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Zuletzt aktualisiert am 02-05-2005
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Rechtsberufe - Irland

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Richter 1.
2. Der Generalstaatsanwalt und der Leiter der Staatsanwaltschaft 2.
3. Gerichtsbedienstete 3.
4. Der Sheriff 4.
5. Solicitors 5.
6. Barristers 6.
7. Notare 7.

 

1. Richter

Der Judicial Appointments Advisory Board (Beratungsgremium für richterliche Ernennun�gen) identifiziert Personen für die Ernennung zum Richteramt und informiert die Regierung über deren Eignung. Die Richter werden vom Präsidenten auf Anraten der Regierung ernannt. Die Richter sind unabhängig und unterliegen nur der Verfassung und dem Gesetz. Gemäß der Verfassung wird die Anzahl der Richter von Zeit zu Zeit gesetzlich festgelegt.

Der Supreme Court besteht aus dem Oberrichter (Chief Justice) , der Vorsitzender des Court ist, und sieben gewöhnlichen Richtern, die als „Richter am Supreme Court“ bezeichnet werden. Der Präsident des High Court ist von Amts wegen auch Mitglied des Supreme Court. Der High Court besteht aus dem Präsidenten des High Court, der für die allgemeine Organisation der Arbeit des High Court verantwortlich ist, und aus gewöhnlichen Richtern, die als „Richter am High Court“ bezeichnet werden. Der Oberrichter und der Präsident des Circuit Court (Bezirksgericht) sind von Amts wegen auch Mitglieder des High Court. Die Anzahl der Richter am High Court wird von Zeit zu Zeit gesetzlich festgelegt. Derzeit dürfen es nicht mehr als 28 sein (plus ein zusätzlicher Richter, wenn der Präsident der Rechtsreform�kommission Richter am High Court ist). Der Circuit Court besteht aus dem Präsidenten des Circuit Court und gewöhnlichen Richtern, die als „Richter am Circuit Court“ bezeichnet werden. Der Präsident des District Court (Amtsgericht) ist von Amts wegen auch Mitglied des Circuit Court. Der District Court besteht aus dem Präsidenten des District Court und anderen Richtern, die als „Richter am District Court“ bezeichnet werden. Die Verfassung bestimmt, dass die Regierung die Vergütung der Richter nicht mindern darf, während diese im Amt sind. Die Gehälter der Richter werden von Zeit zu Zeit gesetzlich festgelegt. Die derzeit gültige Rechtsvorschrift ist das Ministerial, Parliamentary and Judicial Offices and Oireachtas Members (Miscellaneous Provisions) Act, 2001.

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Die Richter werden aus den Rechtsberufen der qualifizierten Solicitors oder Barristers mit bestimmten Jahren an Praxiserfahrung (nicht Forschung) ernannt. Für den District Court besagt Abschnitt 29 Absatz 2 des Courts (Supplemental Provisions) Act 1961, dass ein praktizierender Barrister oder Solicitor mit mindestens zehnjähriger Berufserfahrung für die Ernennung als Richter am District Court qualifiziert ist. Abschnitt 30 des Courts and Courts Officers Act 1995 besagt, dass ein Solicitor oder Barrister mit zehnjähriger Berufserfahrung für die Ernennung als Richter am Circuit Court qualifiziert ist. Das Courts and Courts Officers Act 2002 besagt, dass ein praktizierender Barrister oder Solicitor mit mindestens zwölfjähriger Berufserfahrung für die Ernennung als Richter am High Court oder Supreme Court qualifiziert ist.

