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Zuletzt aktualisiert am 18-07-2007
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Scheidung - Frankreich

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Voraussetzungen für die Ehescheidung 1.
2. Gründe für die Ehescheidung 2.
3. Rechtswirkungen der Ehescheidung auf die 3.
a) persönlichen Verhältnisse der Ehegatten (beispielsweise den Familiennamen) a)
b) Vermögensaufteilung zwischen den Ehegatten b)
c) gemeinschaftlichen minderjährigen Kinder der Ehegatten (beispielsweise das Sorgerecht und die Unterhaltspflichten) (Siehe „Elterliche Sorge – Frankreich“) c)
d) Unterhaltspflichten gegenüber dem Ehegatten d)
4. Bedeutung des Begriffs „Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft” in der Praxis 4.
5. Gründe für die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft 5.
6. Rechtswirkungen der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft. Besteht die Möglichkeit, sie in eine Scheidung umzuwandeln? Ist sie eine notwendige Voraussetzung für das Scheidungsurteil? 6.
7. Bedeutung des Begriffs „Ehenichtigkeit” in der Praxis 7.
8. Gründe für die Ehenichtigkeit 8.
9. Rechtswirkungen der Ehenichtigkeit 9.
10. Bestehen außergerichtlich alternative Möglichkeiten zur Lösung von Fragen im Zusammenhang mit der Scheidung, ohne ein Gericht anzurufen? 10.
11. Wo ist der Antrag auf Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit zu stellen? Welche Formalitäten sind einzuhalten und welche Dokumente sind dem Antrag beizufügen? 11.
12. Kann zur Deckung der Verfahrenskosten Prozesskostenhilfe gewährt werden? 12.
13. Kann ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Familiengerichts über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit erhoben werden? 13.
14. Was ist zu unternehmen, um das Urteil über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit eines Gerichts eines Mitgliedstaates der Europäischen Union in Frankreich anerkennen zu lassen? 14.
15. Welches Gericht ist zu befassen, um sich gegen die Anerkennung eines Urteils eines Gerichts eines Mitgliedstaates der Europäischen Union über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit in Frankreich zur Wehr zu setzen? Welcher Verfahrensweg ist in diesen Fällen zu beschreiten? 15.
16. Welches Scheidungsrecht wendet das Gericht in einem Scheidungsverfahren zwischen Ehegatten an, die ihren Wohnsitz nicht in Frankreich haben oder die eine unterschiedliche Staatsangehörigkeit besitzen? 16.

 

1. Voraussetzungen für die Ehescheidung

(z.B. Möglichkeit der einvernehmlichen Scheidung; Voraussetzung des Getrenntlebens)

Es bestehen drei Arten von Ehescheidung:

  • die einvernehmliche Scheidung, die wiederum zwei unterschiedliche Formen umfasst: Scheidung auf beiderseitigen Antrag der Ehegatten oder Scheidung auf Antrag eines Ehegatten, dem der Antragsgegner zustimmt;
  • die Scheidung aufgrund Getrenntlebens/Aufgabe der häuslichen Gemeinschaft der Ehegatten;
  • die Scheidung aufgrund von Eheverfehlungen.

2. Gründe für die Ehescheidung

(z.B. Eheverfehlungen; unheilbares Scheitern der Ehe, Getrenntleben der Ehegatten)

