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Zuletzt aktualisiert am 30-04-2009
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Elterliche Verantwortung - Belgien

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Was bedeutet der Ausdruck „Elterliche Verantwortung” in der Praxis? Was sind die Rechte und Pflichten des Inhabers elterlicher Verantwortung? 1.
2. Wer hat generell die elterliche Verantwortung für ein Kind? 2.
3. Kann eine andere Person statt der Eltern ernannt werden, wenn diese die elterliche Verantwortung für ihre Kinder nicht ausüben können oder wollen? 3.
4. Wie wird die Frage elterlicher Verantwortung für die Zukunft geregelt, wenn sich die Eltern scheiden lassen oder trennen? 4.
5. Welche Formalitäten müssen beachtet werden, damit die Einigung der Eltern über die elterliche Verantwortung rechtsverbindlich wird? 5.
6. Was sind andere Wege der Konfliktlösung, ohne vor Gericht zu gehen, wenn die Eltern nicht zu einer Einigung über die elterliche Verantwortung kommen können? 6.
7. Welche Angelegenheiten kann der Richter in Bezug auf das Kind entscheiden, wenn die Eltern vor Gericht gehen? 7.
8. Bedeutet es, wenn das Gericht entscheidet, dass ein Elternteil die alleinige elterliche Verantwortung für ein Kind hat, dass er oder sie alle Angelegenheiten in Bezug auf das Kind entscheiden kann, ohne sich zuerst mit dem anderen Elternteil zu beraten? 8.
9. Was bedeutet es in der Praxis, wenn das Gericht entscheidet, dass die Eltern die gemeinsame elterliche Verantwortung für ein Kind haben? 9.
10. An welches Gericht oder welche Behörde soll ich mich wenden, um einen Antrag in Bezug auf die elterliche Verantwortung zu stellen? Welche Formalitäten müssen beachtet werden und welche Schriftstücke muss ich meinem Antrag beifügen? 10.
11. Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung? Gibt es ein Eilverfahren? 11.
12. Kann ich Prozesskostenhilfe bekommen, um die Kosten des Verfahrens zu decken? 12.
13. Ist es möglich, einen Rechtsbehelf gegen eine Entscheidung in Bezug auf die elterliche Verantwortung einzulegen? 13.
14. In bestimmten Fällen kann es erforderlich sein, sich an ein Gericht oder eine andere Behörde zu wenden, um eine Entscheidung zur elterlichen Verantwortung zu vollstrecken. Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung? 14.
15. Was muss ich tun, um eine Entscheidung zur elterlichen Verantwortung, die in einem anderen Mitgliedstaat ergangen ist, in Belgien anerkennen und vollstrecken zu lassen? Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung? 15.
16. An welches Gericht in Belgien muss ich mich wenden, um mich gegen die Anerkennung einer Entscheidung zur elterlichen Verantwortung zu wenden, die von einem Gericht eines anderen EU-Mitgliedstaats getroffen wurde? Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung? 16.
17. Welches Recht ist in einem Verfahren zur elterlichen Verantwortung anwendbar, wenn das Kind oder die Parteien nicht in Belgien leben oder unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben? 17.

 

1. Was bedeutet der Ausdruck „Elterliche Verantwortung” in der Praxis? Was sind die Rechte und Pflichten des Inhabers elterlicher Verantwortung?

Die Grundregeln des elterlichen Sorgerechts sind in den Artikeln 371 bis 387 Buchstabe b des Bürgerlichen Gesetzbuchs zusammengefasst. Artikel 203 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nennt ebenfalls bestimmte Pflichten der Eltern (Unterbringung, Versorgung, Beaufsichtigung, schulische und berufliche Bildung – letztere Verpflichtung kann nach dem Erreichen der Volljährigkeit des Kindes weiter bestehen).