Wie bereits dargelegt, sind die Richter insofern unabhängig, als sie nur der Verfassung und dem Gesetz unterliegen. Bei Amtsantritt geben sie gemäß Artikel 34. 5. 1 der Verfassung die folgende Erklärung ab:

“In the presence of almighty God I do solemnly and sincerely promise and declare that I will duly and faithfully and to the best of my knowledge and power execute the office of Chief Justice (or as the case may be) without fear or favour, affection or ill-will towards any man, and that I will uphold the Constitution and the laws. May God direct and sustain me.” („Vor dem allmächtigen Gott gelobe und erkläre ich feierlich und aufrichtig, dass ich das Amt des Oberrichters (oder je nach Sachlage) ohne Furcht oder Wohlwollen, Zu- oder Abneigung gegenüber irgendjemandem ordnungsgemäß und gewissenhaft nach bestem Wissen und Befugnissen ausüben werde und dass ich die Verfassung und die Gesetze hüten werde. Möge Gott mich leiten und unterstützen.“)

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Nach der Verfassung können Richter am High Court und Supreme Court nur wegen festgestellten Fehlverhaltens oder Unfähigkeit ihres Amtes enthoben werden, nachdem entsprechende Beschlüsse beide Häuser des Oireachtas (Irisch für Parlament) durchlaufen haben. Das Courts of Justice Act 1924 und das Courts of Justice (District Court) Act 1946 enthalten ähnliche Rechtsvorschriften für Richter an den Circuit Courts und District Courts.

2. Der Generalstaatsanwalt und der Leiter der Staatsanwaltschaft

Der Generalstaatsanwalt ist gemäß Artikel 30 der Verfassung „der Berater der Regierung in Rechts- und Rechtsauffassungsfragen“. Der Generalstaatsanwalt wird vom Präsidenten nach Nominierung des Taoiseach (Irisch für Premierminister) ernannt und ist verpflichtet, das Amt niederzulegen, wenn der Taoiseach dies tut. Der Generalstaatsanwalt ist im Allgemeinen ein praktizierender Barrister und ein Senior Counsel. Es gibt keine Vorschrift, die verlangt, dass der Generalstaatsanwalt seine Privatkanzlei aufgibt, aber dies war in den letzten Jahren der Fall.

Als Rechtsberater der Regierung prüft der Generalstaatsanwalt alle Gesetzentwürfe, die die Regierung dem Oireachtas (Parlament) vorlegen möchte, damit diese zum Gesetz werden. Der Generalstaatsanwalt berät außerdem die Regierung zu internationalen Angelegenheiten wie der Ratifizierung internationaler Abkommen. Eine andere Funktion des Generalstaatsanwalts besteht darin, die Öffentlichkeit bei der Geltendmachung öffentlicher Rechte zu vertreten. Dies erfolgt durch die Einleitung von oder den Einspruch gegen Gerichtsverfahren. Obwohl der Generalstaatsanwalt vom Taoiseach ernannt wird, ist er unabhängig von der Regierung. In Bezug auf die Verfassung ist der Generalstaatsanwalt immer der Hauptbeklagte, wenn die Verfassungsmäßigkeit der Gesetzgebung in Frage gestellt wird.

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Bis 1976 wurden alle schwerwiegenden Straftaten im Namen des Generalstaatsanwalts verfolgt. Die Verfassung bestimmt, dass diese Funktion von einer anderen Person wahrgenommen werden kann, die gesetzlich ermächtigt wurde, zu diesem Zweck zu handeln. Das Amt des Leiters der Staatsanwaltschaft wurde somit durch Abschnitt 2 des Prosecution of Offences Act 1974 geschaffen, das 1976 in Kraft trat – die Idee bestand darin, einen Beamten zu haben, der unabhängig von politischen Bindungen diese Funktionen erfüllt. Der Leiter der Staatsanwaltschaft wird von der Regierung ernannt, aber ist ein Beamter, sodass er im Gegensatz zum Generalstaatsanwalt nicht zurücktritt, wenn eine Regierung fällt. Dies stellt Kontinuität bei der Verfolgung von Straftaten sicher. Das Gesetz von 1974 bestimmt außerdem, dass der Leiter der Staatsanwaltschaft bei der Erfüllung seiner Aufgaben unabhängig sein muss. Der Leiter der Staatsanwaltschaft kann durch die Regierung seines Amtes enthoben werden, aber erst nach Erstellung eines Berichts zu seiner Gesundheit oder seinem Verhalten durch einen Ausschuss, der aus dem Oberrichter, einem Richter des High Court und dem Generalstaatsanwalt besteht.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft (Director of Public Prosecutions - DPP) entscheidet daher, ob eine Person wegen einer schwerwiegenden Straftat angeklagt werden sollte und wie die Anklage lauten sollte. Alle Straftaten werden im Namen des DPP aufgegriffen, aber die meisten der weniger schwerwiegenden Straftaten können von der Gardaí (Irisch für Polizei) verfolgt werden, ohne dass eine Akte an den DPP geschickt wird. In diesen Fällen hat der DPP das Recht, die Gardaí zu beraten, wie mit dem Fall zu verfahren ist. Obwohl der DPP die Rolle des Generalstaatsanwalts bei der Verfolgung von Fällen übernommen hat, behält der Generalstaatsanwalt diese Rolle in Bezug auf Fälle mit internationaler Dimension, beispielsweise Auslieferung.

