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Zuletzt aktualisiert am 02-05-2005
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Unterhaltsansprüche - Griechenland

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Was bedeuten nach griechischem Recht die Begriffe „Unterhalt“ und „Unterhaltspflicht“? 1.
2. Bis zu welchem Alter hat ein Kind Anspruch auf „Unterhalt“? 2.
3. In welchen Fällen wird griechisches Recht angewendet? 3.
4. Welches Recht wenden die Gerichte in Griechenland an, wenn das griechische Recht nicht anwendbar ist? 4.
5. Muss sich der Unterhaltsberechtigte an eine spezielle Einrichtung, an eine Verwaltungs oder Justizbehörde wenden, um seinen Unterhaltsanspruch geltend zu machen? 5.
6. Besteht die Möglichkeit, im Namen eines Minderjährigen mit Hilfe einer Einrichtung, einer Verwaltungs oder Justizbehörde Unterhaltsansprüche geltend zu machen? 6.
7. Welches Gericht ist zuständig, wenn der Unterhaltsberechtigte beabsichtigt, sich an diese Institution zu wenden? 7.
8. Muss der Unterhaltsberechtigte, um vor Gericht zu gehen, einen Vermittler (einen Rechtsanwalt, eine spezielle Behörde oder aber...) einschalten, und wenn nicht, welches Verfahren wird angewendet? 8.
9. Sind Gerichtsverfahren kostenpflichtig? Wenn ja, von welchen Kosten ist insgesamt auszugehen? Könnte der Unterhaltsberechtigte Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen, wenn seine finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichend sind? 9.
10. Welche Form kann der durch einen Gerichtsbeschluss zuerkannte Unterhalt haben? Wenn es sich um einen Geldbetrag handelt, wie kann er bestimmt werden? Wie könnte er entsprechend der Entwicklung der Lebenshaltungskosten oder der Änderung der Lebensbedingungen angepasst werden? 10.
11. Wie und an wen ist der Unterhalt zu zahlen? 11.
12. Wenn der Unterhaltspflichtige den Unterhalt nicht freiwillig gewährt, welche Mittel kann man nutzen, um ihn zur Zahlung zu zwingen? 12.
13. Kann eine Einrichtung oder eine Verwaltungsbehörde bei der Geltendmachung eines Unterhaltsanspruchs behilflich sein? 13.
14. Können diese anstelle des Unterhaltspflichtigen den Unterhalt gänzlich oder teilweise zahlen? 14.
15. Kann der Unterhaltsberechtigte in Griechenland Hilfe von einer Einrichtung oder einer Verwaltungsbehörde erhalten? 15.
16. Wenn ja, wie lauten der Name und die Adresse dieser Einrichtung oder Verwaltungsbehörde, und wie kann man sich an diese wenden? 16.
17. Welche Art von Unterstützung gewähren die Einrichtung oder die Verwaltungsbehörde dem Unterhaltsberechtigten, wenn er sich in einem anderen Land und der Unterhaltspflichtige sich in Griechenland aufhält? 17.
18. Kann sich der Unterhaltsberechtigte in Griechenland direkt an eine Einrichtung oder eine Verwaltungsbehörde wenden? 18.

 

1. Was bedeuten nach griechischem Recht die Begriffe „Unterhalt“ und „Unterhaltspflicht“?

  1. Unterhalt sind finanzielle oder andere Zuwendungen, die jemand einem anderen gewährt, damit dieser dadurch seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
  2. Die Unterhaltspflicht ist familiengebunden, das heißt, sie gilt für Eheleute untereinander, sie ist obligater Natur und betrifft die Existenz, die Würde und die Lebensführung des Unterhaltsberechtigten.

Wer ist zur Unterhaltszahlung verpflichtet?

Die Eltern gegenüber ihren Kindern?

Die Kinder gegenüber ihren Eltern?

Der/Die Geschiedene gegenüber dem früheren Ehegatten?

Andere Personen?

In welchen Fällen?