Kinder unterliegen bis zum Erreichen der Volljährigkeit (im Alter von 18 Jahren) bzw. bis zur Erklärung der Volljährigkeit der Verantwortung des Vaters und der Mutter. Bei den verschiedenen Aspekten des elterlichen Sorgerechts wird zwischen der Sorge für die Person des Kindes, der Verwaltung des Vermögens des Kindes und bestimmten elterlichen Vorrechten unterschieden. Die Sorge für die Person des Kindes lässt sich in zwei Teile unterteilen: erstens die „Sorge“, die das „Zusammenleben“ mit dem Kind umfasst (d. h. die Betreuung und Beaufsichtigung des Kindes und das Treffen von schulischen Entscheidungen, die mit der Anwesenheit des Kindes im Haushalt des Elternteils zusammenhängen), und zweitens das Recht des Kindes auf Schulbildung, das Entscheidungen im Zusammenhang mit der Unterstützung und der schulischen und beruflichen Bildung des Kindes erfordert. Im Hinblick auf die Verwaltung des Vermögens des Kindes wird zwischen dem Recht auf Regelung der Vermögensangelegenheiten des Kindes und dem gesetzlichen Nießbrauch des Vermögens des Kindes unterschieden. Unter „speziellen Vorrechten“ schließlich sind die Rechte der Eltern in Bezug auf die Verehelichung, Adoption und Erklärung der Volljährigkeit des Kindes zu verstehen.

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2. Wer hat generell die elterliche Verantwortung für ein Kind?

In der Regel wird das elterliche Sorgerecht für ein minderjähriges Kind gemeinsam von beiden Elternteilen ausgeübt. Beide Elternteile verfügen gemeinsam über die verschiedenen Vorrechte des elterlichen Sorgerechts, unabhängig davon, ob sie zum Zeitpunkt des Aufbaus der Beziehung zum Kind zusammenlebten oder nicht oder verheiratet sind oder nicht (Artikel 373 und 374 des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

Wenn die Verwandtschaft mit dem Vater oder der Mutter nicht nachgewiesen ist oder wenn der Vater oder die Mutter nicht mehr lebt, abwesend ist oder nicht in der Lage ist, seinen bzw. ihren Willen zu äußern, übt der andere Elternteil das alleinige elterliche Sorgerecht aus.

In einigen Fällen kann der zuständige Richter jedoch einem Elternteil das alleinige elterliche Sorgerecht übertragen.

3. Kann eine andere Person statt der Eltern ernannt werden, wenn diese die elterliche Verantwortung für ihre Kinder nicht ausüben können oder wollen?

Gibt es keine Vereinbarung der Eltern zur Regelung der Unterbringung des Kindes, zu wichtigen Entscheidungen in Bezug auf die Gesundheit, die Schulbildung, die berufliche Bildung oder die Freizeitgestaltung des Kindes sowie zur religiösen oder weltanschaulichen Ausrichtung des Kindes oder scheint eine solche Vereinbarung den Interessen des Kindes zuwiderzulaufen, kann der Richter einem Elternteil das alleinige elterliche Sorgerecht übertragen, wobei der andere Elternteil ein Umgangsrecht behält und ebenso weiterhin über das Recht verfügt, die Schulbildung des Kindes zu überwachen. Sind weder der Vater noch die Mutter zur Ausübung des elterlichen Sorgerechts in der Lage, bestehen Gründe für die Einleitung eines Vormundschaftsverfahrens (Artikel 375 des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

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4. Wie wird die Frage elterlicher Verantwortung für die Zukunft geregelt, wenn sich die Eltern scheiden lassen oder trennen?

Theoretisch hat eine Trennung oder Scheidung der Eltern keine Auswirkungen auf die Regelung der elterlichen Sorge (In der Praxis kann eine Trennung jedoch die gemeinsame Ausübung der elterlichen Sorge unmöglich machen.) Der Rechtsgrundsatz lautet, dass beide Elternteile eines Kindes gemeinsam das elterliche Sorgerecht ausüben (siehe Punkt 2). Gemäß Artikel 374 des Bürgerlichen Gesetzbuchs kann der Richter jedoch unter den vorstehend genannten Umständen einem Elternteil die alleinige Ausübung des elterlichen Sorgerechts übertragen (siehe Punkt 3).

Die Eltern können sich natürlich über die praktischen Einzelheiten der Ausübung des elterlichen Sorgerechts einigen, vorausgesetzt, die Interessen des Kindes bleiben dabei gewahrt.

Im Einzelnen zu regeln ist die Frage des Wohnortes des Kindes, d.h. des Ortes, an dem es in das Melderegister eingetragen wird, sowie der Beitrag der Eltern zum Unterhalt sowie zur schulischen und beruflichen Bildung des Kindes.