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3. Gerichtsbedienstete

Gerichtsbedienstete sind für die allgemeine Verwaltung der Gerichte verantwortlich. Die derzeitigen Gerichte wurden durch das Courts (Establishment and Constitution) Act, 1961 gemäß Artikel 34 der Verfassung eingerichtet. Der Verfassung zufolge umfasst die Struktur der Gerichte ein letztinstanzliches Berufungsgericht (den Supreme Court) und Gerichte erster Instanz, zu denen ein High Court mit umfassender Zuständigkeit in Straf- und Zivilsachen und Gerichte mit begrenzter Zuständigkeit (der Circuit und District Court) , die auf regionaler Basis organisiert sind, gehören.

Gerichtsbedienstete werden vom Courts Service beschäftigt. Dies ist eine unabhängige juristische Person, die im November 1999 gegründet und von der Regierung im Rahmen des Courts Service Act, 1998 eingerichtet wurde. Die Einrichtung dieser juristischen Person wurde von der Arbeitsgruppe zu einer Gerichtskommission empfohlen und stellt seit der Staatsgründung ein unerledigtes Unterfangen dar, da keine Bestimmung für die Richterschaft oder die Gerichte erlassen wurde, die eine unabhängige Verwaltungsstruktur vorschreibt.

Der Courts Service hat fünf Mandate:

  • Verwaltung der Gerichte
  • Bereitstellung von Unterstützungsdienstleistungen für die Richter
  • Bereitstellung von Informationen zu dem Gerichtssystem für die Öffentlichkeit
  • Bereitstellung, Verwaltung und Instandhaltung von Gerichtsgebäuden
  • Bereitstellung von Einrichtungen für die Nutzer der Gerichte

Der Courts Service ist gegenüber dem Minister für Justiz, Gleichstellung und Rechtsreform rechenschaftspflichtig und über den Minister rechenschaftspflichtig gegenüber der Regierung. Er ist außerdem bezüglich der Ausgaben und den Preis-Leistungs-Vorschriften gegenüber einem dem Oireachtas (dem Irischen Parlament) angegliederten Ausschuss für die Prüfung der öffentlichen Ausgaben rechenschaftspflichtig. Der Chief Executive Officer ist der Rechnungsführer und wird je nach Erfordernis vor dem genannten Ausschuss erscheinen. Der Courts Service wird gegenüber der Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung eines Jahresberichts Rechenschaft ablegen.

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Der Verwaltungsrat des Courts Service besteht aus einem Vorsitzenden und 16 Mitgliedern, deren Funktionen darin bestehen, die Politik zu beurteilen und zu bestimmen sowie die Umsetzung dieser Politik durch den Chief Executive zu überwachen. Die Funktionen des Chief Executive werden durch das Courts Service Act, 1998 festgelegt; er oder sie muss „allgemein das Personal, die Verwaltung und die Geschäftstätigkeiten des Service verwalten und kontrollieren, einschließlich der Funktionen der County Registrars (Urkundsbeamte der Counties) , insofern als derartige Funktionen sich auf eine Funktion des Service beziehen, und andere Funktionen erbringen, die von der Gesetzgebung oder dem Verwaltungsrat bestimmt werden können“.

