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Zuletzt aktualisiert am 02-05-2005
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Rechtsberufe - Schweden

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Richter 1.
2. Rechtsanwälte 2.
3. Staatsanwälte 3.
4. Gerichtsvollzieher 4.

 

Die verschiedenen Berufe im Porträt

1. Richter

Die meisten Richter arbeiten in einer der beiden Organisationen der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Das sind einerseits die Zivilgerichte mit einer größeren Zahl Amtsgerichte (Tingsrätt) , sechs Oberlandesgerichten (Hovrätt) und dem Obersten Gerichtshof (Högsta Domstolen) sowie andererseits die allgemeinen Verwaltungsgerichte mit einer größeren Zahl Verwaltungsgerichte (Länsrätt) , vier Oberverwaltungsgerichten (Kammarrätt) und dem Obersten Verwaltungsgerichtshof (Regeringsrätt). Ein Richter ohne Leitungsfunktion wird an Amts- und Verwaltungsgerichten als Rådman, am Oberlandesgericht als Hovrättsråd und am Oberverwaltungsgericht als Kammarrättsråd bezeichnet. Ein Richter, der eine Gerichtskammer leitet, heißt an Amts- und Verwaltungsgerichten Chefsrådman, an Oberlandesgerichten Hovrättslagman und an Oberverwaltungsgerichten Kammarrättslagman. Der Richter, der Leiter eines Gerichts ist, wird an Amts- und Verwaltungsgerichten mit Lagman und an Oberlandes- und Oberverwaltungsgerichten mit President tituliert. Ein Richter am Obersten Gerichtshof heißt Justitieråd.

Um Richter zu sein, muss man die schwedische Staatsbürgerschaft besitzen. Zur Ausübung des Richteramts benötigt man ferner ein schwedisches Kandidatexamen im Fach Jura oder ein juristisches Examen. Einem solchen Examen gleichgestellt wird unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Juristenausbildung in einem anderen nordischen Land. Schließlich darf ein Richter nicht in Konkurs sein oder unter Treuhandschaft stehen.

Ein Richter wird nach einem Bewerbungsverfahren von der Regierung ernannt. Für die höchsten Richterämter erfolgt die Ernennung jedoch ohne ein solches Verfahren. Ausschlaggebend für die Ernennung zum Richter sind hier die Befähigung und Eignung für den Beruf. Bei den Vorbereitungen für die Richterernennung wird die Regierung durch einen besonderen Ausschuss (Tjänsteförslagsnämnden för domstolsväsendet) unterstützt, dessen Hauptaufgabe darin besteht, der Regierung Juristen vorzuschlagen, die zu Richtern ernannt werden sollen.

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Richter sind Angestellte des Staates durch Bestallung und somit Staatsbedienstete. Ein Richter kann nur aus seinem Amt ausscheiden, wenn er sich durch grobe oder wiederholte Vernachlässigung seiner Pflichten oder durch die Begehung eines Verbrechens offenkundig als für das Richteramt ungeeignet erwiesen oder wenn er das geltende Pensionsalter erreicht hat. Dem Richter ist durch die Verfassung Unabhängigkeit bei der Ausübung seiner richterlichen Tätigkeit garantiert.

In Schweden gibt es eine Richterausbildung. Personen mit dieser Ausbildung bilden im Wesentlichen die Grundlage für die Rekrutierung der fest angestellten Richter. Eine Absolvierung der Richterausbildung ist jedoch keine formelle Vorbedingung. Es können sich daher alle Juristen für das Richteramt bewerben. Personen mit einer Ausbildung zum Richter werden in der Regel aber bevorzugt.

Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung ist ein Kandidatexamen im Fach Jura oder eine Qualifizierung als Assistent, d. h. eine zweijährige Tätigkeit als Gerichtsassistent an einem Amts- oder Verwaltungsgericht. Wer zur Richterausbildung zugelassen wird, erhält für sechs Monate eine Anstellung als Gerichtsreferendar auf Probe bei einem Oberlandes- oder Oberverwaltungsgericht. Hat er die Probezeit bestanden, wird er beim Oberlandes- oder Oberverwaltungsgericht als Referendar auf Zeit eingestellt. Nach mindestens einem Jahr beginnt die nächste Phase der Richterausbildung mit der zwei Jahre dauernden Tätigkeit als Referendar beim Oberlandes- oder Oberverwaltungsgericht. Die Referendare arbeiten bei den Gerichten als Richter und bearbeiten Verfahren und Geschäftsangelegenheiten in gleicher Weise wie die ordentlichen Richter.

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Für den letzten Abschnitt der Richterausbildung kehrt der Referendar an das Oberlandes- oder Oberverwaltungsgericht zurück, um für mindestens ein Jahr in der Rolle eines Richters zu arbeiten. Nach Beendigung und Anerkennung des Dienstes wird der Referendar zum Assessor am Oberlandes- oder Oberverwaltungsgericht ernannt. Die Richterausbildung ist damit abgeschlossen.

Assessoren, die nach der Ausbildung zu ordentlichen Richtern ernannt werden wollen, arbeiten mehrere Jahre außerhalb des Gerichtswesens, um nach und nach weitere Erfahrung für eine Einstellung als ordentlicher Richter zu sammeln.

Die Rechtssicherheit des Einzelnen wie das Vertrauen der Allgemeinheit in das Rechtswesen verlangen, dass die Richter ihre Urteile unbeeinflusst fällen. Die Vorschriften für Richter enthalten eine Reihe allgemeiner Grundsätze, wie sich ein Richter bei seiner täglichen Arbeit zu verhalten hat, und somit auch verschiedene Anforderungen an einen Richter, wie Objektivität, Unparteilichkeit und das Vermögen, alle gleich zu behandeln. Darüber hinaus regeln besondere Bestimmungen die Frage der Unbefangenheit von Richtern.

Richter an Zivilgerichten und allgemeinen Verwaltungsgerichten sind in den meisten Fällen nicht spezialisiert, sondern bearbeiten alle Verfahren, die vor dem Gericht geführt werden.

Wie bereits erwähnt, ist die schwedische Staatsbürgerschaft eine Voraussetzung, um in Schweden Richter zu werden. Ausländische Mitbürger haben daher keine Möglichkeit, sich um eine solche Anstellung zu bewerben.

2. Rechtsanwälte

Alle Rechtsanwälte in Schweden sind privat (öffentliche Rechtsanwaltskanzleien wurden abgeschafft). Im Gegensatz zu vielen anderen Rechtssystemen ist es in Schweden Einzelpersonen gestattet, vor Gericht die eigene Sache zu führen. In Schweden herrscht daher weder ein Vertreter- noch ein Rechtsanwaltszwang. Es gibt auch kein Rechtsanwaltsmonopol in dem Sinn, dass ein Prozessvertreter oder ein Rechtsbeistand ein Rechtsanwalt sein muss. Der Anspruch, eine Person vor Gericht zu vertreten, ist also nicht an die Berufsbezeichnung Rechtsanwalt gebunden, sondern stattdessen von bestimmten Faktoren (wie Wohnsitz, Sprachkenntnisse und Eignung) abhängig. In gewisser Hinsicht sind Rechtsanwälte jedoch privilegiert. Beispielsweise können, mit bestimmten Ausnahmen, nur Rechtsanwälte als öffentliche Verteidiger bestellt werden. Jeder, der die Anforderungen an einen Prozessvertreter erfüllt, kann privater Verteidiger sein. Im Unterschied zu den Verhältnissen in vielen anderen Ländern gibt es im Allgemeinen jedoch keinen Qualitätsunterschied zwischen den Juristen, die Aufträge als öffentliche Verteidiger übernehmen, und privaten Verteidigern, da beide Typen von Verteidigern in den meisten Fällen Rechtsanwälte sind. Rechtsanwalt im schwedischen Sinn ist nur derjenige, welcher Mitglied der schwedischen Rechtsanwaltskammer ist. Für eine Mitgliedschaft werden bestimmte formelle Voraussetzungen wie Kompetenz, Erfahrung und Qualifikationen verlangt,.