  • Die Ehescheidung aufgrund beiderseitigen Antrags der Ehegatten ist möglich, wenn sie sich über den Grundsatz der Zerrüttung ihrer Ehe und alle Folgen einig sind. In diesem Fall müssen sie den Scheidungsgrund nicht bekannt geben und dem Familiengericht nur den Entwurf ihrer Scheidungsvereinbarung mit den genauen Vertragsbedingungen ihrer Übereinkunft vorlegen.
  • Die Ehescheidung aufgrund des Antrags eines Ehegatten, dem der Antragsgegner zustimmt, setzt voraus, dass beide Ehegatten Tatsachen anerkennen, die eine Aufrechterhaltung des Zusammenlebens der Ehegatten in häuslicher Gemein�schaft unzumutbar machen. Die Rechtsfolgen sind im Unterschied zur Scheidung auf beiderseitigen Antrag vom Familiengericht festzulegen. Ein derartiges Scheidungsurteil hat die Wirkung einer Ehescheidung mit geteiltem Verschulden.
  • Die Ehescheidung aufgrund der Aufgabe des Zusammenlebens der Ehegatten in häuslicher Gemeinschaft kann erfolgen, wenn die Ehegatten seit sechs Jahren tatsächlich getrennt leben oder eine so schwerwiegende Veränderung des Geisteszustands eines der Ehegatten vorliegt, dass keinerlei Lebensgemeinschaft zwischen den Ehegatten mehr besteht und diese sich voraussichtlich in Zukunft auch nicht wiederherstellen lässt.
  • Die Ehescheidung aufgrund von Eheverfehlungen kann von einem Ehegatten aufgrund der dem Antragsgegner zur Last gelegten Tatsachen beantragt werden, wenn diese Tatsachen einen schwerwiegenden oder wiederholten Verstoß gegen die ehelichten Pflichten darstellen und die Aufrechterhaltung des Zusammenlebens der Ehegatten in häuslicher Gemeinschaft unzumutbar machen.

3. Rechtswirkungen der Ehescheidung auf die

a) persönlichen Verhältnisse der Ehegatten (beispielsweise den Familiennamen)
  • Die ehelichen Pflichten der gegenseitigen Treue, Lebensgemeinschaft und Unterstützung enden mit Rechtskraft des Scheidungsurteils, d.h., wenn die gerichtliche Entscheidung nicht mehr mit Rechtsmitteln angefochten werden kann.
  • Jeder der Ehegatten kann eine neue Ehe eingehen, wobei die Frau grundsätzlich eine Frist von 300 Tagen ab dem Zeitpunkt der Auflösung der vorherigen Ehe einhalten muss. Diese Frist beginnt aber ab dem Zeitpunkt der Entscheidung zu laufen, mit der das Getrenntleben der Ehegatten gerichtlich anerkannt, oder im Falle eines beiderseitigen Scheidungsantrags die zu diesem Zweck abgeschlossene einstweilige Scheidungsvereinbarung gerichtlich genehmigt wird. Außerdem gilt diese Frist nicht, wenn das Scheidungsurteil aufgrund Getrenntlebens ergeht.
  • Infolge der Ehescheidung verlieren die Ehegatten das Recht, den Namen des anderen Ehegatten zu führen. Dieser Grundsatz gilt jedoch nicht, wenn die Ehe auf Antrag des Ehemannes aufgrund Getrenntlebens geschieden wurde. Sonst kann die Ehefrau den Namen des Ehemannes entweder mit dessen Zustimmung oder mit richterlicher Genehmigung auch weiter führen, wenn sie ein besonderes Interesse daran für sich selbst oder für die gemeinsamen Kinder nachweist.
b) Vermögensaufteilung zwischen den Ehegatten
  • Das Scheidungsurteil bewirkt die Auflösung des ehelichen Güterstandes und die Vermögensaufteilung.
  • Der Ehegatte, dessen Alleinverschulden im Scheidungsurteil festgestellt ist, verliert alle Schenkungen und vermögenswerten Vergünstigungen aus der Ehe, die ihm sein Ehepartner gewährt hatte. Ist im Scheidungsurteil ein geteiltes Verschulden der Ehegatten festgestellt, so kann jeder von ihnen derartige Verfügungen widerrufen. Ergeht das Scheidungsurteil aufgrund beiderseitigen Antrags der Ehegatten, so bleiben diese rechtswirksam, wenn sie nicht kraft Scheidungsvereinbarung der Ehegatten widerrufen werden. Im Falle der Scheidung aufgrund Getrenntlebens behält der Antragsgegner diese von Rechts wegen.
  • Im Fall der Ehescheidung auf beiderseitigen Antrag ist die Scheidungs�vereinbarung der Ehegatten über die Vermögensaufteilung Voraussetzung für das Scheidungsurteil. Bei den anderen Arten der Ehescheidung können sich die Ehegatten vor Verkündung des Scheidungsurteils über die Vermögensaufteilung einigen, sie sind aber nicht dazu verpflichtet. In letzterem Fall erfolgt die Vermögensaufteilung nach dem Scheidungsurteil.
c) gemeinschaftlichen minderjährigen Kinder der Ehegatten (beispielsweise das Sorgerecht und die Unterhaltspflichten) (Siehe „Elterliche Sorge – Frankreich“)