5. Welche Formalitäten müssen beachtet werden, damit die Einigung der Eltern über die elterliche Verantwortung rechtsverbindlich wird?

Die Parteien sind nicht dazu verpflichtet, vor Gericht zu gehen, und können eine private Vereinbarung treffen, in der die Frage der elterlichen Sorge für das Kind geregelt wird. Wünschen die Parteien im Bedarfsfall eine gerichtliche Durchsetzung dieser Entscheidung, müssen sie die Vereinbarung dem zuständigen Richter übermitteln, der sie daraufhin überprüfen wird, ob die Interessen des Kindes gewahrt bleiben.

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Je nach den Umständen und der Art der Trennung müssen die Parteien sich entweder an den Friedensrichter wenden, der dringende einstweilige Anordnungen in Bezug auf eine einstweilige Trennung der Ehegatten oder der in eheähnlicher Gemeinschaft lebenden Partner trifft (Artikel 223 und 1479 des Bürgerlichen Gesetzbuchs), oder an das Jugendgericht (Artikel 387 Buchstabe a des Bürgerlichen Gesetzbuchs), welches Anordnungen in Bezug auf die elterliche Sorge trifft, oder aber an das erstinstanzliche Gericht bzw. den Richter, vor dem die Scheidungssache verhandelt wird.

Im Falle einer Ehescheidung aufgrund unheilbarer Zerrüttung der Ehe (siehe Website zum Thema „Scheidung - Belgien“) können die Parteien den Richter zu jedem Zeitpunkt eines laufenden Verfahrens bitten, die Einigung über die einstweiligen Maßnahmen in Bezug auf die Kinder gerichtlich zu bestätigen. Der Richter kann diese Bestätigung ablehnen, wenn er die Interessen der Kinder gefährdet sieht. Kam keine oder nur eine Teileinigung zustande, trifft der Einzelrichter die Entscheidung. Die Parteien können sich auch direkt an den Einzelrichter wenden. Nach der Scheidung wird die Sorge über die Person des Kindes und die Verwaltung des Vermögens des Kindes gemeinsam von beiden Elternteilen bzw. von der Partei ausgeübt, der gemäß früheren Entscheidungen die elterliche Verantwortung übertragen wurde, wobei jedoch das Jugendgericht auf gemeinsamen Antrag des Vaters und der Mutter, einem der beiden Elternteile oder der Staatsanwaltschaft hin alle die elterliche Sorge betreffenden Entscheidungen jederzeit ändern kann.

Im Falle einer Scheidung in beiderseitigem Einvernehmen (siehe „Scheidung - Belgien“) müssen die Parteien vor der Scheidung einvernehmlich festlegen, welche Anordnungen in Bezug auf die elterliche Sorge (Ausübung der elterlichen Sorge, Umgangsrecht, Verwaltung des Vermögens des Kindes) und die praktischen Einzelheiten des Beitrags eines jeden Elternteils zum Unterhalt, zur Schulbildung und zur Ausbildung des Kindes während des laufenden Scheidungsverfahrens und danach gelten sollen. Nach Stellungnahme der Staatsanwaltschaft kann der Richter alle Vereinbarungen ändern oder streichen, die den Interessen minderjähriger Kinder zuwiderlaufen. Der Richter spricht die Scheidung aus und bestätigt die Vereinbarung zu minderjährigen Kindern.

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6. Was sind andere Wege der Konfliktlösung, ohne vor Gericht zu gehen, wenn die Eltern nicht zu einer Einigung über die elterliche Verantwortung kommen können?

Der Richter, der bereits mit dem Fall befasst ist, kann mit Zustimmung der Parteien eine Familienmediation vorschlagen oder die Parteien selbst können einen Antrag auf Familienmediation stellen (Artikel 1734 des Gerichtsgesetzes). Der Mediator versucht, eine Teil- oder vollständige Einigung zu erzielen. Der Richter kann die Bestätigung der Einigung nur dann ablehnen, wenn sie der ordre public widerspricht oder wenn die durch Familienmediation erzielte Einigung den Interessen der Kinder zuwiderläuft. Die Parteien können auch eine Mediation in Anspruch nehmen, ohne dass ein Gerichtsverfahren anhängig ist (Artikel 1730 des Gerichtsgesetzes). Die mit Hilfe eines zugelassenen Mediators erzielte Einigung kann unter den vorstehend genannten Bedingungen ebenfalls einer gerichtlichen Bestätigung bedürfen.