Ein Großteil der Finanzierung für den Courts Service wird vom Staat zur Verfügung gestellt, obwohl gewisse Einnahmen durch Gebühren für Gerichtsdokumente erzielt werden. Es gibt derzeit etwa 1. 000 Mitarbeiter. Der Verwaltungsrat des Courts Service ernennt eine solche Anzahl von Mitarbeitern, bestimmt deren Dienstgrade und die Anzahl von Mitarbeitern in jedem Dienstgrad wie vom Minister für Justiz, Gleichstellung und Rechtsreform mit Zustimmung des Finanzministers genehmigt.

Die Personalmanagementstruktur umfasst den Chief Executive, einen Director of Operations für den Supreme Court und den High Court, einen Director of Operations für die Circuit Courts und die District Courts sowie vier Support Directors – Humanressourcen, Finanzen, Grundstücke und Gebäude sowie Unternehmensdienstleistungen. Die Büros des Supreme Court bestehen aus dem Büro des Supreme Court und dem Büro des Court of Criminal Appeal. Die Büros des High Court bestehen aus dem Central Office (Zentralbüro) , dem Office of the Accountant of the Courts of Justice (Büro des Buchprüfers der Gerichtshöfe) , dem Office of Wards of Court (Vormundschaftsbüro) , dem Office of the General Solicitor for Minors and Wards of Court (Büro des General Solicitor für Minderjährige und Vormundschaft) , dem Office of the Taxing Master (Gerichtskasse) , dem Probate Office (Nachlassbüro) , dem Examiners Office (Büro des beauftragten Richters) und dem Office of the Official Assignee in Bankruptcy (Büro des Konkursverwalters). Es gibt 26 Circuit Court Offices im Land, die sich mit Zivil-, Straf- und Familienrechtsangelegenheiten sowie mit Geschworenendiensten befassen. Jedes County hat einen County Registrar, der für die Arbeit des Büros zuständig ist. Es gibt 44 District Court Offices im Land, die sich mit Zivil-, Straf- und Familienrechtsangelegenheiten sowie mit Bagatellverfahren befassen.

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4. Der Sheriff

Jedes County in Irland hat einen Sheriff, der Beamter ist und unter anderem für die Einziehung und den Verkauf von Gütern zuständig ist, um eine Schuld zu tilgen, nachdem ein Gerichtsurteil ergangen ist. Sheriffs werden nach dem Court Officers Act 1945 ernannt, und Abschnitt 12 Absatz 5 des Gesetzes begrenzt die Ernennung auf Barristers oder Solicitors, die fünf Jahre praktiziert haben, oder auf Personen, die mindestens fünf Jahre als Bürovorsteher oder Hauptbediensteter eines Unter-Sheriffs oder Sheriffs tätig waren. Abschnitt 12 Absatz 6 Buchstabe g des Gesetzes besagt, dass die Beschäftigungsbedingungen jedes Sheriffs, der den vorstehenden Absätzen des Gesetzes unterliegt, von Zeit zu Zeit vom Finanzminister nach Beratung mit dem Minister für Justiz festgelegt werden.

Andere Methoden, die zur Einziehung von Schulden aufgrund von Gerichtsurteilen verwendet werden, sind das Verfahren der Anordnung von Raten, bei dem ein Richter über die Höhe der wöchentlichen oder monatlichen Zahlungen entscheidet, die ein Schuldner leisten kann, nachdem dessen Mittel beurteilt wurden, der Pfändungsbeschluss, bei dem bestimmt wird, dass Geld, das einem Schuldner von einer dritten Partei geschuldet wird, für die Begleichung einer Schuld verwendet wird, die Konkursverwaltung, bei der die Güter eines Schuldners verkauft werden, um eine Schuld zu begleichen, ein Grundpfandrecht, das auf das Eigentum eines Schuldners eingetragen wird, und den Handel mit diesem Eigentum verbietet, bis die betreffende Schuld getilgt ist (der Gläubiger kann auch den nächsten Schritt unternehmen und das Eigentum verkaufen lassen, um die Schuld zu begleichen) , die gerichtliche Liquidation von Kapitalgesellschaften und die Konkurserklärung eines Schuldners.