Die Ehescheidung hat keine speziellen Auswirkungen auf die Regelung der Ausübung des elterlichen Sorgerechts, das vom Grundsatz her weiterhin beiden Elternteilen gemeinsam zusteht. Das Familiengericht kann jedoch entscheiden, dieses Sorgerecht einem Elternteil zu übertragen, wenn dies dem Wohle des Kindes entspricht.

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Jeder Elternteil muss auch weiterhin zum Unterhalt und zur Erziehung des Kindes beitragen. Dieser Beitrag erfolgt in Form der Überweisung von Unterhaltszahlungen des einen Elternteils an den anderen, kann aber auch in der Form geschehen, dass die für das Kind anfallenden Kosten ganz oder teilweise direkt übernommen werden. Es kann auch ein Nutzungsrecht oder Wohnrecht gewährt werden.

d) Unterhaltspflichten gegenüber dem Ehegatten
  • Mit der Ehescheidung endet grundsätzlich die Pflicht zur Sorge für den Ehegatten, außer wenn das Scheidungsurteil aufgrund Getrenntlebens ergeht. Dann besteht diese Pflicht zu Gunsten des Antragsgegners weiter, der jederzeit vom Ehegatten eine angemessene Unterhaltszahlung verlangen kann, die an die jeweilige Bedürftigkeit des berechtigten und die Leistungsfähigkeit des verpflichteten ehemaligen Ehegatten anzupassen ist.
  • Ein Ehegatte kann jedoch auch verpflichtet sein, dem anderen Leistungen zu gewähren, die das Gefälle so weit wie möglich ausgleichen sollen, das durch die Auflösung des Ehestandes in seinen jeweiligen Lebensverhältnissen entsteht.

Diese Leistungen werden aufgrund der Bedürftigkeit des berechtigten und der Leistungsfähigkeit des verpflichteten Ehegatten unter Berücksichtigung der Situation zum Zeitpunkt der Scheidung und der absehbaren zukünftigen Entwicklung festgesetzt.

Die Unterhaltszahlungen erfolgen grundsätzlich in Form von vermögenswerten Leistungen. Diese können in Form von Geldmitteln, der Übertragung von Eigentums-, Nießbrauch- oder von Nutzungs- und Wohnrechten gewährt werden. Ist der Unterhaltspflichtige zur unmittelbaren Leistung dieser Kapitalwerte nicht in der Lage, kann das Gericht gestatten, dass die Zahlung innerhalb einer Frist von acht Jahren erfolgt.

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Ausnahmsweise kann das Gericht die Ausgleichsleistungen als Leibrente festsetzen, wenn vom Unterhaltsberechtigten wegen seines Alters oder Gesundheitszustands nicht erwartet werden kann, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

(Siehe „Unterhaltsansprüche – Frankreich“ )

4. Bedeutung des Begriffs „Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft” in der Praxis

Bei der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft handelt es sich um das gerichtlich angeordnete Getrenntleben der Ehegatten, wodurch bestimmte eheliche Pflichten entfallen, wie zum Beispiel die Pflicht zum Zusammenleben der Ehegatten in häuslicher Gemeinschaft, ohne jedoch das Band der Ehe aufzulösen. Das Eingehen einer neuen Ehe ist also nicht möglich.

5. Gründe für die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft

Sachverhalt und Verfahren entsprechen denen der Scheidung.

Bei einem Antrag auf Scheidung und einem Antrag auf Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft fällt das zuständige Familiengericht das Scheidungsurteil nach Feststellung geteilten Verschuldens.