Die Parteien können zudem jederzeit den Rat von Fachleuten (Sozialarbeitern, Psychologen, Kinderpsychologen) einholen oder die Hinzuziehung eines Gutachters für das Gerichtsverfahren beantragen. Die Staatsanwaltschaft kann die Sozialämter heranziehen, um Informationen über die Kinder zu erhalten, und der Richter wird die Sichtweisen der Kinder berücksichtigen (Artikel 931 des Gerichtsgesetzes).

7. Welche Angelegenheiten kann der Richter in Bezug auf das Kind entscheiden, wenn die Eltern vor Gericht gehen?

Der Richter entscheidet über die Ausübung des elterlichen Sorgerechts. Die Entscheidung hängt dabei von den Wünschen ab, die von den Eltern und dem Kind geäußert werden, wenn das Kind in einem Alter ist, in dem es eigene Entscheidungen treffen kann, sowie von der Situation und den Umständen des Falles. Können sich die Eltern nicht über die das Kind betreffenden Punkte einigen (Unterbringung, wichtige Entscheidungen in Bezug auf die Gesundheit, Schulbildung, Ausbildung, Freizeitaktivitäten, religiöse oder weltanschauliche Ausrichtung) oder scheinen ihre Vereinbarungen nach Ansicht des Richters den Interessen des Kindes zuwiderzulaufen, kann der Richter einem der Elternteile das alleinige Sorgerecht zusprechen. Der Richter kann auch Entscheidungen zur Schulbildung treffen, die nur mit Zustimmung beider Elternteile getroffen werden dürfen. Der Richter legt fest, auf welche Weise der Elternteil, der nicht das elterliche Sorgerecht besitzt, sein Umgangsrecht wahrnehmen kann. Das Umgangsrecht kann nur aus sehr schwerwiegenden Gründen verweigert werden.

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Der Elternteil, der nicht das elterliche Sorgerecht besitzt, hat weiterhin das Recht, die Schulbildung des Kindes zu überwachen. Erhält dieser Elternteil in dieser Hinsicht keine brauchbaren Informationen vom anderen Elternteil oder von Dritten, kann er oder sie die Angelegenheit im Interesse des Kindes vor das Jugendgericht bringen.

Der Richter bestimmt die praktischen Einzelheiten der Unterbringung sowie den Ort, an dem das Kind mit Hauptwohnsitz in das Melderegister eingetragen wird.

Der Richter kann sich auch veranlasst sehen, den Beitrag zum Unterhalt, zur Schulbildung und zur Ausbildung des Kindes im Einzelnen zu regeln.

Je nach Lage der Dinge können die Parteien auch Einzelfragen an den Richter verweisen, zum Beispiel die Aufteilung von Ferienzeiten zwischen den Elternteilen, die Teilung bestimmter Ausgaben, die Wahl der Schule usw.

8. Bedeutet es, wenn das Gericht entscheidet, dass ein Elternteil die alleinige elterliche Verantwortung für ein Kind hat, dass er oder sie alle Angelegenheiten in Bezug auf das Kind entscheiden kann, ohne sich zuerst mit dem anderen Elternteil zu beraten?

Die Tatsache, dass einem Elternteil die alleinige elterliche Sorge übertragen wurde, bedeutet nicht, dass dieser Elternteil in Bezug auf Entscheidungen, die das Kind betreffen, vollkommen freie Hand hat. Es gelten die in jedem einzelnen Fall getroffenen Vereinbarungen. Außerdem (siehe Punkt 7) hat der andere Elternteil weiterhin das Recht, die Schulbildung des Kindes zu überwachen. Ein Umzug mit dem Kind, ohne den anderen Elternteil darüber zu informieren, kann Einfluss auf dessen Unterbringung des Kindes oder das Umgangsrecht haben. In solch einem Fall kann die Partei, die nicht informiert wurde oder die nicht einverstanden ist, sich an das Jugendgericht (Artikel 374 und 387 Buchstabe a des Bürgerlichen Gesetzbuchs) oder, im Notfall, an den Einzelrichter (Artikel 584 des Gerichtsgesetzes) wenden.

