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Zuletzt aktualisiert am 19-05-2009
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Entschädigung der Opfer von Straftaten - Lettland

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Entschädigung seitens des Täters im Wege des Schadensersatzes 1.
1.1. Unter welchen Voraussetzungen kann ich im Strafverfahren Schadensersatz gegenüber dem Täter geltend machen? 1.1.
1.2. Wann sollte ich den Schadensersatz im Verfahren geltend machen? 1.2.
1.3. Wie und wo ist der Anspruch geltend zu machen? 1.3.
1.4. In welcher Form sollte ich meine Schadensersatzforderung stellen (Angabe eines Gesamtbetrags und/oder nähere Angaben zu den Einzelschäden?) 1.4.
1.5. Wird Prozesskostenhilfe vor und/oder während des Verfahrens gewährt? 1.5.
1.6. Welche Beweise muss ich zur Unterstützung meines Anspruchs vorlegen? 1.6.
1.7. Wenn meinen Schadensersatzansprüchen von Gerichts wegen stattgegeben wird, erhalte ich als Geschädigter dann eine besondere Unterstützung bei der Vollstreckung der Gerichtsentscheidung? 1.7.
2. Entschädigung durch den Staat oder öffentliche Einrichtungen 2.
2.1. Gibt es für Verbrechensopfer die Möglichkeit, Entschädigung vom Staat oder von öffentlichen Einrichtungen zu erhalten? 2.1.
2.2. Ist die staatliche Entschädigung auf Personen beschränkt, die Opfer bestimmter Straftaten geworden sind? 2.2.
2.3. Ist die staatliche Entschädigung auf Geschädigte beschränkt, die bestimmte Schäden erlitten haben? 2.3.
2.4. Sind im Falle des Todes des Opfers auch Verwandte oder unterhaltsberechtigte Personen anspruchsberechtigt? 2.4.
2.5. Ist der Entschädigungsanspruch an eine bestimmte Staatsangehörigkeit oder an einen ständigen Aufenthalt in einem bestimmten Land geknüpft? 2.5.
2.6. Kann ich in Lettland eine Entschädigung beantragen, wenn die Straftat in einem anderen Staat begangen wurde? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? 2.6.
2.7. Muss Strafanzeige bei der Polizei erstattet werden? 2.7.
2.8. Müssen die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen oder des Strafverfahrens abgewartet werden, bevor ein Antrag gestellt werden kann? 2.8.
2.9. Für den Fall, dass der Straftäter identifiziert wurde, sollte dann zunächst versucht werden, Schadensersatz vom Täter zu erlangen? 2.9.
2.10. Kann auch dann eine Entschädigung beantragt werden, wenn der Täter nicht identifiziert oder überführt wurde? Wenn ja, welche Beweise sind dem Antrag beizufügen? 2.10.
2.11. Muss der Antrag auf Entschädigung innerhalb einer bestimmten Frist eingebracht werden? 2.11.
2.12. Für welche Schäden kann ich Entschädigung geltend machen? 2.12.
2.13. Wie wird die Entschädigung berechnet? 2.13.
2.14. Gibt es einen Mindest- oder Höchstbetrag für die staatliche Entschädigung? 2.14.
2.15. Werden Entschädigungsleistungen, die ich von anderer Seite (z. B. von einer Versicherung) erhalten habe oder erhalten werde, bei der Bemessung der staatlichen Leistungen in Abzug gebracht? 2.15.
2.16. Gibt es andere Kriterien, die einen Einfluss auf die Möglichkeit der Entschädigung oder die Art der Bemessung des Entschädigungsbetrags haben könnten, wie das Verhalten des Opfers im Zusammenhang mit dem ursächlichen Ereignis? 2.16.
2.17. Besteht die Möglichkeit, einen Vorschuss auf die Entschädigungsleistungen zu erhalten? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? 2.17.
2.18. Wo erhalte ich die erforderlichen Antragsformulare und weitere Informationen zur Antragstellung? Gibt es eine telefonische Hotline oder eine Website für solche Fälle? 2.18.
2.19. Wird für die Formulierung meines Antrags Rechtsberatung gewährt? 2.19.
2.20. An welche Stelle richte ich meinen Antrag? 2.20.
2.21. Gibt es Organisationen, die Opfern von Straftaten zusätzliche Unterstützung anbieten können? 2.21.

