Europäische Kommission > EJN > Rechtsberufe > Griechenland

Zuletzt aktualisiert am 02-05-2005
Druckfassung Zu Favoriten hinzufügen

Rechtsberufe - Griechenland

 

INHALTSVERZEICHNIS

I. DER RICHTER I.
II. DER STAATSANWALT II.
III. DER GERICHTSBEDIENSTETE III.
IV. DER ZUSTELLUNGSBEDIENSTETE IV.
V. DER NOTAR V.
VI. DER LEITER DES HYPOTHEKENREGISTERS VI.
VII. DER RECHTSANWALT VII.

 

I. DER RICHTER

Absolventen der Rechtswissenschaften können nach bestandenem Auswahlverfahren (mündliche und schriftliche Prüfung) und erfolgreich absolviertem Ausbildungsgang am nationalen Ausbildungsinstitut für Richter zum Richter ernannt werden. Die Einstellung erfolgt als beigeordneter Richter an einem erstinstanzlichen Gericht. Daran schließen sich folgende Aufstiegsmöglichkeiten an: Ernennung zum Richter am erstinstanzlichen Gericht, zum Präsidenten des erstinstanzlichen Gerichts, zum Richter am Berufungsgericht, zum Präsidenten des Berufungsgerichts, zum Richter am Obersten Berufungsgericht, zum Vizepräsidenten des Obersten Berufungsgerichts und zum Präsidenten des Obersten Berufungsgericht (für Zivil- und Strafsachen). Ähnliche Grade gibt es bei den Verwaltungsgerichten, an deren Spitze der Verwaltungsgerichtshof, d. h. der Staatsrat und der Rechnungshof, stehen (letzterer prüft vorwiegend das Haushaltsgebaren des Staates)

Eine besondere Kategorie sind die in der ordentlichen Gerichtsbarkeit tätigen Friedensrichter, die nach einem mündlichen und schriftlichen Auswahlverfahren bestellt werden. Sie sind in die Laufbahngruppen A, B, C und D eingeteilt

II. DER STAATSANWALT

Die Laufbahn der Staatsanwälte verläuft in genau derselben Weise
Nach der griechischen Verfassung werden Richter und Staatsanwälte auf Lebenszeit ernannt, d. h. sie bleiben auch dann im Amt, wenn ihr Dienstposten oder ihre Funktion entfällt
Es gibt in Griechenland derzeit 1 559 Richter und 524 Staatsanwälte

Die Vereinigung der Richter ist für Fragen der Beförderung, des Berufsstatus, der Amtsausübung sowie für die Verantwortung der Richter, ihre Amtsführung sowie ihre Leistung zuständig

Die Vereinigung ist auch für Disziplinarverfahren und Disziplinarstrafen zuständig

III. DER GERICHTSBEDIENSTETE

Nach bestandenem Auswahlverfahren können Gerichtsbedienstete an allen griechischen Gerichten und Staatsanwaltschaften Dienst tun. Sie sind verbeamtet, üben ihre Tätigkeit aber nur so lange aus, wie ihr Amt und die betreffende Tätigkeit besteht

SeitenanfangSeitenanfang

Die für sie maßgebenden Bestimmungen sind im Gesetzbuch für den Öffentlichen Dienst sowie in Sondervorschriften enthalten

IV. DER ZUSTELLUNGSBEDIENSTETE

Zustellungsbedienstete sind ebenfalls bei Gericht tätig. Sie sind in der Regel verbeamtet und für die Zustellung von Dokumenten wie Ladungen, Entscheidungen und gerichtlichen Schriftstücken allgemein zuständig

Für Zustellungsbedienstete sind das Gesetzbuch für den Öffentlichen Dienst sowie Sondervorschriften maßgebend

V. DER NOTAR

Notare sind unbesoldete Amtsträger. Nach bestandenem öffentlichen Auswahlverfahren wird ihnen ein bestimmter Ort als Amtssitz zugewiesen. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Aufsetzung von Verträgen, Vereinbarungen, Testamenten usw. Den Berufsstand regelt die Notarsordnung. Notare sind in Notarsvereinigungen zusammengeschlossen

VI. DER LEITER DES HYPOTHEKENREGISTERS

Registerführer sind in aller Regel unbesoldete Amtsträger. Sie werden im Anschluss an ein staatliches Auswahlverfahren auf der Grundlage besonderer Zulassungsbedingungen einem bestehenden Amtssitz zugewiesen. Ihre Hauptaufgabe ist das Führen von Registern in folgenden Bereichen: a) Eintragung von Hypotheken, Vorrechten und Zwangsvollstreckungen, b) Übertragung von Grundstücken und c) Eintragung von Klagen und anderen Vorgängen im Zusammenhang mit Grundeigentum. Sie sind in Verbänden zusammengeschlossen.