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Um Rechtsanwalt (d. h. Kammermitglied) zu werden, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

- Wohnsitz in Schweden, der EU, dem EWR oder der Schweiz;

- bestandenes juristischen Examen;

- nach dem juristischen Examen fünf Jahre Tätigkeit als Jurist, davon mindestens drei Jahre Tätigkeit als Sozius in einer Anwaltskanzlei oder in einer eigenen Kanzlei;

- bestandenes Rechtsanwaltsexamen;

- Rechtschaffenheit und im Übrigen die Eignung für den Anwaltsberuf (nicht als Richter, Staatsanwalt oder anderer Staatsbediensteter tätig sein) sowie finanzielle Absicherung (nicht im Konkurs oder unter Treuhandschaft stehen).

Die Kompetenzanforderungen an einen Rechtsanwalt sollen gewährleisten, dass nur derjenige Rechtsanwalt werden kann, der über ausreichende Kenntnisse verfügt und ansonsten für den Anwaltsberuf geeignet ist (die Bezeichnung Rechtsanwalt ist eine Qualitätsgarantie). Wer sich unberechtigt als zugelassener Rechtsanwalt ausgibt, kann zu einer Geldstrafe verurteilt werden.

Jedermann kann eine juristische Kanzlei eröffnen. Es werden keinerlei Ausbildung oder Erfahrung verlangt, um sich in Schweden Jurist zu nennen und gewerbsmäßig eine Rechtsberatung anzubieten.

Eine juristische Tätigkeit ist nur dann gesetzlich verboten, wenn während der Ausübung des Rechtsbeistands ein Verbrechen von nicht geringer Schwere begangen wird. Einer solchen Person kann die Gewährung von rechtlichem Beistand für einen Zeitraum von höchstens 10 Jahren untersagt werden. Wer juristischen Beistand leistet und dabei durch grobe Fahrlässigkeit eine Straftat begeht, wird wegen fahrlässigem Beistand zu einer Geldstrafe oder Gefängnis von höchstens zwei Jahren verurteilt. Eine Klage in dieser Hinsicht kann gegen einen Rechtsanwalt jedoch erst nach Anhörung der Rechtsanwaltskammer erhoben werden.

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Die Tätigkeit der Rechtsanwälte wird in erster Linie durch Gesetze geregelt (Kap. 8 der Prozessordnung). In den geltenden Vorschriften werden die Voraussetzungen für den Beitritt zur Rechtsanwaltskammer, die Registrierung, die Ausübung der Tätigkeit, die Beteiligung an Unternehmen, die Aufsicht usw. genannt. Neben den gesetzlichen Regelungen gibt es Bestimmungen in der Satzung der Rechtsanwaltskammer sowie deren Leitlinien für eine Anwaltstätigkeit nach den guten Sitten. Die Satzung der Rechtsanwaltskammer wird von der Regierung genehmigt, was die Kammer zu einem privatrechtlichen Organ mit öffentlich-rechtlichem Charakter (keine Behörde) macht. Die Satzung hat damit den Charakter einer Verordnung.

Einer der Ecksteine in der Regelung der Rechtsanwaltstätigkeit ist die Selbstständigkeit. Vorschriften über die unabhängige Stellung der Rechtsanwälte sollen hauptsächlich das Interesse der Gesellschaft an einem Berufsstand wahren, der – strengster Schweigepflicht unterworfen – unbeeinflusst und ausschließlich zum Wohle des Mandanten Rechtsberatung und Rechtsbeistand bietet. Der Anwaltsstand unterliegt weitgehenden Forderungen nach einem ethischen Auftreten und steht unter Disziplinaraufsicht, um die hohen ethischen Anforderungen beizubehalten. Die Vorschriften über die Berufsausübung der Rechtsanwälte – insbesondere Vorschriften über Organisation, Qualifikation, Berufsethik, Kontrolle und Haftung – stellen sicher, dass Rechtsanwälte die Unabhängigkeit, Integrität und Erfahrung besitzen, die die Konsumenten juristischer Dienste verlangen dürfen und die die notwendigen Voraussetzungen für eine gute Rechtsprechung sind.

