ereignis bestimmt.

Ist die Frist in Jahren bemessen, so läuft sie am Ende desselben Tages im letzten Jahr ab. Wird etwa ein Gerichtsurteil am 8. Mai 2000 öffentlich bekannt gemacht, endet die dreijährige Berufungsfrist am 9. Mai 2003 (wobei es für die Berechnung irrelevant ist, ob eines der Jahre ein Schaltjahr ist).

Ist die Frist in Monaten bemessen, so läuft sie am Ende desselben Tages im letzten Monat ab. Fehlt im letzten Monat dieser Tag, endet die Frist am letzten Tag des Monats (wobei die Anzahl der Tage in den einzelnen Monaten irrelevant ist).

Eine halbjährliche Frist dauert sechs (6) Monate, eine zweiwöchige Frist fünfzehn (15) Tage.

Ist die Frist in Stunden bemessen, werden dazwischen liegende Feiertage nicht mitgerechnet. Die letzte Stunde bestimmt sich nach dem Zeitpunkt des Fristbeginns, d. h. der ersten Stunde nach dem auslösenden Ereignis. Ist beispielsweise eine eidesstattliche Erklärung für 10.00 Uhr angesetzt, erfolgt die Ladung rechtzeitig, wenn Sie um 9.40 Uhr zugestellt wird.

6. Verlängert sich eine Frist, die an einem Samstag, Sonntag, gesetzlichen Feiertag oder arbeitsfreien Tag abläuft, bis zum nächsten Werktag? Gilt eine solche Verlängerung auch, wenn der Fristbeginn durch ein künftiges Ereignis bestimmt ist?

Falls die Frist an einem gesetzlichen Feiertag oder einem Samstag abläuft, verlängert sie sich bis zum nächsten Tag, der kein gesetzlicher Feiertag ist, selbst wenn der Fristbeginn durch ein künftiges Ereignis bestimmt ist.

SeitenanfangSeitenanfang

7. Wenn der Antrag im Falle eines Mitgliedstaats, der neben dem Kernland noch andere Gebiete außerhalb der Metropole oder räumlich getrennte Gebiete1 umfasst, an ein Gericht mit Sitz im Kernland des Mitgliedstaats gerichtet ist, verlängern sich dann die Fristen für Personen, die in einem dieser Gebiete ansässig sind, oder für Personen, die im Ausland ansässig sind? Falls ja, um wie viel?

Die Zivilprozessordnung enthält keinerlei Vorschriften zur Verlängerung von Fristen für Bewohner entlegener oder räumlich getrennter Gebiete Griechenlands. Ist die betreffende Partei jedoch im Ausland ansässig oder ihr Aufenthalt unbekannt, sieht die Zivilprozessordnung je nach Verfahren längere Fristen vor.

8. Wenn umgekehrt der Antrag an ein Gericht mit Sitz in einem vom Kernland räumlich getrennten Gebiet gerichtet ist, verlängern sich dann die Fristen für Personen, die nicht in diesen Gebieten ansässig sind, oder für Personen, die im Ausland ansässig sind?

Eine Verlängerung von Fristen aus Gründen der Entfernung ist – unabhängig davon, ob der Gerichtssitz weit vom Wohnsitz der Partei entfernt ist – gesetzlich ebenfalls nicht vorgesehen. Für alle Parteien gelten grundsätzlich dieselben Fristen. Sonderregelungen sind lediglich für außerhalb Griechenlands ansässige Parteien vorgesehen.

9. Gelten für bestimmte Zivilsachen spezielle Rechtsmittelfristen?

Die Rechtsmittelfristen sind in Artikel 518 Ziffer 1 der Zivilprozessordnung geregelt. So beträgt die Berufungsfrist dreißig (30) Tage, falls der Berufungskläger in Griechenland ansässig ist, und sechzig (60) Tage, falls er im Ausland ansässig oder sein Aufenthalt unbekannt ist. Die Frist von sechzig (60) Tagen gilt jedoch nicht für Personen, die sich nur vorübergehend im Ausland aufhalten (wegen Urlaubs oder für wenige Tage zu einem bestimmten Zweck). In diesem Fall hängt ihre Dauer von den beruflichen oder familiären Umständen ab.

SeitenanfangSeitenanfang

10. Können Gerichte in einem Notfall oder aus anderen Gründen die Ladungsfristen abkürzen oder für die Ladung eine spezielle Frist setzen? Ist umgekehrt auch eine Verlängerung dieser Fristen möglich?