Im Falle eines Scheidungsantrags aufgrund Getrenntlebens kann kein Gegenantrag auf Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft gestellt werden.

6. Rechtswirkungen der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft. Besteht die Möglichkeit, sie in eine Scheidung umzuwandeln? Ist sie eine notwendige Voraussetzung für das Scheidungsurteil?

- Wirkungen der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft

Mit Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft endet die Pflicht zum Zusammenleben der Ehegatten in häuslicher Gemeinschaft; die Pflichten der gegenseitigen Unterstützung und gegenseitigen Treue bleiben aber weiter bestehen. Ebenso behält die Ehefrau das Recht, den Namen des Ehemannes weiter zu führen.

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In versorgungsrechtlicher Hinsicht bleibt die Pflicht zur Sorge für den Ehegatten weiter bestehen; es kann eine Unterhaltsrente zugesprochen werden, ohne dass die Verschuldensfeststellung berücksichtigt wird. Dagegen bewirkt das Urteil die Auflösung des ehelichen Güterstands und die Vermögensaufteilung wie im Falle der Ehescheidung.

Das Recht auf Erbfolge bleibt bestehen, mit Ausnahme für den Ehegatten, dessen eheliche Lebensgemeinschaft aufgrund seines Alleinverschuldens aufgehoben wurde.

- Umwandlung einer Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft in eine Scheidung

Auf Antrag eines Ehegatten wird ein Urteil über die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft von Rechts wegen in ein Urteil über die Scheidung der Ehe umgewandelt, wenn die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft schon drei Jahre besteht. Das Familiengericht fällt dann ein Scheidungsurteil und entscheidet über die Scheidungsfolgen.

Erging das Urteil über die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft aufgrund beiderseitigen Antrags, so kann es nur auf erneuten beiderseitigen Antrag in ein Scheidungsurteil umgewandelt werden.

Die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft stellt keine rechtliche Voraussetzung für ein Scheidungsurteil dar.

7. Bedeutung des Begriffs „Ehenichtigkeit” in der Praxis

Die Ehenichtigkeit setzt ein Urteil voraus, das die rechtliche Wirksamkeit dieser Ehe rückwirkend beseitigt, so als hätte diese nie bestanden.

Sie unterscheidet sich damit von der Auflösung des Ehebundes insbesondere durch Scheidung, die nur Rechtswirkungen für die Zukunft entfaltet.

8. Gründe für die Ehenichtigkeit

Für die Ehenichtigkeit gibt es unterschiedliche Gründe, je nachdem, ob es sich um eine relative Nichtigkeit (bei Geltendmachung eines Willensmangels oder der mangelnden Einwilligung des gesetzlichen Vertreters) oder um eine absolute Nichtigkeit (als Sanktionsmöglichkeit von Verstößen gegen die Grundlagen der öffentlichen Ordnung) handelt.

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- Relative Ehenichtigkeit

Es bestehen zwei Arten:

  • Willensmängel aufgrund des Irrtums über die Person oder aufgrund von Drohung und Gewalt;
  • mangelnde Einwilligung des gesetzlichen Vertreters.

Die Nichtigkeitsklage kann nur von den abschließend aufgeführten Personen erhoben werden: dem Ehegatten, der einen Willensmangel geltend macht oder zur Zeit der Eheschließung in der Geschäftsfähigkeit beschränkt oder in der Urteilsunfähigkeit eingeschränkt war; sowie den Personen, die ihre Einwilligung zur Eheschließung hätten geben müssen.

- Absolute Ehenichtigkeit

Es bestehen sechs Arten: kompletter Willensmangel, Unmündigkeit, Bigamie, Inzest, Unzuständigkeit der Amtsperson und Unkenntnis der Sachlage.

Die Nichtigkeitsklage kann von jedem erhoben werden, der ein Rechtsschutzinteresse hat.

9. Rechtswirkungen der Ehenichtigkeit

Relative und absolute Ehenichtigkeit haben identische Rechtswirkungen.