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9. Was bedeutet es in der Praxis, wenn das Gericht entscheidet, dass die Eltern die gemeinsame elterliche Verantwortung für ein Kind haben?

Es bedeutet, dass beide Elternteile die Elemente der elterlichen Verantwortung ausüben und weiterhin ausüben werden („Sorge” für das Kind, Recht auf Schulbildung, Recht auf gesetzliche Vertretung und gesetzlichen Nießbrauch des Vermögens des Kindes) und dass keiner der Elternteile allein eine Entscheidung treffen darf, die die Ausübung der Vorrechte des anderen Elternteils einschränken würde. Jeder Elternteil muss daher die Zustimmung des anderen Elternteils einholen und darf ohne diese Zustimmung nicht handeln. In Bezug auf die „Sorge” für das Kind bedeutet dies jedoch zum Beispiel, dass der Elternteil, bei dem das Kind jeweils lebt, alle Entscheidungen hinsichtlich des Tagesablaufs, der Umgangsformen usw. trifft. Für Dritte bedeutet dies, dass diese in gutem Glauben davon ausgehen, dass jede Handlung eines Elterteils im Rahmen dieser Regelung mit Zustimmung des jeweils anderen Elternteils erfolgt (Artikel 373 des Bürgerlichen Gesetzbuchs).

10. An welches Gericht oder welche Behörde soll ich mich wenden, um einen Antrag in Bezug auf die elterliche Verantwortung zu stellen? Welche Formalitäten müssen beachtet werden und welche Schriftstücke muss ich meinem Antrag beifügen?

Das hängt vom jeweiligen Fall ab (siehe Punkt 5). Es kann das Jugendgericht sein (Artikel 387 Buchstabe a des Bürgerlichen Gesetzbuchs) - in diesem Fall das am Wohnort des Kindes zuständige Jugendgericht -, der Friedensrichter (Artikel 223 und 1479 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und Artikel 594 Absatz 19 des Gerichtsgesetzes), der auch für Fragen der Vormundschaft von Minderjährigen zuständig ist (Artikel 594 Absatz 6 des Gerichtsgesetzes), der im Eilverfahren in Verbindung mit einer Ehescheidung entscheidende Präsident des erstinstanzlichen Gerichts (Artikel 1280 des Gerichtsgesetzes) oder der Scheidungsrichter. Je nach Einzelfall wird der Antrag als Eingabe oder Klageschrift eingereicht. Je nach Art des Antrags müssen dem Antrag bestimmte Schriftstücke beigefügt werden.

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11. Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung? Gibt es ein Eilverfahren?

Der Richter entscheidet über die Anträge der Parteien. Minderjährige, die in der Lage sind, ein eigenes Urteil abzugeben, können auf eigenen Wunsch oder nach Ermessen des Richters in allen Verfahren gehört werden, die sie betreffen (Artikel 931 des Gerichtsgesetzes). Der Gerichtspräsident kann ein Eilverfahren beantragen (Artikel 584 des Gerichtsgesetzes) und eine einstweilige Regelung festlegen.

12. Kann ich Prozesskostenhilfe bekommen, um die Kosten des Verfahrens zu decken?

Hier gilt allgemeines Recht (siehe Website „Prozesskostenhilfe - Belgien“).

13. Ist es möglich, einen Rechtsbehelf gegen eine Entscheidung in Bezug auf die elterliche Verantwortung einzulegen?

Im Falle einer einvernehmlichen Scheidung gibt es theoretisch keinen Grund für das Einlegen eines Rechtsbehelfs, wenn die Parteien sich über die praktischen Einzelheiten der elterlichen Verantwortung geeinigt haben, die Staatsanwaltschaft Stellung genommen und der Richter die Vereinbarung bestätigt und die Scheidung ausgesprochen hat.

Gegen eine Entscheidung zur elterlichen Verantwortung kann in der Regel innerhalb eines Monats Rechtsbehelf eingelegt werden. Diese Frist wird ab dem Tag berechnet, an dem das Urteil verkündet oder mitgeteilt wurde. Manchmal erfolgt die Verkündung des Urteils mit Verzögerung (zum Beispiel auf Antrag der Staatsanwaltschaft), um die Frist zu verlängern.