 

1. Entschädigung seitens des Täters im Wege des Schadensersatzes

1.1. Unter welchen Voraussetzungen kann ich im Strafverfahren Schadensersatz gegenüber dem Täter geltend machen?

Die Strafprozessordnung enthält Bestimmungen über die Erhebung von Schadensersatzklagen durch die Opfer von Straftaten. Die Entschädigung von Verbrechensopfern ist Bestandteil des Strafrechts und ist vom Angeklagten auf freiwilliger Basis oder auf Anordnung eines Gerichts zu zahlen. Deckt diese Entschädigung nach Ansicht des Opfers nicht alle erlittenen Schäden ab, kann das Opfer seine Schadensersatzansprüche nach einem in der Strafprozessordnung festgelegten Verfahren geltend machen. Bei der Ermittlung der Schadensersatzansprüche werden alle Entschädigungszahlungen berücksichtigt, die bereits im Zuge des Strafverfahrens geleistet wurden. Wurden im Strafverfahren keine Schadensersatzansprüche geltend gemacht oder wurde nicht über einen entsprechenden Antrag entschieden, kann das Opfer auch im Rahmen eines zivilrechtlichen Verfahrens Schadensersatz beantragen. In diesem Fall ist der Kläger von den Gebühren befreit.

Handelt es sich bei dem Opfer um einen Minderjährigen, so wird er vertreten durch:

  1. die Mutter, den Vater oder einen Vormund;
  2. den Großvater, die Großmutter oder durch erwachsene Geschwister, wenn das minderjährige Opfer bei einem dieser Verwandten lebt und dieser das Sorgerecht für den Minderjährigen hat;
  3. einen Vertreter einer Einrichtung zum Schutz der Rechte von Kindern;
  4. dem Vertreter einer NRO, deren Aufgabe die Verteidigung der Rechte von Kindern ist.
1.2. Wann sollte ich den Schadensersatz im Verfahren geltend machen?

Schadensersatz kann bis zum Beginn der gerichtlichen Untersuchung in jeder Phase des Strafverfahrens geltend gemacht werden.

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Wurden im Strafverfahren keine Schadensersatzansprüche geltend gemacht oder festgestellt, so kann Schadensersatz schriftlich bei Gericht beantragt werden.

1.3. Wie und wo ist der Anspruch geltend zu machen?

Schadensersatz kann bis zum Beginn der gerichtlichen Untersuchung in jeder Phase des Strafverfahrens geltend gemacht werden. Anträge auf Schadensersatz können schriftlich oder mündlich bei der Behörde gestellt werden, die das Verfahren leitet - der staatlichen Stelle/dem Beamten, der bzw. die mit der Einleitung und Führung des Verfahrens betraut ist, über die Fortsetzung des Verfahrens entscheidet und für den Verlauf des Verfahrens sowie für das Ergebnis verantwortlich ist (Gericht, Richter, Staatsanwaltschaft oder Ermittlungsbehörde). Mündlich gestellte Anträge werden von dem zuständigen Beamten in die Prozessakten aufgenommen. Der Staatsanwalt nimmt Anträge auf Schadensersatz entgegen, die während der Ermittlungen im Vorverfahren gestellt werden, und führt diese zusammen mit der Höhe der jeweiligen Schadensersatzforderung im Abschlussbericht über das Vorverfahren auf.

Wurden im Strafverfahren keine Schadensersatzansprüche geltend gemacht oder festgestellt, so kann der Schadensersatz in einem zivilrechtlichen Verfahren eingeklagt werden. Dieser Antrag ist schriftlich bei dem zuständigen Gericht einzureichen und muss den allgemeinen Bestimmungen der Zivilprozessordnung entsprechen, die in Bezug auf die Einreichung von Klagen Anwendung finden.

1.4. In welcher Form sollte ich meine Schadensersatzforderung stellen (Angabe eines Gesamtbetrags und/oder nähere Angaben zu den Einzelschäden?)

In seinem Antrag auf Schadensersatz muss das Opfer den geforderten Gesamtbetrag angeben und die Höhe der Forderung entsprechend begründen (siehe Frage 1.3.).

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1.5. Wird Prozesskostenhilfe vor und/oder während des Verfahrens gewährt?

