Europäische Kommission > EJN > Klage vor Gericht > Polen

Zuletzt aktualisiert am 12-05-2009
Druckfassung Zu Favoriten hinzufügen

Klage vor Gericht - Polen

EJN logo

Diese Seite ist überholt. Die ausgangssprachliche Fassung wurde aktualisiert und ist jetzt im Europäischen Justizportal zu finden.


 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Kann ich selbst eine Klage bei Gericht anstrengen oder muss ich einen Vermittler, beispielsweise einen Rechtsanwalt einschalten? 1.
2. An wen muss ich mich konkret wenden: an die Geschäftsstelle des Gerichts, die Registratur oder an eine andere Verwaltungsstelle? 2.
3. In welcher Sprache kann ich den Antrag stellen? Kann dies mündlich geschehen oder muss er schriftlich gestellt werden? Kann ich ihn per Fax oder E-Mail schicken? 3.
4. Gibt es besondere Formblätter oder wenn nicht, wie muss ich anderenfalls einen Fall darstellen? Welche Unterlagen müssen der Klage beigefügt werden? Welche Inhalte muss die Klage haben? 4.
5. Muss ich Gerichtsgebühren zahlen? Wenn ja, wann? Muss ich von Anfang an einen Anwalt bezahlen? 5.
6. Habe ich Anspruch auf einen Rechtsbeistand? (Siehe auch Thema „Prozesskostenhilfe“) 6.

 

1. Kann ich selbst eine Klage bei Gericht anstrengen oder muss ich einen Vermittler, beispielsweise einen Rechtsanwalt einschalten?

Grundsätzlich sieht die polnische Zivilprozessordnung (im Folgenden: ZPO) keine obligatorische Vertretung durch einen Anwalt vor. Die Parteien und ihre Sachwalter oder gesetzlichen Vertreter können ihre Sache persönlich oder über einen Prozessbevollmächtigten vor Gericht vertreten. Bei Verfahren vor dem Obersten Gericht besteht gemäß Artikel 871 ZPO Anwaltszwang. Hiervon ausgenommen sind Fälle, in denen eine Befreiung von den Gerichtskosten beantragt oder von Amts wegen ein Anwalt oder ein Rechtsberater bestellt wird.

Klageberechtigt sind unbeschränkt geschäftsfähige Personen sowie juristische Personen oder soziale Einrichtungen, die Rechtsgeschäfte tätigen dürfen, ohne jedoch Rechtspersönlichkeit besitzen zu müssen. Unbeschränkte Geschäftsfähigkeit erlangt man im Alter von 18 Jahren. Nicht geschäftsfähige Personen dürfen Prozesshandlungen nur über ihren gesetzlichen Vertreter vornehmen. Juristische Personen und andere prozessfähige Organisationen nehmen Prozesshandlungen über die Organe vor, die befugt sind, in ihrem Namen tätig zu werden. Diese Organe müssen ihre Vertretungsbefugnis durch ein Dokument nachweisen, welches bei Vornahme der ersten Prozesshandlung vorgelegt werden muss.

Vorübergehend kann das Gericht einer Person, die nicht prozessfähig ist oder nicht die erforderliche gesetzliche Vollmacht besitzt, gestatten, eine Prozesshandlung vorzunehmen, sofern sämtliche Mängel vor Ablauf der vorgeschriebenen Frist behoben und die Handlungen von der dafür bestimmten Person genehmigt werden. Für Parteien ohne Prozessfähigkeit oder ohne gesetzlichen Vertreter sowie für Parteien, für deren Vertretung kein Bevollmächtigter bestellt worden ist, bestellt das Gericht auf Antrag der Gegenpartei einen gerichtlichen Vertreter, wenn die Partei eine dringende Prozesshandlung gegen die andere Partei vornimmt.

SeitenanfangSeitenanfang

Als Prozessbevollmächtigte können gemäß Artikel 87 ZPO Anwälte oder Rechtsberater fungieren, in Fällen, die gewerbliches Eigentum betreffen, auch Patentanwälte, ferner Personen, die das Vermögen einer Partei verwalten oder deren Interessen vertreten oder die ein unbefristetes Vertragsverhältnis mit der Partei eingegangen ist, sofern der Gegenstand der Klage in den Geltungsbereich dieses Vertrages fällt; außerdem Streithelfer sowie Eltern, Ehepartner, Geschwister oder Nachkommen der Partei und Personen, die mit der Partei durch Adoption verwandt sind.