Nach griechischem Recht umfasst der Anspruch auf Rechtsschutz unabhängig von der Art des Rechtsstreits sowohl endgültigen als auch vorläufigen Rechtsschutz. Das Verfahren zum Erlass einer einstweiligen Verfügung (vgl. Artikel 682–738 der Zivilprozessordnung) kommt zur Anwendung, wenn das Gericht aus Gründen der Dringlichkeit oder zur Abwendung einer drohenden Gefahr Maßnahmen zur Sicherung oder Aufrechterhaltung eines Rechts oder Regelung einer Situation anordnet und sie später abändern oder aufheben kann. Da diese Fälle dringend sind, muss der Richter den Termin zur Verhandlung des Antrags auf Erlass einer einstweiligen Verfügung schnell, jedoch unter angemessener Berücksichtigung des Anspruchs der Parteien auf rechtliches Gehör anberaumen. Er kann deshalb, selbst wenn die Parteien im Ausland ansässig sind oder ihr Aufenthalt unbekannt ist, die Art und Weise der Ladung und die Ladungsfrist nach eigenem Ermessen festlegen und den Verhandlungstermin notfalls auch auf einen Sonntag oder gesetzlichen Feiertag legen. Abgesehen von einstweiligen Verfügungen gelten die oben genannten Fristen für alle Zivilverfahren und können nicht verlängert werden.

11. Geht eine Partei, die an einem Ort ansässig ist, an dem ihr eine Fristverlängerung gewährt würde, dieses Vorteils verlustig, wenn sie über eine vorzunehmende Handlung an einem Ort unterrichtet wird, an dem ihr keine derartige Fristverlängerung gewährt würde?

Diese Möglichkeit kennt die griechische Rechtsordnung nicht.

SeitenanfangSeitenanfang

12. Welche Folgen hat die Nichteinhaltung von Fristen?

Die Nichteinhaltung gerichtlicher Handlungsfristen hat keine Folgen für das Verfahren. Verstreicht eine Handlungsfrist der Parteien ungenutzt, ist das betreffende Recht verwirkt. Die Nichteinhaltung von Vorbereitungsfristen kann unterschiedliche Folgen haben. So kann etwa die Klage abgewiesen werden (vgl. Artikel 271 Ziffer 1 der Zivilprozessordnung).

13. Welche Rechtsbehelfe stehen Parteien bei Versäumnis einer Frist zur Verfügung?

Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist ein in der Verfassung vorgesehener Rechtsbehelf, der es einer Partei, die durch höhere Gewalt oder unredliches Verhalten der anderen Partei eine Frist versäumt hat, ermöglicht, die Zurückversetzung in den Zustand, der vor Ablauf der Frist bestanden hat, zu beantragen.

Ein Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist jedoch unzulässig, wenn er a) auf einem Verschulden des Anwalts oder Rechtsvertreters des Antragstellers oder b) auf Umständen beruht, die das Gericht im Zusammenhang mit einem Antrag auf Fristverlängerung oder Vertagung bereits geprüft hat. In dem Antrag ist anzugeben, warum die Frist versäumt wurde. Ferner sind Nachweise zur Feststellung der Wahrheit aufzuführen und die versäumte Handlung anzugeben oder zu erklären, dass sie bereits vorgenommen wurde. Über den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist binnen dreißig (30) Tagen nach dem Ende der höheren Gewalt, oder nachdem Kenntnis von dem unredlichen Verhalten der anderen Partei erlangt wurde, zu verhandeln. Verstreicht diese Frist, kann kein neuer Antrag gestellt werden (vgl. Artikel 152–158 der Zivilprozessordnung).

Weitere Informationen

1 Beispiele: die Azoren oder Madeira im Fall Portugals, die Überseedepartements und -territorien im Fall Frankreichs und die Kanarischen Inseln im Fall Spaniens.

« Prozessuale Fristen - Allgemeines | Griechenland - Allgemeines »

SeitenanfangSeitenanfang

Zuletzt aktualisiert am 29-10-2007

 
  • Gemeinschaftsrecht
  • Internationales Recht

  • Belgien
  • Bulgarien
  • Republik Tschechien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Estland
  • Irland
  • Griechenland
  • Spanien
  • Frankreich
  • Italien
  • Zypern
  • Lettland
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Ungarn
  • Malta
  • Niederlande
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Slowenien
  • Slowakei
  • Finnland
  • Schweden
  • Vereinigtes Königreich