Der Staat gewährt Prozesskostenhilfe, sofern das Opfer einer Straftat auf Unterstützung angewiesen ist, um seine Rechtsansprüche geltend zu machen, Klage zu erheben und während des Verfahrens Schadensersatz zu fordern.

Prozesskostenhilfe wird auch gewährt, wenn der Anspruch auf Schadensersatz im Wege eines zivilrechtlichen Verfahrens geltend gemacht wird (siehe 'Prozesskostenhilfe').

(siehe Abschnitt 2 unten).

1.6. Welche Beweise muss ich zur Unterstützung meines Anspruchs vorlegen?

Einem Antrag auf Entschädigung oder einer zivilrechtlichen Schadensersatzklage sind alle Beweismittel beizufügen, die geeignet sind, den Anspruch zu erhärten.

1.7. Wenn meinen Schadensersatzansprüchen von Gerichts wegen stattgegeben wird, erhalte ich als Geschädigter dann eine besondere Unterstützung bei der Vollstreckung der Gerichtsentscheidung?

Die Partei, die eine Vollstreckung erwirken will, ist von den Vollstreckungskosten befreit, wenn sich der Anspruch auf Erwerbsunfähigkeit oder andere Beeinträchtigungen des körperlichen Wohlbefindens stützt, die auf die Straftat zurückzuführen sind, oder wenn das Opfer an den Folgen der Straftat gestorben ist. In diesem Fall übernimmt der Staat die Kosten für die Vollstreckung des Urteils.

In zivilrechtlichen Fällen können Opfer Unterstützung vom Staat erhalten, bis das Urteil vollstreckt ist.

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2. Entschädigung durch den Staat oder öffentliche Einrichtungen

2.1. Gibt es für Verbrechensopfer die Möglichkeit, Entschädigung vom Staat oder von öffentlichen Einrichtungen zu erhalten?

Das Gesetz über die Entschädigung der Opfer von Straftaten sieht die Möglichkeit einer Entschädigung durch den Staat vor. Nach diesem Gesetz haben natürliche Personen, die nach der Strafprozessordnung als Opfer anerkannt wurden, Anspruch auf eine staatliche Entschädigung für folgende Schäden: psychische Schäden, die auf eine vorsätzlich begangene Straftat zurückzuführen sind, körperliche Schäden oder materielle Verluste. Dabei muss es sich um einen Angriff auf Leib und Leben des Opfers oder um ein Sexualverbrechen gehandelt haben.

Personen, die als benachteiligt oder bedürftig gelten oder die aufgrund ihrer persönlichen Umstände und ihrer Vermögens- und Einkommensverhältnisse nicht in der Lage sind, ihren Schadensersatzanspruch vor Gericht geltend zu machen, haben einen Anspruch auf Prozesskostenhilfe durch den Staat.

Um eine staatliche Entschädigung zu erhalten, muss das Opfer einen entsprechenden Antrag auf Entschädigung bei der für die Prozesskostenhilfe zuständigen Einrichtung (Prozesskostenhilfestelle) einreichen. Dazu ist das Antragsformular auszufüllen, das vom Ministerkabinett angenommen wurde.

Wird ein Antrag auf staatliche Entschädigung während eines laufenden Strafverfahrens gestellt, muss das Opfer dem Antragsformular einen Bericht des Beamten beifügen, der das Verfahren leitet. Dieser Bericht muss folgende Angaben enthalten:

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  1. Tag und Uhrzeit der Straftat sowie den Ort, an dem das Verbrechen verübt wurde;
  2. genaue Bezeichnung der Straftat, das Datum, an dem das Strafverfahren eingeleitet wurde, und das Aktenzeichen des Verfahrens;
  3. Angaben zu der Person, die als Opfer anerkannt wurde (Vor- und Nachname, persönliche Identifikationsnummer, Anschrift, Telefon- und Faxnummer);
  4. Beschreibung der Verletzungen, die auf die Gewalttat zurückzuführen sind (Ausmaß der körperlichen Schäden oder Hinweise auf ein Sexualdelikt);
  5. Datum und Nummer des Berichts des Sachverständigen und der Name des Sachverständigen, der die Untersuchung durchgeführt hat;
  6. Angaben zum Verdächtigten oder Angeklagten im Strafverfahren, sofern die Freigabe solcher Informationen die Feststellung des Tatbestands nicht behindert.
2.2. Ist die staatliche Entschädigung auf Personen beschränkt, die Opfer bestimmter Straftaten geworden sind?