VII. DER RECHTSANWALT

Um seinen Beruf ausüben zu können, muss der Rechtsanwalt nach bestandenem Auswahlverfahren bei einer Rechtsanwaltskammer zugelassen werden, die bei jedem erstinstanzlichen griechischen Gericht eingerichtet ist. Die für diesen Berufsstand maßgebenden Vorschriften (Disziplinarrecht, Gebühren, Laufbahn allgemein) sind in der Rechtsanwaltsordnung niedergelegt. Darüber hinaus müssen Rechtsanwälte die berufsständischen Regeln sowie die Verfahrensordnung der Anwaltskammer beachten

Sie üben ihren Beruf zunächst bei erstinstanzlichen Gerichten aus, später auch je nach fachlicher Spezialisierung und Berufserfahrung bei Gerichten der höheren Instanzen

SeitenanfangSeitenanfang

Nach der Präsidialverordnung 152/2000 zur Erleichterung der ständigen Ausübung des Rechtsanwaltsberufs in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem die Qualifikation erworben wurde (Richtlinie 98/5/EG) , können Rechtsanwälte, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats besitzen, ihren Beruf in

Griechenland dauerhaft als Selbständiger oder im Angestelltenverhältnis ausüben, wenn sie ihr Diplom in einem anderen EU-Mitgliedstaat erworben haben In Griechenland müssen sie Mitglied der örtlichen Anwaltskammer werden und am Ort ihrer Tätigkeit eine Kanzlei unterhalten. Von ihnen werden folgende Nachweise verlangt:

  1. amtlicher Staatsangehörigkeitsnachweis
  2. Auszug aus dem Strafregister und Bescheinigung der zuständigen Behörde des Herkunftslands, die den beruflichen Befähigungsnachweis ausgestellt hat, oder einer anderen zuständigen Behörde des Herkunftslands, über die Anwaltszulassung sowie den beruflichen Werdegang (nicht älter als drei Monate) ; anzugeben sind der Zweck der Bescheinigung, Einzelheiten über die Zulassung zum Anwaltsberuf, Beförderungen, etwaige Disziplinarverfahren und –strafen. Gegen abgelehnte Anträge kann innerhalb von 60 Tagen nach Mitteilung der Ablehnung an den Betroffenen oder seinen Bevollmächtigten an eine Zustellungsanschrift in Griechenland ein Rechtsmittel beim Staatsrat eingelegt werden
  3. Angabe der Berufsbezeichnung in der oder einer der Amtssprachen des Herkunftsstaats
  4. Angabe der Berufsvereinigung des Herkunftsstaats und des Gerichts, bei dem der Anwalt nach dem Recht des Herkunftsstaats zugelassen ist

Wird der Anwalt in Griechenland zugelassen, hat er dieselben Rechte und Pflichten wie sein griechischer Berufskollege. Die uneingeschränkte Berufsausübung ist jedoch nur möglich, wenn er nachweist, dass er effektiv drei Jahre lang in Griechenland regelmäßig als Anwalt tätig war. Solange die drei Jahre noch nicht abgelaufen sind, darf der betreffende Anwalt nicht vor Gericht auftreten, sondern muss hierzu die Dienste eines entsprechend befugten Anwalts in Anspruch nehmen. Mit Handlungen und Pflichten, die nach griechischem Recht zur Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse gehören, dürfen nur griechische Staatsangehörige betraut werden. Die Anwaltstätigkeit kann auch kollektiv von einem oder mehreren Rechtsanwälten ausgeübt werden, die in Griechenland unter der Berufsbezeichnung des Herkunftsstaats tätig sind und Mitglieder einer Anwaltssozietät im Herkunftsstaat sind, die eine Niederlassung oder eine Kanzlei in Griechenland unterhält.

« Rechtsberufe - Allgemeines | Griechenland - Allgemeines »

SeitenanfangSeitenanfang

Zuletzt aktualisiert am 02-05-2005

 
  • Gemeinschaftsrecht
  • Internationales Recht

  • Belgien
  • Bulgarien
  • Republik Tschechien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Estland
  • Irland
  • Griechenland
  • Spanien
  • Frankreich
  • Italien
  • Zypern
  • Lettland
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Ungarn
  • Malta
  • Niederlande
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Slowenien
  • Slowakei
  • Finnland
  • Schweden
  • Vereinigtes Königreich