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14. In bestimmten Fällen kann es erforderlich sein, sich an ein Gericht oder eine andere Behörde zu wenden, um eine Entscheidung zur elterlichen Verantwortung zu vollstrecken. Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung?

Der Richter, der entschieden hat, wann sich das Kind wo aufhält, oder der das Umgangsrecht eines Elternteils oder einer dritten Partei geregelt hat, kann nach einer Entscheidung Vollstreckungsmaßnahmen anordnen, vorausgesetzt, der Fall wurde zwischenzeitlich nicht an einen anderen Richter verwiesen. Der Richter legt unter Berücksichtigung der Interessen des Kindes die Art dieser Maßnahmen und die Einzelheiten ihrer Durchführung fest und benennt, wenn nötig, Personen, die den Gerichtsvollzieher bei der Vollstreckung der Entscheidung unterstützen. Der Richter kann ein Zwangsgeld verhängen, um sicherzustellen, dass die Entscheidung befolgt wird.

Die Anrufung eines Gerichts erfolgt auf unterschiedliche Weise, je nachdem, welcher Richter für die Vollstreckung der Entscheidung zuständig ist (Antrag durch Hinterlegung bei der Gerichtskanzlei oder auf dem Postweg, wenn das Urteil durch einen Jugendrichter oder den Präsidenten eines erstinstanzlichen Gerichts verkündet wurde; Antrag durch Erscheinen inter partes beim Friedens- oder Jugendrichter bei Nichteinhaltung einer gütlichen Einigung in einer Scheidungssache, und nur im Notfall einseitiger Antrag (Ex parte)). Die verkündete Entscheidung kann sofort vollstreckt werden. Die Eintragung des Antrags ist gebührenfrei.

15. Was muss ich tun, um eine Entscheidung zur elterlichen Verantwortung, die in einem anderen Mitgliedstaat ergangen ist, in Belgien anerkennen und vollstrecken zu lassen? Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung?

Seit dem 1. März 2005 werden gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2201/2203, auch bekannt als „Brüssel II a“, alle Entscheidungen zur elterlichen Verantwortung, die in einem Mitgliedstaat (außer Dänemark) ergangen sind, grundsätzlich automatisch in allen anderen Mitgliedstaaten anerkannt. Mit Ausnahme von Entscheidungen zum Umgangsrecht und zur Rückgabe eines entführten Kindes muss bei der Vollstreckung jedoch beim Präsidenten des Gerichts erster Instanz, der im Eilverfahren entscheidet, ein entsprechender Antrag (Exequaturverfahren) gestellt werden.

Dieses vereinfachte Verfahren gilt nicht für Entscheidungen, die vor diesem Datum außerhalb eines Scheidungsverfahrens getroffen wurden. In diesem Fall ist es ratsam, den normalen Rechtsweg zu beschreiten.

16. An welches Gericht in Belgien muss ich mich wenden, um mich gegen die Anerkennung einer Entscheidung zur elterlichen Verantwortung zu wenden, die von einem Gericht eines anderen EU-Mitgliedstaats getroffen wurde? Welches Verfahren findet in solchen Fällen Anwendung?

Um die Nichtanerkennung einer in einem anderen Mitgliedstaat getroffenen Entscheidung zu erwirken, kann sich die betroffene Partei an das zuständige Gericht erster Instanz wenden. Dieses Gericht kann das Verfahren aussetzen, wenn gegen die fragliche Entscheidung in dem Land, in dem sie getroffen wurde, Rechtsbehelf eingelegt worden ist.

17. Welches Recht ist in einem Verfahren zur elterlichen Verantwortung anwendbar, wenn das Kind oder die Parteien nicht in Belgien leben oder unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben?

In aller Regel wenden die belgischen Gerichte das Recht des gewöhnlichen Aufenthaltsorts des Kindes an.

Falls dieses Recht jedoch nicht den erforderlichen Schutz der Person und des Vermögens des Kindes gewährleistet, gilt das Recht des Staates, dessen Staatsangehörigkeit das Kind besitzt. Sollte es aus praktischen oder rechtlichen Gründen unmöglich sein, die vom betreffenden ausländischen Recht vorgesehenen Maßnahmen zu ergreifen, gilt belgisches Recht.

Weitere Informationen

Internet-Link: www.juridat.be français - Nederlands.

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