Eine staatliche Entschädigung wird den Opfern von Straftaten nur gewährt:

  • wenn es sich bei der Straftat um einen Angriff auf Leib und Leben gehandelt hat und wenn das Opfer an den Folgen der Straftat gestorben ist;
  • wenn es sich bei der Straftat um einen Angriff auf Leib und Leben gehandelt hat und das Opfer schwere körperliche Schäden erlitten hat;
  • wenn es sich bei der Straftat um einen Angriff auf Leib und Leben gehandelt hat und das Opfer weniger schwere körperliche Schäden erlitten hat (anwendbar auf Personen, die nach dem 1. Juli 2007 als Opfer anerkannt wurden);
  • wenn es sich um ein Sexualverbrechen gehandelt hat.
2.3. Ist die staatliche Entschädigung auf Geschädigte beschränkt, die bestimmte Schäden erlitten haben?

Auf staatliche Entschädigung haben alle natürlichen Personen Anspruch, die Opfer einer Straftat geworden sind (und von dem Beamten, der das Verfahren leitet, als Opfer anerkannt wurden) und Schäden im Zusammenhang mit einer vorsätzlich begangenen Straftat erlitten haben. Diese umfassen körperliche Schäden, materielle Verluste wie auch psychische Schäden.

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2.4. Sind im Falle des Todes des Opfers auch Verwandte oder unterhaltsberechtigte Personen anspruchsberechtigt?

Wenn es sich bei dem Verbrechen um einen Angriff auf Leib und Leben gehandelt hat und das Opfer an den Folgen der Straftat gestorben ist, können auch der hinterbliebene Ehepartner, ein Verwandter in direkter aufsteigender oder absteigender Linie, Adoptiveltern oder Seitenverwandte ersten Grades im Rahmen des Strafverfahrens als Opfer anerkannt werden.

2.5. Ist der Entschädigungsanspruch an eine bestimmte Staatsangehörigkeit oder an einen ständigen Aufenthalt in einem bestimmten Land geknüpft?

Alle Personen, die von dem Beamten, der das Verfahren leitet, als Opfer anerkannt wurden, haben einen Anspruch auf Entschädigung.

Zum Thema Schadensersatzansprüche in grenzüberschreitenden Fällen siehe 2.6.

2.6. Kann ich in Lettland eine Entschädigung beantragen, wenn die Straftat in einem anderen Staat begangen wurde? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat haben, können nur dann eine Entschädigung in Lettland beantragen, wenn die Straftat auf lettischem Hoheitsgebiet begangen wurde. Eine Person, die ihren Wohnsitz in Lettland hat und die infolge einer Straftat, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat begangen wurde, Schäden erlitten hat, hat Anspruch auf staatliche Entschädigung. Um diesen Anspruch geltend zu machen, muss das Opfer persönlich oder über die Prozesskostenhilfestelle einen entsprechenden Antrag bei der zuständigen Behörde in dem betreffenden EU-Mitgliedstaat stellen.

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2.7. Muss Strafanzeige bei der Polizei erstattet werden?

Der Opferstatus wird von dem Beamten, der das Verfahren leitet, oder durch ein Mitglied des Teams, das die Untersuchungen führt, im Wege einer Entscheidung zuerkannt.

Um eine staatliche Entschädigung zu erhalten, müssen dem Antrag folgende Dokumente beigefügt werden:

  1. ein Bericht des Beamten, der das Verfahren leitet, wenn das Strafverfahren zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht abgeschlossen ist;
  2. die abschließende Entscheidung des Beamten, der das Verfahren leitet, wenn das Strafverfahren zum Zeitpunkt der Antragstellung abgeschlossen ist oder das Verfahren aus Gründen, die den Angeklagten nicht entlasten, eingestellt wurde.

Daher muss Strafanzeige bei der Polizei gestellt werden, wenn das Opfer eine staatliche Entschädigung erhalten will.

2.8. Müssen die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen oder des Strafverfahrens abgewartet werden, bevor ein Antrag gestellt werden kann?