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5. Solicitors

Die Law Society of Ireland kontrolliert die Ausbildung von Studenten, die Solicitors werden wollen, und verfügt über Disziplinarbefugnisse gegenüber qualifizierten Solicitors. Um Solicitor zu werden, müssen eine dreijährige Ausbildung und die von der Law Society of Ireland organisierten Studienkurse absolviert werden. Für die Zulassung zu den Studienkursen ist ein akademischer Grad oder ein gleichwertiger Abschluss erforderlich, oder die Person muss Barrister sein oder einem gleichwertigen Beruf angehören – dies als Voraussetzung für die Aufnahmeprüfung bezeichnet. Wenn diese Erfordernisse erfüllt sind, muss die Abschlussprüfung der Society bestanden werden, die in die Abschnitte FE-1, FE-2 und FE-3 unterteilt ist. Die FE-1-Prüfung besteht aus acht Hauptfächern: Unternehmensrecht, Verfassungsrecht, Vertragsrecht, Strafrecht, Equityrecht, Recht der Europäischen Gemeinschaften, Liegenschaftsrecht und Deliktrecht. Die späteren Abschnitte sind Kurse beruflicher Art. Der FE-2 wird als Berufskurs bezeichnet und besteht aus 14 Wochen intensiver Vorlesungen, gefolgt von einer Prüfung, und 18 Monaten interner Ausbildung als Bestandteil der Ausbildung eines Studenten. Der FE-3-Kurs oder Fortgeschrittenenkurs besteht aus sieben Wochen intensiver Vorlesungen, gefolgt von einer Prüfung. Sobald dieser Abschnitt abgeschlossen ist und Kenntnisse der irischen Sprache nachgewiesen wurden, ist eine Person berechtigt, in die Liste der Solicitors aufgenommen zu werden.

Jeder qualifizierte Solicitor unterliegt den Disziplinarbefugnissen der Law Society. Gemäß den Solicitors Acts 1954 bis 1994 ist das Disziplinartribunal der Law Society befugt, angebliches Fehlverhalten wie beispielsweise Veruntreuung von Geldern zu untersuchen, und die Angelegenheit kann an den Präsidenten des High Court verwiesen werden. Der Präsident ist befugt, einen Solicitor zu suspendieren und die Suspendierung aufzuheben. Das Disziplinartribunal ist berechtigt, Rückzahlungen von Geldern an Klienten zu verlangen, falls es der Meinung ist, dass ein Solicitor zu hohe Gebühren berechnet hat.

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Die Ausführungsverordnung 732 von 2003 zu den Verordnungen der Europäischen Gemeinschaften über die Ausübung des Rechtsanwaltsberufs aus dem Jahr 2003 bestimmt, dass die Rechtsanwälte der Mitgliedstaaten, die die beruflichen Aktivitäten eines Barrister oder Solicitor ausüben möchten, beim Bar Council oder der Law Society die Registrierung hierfür beantragen müssen. Der Antrag wird geprüft, und falls er angenommen wird, wird eine Registrierungsbescheinigung ausgestellt. Berufung gegen eine Ablehnung des Bar Council oder der Law Society kann beim High Court eingereicht werden.