Die meisten Rechtsanwälte haben ihre Schwerpunkte entweder im Humanrecht (Familienrecht, Strafrecht usw.) oder im Unternehmensrecht. Strafverteidiger sind in vielen Fällen auf bestimmte Verbrechensarten spezialisiert, z. B. Wirtschaftsverbrechen, Drogenstraftaten, Straftaten gegen Frauen und Jugendstraftaten. Bestimmte Rechtsanwälte haben sich zudem auf Verfahren in Menschenrechtsfragen spezialisiert. Diese Rechtsanwälte vertreten die Mandanten oft vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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Da Schweden keinen Vertreter- oder Rechtsanwaltszwang kennt, gibt es keine Fälle, in denen eine Vertretung durch Juristen bzw. Rechtsanwälte obligatorisch ist.

Die Tätigkeit und Niederlassung von Rechtsanwälten wird insbesondere in der Richtlinie 77/249/EWG des Rates vom 22. März 1977 zur Erleichterung der tatsächlichen Ausübung des freien Dienstleistungsverkehrs der Rechtsanwälte (die sog. Rechtsanwaltsrichtlinie) und in der Richtlinie 98/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 zur Erleichterung der ständigen Ausübung des Rechtsanwaltsberufs in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem die Qualifikation erworben wurde (die sog. Niederlassungsrichtlinie) behandelt.

Um in Schweden Rechtsanwalt zu werden (d. h. als Mitglied in die schwedische Rechtsanwaltskammer aufgenommen zu werden) , muss man seinen Wohnsitz in der EU, dem EWR oder der Schweiz haben, ein schwedisches juristisches Examen und ein Rechtsanwaltsexamen vorweisen können, sich durch Rechtschaffenheit auszeichnen und im Übrigen als geeignet angesehen werden. Wer eine Ausbildung absolviert hat, die in einem Land der EU, des EWR oder in der Schweiz für die Tätigkeit als Rechtsanwalt gefordert wird, und in Schweden in einer Prüfung bewiesen hat, dass er hinreichende Kenntnisse über die schwedische Rechtsordnung besitzt, ist so zu betrachten, als habe er die schwedische Juristenausbildung und das schwedische Rechtsanwaltsexamen absolviert, und kann somit, wenn er darüber hinaus im Übrigen als für geeignet befunden wird, als Mitglied in die Kammer aufgenommen werden und folglich die Tätigkeit eines Rechtsanwalts unter dem schwedischen Rechtsanwaltstitel ausüben. Dasselbe gilt für denjenigen, der bei der Rechtsanwaltskammer registriert wird und danach in Schweden mindestens drei Jahre lang tatsächlich und regelmäßig die Tätigkeit eines Rechtsanwalts ausübt, die hauptsächlich schwedisches Recht umfasst, oder der auf andere Weise hinreichende Kenntnisse und Erfahrungen besitzt, um als Mitglied aufgenommen werden zu können.

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Wer unter der Berufsbezeichnung seines Heimatlandes als Rechtsanwalt tätig sein will, unterliegt in Schweden keinen besonderen Anforderungen an berufliche Qualifikationen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein ausländischer Rechtsanwalt problemlos in Schweden seinen Beruf ausüben kann, ohne sich in dem Land niederzulassen. Ausnahmen für die Tätigkeit gelten jedoch bei der Vertretung von Parteien vor schwedischen Gerichten. Für denjenigen, der als Vertreter (und privater Verteidiger) auftreten will, gelten nämlich besondere Anforderungen an die Eignung (u. a. hinsichtlich der Rechtschaffenheit und der Kenntnisse der schwedischen Rechtsordnung) und den Wohnsitz in Schweden, dem EWR oder der Schweiz. Rechtsanwälte, die sich in Schweden niederlassen wollen, müssen sich bei der Rechtsanwaltskammer registrieren und stehen damit unter deren Aufsicht. Was für schwedische Rechtsanwälte gilt, muss im Großen und Ganzen auch für in einem Land der EU, des EWR oder der Schweiz zugelassene Rechtsanwälte gelten, wenn diese ihre Tätigkeit in Schweden ausüben.