Nein. Das Opfer einer Gewalttat hat auch dann Anspruch auf Entschädigung durch den Staat, wenn die Täter oder Komplizen nicht ermittelt wurden oder strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Eine staatliche Entschädigung kann auch dann beantragt werden, wenn das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist.

2.9. Für den Fall, dass der Straftäter identifiziert wurde, sollte dann zunächst versucht werden, Schadensersatz vom Täter zu erlangen?

Nein. Entschädigung durch den Staat wird unabhängig davon gewährt, ob das Opfer eine Entschädigung vom Straftäter oder von einem Komplizen erhalten hat. Hat das Opfer eine Entschädigung vom Straftäter oder von seinem Komplizen erhalten und wird ein Beleg über die Zahlung vorgelegt, so wird die Entschädigung des Staates um diesen Betrag gekürzt.

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2.10. Kann auch dann eine Entschädigung beantragt werden, wenn der Täter nicht identifiziert oder überführt wurde? Wenn ja, welche Beweise sind dem Antrag beizufügen?

Ja. Eine staatliche Entschädigung wird auch dann gewährt, wenn der Täter oder seine Komplizen nicht identifiziert wurden oder strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden können. In diesem Fall ist dem Antrag auf Entschädigung ein Bericht des Beamten, der das Verfahren leitet, oder die Gerichtsentscheidung beizufügen, in der bestätigt wird, dass der Angeklagte strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

2.11. Muss der Antrag auf Entschädigung innerhalb einer bestimmten Frist eingebracht werden?

Anträge auf staatliche Entschädigung müssen innerhalb eines Jahres bei der Prozesskostenbeihilfestelle eingereicht werden. Die Frist beginnt mit dem Datum, an dem der Opferstatus zuerkannt wurde.

Wenn es sich bei der Straftat um einen Angriff auf Leib und Leben des Opfers gehandelt hat und das Opfer nur geringe körperliche Schäden erlitten hat, können nur Personen einen Anspruch auf Entschädigung geltend machen, die nach dem 1. Juli 2007 als Opfer anerkannt wurden.

2.12. Für welche Schäden kann ich Entschädigung geltend machen?

Staatliche Entschädigung wird gewährt, wenn es sich bei der Straftat um einen Angriff auf Leib und Leben des Opfers gehandelt hat und das Opfer an den Folgen dieser Straftat verstorben ist, wenn das Opfer schwere oder weniger schwere körperliche Schäden erlitten hat oder wenn es sich um ein Sexualverbrechen gehandelt hat.

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2.13. Wie wird die Entschädigung berechnet?

Die Entschädigung wird wie folgt gezahlt:

  1. 100 %, wenn das Opfer verstorben ist;
  2. 70 %, wenn das Opfer schwere körperliche Schäden erlitten hat oder wenn es sich um ein Sexualverbrechen handelt;
  3. 50 %, wenn das Opfer weniger schwere körperliche Schäden erlitten hat.

Unter bestimmten Umständen wird die staatliche Entschädigung für Personen, die als Opfer anerkannt wurden, auf 50 % der Sätze gekürzt, die in § 7 Absatz 2 des Opferentschädigungsgesetzes festgelegt sind.

Hat ein Opfer eine Entschädigung vom Straftäter oder von einem Komplizen erhalten und wird ein Beleg über die erfolgte Zahlung vorgelegt, so wird die Entschädigung des Staates um diesen Betrag gekürzt.

2.14. Gibt es einen Mindest- oder Höchstbetrag für die staatliche Entschädigung?

Bis zum 1. Januar 2008 beträgt der Höchstbetrag für die Entschädigung von Verbrechensopfern durch den Staat das Fünffache des gesetzlichen monatlichen Mindestlohns. Ab dem 1. Januar 2008 beträgt der Höchstbetrag für die staatliche Entschädigung von Verbrechensopfern das Zehnfache des in der Republik Lettland gesetzlich festgelegten monatlichen Mindestlohns.

2.15. Werden Entschädigungsleistungen, die ich von anderer Seite (z. B. von einer Versicherung) erhalten habe oder erhalten werde, bei der Bemessung der staatlichen Leistungen in Abzug gebracht?