Zur Unterhaltszahlung verpflichtete Verwandte sind nur die direkten Blutsverwandten und von den indirekten Blutsverwandten nur die Geschwister sowie der Adoptierende, der dem Adoptierten Unterhalt zahlen muss. Darüber hinaus hat die Mutter eines nichtehelichen Kindes Anspruch auf Unterhalt vom Kindesvater. Unterhaltspflichtig sind somit, entsprechend ihren Möglichkeiten, die Eltern gegenüber ihren Kindern, sei es, dass sie die elterliche Verantwortung ausüben, oder ihnen die Ausübung der elterlichen Verantwortung gänzlich oder teilweise (wie es im Fall einer Scheidung, einer Unterbrechung des Zusammenlebens, der Vernachlässigung der elterlichen Verantwortung oder eines entsprechenden durch sie selbst gestellten Antrages geschehen kann) entzogen worden ist, ferner die Kinder gegenüber ihren Eltern, die Enkel oder die Urenkel gegenüber ihren Großvätern oder Großmüttern sowie gegenüber ihren Urgroßvätern und Urgroßmüttern, sofern deren Kinder oder Enkelkinder verstorben sind, die Ehegatten oder die früheren Ehegatten untereinander, ein Geschwisterteil gegenüber dem anderen und, wie bereits erwähnt, der Vater eines nichtehelichen Kindes gegenüber dessen Mutter. Zur Unterhaltsleistung verpflichtet sind zudem die Nachfahren in der Reihenfolge, wie sie in der gesetzlichen Erbfolge benannt sind, sowie jeder von ihnen entsprechend seinem Erbanteil. Gibt es keine Nachfahren, so haben die nächsten Vorfahren die Pflicht, Unterhalt zu leisten, wobei sie, wenn es im selben Verwandtschaftsgrad mehrere unterhaltspflichtige Personen gibt, zu gleichen Teilen für den Unterhalt aufkommen. Sind mehrere Personen gegenüber einer Person unterhaltsberechtigt und ist die unterhaltspflichtige Person nicht in der Lage, sie ihnen ausreichend zu gewähren, so sind dazu zunächst die Nachfahren entsprechend der gesetzlichen Erbfolge verpflichtet, und im Falle von mehreren unterhaltsberechtigten Vorfahren sind es vornehmlich die nächsten Verwandten. Darüber hinaus ist der Ehegatte gleichermaßen unterhaltsberechtigt wie die minderjährigen Nachfahren und er steht vor den übrigen Nachfahren und anderen Verwandten. Das Gleiche gilt auch für den geschiedenen Ehegatten, sofern er Anspruch auf Unterhalt hat.

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Allerdings ist nur die Person unterhaltsberechtigt, die ihren Unterhalt nicht aus ihrem Vermögen oder aus einer Erwerbstätigkeit bestreiten kann, die ihrem Alter, ihrem Gesundheitszustand und ihren sonstigen Lebensbedingungen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Bildungsbedürfnisse angemessen ist. Das gilt jedoch nicht für das minderjährige Kind, das, auch wenn es Vermögen besitzt, Anspruch auf Unterhalt von seinen Eltern hat, sofern die Einkünfte aus seinem Vermögen oder aus seiner Erwerbstätigkeit nicht für seinen Lebensunterhalt ausreichen. Nicht unterhaltspflichtig ist ferner die Person, die aufgrund ihrer sonstigen Verpflichtungen nicht in der Lage ist, Unterhalt zu leisten, ohne dass sie dadurch ihren eigenen Unterhalt gefährdet. Diese Regel gilt jedoch nicht, wenn es sich um den Unterhaltsanspruch eines minderjährigen Kindes gegenüber seinem Erzeuger handelt, außer, er kann sich an eine andere unterhaltspflichtige Person wenden oder sich von seinem Vermögen unterhalten.

Im Fall von vormaligen Ehegatten, hat, sofern einer von ihnen nicht in der Lage ist, seinen Unterhalt aus seinen Einkünften oder aus seinem Vermögen zu bestreiten, dieser das Recht, von dem anderen Ehegatten Unterhalt zu fordern,

  1. wenn er sich zum Zeitpunkt der Verfügung der Scheidung und danach in einem Alter oder in einem Gesundheitszustand befindet, angesichts deren er nicht gezwungen werden kann, eine angemessene Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder weiter auszuüben, um dadurch seinen Unterhalt zu bestreiten,
  2. wenn er das Sorgerecht für ein minderjähriges Kind hat und folglich an der Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit gehindert wird,
  3. wenn er keine feste, angemessene Erwerbstätigkeit findet oder er eine berufliche Ausbildung dafür benötigt sowie in beiden Fällen, wobei jedoch dieser Zeitraum ab der Verfügung der Scheidung drei Jahre nicht überschreiten darf, und
  4. in allen anderen Fällen, in denen das Zusprechen eines Unterhalts zum Zeitpunkt der Verfügung der Scheidung aus Billigkeitsgründen erforderlich ist.