6. Barristers

Die Honorable Society of King’s Inns bietet eine Rechtsausbildung für Postgradierte an, die zur Verleihung des Titels „Barrister-at-law“ führt, für diejenigen, die in der Anwaltschaft praktizieren wollen. Die King’s Inns fungiert als eine freiwillige Gesellschaft unter der Kontrolle der Benchers der Honorable Society of King’s Inns, die Angehörige der Richterschaft und Senior Barristers sind. Die Aufnahme in den Graduiertenkurs erfolgt durch eine Aufnahmeprüfung für Graduierte der King’s Inns Diploma in Legal Studies oder für Rechtsabsolventen. Die Länge des Kurses Diploma in Legal Studies beträgt nach wie vor zwei Jahre, aber der Kurs Barrister-at-Law, der zwei Jahre dauerte, ist ab Oktober 2004 ein intensiverer Einjahreskurs. Neben dem Abschluss des vorgeschriebenen Studienkurses müssen die Studenten der King’s Inns Kenntnisse der irischen Sprache nachweisen und an zehn Dinings für jedes der zwei Jahre des Kurses Barrister-at-law teilnehmen. Bei erfolgreichem Abschluss des Graduiertenkurses werden die Studenten durch den Chief Justice als Anwalt im Supreme Court zugelassen, und die zugelassenen Barristers unterzeichnen nach der Zeremonie die Liste der Mitglieder der Anwaltschaft. Es gibt jedoch weitere Anforderungen, bevor sie eine bezahlte juristische Tätigkeit aufnehmen können.

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Die Barristers müssen Mitglieder der Law Library sein, um zu praktizieren. Die Law Library ist ein Ort, von dem aus gearbeitet werden kann, und von dem aus gegen eine jährliche Gebühr Zugang zu juristischen Texten und Materialien besteht. Bevor ein Barrister Mitglied der Law Library wird, muss er einen Master auswählen - einen niedergelassenen Barrister mit mindestens fünfjähriger Erfahrung. Während er sich unter der Anleitung des Masters befindet, die normalerweise ein Jahr dauert, wird der Barrister ohne Berufserfahrung als Anwaltsgehilfe bezeichnet. Der Master führt den Anwaltsgehilfen in die praktische Arbeit eines Barrister ein und wird den Anwaltsgehilfen üblicherweise auffordern, beim Entwurf von Gerichtsplädoyers und bei der Rechtsrecherche behilflich zu sein sowie in seinem Namen vor Gericht zu erscheinen.

Der General Council of the Bar of Ireland, bei dem es sich um ein nichtgesetzliches Organ handelt, überwacht das Verhalten der Barristers. Der Council wird jährlich von den Mitgliedern der Anwaltschaft gewählt und gibt einen Berufsverhaltenskodex heraus, der von Zeit zu Zeit durch die Mitglieder der Anwaltschaft angepasst wird. Dieser Verhaltenskodex legt fest, was von Barristers verlangt wird.

Angebliche Verstöße gegen den Verhaltenskodex werden vom Professional Practices Committee (Ausschuss für Berufspraktiken) des Bar Council untersucht, dem Personen angehören, die nicht zur Anwaltschaft gehören. Der Ausschuss ist befugt, Geldstrafen und Verwarnungen zu verhängen und ein Mitglied von der Law Library zu suspendieren oder auszuschließen. Berufung gegen die Entscheidungen kann beim Appeals Board (Beschwerdeausschuss) eingelegt werden, dem ein Richter des Circuit Court und auch ein Laienmitglied angehören.

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Ein Barrister musste traditionell Anweisungen von einem Solicitor erhalten, und direkter Zugang zu Barristers war verboten. Diese Praxis wurde von der Fair Trade Commission (Kommission für fairen Handel) geprüft, die in ihrem Bericht von 1990 empfahl, dass das generelle Verbot des direkten Zugangs eine restriktive Praxis sei und aus dem Verhaltenskodex entfernt werden sollte. Die Kommission akzeptierte, dass in bestimmten Fällen die dauerhafte Beteiligung eines Solicitor wünschenswert sei. Die Kommission empfahl, dass es keine gesetzlichen oder sonstigen Vorschriften geben sollte, die die physische Anwesenheit eines Solicitor vor Gericht zur Erteilung von Anweisungen an einen Barrister fordern. Diese Empfehlungen wurden nicht vollständig umgesetzt, aber es wurde eine Reihe von Veränderungen an dem Verhaltenskodex vorgenommen, um den direkten Zugang von bestimmten zugelassenen Berufsorganisationen zu erlauben.