  • Die personellen und die versorgungsrechtlichen Rechtswirkungen der Ehe werden rückwirkend für nichtig erklärt, wonach der Ehebund als niemals existent angesehen wird. Beispielsweise führt die Ehenichtigkeit dazu, dass dem Ehegatten beim Tod des anderen jegliche Erbfolgerechte entzogen sind.

Ein Aufweichen dieses Prinzips ist jedoch dann möglich, wenn einer der Ehegatten oder beide zum Zeitpunkt der Eheschließung guten Glaubens waren. In diesem Fall bleibt die „vermeintliche“ Ehe zwar nichtig, sie wird aber so behandelt, als sei sie nur aufgelöst worden. Folglich bleiben alle zivilrechtlichen, personellen oder finanziellen Rechtswirkungen, die sich vor dem Nichtigkeitsurteil entfalteten, weiter bestehen.

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  • Für die gemeinsamen Kinder hat die Nichtigerklärung der Ehe ihrer Eltern keine Rechtsfolgen; die elterliche Sorge wird wie im Falle der Ehescheidung geregelt.

10. Bestehen außergerichtlich alternative Möglichkeiten zur Lösung von Fragen im Zusammenhang mit der Scheidung, ohne ein Gericht anzurufen?

Die Ehescheidung und ihre Folgen sind notwendigerweise durch ein Urteil zu regeln.

Während des Scheidungsverfahrens kann mit Zustimmung der Parteien jedoch ein Vermittlungs- und Schlichtungsverfahren durchgeführt werden. Diese Maßnahme wird einer Person oder Organisation mit dem Ziel übertragen, die Parteien anzuhören, ihre Auffassungen gegenüberzustellen und ihnen dabei zu helfen, eine Lösung für ihren Konflikt zu finden.

Bei erfolgreicher Vermittlung können die Parteien, die eine Verständigung erreichen konnten, ihre Vereinbarung dem Familiengericht zur Genehmigung vorlegen.

11. Wo ist der Antrag auf Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit zu stellen? Welche Formalitäten sind einzuhalten und welche Dokumente sind dem Antrag beizufügen?

A) Der Antrag auf Ehescheidung

Der Antrag ist durch einen Rechtsanwalt in der Geschäftsstelle des zuständigen Zivilgerichts einzureichen.

  • Örtlich zuständig ist das Familiengericht
    • des Wohnsitzes der Familie;
    • des Wohnsitzes des Ehegatten, bei dem die gemeinsamen minderjährigen Kinder wohnen, wenn die Eheleute unterschiedliche Wohnsitze haben;
    • des Wohnsitzes des Ehegatten, der den Scheidungsantrag nicht eingereicht hat, in allen anderen Fällen;
    • des Wohnsitzes des einen oder des anderen Ehegatten nach Wahl der Eheleute, wenn ein beiderseitiger Antrag auf Ehescheidung vorliegt.
  • Bei allen Arten der Ehescheidung müssen die Ehegatten die nötigen Angaben zur Person machen und Auskünfte über ihre Krankenkasse sowie die relevanten Leistungserbringer und Organisationen erteilen, die Versorgungsleistungen oder Ruhegehälter oder sonstige Nutzleistungen für sie erbringen.

Im Falle der Scheidung auf Antrag eines Ehegatten, dem der Antragsgegner zustimmt, muss der Scheidungsantrag auch einen persönlichen Schriftsatz umfassen, mit dem der Antragsteller alles unternimmt, um die eheliche Situation objektiv darzustellen, ohne dabei Tatsachen zu werten oder dem einen oder anderen zur Last zu legen.

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Im Falle der Scheidung auf beiderseitigen Antrag müssen im Scheidungsantrag keine Gründe für die Scheidung angegeben werden. Es ist jedoch eine vorläufige Scheidungsvereinbarung beizufügen, in deren Rahmen die Ehegatten ihre gegenseitige Situation und die ihrer gemeinsamen Kinder für die Dauer des Scheidungsverfahrens regeln, wie auch ein Entwurf des endgültigen Scheidungsvertrags mit der vollständigen Regelung der Scheidungsfolgen und gegebenenfalls der Angabe des mit der Vermögensaufteilung befassten Notars.