Die staatliche Entschädigung wird Opfern von Straftaten nach Maßgabe gesetzlich festgelegter Ziele gezahlt. Leistungen, die Opfer von einer Versicherung erhalten, werden daher nicht auf die staatliche Entschädigung angerechnet.

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2.16. Gibt es andere Kriterien, die einen Einfluss auf die Möglichkeit der Entschädigung oder die Art der Bemessung des Entschädigungsbetrags haben könnten, wie das Verhalten des Opfers im Zusammenhang mit dem ursächlichen Ereignis?

Die unter 2.13 genannten Entschädigungssätze werden in folgenden Fällen um 50 % gekürzt:

  • wenn es sich bei der Straftat um einen Mord im Affekt handelt und wenn diesem eine gewalttätige Handlung oder eine schwere Beleidigung durch das Opfer vorausging;
  • wenn es sich bei der Straftat um einen Mord handelt und diesem eine Handlung vorausging, die die Grenzen der Notwehr überschritten hat;
  • wenn es sich bei der Straftat um einen Mord handelt und diesem eine Handlung vorausging, die den Täter veranlasst hat, seine Selbstbeherrschung zu verlieren;
  • wenn dem Opfer vorsätzlich schwere oder weniger schwere körperliche Schäden in einem Zustand großer geistiger Erregung zugefügt wurden und dieser Straftat eine gewalttätige Handlung oder eine schwere Beleidigung durch das Opfer vorausging;
  • wenn dem Opfer vorsätzlich schwere oder weniger schwere körperliche Schäden zugefügt wurden und der Straftat eine Handlung vorausging, die die Grenzen der Notwehr überschritten hat. Ferner dürfen die genannten körperlichen Schäden nicht Folge der Notwehr zur Abwehr einer Gefahr für Leib und Leben des Opfers oder zur Verhinderung einer Vergewaltigung sein;
  • wenn dem Opfer vorsätzlich körperliche Schäden zugefügt wurden und der Straftat eine Handlung vorausging, die den Täter veranlasst hat, seine Selbstbeherrschung zu verlieren.
2.17. Besteht die Möglichkeit, einen Vorschuss auf die Entschädigungsleistungen zu erhalten? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?

In Lettland wird kein Vorschuss auf staatliche Entschädigungsleistungen gewährt.

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2.18. Wo erhalte ich die erforderlichen Antragsformulare und weitere Informationen zur Antragstellung? Gibt es eine telefonische Hotline oder eine Website für solche Fälle?

Antragsformulare und Hinweise zum Ausfüllen des Antrags sind kostenlos erhältlich bei:

  • der Prozesskostenhilfestelle;
  • im Büro der Gemeindeverwaltung des Verwaltungsbezirks, in der die betroffene Person lebt oder sich rechtmäßig aufhält;
  • auf der Homepage der Prozesskostenhilfestelle (Juridiskās palīdzības administrācija) www.jpa.gov.lv latviešu valoda. Für Anrufe innerhalb Lettlands wurde eine kostenlose Telefonnummer eingerichtet: 8001801.
2.19. Wird für die Formulierung meines Antrags Rechtsberatung gewährt?

Die Formulare für die Beantragung von Entschädigungsleistungen sind so abgefasst, dass sie ohne juristische Kenntnisse ausgefüllt werden können. Daher gibt es keine Rechtsberatung für das Ausfüllen der Anträge.

Praktische Hilfe (Informationen) zum Ausfüllen des Antrags ist entweder telefonisch unter der Telefonnummer 8001801 erhältlich oder mündlich bei der Prozesskostenhilfestelle.

2.20. An welche Stelle richte ich meinen Antrag?

Die ausgefüllten Anträge können zusammen mit den beigefügten Unterlagen per Post an die Prozesskostenhilfestelle gesandt oder persönlich dort abgegeben werden.

Die Anschrift der Prozesskostenhilfestelle ist Brīvības gatve 214, Riga LV 1039.

Die Anträge können werktags zwischen 9.00 Uhr und 17.00 Uhr abgegeben werden.

2.21. Gibt es Organisationen, die Opfern von Straftaten zusätzliche Unterstützung anbieten können?

Nichtregierungsorganisationen:

  • das Zentrum für Opferhilfe;
  • das „Marta“-Hilfszentrum für Frauen.

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