Ein Rechtsanwalt braucht nicht in Schweden niedergelassen zu sein, um in dem Land seine Tätigkeit als Rechtsanwalt auszuüben. Dagegen muss ein Rechtsanwalt, der in einem EU-Land zugelassen ist, sich bei der schwedische Rechtsanwaltskammer registrieren lassen, wenn er seine Tätigkeit als Rechtsanwalt ständig ausübt, d. h. er lässt sich in Schweden unter der Berufsbezeichnung seines Heimatlandes nieder. Dadurch steht er unter der Aufsicht der Kammer.

Um in Schweden als Rechtsanwalt tätig zu sein, ist nicht die schwedische Staatsbürgerschaft erforderlich. Ein ausländischer Rechtsanwalt darf in Schweden seine Tätigkeit unter der Berufsbezeichnung seines Heimatlandes ausüben, ist aber zur Registrierung verpflichtet, wenn die Tätigkeit dauerhaften Charakter hat. Seit dem 1. Juli 2002 ist keine besondere Staatsbürgerschaft notwendig, um Zugang zu der schwedischen Rechtsanwaltskammer zu erhalten, weshalb ein ausländischer Rechtsanwalt nach drei Jahren tatsächlicher und regelmäßiger Tätigkeit, die hauptsächlich schwedisches Recht umfasst, die Bedingungen für eine Mitgliedschaft in der schwedischen Rechtsanwaltskammer hinsichtlich Ausbildung und praktischer Tätigkeit erfüllt und er folglich – wenn er im Übrigen als geeignet angesehen wird – Mitglied der Kammer werden kann und so seine Tätigkeit unter dem schwedischen Rechtsanwaltstitel ausüben darf.

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Ausländische Rechtsanwaltskanzleien benötigen keine vorherige Genehmigung, um in Schweden eine Niederlassung zu gründen.

Es ist nicht vorgeschrieben, dass die Tätigkeit als Rechtsanwalt in einer bestimmten Rechtsform betrieben werden muss. In der Rechtsanwaltsbranche sind verschiedene Gesellschaftskonstellationen üblich. Für die Tätigkeit als Rechtsanwalt ist jedoch keinerlei Gesellschaftsform vorgesehen.

Eine Person, die noch kein Rechtsanwalt ist und die – um z. B. als Sozius in einer Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten – ihr ausländisches Juraexamen in Schweden anerkannt haben möchte, muss – wenn sich die eigene Ausbildung von der schwedischen in Dauer und Inhalt wesentlich unterscheidet – einen speziellen Wissenstest bestehen.

Wird die Tätigkeit als Rechtsanwalt in Gesellschaftsform betrieben, dürfen nur Rechtsanwälte Teilhaber oder Gesellschafter sein, es sei denn, der Vorstand der Rechtsanwaltskammer lässt eine Ausnahme zu (siehe Kap. 8 § 4 Abs. 2 RB und § 3 Absatz 4 der Leitlinien der schwedischen Rechtsanwaltskammer für eine Anwaltstätigkeit nach den guten Sitten). Weiterhin darf ein Rechtsanwalt ohne Erlaubnis des Vorstands der Rechtsanwaltskammer bei keiner anderen Person angestellt sein als bei einem Rechtsanwalt (Kap. 8 § 2 Abs. 7 RB). Für die Teilhaberschaft an einer Rechtsanwaltsgesellschaft ist ein Wohnsitz in der EU, dem EWR oder der Schweiz vorgeschrieben. Eine bestimmte Nationalität wird nicht verlangt, da keine bestimmte Staatsbürgerschaft mehr erforderlich ist, um Rechtsanwalt zu werden.