Der Unterhalt kann gleichwohl versagt oder eingeschränkt werden, wenn dies aus wichtigen Gründen geboten ist, insbesondere wenn die Ehe von kurzer Dauer war oder der Berechtigte die Scheidung verschuldet oder seine Bedürftigkeit vorsätzlich herbeigeführt hat.

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Der Anspruch auf Unterhalt erlischt allerdings, wenn der Unterhaltsberechtigte wieder heiratet, er dauerhaft mit einem anderen Partner in freier Gemeinschaft zusammenlebt oder mit seinem Tod, außer wenn dies einen vergangenen Zeitraum oder erforderliche Leistungen zur Zeit seines Todes betrifft. Zudem ist jeder der vormaligen Ehegatten verpflichtet, dem anderen wahrheitsgemäße Angaben über sein Vermögen und seine Einkünfte zu machen, sofern diese zur Festlegung der Unterhaltshöhe von Nutzen sind. Darüber hinaus haben, wenn einer der früheren Ehegatten einen Antrag stellt, der durch den zuständigen Staatsanwalt zugestellt wird, der Arbeitgeber, die zuständige Behörde sowie der zuständige Finanzbeamte die Pflicht, sämtliche nützlichen Informationen zur Vermögenslage des anderen Ehegatten sowie vor allem zu dessen Einkünften zu geben. Das Maß des Unterhalts wird auf der Grundlage der Bedürfnisse des Unterhaltsberechtigten bestimmt, wie sie sich aus seinen Lebensbedingungen ergeben, während Unterhaltsberechtigte, die sich gegenüber dem Unterhaltspflichtigen eines Vergehens schuldig gemacht haben, das ihre Enterbung rechtfertigt, nur einen elementaren Anspruch haben, der das für ihre Versorgung absolut Notwendige umfasst.

2. Bis zu welchem Alter hat ein Kind Anspruch auf „Unterhalt“?

Bis zum Alter von 18 Jahren hat ein Kind, unabhängig davon, ob es über Einkünfte aus einem Vermögen oder einer Erwerbstätigkeit verfügt, seinen Eltern gegenüber Anspruch auf Unterhalt. Danach sind die Eltern nur dann verpflichtet, ihrem erwachsenen Kind Unterhalt zu gewähren, wenn dieses nicht in der Lage ist, sich selbst aus seinem Vermögen oder aus einer Erwerbstätigkeit, die seinem Alter, seinem Gesundheitszustand und seinen sonstigen Lebensbedingungen unter Berücksichtigung seiner jeweiligen Bildungsbedürfnisse angemessen ist, selbst zu unterhalten.

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3. In welchen Fällen wird griechisches Recht angewendet?

Bei Unterhaltsansprüchen zwischen Ehegatten oder vormaligen Ehegatten kommt das griechische materielle Recht zur Anwendung, sofern beide während ihrer Ehe zuletzt gemeinsam die griechische Staatsbürgerschaft besessen haben und einer von ihnen diese behält, oder wenn sie während ihrer Ehe ihren letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt in Griechenland hatten oder sie sich eher an das griechische Recht gebunden fühlen. Unterhaltsansprüche zwischen Eltern und Kindern sowie sonstigen Vor- und Nachfahren werden durch das griechische Recht geregelt, sofern die letzte gemeinsame Staatsbürgerschaft die griechische war, sie ihren letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt in Griechenland hatten oder das Kind die griechische Staatsbürgerschaft besitzt. Wurde das Kind nichtehelich geboren, so gelangt bei Unterhaltsansprüchen zwischen diesem und seiner Mutter oder seinem Vater das griechische Recht zur Anwendung, sofern sie zuletzt gemeinsam die griechische Staatsbürgerschaft besessen haben, sie ihren letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt in Griechenland hatten oder die Mutter bzw. der Vater Griechen sind. Bei Unterhaltsansprüchen zwischen der Mutter eines nichtehelichen Kindes und dessen Vater wird nach dem griechischen Recht verfahren, sofern während der Schwangerschaft ihre letzte gemeinsame Staatsbürgerschaft die griechische war oder sie ihren gewöhnlichen bzw. einzigen Aufenthalt in Griechenland haben. Das griechische Recht wird ebenfalls angewendet, wenn eine der oben genannten Personen die griechische sowie eine ausländische Staatsbürgerschaft hat, und darüber hinaus, wenn es sich um einen Unterhaltsanspruch betreffenden Fall handelt, bei dem der Unterhaltspflichtige seinen Wohnsitz in Griechenland und der Unterhaltsberechtigte seinen Wohnsitz in einem anderen Staat hat, in dem das Übereinkommen von New York über die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen im Ausland (GV 4421/1964) gilt. Das angewandte Prozessrecht ist gemäß der lex fori das griechische.