Barristers sind entweder Junior oder Senior Counsel. Traditionell praktizieren Angehörige der Anwaltschaft mehrere Jahre als Junior Counsel, bevor sie in Erwägung ziehen, Senior Counsel zu werden. Es erfolgt keine automatische Beförderung, und manche Junior Counsel werden sich niemals bewerben. Im Allgemeinen erwägen die meisten Barristers nach 15-jähriger Praxis, Senior Counsel zu werden. Diejenigen, die Senior Counsel werden möchten, bewerben sich beim Generalstaatsanwalt um die Zulassung, aber die tatsächliche Ernennung erfolgt durch die Regierung auf Anraten des Generalstaatsanwalts, der auch mit dem Chief Justice, dem Präsidenten des High Court und dem Vorsitzenden des Bar Council zusammenarbeitet.

Im Allgemeinen entwerfen Junior Counsel Plädoyers und bereiten diese vor und vertreten einige Fälle vor Gericht, üblicherweise, jedoch nicht ausschließlich, vor den unteren Gerichten. Die Funktionen eines Senior Counsel umfassen die Prüfung von Plädoyerentwürfen, die von Junior Counsel vorbereitet wurden, und die Vertretung der schwierigeren Fälle vor dem High und Supreme Court.

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7. Notare

Notare werden vom Chief Justice in öffentlicher Sitzung ernannt. Bewerbungen erfolgen durch Antrag mit Angabe des Wohnsitzes und der Tätigkeit des Antragstellers, der Anzahl der Notare im Bezirk, der Bevölkerung des Bezirks und der Umstände, die zeigen, dass ein Notar erforderlich ist und/oder wie eine freie Stelle aufgetreten ist. Der Antrag muss durch eidliche Erklärung des Antragstellers bestätigt werden, in der ein Eignungszeugnis vorgelegt wird, das im Allgemeinen von sechs lokalen Solicitors und sechs führenden Persönlichkeiten der lokalen Wirtschaft unterzeichnet ist. Der Antrag wird dem Chief Justice per Antragsschrift vorgelegt, die durch das Büro des Supreme Court an den Urkundsbeamten der Faculty of Notaries Public in Ireland (Vereinigung der Notare in Irland) , den Sekretär der Law Society und alle Notare, die in den Counties des Antragstellers und den angrenzenden Counties praktizieren, weitergeleitet wird.

Die allgemeine Praxis besteht darin, nur Solicitors zu Notaren zu ernennen. Wenn eine Person, die kein Solicitor ist, einen Antrag auf Ernennung zum Notar stellt, verlangt die Law Society, dass sich der Antragsteller gegenüber dem Chief Justice verpflichtet, keine Grundstücksübertragungen oder juristischen Tätigkeiten vorzunehmen, die üblicherweise von einem Solicitor erbracht werden. Alle Antragsteller müssen für die Ernennung zum Notar zuerst eine von der Faculty of Notaries Public in Ireland durchgeführte Prüfung bestehen.

Hinweis:

Fragen zur aktuellen Vergütung des Generalstaatsanwalts, des Leiters der Staatsanwaltschaft, der Gerichtsbediensteten und Sheriffs können

  • per E-Mail oder
  • per Post an folgende Anschrift:

    Human Resources,
    Department of Finance,
    Merrion Street,
    Dublin 2

gestellt werden.

Barristers sind selbstständig und ihr Einkommen variiert erheblich.

Solicitors können selbstständig sein, wenn sie eigene Kanzleien führen, oder können Angestellte sein. Ihre Einkommen variieren ebenfalls erheblich.

Notare berechnen eine Gebühr pro beglaubigtem Dokument. Die Gebühren sind nicht gesetzlich geregelt, aber die Notare berechnen diese im Allgemeinen auf der Grundlage des Zeitaufwands, der Reise- oder Fahrtkosten und des Betrags, den ein Sachverständiger in der Regel für eine Dienstleistung berechnet.

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