Im Falle der Ehescheidung aufgrund Getrenntlebens der Ehegatten muss der Scheidungsantrag genaue Angaben zu den vermögenswerten Mitteln enthalten, mit denen der Ehegatte sowohl während des Scheidungsverfahrens als auch nach der Auflösung der Ehe seiner Verpflichtung zur Sorge für den anderen Ehegatten wie auch seinen Pflichten gegenüber den gemeinsamen Kindern nachkommen will.

B) Der Antrag auf Ehenichtigkeit ist vor dem Zivilgericht zu stellen, in dem der Antragsgegner seinen Wohnsitz hat; er wird durch Gerichtsvollzieher zugestellt.

12. Kann zur Deckung der Verfahrenskosten Prozesskostenhilfe gewährt werden?

Wenn eine Partei nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, kann ganz oder teilweise Beratungshilfe und Befreiung von den Prozesskosten gewährt werden (siehe „Prozesskostenhilfe – Frankreich“).

13. Kann ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Familiengerichts über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit erhoben werden?

Gegen diese Gerichtsentscheidungen können die üblichen Rechtsmittel erhoben werden.

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14. Was ist zu unternehmen, um das Urteil über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit eines Gerichts eines Mitgliedstaates der Europäischen Union in Frankreich anerkennen zu lassen?

Scheidungsurteile werden automatisch ohne besonderes Verfahren anerkannt, außer in Fällen, in denen sie zur Zwangsvollstreckung oder zu Zwangsmitteln gegenüber den beteiligten Personen führen. Dies ist der Fall, wenn Unterhaltszahlungen oder Entscheidungen über die elterliche Sorge zu vollstrecken sind (siehe „Unterhaltsansprüche – Frankreich“ und „Elterliche Sorge – Frankreich“).

15. Welches Gericht ist zu befassen, um sich gegen die Anerkennung eines Urteils eines Gerichts eines Mitgliedstaates der Europäischen Union über die Ehescheidung/Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft/Ehenichtigkeit in Frankreich zur Wehr zu setzen? Welcher Verfahrensweg ist in diesen Fällen zu beschreiten?

Gegen die Anerkennung einer derartigen Gerichtsentscheidung kann beim zuständigen Zivilgericht Klage auf Nichtanwendbarkeit erhoben werden. Mit dieser Gerichtsentscheidung über die Nichtanwendbarkeit kann man sich einem späteren Antrag der Gegenseite auf Vollstreckbarerklärung widersetzen (d.h. einem Antrag, der darauf gerichtet ist, dass eine Gerichtsentscheidung eines anderen Mitgliedstaates in Frankreich für vollstreckbar erklärt wird; umgekehrt kommt die ablehnende Entscheidung des Gerichts einer Vollstreckbarerklärung gleich).

Das Verfahren ist dasselbe wie bei der Klage auf Vollstreckbarerklärung.

16. Welches Scheidungsrecht wendet das Gericht in einem Scheidungsverfahren zwischen Ehegatten an, die ihren Wohnsitz nicht in Frankreich haben oder die eine unterschiedliche Staatsangehörigkeit besitzen?

Vorbehaltlich anders lautender internationaler Übereinkommen unterliegen die Ehescheidung und die Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft gemäß Artikel 310 Code civil dem französischen Recht, wenn

  • beide Ehegatten französische Staatsangehörige sind,
  • beide Ehegatten ihren Wohnsitz auf französischem Staatsgebiet haben,
  • sich kein ausländisches Recht als einschlägig erweist, wenn die französischen Gerichte für die Entscheidung über die Ehescheidung zuständig sind. Diese Alternative stellt auf den Fall ab, dass weder beide Ehegatten die französische Staatsangehörigkeit noch beide ihren Wohnsitz in Frankreich haben, dass aber ein französisches Gericht mit der Ehescheidung befasst wird.

In anderen Fällen wendet das französische Familiengericht das einschlägige ausländische Recht an.

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