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4. Welches Recht wenden die Gerichte in Griechenland an, wenn das griechische Recht nicht anwendbar ist?

Ist das griechische Recht nicht anwendbar, so wenden die Gerichte der Reihenfolge nach folgendes Recht an:

  1. bei Unterhaltsansprüchen zwischen Ehegatten oder vormaligen Ehegatten das in dem Staat geltende Recht, dessen Staatsbürgerschaft sie während ihrer Ehe gemeinsam besessen haben, sofern einer der Ehegatten diese behält, oder das an dem Ort geltende Recht, in dem sie während ihrer Ehe zuletzt gemeinsam ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, oder das Recht, an das sie sich eher gebunden fühlen,
  2. bei Unterhaltsansprüchen zwischen Eltern und Kindern sowie Vor- und Nachfahren das in dem Staat geltende Recht, dessen Staatsbürgerschaft sie zuletzt gemeinsam besessen haben, oder das an dem Ort geltende Recht, in dem sie zuletzt gemeinsam ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, oder das Recht des Staates, dessen Staatsangehörigkeit das Kind besitzt,
  3. bei Unterhaltsansprüchen zwischen einem nichtehelichen Kind und seinen Eltern das in dem Staat geltende Recht, dessen Staatsangehörigkeit sie zuletzt gemeinsam besessen haben, oder das an dem Ort geltende Recht, in dem sie zuletzt gemeinsam ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten, oder das Recht des Staates, dessen Staatsangehörigkeit der Vater bzw. die Mutter besitzt,
  4. bei Unterhaltsansprüchen der Mutter eines nichtehelichen Kindes gegenüber dessen Vater das in dem Staat geltende Recht, dessen Staatsbürgerschaft sie während der Schwangerschaft zuletzt gemeinsam besessen haben, oder das an dem Ort geltende Recht, in dem sie ihren gewöhnlichen oder einzigen Aufenthalt haben. Besitzt eine der oben genannten Personen mehrere Staatsbürgerschaften, so wird das Recht des Staates angewendet, an das sie sich eher gebunden fühlt.

5. Muss sich der Unterhaltsberechtigte an eine spezielle Einrichtung, an eine Verwaltungs oder Justizbehörde wenden, um seinen Unterhaltsanspruch geltend zu machen?

Der Unterhaltsberechtigte muss sich an das Gericht wenden, um Unterhalt vom Unterhaltspflichtigen einzufordern. Wird darüber hinaus nach dem Übereinkommen von New York über die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen im Ausland – GV 4421/1964 verfahren, so fordert die Übermittlungsstelle des Antrags des in einem Unterzeichnerstaat wohnenden Unterhaltsberechtigten die Empfangsstelle des anderen Vertragsstaates, in dem der Unterhaltspflichtige seinen Wohnsitz hat, auf, alle zur Zahlung des Unterhalts an den Unterhaltsberechtigten erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. In Griechenland ergeht diese Forderung an das Justizministerium.

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6. Besteht die Möglichkeit, im Namen eines Minderjährigen mit Hilfe einer Einrichtung, einer Verwaltungs oder Justizbehörde Unterhaltsansprüche geltend zu machen?