Quintessenz dieser Vorschriften ist, dass ein Rechtsanwalt kein Unternehmen zusammen mit Personen aus anderen Berufsgruppen (z. B. Wirtschaftsprüfer) betreiben darf. Dieses Verbot sog. Multi Disciplinary Partnerships (MDP:s) wurde vom Europäischen Gerichtshof im sog. NOVA-Verfahren überprüft und bestätigt.

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3. Staatsanwälte

Staatsanwälte spielen im Rechtswesen und in Strafprozessen eine sehr wichtige Rolle. Der Staatsanwalt leitet die Ermittlungen bei Verbrechen, beschließt, ob Anklage erhoben werden soll, und führt die Sache vor Gericht. Der Staatsanwalt hat im Prinzip die gleiche selbstständige Stellung wie ein Richter und der Staatsanwalt entscheidet persönlich, ob z. B. Anklage erhoben wird.

Um Staatsanwalt zu werden, muss man die schwedische Staatsbürgerschaft besitzen. Für eine Zulassung als Staatsanwalt muss man weiterhin ein schwedisches Kandidatexamen im Fach Jura oder ein juristisches Examen vorweisen können sowie den Dienst als Gerichtsassistent absolviert haben, d. h. zwei Jahre lang als Assistent an einem Amts- oder Verwaltungsgericht gearbeitet haben. Unter bestimmten Voraussetzungen wird einem Kandidatexamen im Fach Jura oder einem juristischen Examen eine Juristenausbildung in einem anderen nordischen Land gleichgestellt.

Staatsanwälte werden durch Beschluss des Generalreichsanwalts eingestellt.

Ein einfacher Staatsanwalt ohne Leitungsfunktion heißt Kammaråklagare. Der leitende Staatsanwalt einer Staatsanwaltschaftsabteilung wird als Chefsåklagare bezeichnet. Ein Oberstaatsanwalt (Överåklagare) leitet in der Regel eine Staatsanwaltschaft, die aus sich aus mehreren Abteilungen zusammensetzt. Der Generalreichsanwalt (Riksåklagare) ist der höchste Staatsanwalt des Landes.

Alle einfachen Staatsanwälte sind befugt, selbstständig die Anklage vor Amts- und Oberlandesgerichten zu führen. Vor dem Obersten Gerichtshof darf jedoch nur der Generalreichsanwalt die Klage vertreten.

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In Schweden gibt es eine Staatsanwaltsausbildung. Personen mit dieser Ausbildung bilden im Wesentlichen die Grundlage für die Rekrutierung der Staatsanwälte. Eine Absolvierung der Ausbildung zum Staatsanwalt ist jedoch keine formelle Vorbedingung. Es können sich daher alle Juristen, die den Dienst als Gerichtsassistent abgeleistet haben, für eine Anstellung als Staatsanwalt bewerben.

Voraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung sind einerseits ein Kandidatexamen im Fach Jura bzw. ein juristisches Examen und andererseits der abgeschlossene Dienst als Gerichtsassistent. Angenommene Bewerber werden als Staatsanwaltanwärter (Åklagaraspirant) eingestellt. Der Staatsanwaltanwärter wird einer Abteilung der Staatsanwaltschaft zugeteilt und darf bestimmte einfachere Aufgaben unter der Aufsicht eines Betreuers ausführen. Nach neun bis zwölf Monaten als Anwärter wird durch eine Prüfung festgestellt, ob der Anwärter als Assistenzstaatsanwalt (Assistentåklagare) auf Zeit eingestellt werden kann. Nach etwa zwei Jahren als Assistenzstaatsanwalt wird er nach bestandener neuer Prüfung als Staatsanwalt eingestellt. Staatsanwälte, die sich auf bestimmte Verbrechensarten, z. B. Drogen-, Umwelt- oder Wirtschaftskriminalität, spezialisieren wollen, werden gesondert ausgebildet.