Nur die Eltern des minderjährigen Kindes oder die Mutter eines nichtehelichen Kindes können, sofern sie die elterliche Verantwortung wahrnehmen, in seinem Namen bei einem Gericht beantragen, dass ihm Unterhalt zu Lasten des Unterhaltspflichtigen zugesprochen wird. Wurde den Eltern die elterliche Verantwortung entzogen, so wird die Unterhaltsklage im Namen des minderjährigen Kindes von demjenigen erhoben, dem die elterliche Verantwortung übertragen wurde, oder, im Falle einer Vormundschaft, vom Vormund. Steht der Unterhaltsberechtigte unter vollständiger Kuratel oder ist er unmündig, so erhebt sein gerichtlich bestellter Vormund oder der einstweilig bzw. endgültig bevollmächtigte Vormund die entsprechende Klage.

7. Welches Gericht ist zuständig, wenn der Unterhaltsberechtigte beabsichtigt, sich an diese Institution zu wenden?

Das Gericht, das der Sache nach für eine Unterhaltsklage, die von dem Unterhaltsberechtigen gegen den Unterhaltspflichtigen erhoben wird, zuständig ist, ist das Gericht erster Instanz unter dem Vorsitz eines Richters. Hingegen ist das mehrköpfige Gericht erster Instanz zuständig, wenn die Unterhaltsklage mit einer Klage verbunden ist, die Ehesachen betrifft, das heißt Scheidung, Ungültigerklärung der Ehe oder Anerkennung des Bestehens bzw. Nichtbestehens der Ehe, oder mit einer Klage betreffend die Anfechtung der Vaterschaft, die Anerkennung der Existenz oder Nichtexistenz einer Beziehung zwischen Elternteil und Kind bzw. der elterlichen Verantwortung, die Anerkennung der Vaterschaft für ein nichteheliches Kind, die Anerkennung des Bestehens oder Nichtbestehens bzw. der Ungültigkeit oder Freiwilligkeit der Anerkennung seines nichtehelichen Kindes oder die Anerkennung der Gleichstellung dieses Kindes mit einem in der Ehe geborenen Kind wegen einer nach der Geburt erfolgten Eheschließung, die Anfechtung einer freiwilligen Erklärung, die Anerkennung des Nichtbestehens einer Adoption oder ihre Auflösung sowie die Anerkennung des Bestehens oder des Nichtbestehens einer Vormundschaft. Örtlich zuständig ist das Gericht des Wohn- oder Aufenthaltsortes des Beklagten und darüber hinaus, sofern die Klage mit Ehesachen verbunden ist, das Gericht, in dessen Bezirk die Eheleute ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Ausschlaggebend dafür ist ferner entweder der letzte gemeinsame Aufenthalt der Eheleute, sofern einer von ihnen weiterhin diesen Aufenthalt hat, oder, wenn es sich um eine gemeinsame Klage handelt, der gewöhnliche Aufenthalt des einen oder des anderen Ehegatten oder der gewöhnliche Aufenthalt des Klägers, wenn er diesen Aufenthalt mindestens ein Jahr vor der Klageeinreichung hatte. Ist er Grieche, beträgt die Frist sechs Monate. Zuständig ist zudem das Gericht des Staates, dessen Staatsbürgerschaft beide Ehegatten besitzen. Wenn ein dringender Fall vorliegt oder Gefahr im Verzug ist, kann der Unterhaltsberechtigte bei dem entsprechend den obigen Angaben örtlich zuständigen Gericht erster Instanz unter dem Vorsitz eines Richters beantragen, dass ihm gemäß dem Verfahren zu Sicherungsmaßnahmen einstweilig Unterhalt zugesprochen wird.

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8. Muss der Unterhaltsberechtigte, um vor Gericht zu gehen, einen Vermittler (einen Rechtsanwalt, eine spezielle Behörde oder aber...) einschalten, und wenn nicht, welches Verfahren wird angewendet?

Ja, er muss einen bevollmächtigten Rechtsanwalt einschalten, der dann auch die Unterhaltsklage bei dem örtlichen und der Sache nach zuständigen Gericht einreicht.

9. Sind Gerichtsverfahren kostenpflichtig? Wenn ja, von welchen Kosten ist insgesamt auszugehen? Könnte der Unterhaltsberechtigte Prozesskostenhilfe in Anspruch nehmen, wenn seine finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichend sind?

Bei Gerichtsverfahren ist es erforderlich, bestimmte notwendige Kosten zu entrichten sowie das Honorar des bevollmächtigten Rechtsanwalts zu bezahlen. Prinzipiell muss derjenige, der eine Unterhaltsklage erhebt, die im Voraus zahlbaren Kosten, die vom Gericht festgelegt werden und höchstens 147 Euro betragen dürfen, vorstrecken, während die Höhe der übrigen Kosten variiert und sich nach dem jeweils geforderten Unterhaltsbetrag, den notwendigen Zustellungen sowie nach den jeweiligen Vertagungen der Verhandlung richtet. Ist jemand bedürftig, so sieht das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen die Gewährung von Prozesskostenhilfe vor.

10. Welche Form kann der durch einen Gerichtsbeschluss zuerkannte Unterhalt haben? Wenn es sich um einen Geldbetrag handelt, wie kann er bestimmt werden? Wie könnte er entsprechend der Entwicklung der Lebenshaltungskosten oder der Änderung der Lebensbedingungen angepasst werden?

Indem das Gericht die für die angemessene Lebensführung und Ausbildung des Unterhaltsberechtigten erforderlichen Mittel sowie die finanziellen Möglichkeiten des Unterhaltspflichtigen berücksichtigt, legt es den Unterhalt für einen Zeitraum von zwei Jahren fest. Ist diese Frist abgelaufen oder haben sich die Bedingungen, anhand derer das Gericht den Unterhalt festgesetzt hat, geändert, kann jede Partei, das heißt sowohl der Unterhaltsberechtigte als auch der Unterhaltspflichtige, zunächst eine Neufestsetzung des Unterhalts für die nächsten zwei Jahre und danach die Überprüfung der Entscheidung sowie die neuerliche Festlegung des Unterhalts beantragen.

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11. Wie und an wen ist der Unterhalt zu zahlen?

Prinzipiell an den Unterhaltsberechtigten selbst; handelt es sich um ein minderjähriges, unmündiges oder unter Kuratel stehendes Kind, an den Elternteil oder an den Vormund bzw. den gerichtlich bestellten Vormund, der die diesbezügliche Klage im Namen des Berechtigten erhebt.

12. Wenn der Unterhaltspflichtige den Unterhalt nicht freiwillig gewährt, welche Mittel kann man nutzen, um ihn zur Zahlung zu zwingen?

Weigert sich der Unterhaltspflichtige, Unterhalt zu zahlen, dann kann der Unterhaltsberechtigte versuchen, durch ein Verfahren zur Zwangsvollstreckung von Vermögenswerten des Unterhaltspflichtigen, sofern dieser solche hat, seine Ansprüche durchzusetzen.

13. Kann eine Einrichtung oder eine Verwaltungsbehörde bei der Geltendmachung eines Unterhaltsanspruchs behilflich sein?

Nein.

14. Können diese anstelle des Unterhaltspflichtigen den Unterhalt gänzlich oder teilweise zahlen?

Nein.

15. Kann der Unterhaltsberechtigte in Griechenland Hilfe von einer Einrichtung oder einer Verwaltungsbehörde erhalten?

Ja.

16. Wenn ja, wie lauten der Name und die Adresse dieser Einrichtung oder Verwaltungsbehörde, und wie kann man sich an diese wenden?

Wenn der Unterhaltsberechtigte in einem Staat wohnt, in dem das Übereinkommen von New York über die Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen im Ausland gilt – es gilt auch in Griechenland (GV 4421/64) –, oder wenn ein bilaterales Abkommen zwischen diesem Staat und Griechenland besteht und der Unterhaltsberechtigte in Griechenland seinen Wohnsitz hat, ist die zentrale Dienststelle des Justizministeriums dafür zuständig, ihn zu unterstützen. Die Adresse lautet: Odos Mesogeion arithmos 96, Athen – Griechenland, 11527. Telefon +30 210 7714186. Die Art und Weise, wie man sich an diese Behörde wendet, ist durch das Abkommen geregelt.

17. Welche Art von Unterstützung gewähren die Einrichtung oder die Verwaltungsbehörde dem Unterhaltsberechtigten, wenn er sich in einem anderen Land und der Unterhaltspflichtige sich in Griechenland aufhält?

Die durch das Abkommen vorgesehene Unterstützung.

18. Kann sich der Unterhaltsberechtigte in Griechenland direkt an eine Einrichtung oder eine Verwaltungsbehörde wenden?

Nein, außer in den oben genannten Fällen.

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