Der Staatsanwalt entscheidet als Leiter des Ermittlungsverfahrens, wie eine Ermittlung geführt wird, welche Tathandlungen untersucht werden sollen, welche Zwangsmaßnahmen anzuwenden sind usw. Es ist wichtig, dass der Staatsanwalt seine Aufgaben selbstständig in einer solchen Weise durchführt, dass eine rechtlich einwandfreie und korrekte Bearbeitung gewährleistet ist. Der Staatsanwalt muss die Ermittlungen objektiv führen, d. h. es sind auch solche Umstände zu berücksichtigen, die für den Verdächtigten sprechen. Gemäß den Bestimmungen hat der Verdächtigte das Recht auf Einsicht in die Ermittlungsunterlagen. Der Generalreichsanwalt hat einige Richtlinien für die Bearbeitung verschiedener Kriminalitätsarten erstellt. Darüber hinaus regeln besondere Bestimmungen die Frage der Befangenheit von Staatsanwälten.

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Bei den Staatsanwaltschaften gibt es Staatsanwälte, die sich auf bestimmte Bereiche, z. B. Umwelt-, Wirtschafts- oder Drogenkriminalität, spezialisiert haben. Der größte Teil dieser Staatsanwälte arbeitet in den allgemeinen Abteilungen der Staatsanwaltschaft. Staatsanwälte für Umweltkriminalität sind jedoch einer besonderen Behörde, der Behörde für Umweltkriminalität, zugeteilt, wo sie mit spezialisierten Polizeibeamten und Wirtschaftsfachleuten zusammenarbeiten.

Wie bereits erwähnt, ist die schwedische Staatsbürgerschaft eine Voraussetzung, um in Schweden Staatsanwalt zu werden. Ausländische Mitbürger haben daher keine Möglichkeit, sich um eine solche Anstellung zu bewerben.

4. Gerichtsvollzieher

Ein Gerichtsvollzieher ist ein Staatsbeamter bei einer Behörde für Beitreibung. Ein Gerichtsvollzieher bearbeitet u. a. Vollstreckungsverfahren und Verfahren über unbezahlte private und öffentliche Forderungen (siehe Seite „Vollstreckung“). Außerdem wird der Staat vor Gericht regelmäßig durch einen Gerichtsvollzieher bei Konkurs-, Vergleich- und Entschuldungsverhandlungen vertreten.

Der Leiter einer Abteilung oder Einheit bei einer Behörde für Beitreibung, die exekutiv tätig ist, muss in der Regel Gerichtsvollzieher sein. Hingegen ist nicht vorgeschrieben, dass der Leiter einer Behörde für Beitreibung Gerichtsvollzieher sein muss.

In Schweden gibt es eine Gerichtsvollzieherausbildung. Für die Zulassung zur Ausbildung sind die schwedische Staatsbürgerschaft, ein bestandenes juristisches Kandidatexamen oder ein entsprechendes Examen und eine Dienstzeit als Gerichtsassistent nachzuweisen. Der Dienst als Gerichtsassistent kann auch durch besondere Praktika oder ein Befreiungsverfahren ersetzt werden.

Zur Ausbildung zugelassene Bewerber werden als Gerichtsvollzieheranwärter eingestellt. Als Anwärter durchläuft man eine etwa 40 Wochen dauernde Ausbildung mit praktischen und theoretischen Abschnitten. Am Ende der Ausbildung wird durch eine Prüfung festgestellt, ob der Anwärter als Gerichtsvollzieher eingestellt werden kann.

Für Gerichtsvollzieher gelten entsprechende Befangenheitsregeln wie für Richter.

Ein Gerichtsvollzieher bei einer Beitreibungseinheit ist in der Regel nicht spezialisiert. Als Gerichtsvollzieher kann man sich jedoch z. B. auf den Immobilienverkauf oder die Konkursaufsicht spezialisieren.

Wie bereits erwähnt, ist die schwedische Staatsbürgerschaft eine Voraussetzung, um in Schweden Gerichtsvollzieher zu werden. Ausländische Mitbürger haben daher keine Möglichkeit, sich um eine solche Anstellung zu bewerben.

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