Der Prozessbevollmächtigte einer juristischen Person oder eines Unternehmens, auch solcher ohne Rechtspersönlichkeit, kann auch ein Angestellter dieses Gebildes oder von dessen vorgesetzten Dienststelle sein. Eine juristische Person, die von Rechts wegen befugt ist, juristische Dienstleistungen für ein Unternehmen, eine juristische Person oder eine sonstige Einrichtung erbringt, kann im Namen des Rechtsträgers, für die sie Dienstleistungen erbringt, einem Anwalt oder Rechtsberater eine Vollmacht ad litem (für den Prozess) erteilen, wenn sie dazu die Erlaubnis dieses Rechtsträgers besitzt.

Bei Vaterschafts- und Unterhaltsstreitigkeiten kann der Prozessbevollmächtigte auch ein Vertreter einer kommunalen Sozialfürsorgeeinrichtung oder einer Familienbetreuungsstelle sein.

Bei Fällen, die sich auf den Betrieb eines landwirtschaftlichen Unternehmens beziehen, kann der Prozessbevollmächtigte des Landwirts auch ein Vertreter eines Zusammenschlusses von einzelnen Landwirten sein, dessen Mitglied der betreffende Landwirt ist.

Bei Verbraucherschutzsachen kann der Prozessbevollmächtigte der Vertreter einer Organisation sein, zu deren satzungsmäßigen Aufgaben der Verbraucherschutz zählt.

SeitenanfangSeitenanfang

Bei Streitfällen im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes kann der Prozessbevollmächtigte des Urhebers einer Erfindung auch der Vertreter einer Organisation sein, zu deren satzungsmäßigen Aufgaben die Unterstützung von gewerblichem Eigentum und von Urhebern von Erfindungen gehört.

2. An wen muss ich mich konkret wenden: an die Geschäftsstelle des Gerichts, die Registratur oder an eine andere Verwaltungsstelle?

Sie stellen Ihren Antrag bei Gericht, indem Sie die Klageschrift (Schriftsatz) bei der Geschäftsstelle des Gerichts abgeben oder diese per Post an das Gericht schicken.

3. In welcher Sprache kann ich den Antrag stellen? Kann dies mündlich geschehen oder muss er schriftlich gestellt werden? Kann ich ihn per Fax oder E-Mail schicken?

Die Klageschrift und andere Schriftsätze müssen in polnischer Sprache oder zusammen mit einer Übersetzung in die polnische Sprache eingereicht werden.

Die Klagebegründung bedarf grundsätzlich der Schriftform. Ausnahmen gelten für den Bereich des Arbeits- und Sozialversicherungsrechts; hier kann der Arbeitnehmer oder die versicherte Partei, sofern sie keinen Anwalt oder Rechtsberater hinzugezogen hat, die Klage oder den Rechtsbehelf und sonstige Prozessunterlagen mündlich bei dem zuständigen Gericht zu Protokoll geben (Artikel 466 ZPO).

In den unter Artikel 1871-2 ZPO aufgeführten Fällen sowie bei summarischen Verfahren (siehe die Informationen in der Rubrik „Vereinfachte und beschleunigte Verfahren“) ist die Verwendung amtlicher Formblätter erforderlich.

SeitenanfangSeitenanfang

Auch wenn die Klageschrift per E-Mail oder Fax geschickt wird, ist sie anschließend bei der Geschäftsstelle des Gerichts zu hinterlegen oder per Post zu übersenden.

4. Gibt es besondere Formblätter oder wenn nicht, wie muss ich anderenfalls einen Fall darstellen? Welche Unterlagen müssen der Klage beigefügt werden? Welche Inhalte muss die Klage haben?

Die Klage wird durch das Einreichen einer Klageschrift erhoben. Die Klageschrift muss den Anforderungen an einen Schriftsatz genügen (Artikel 125 bis 128 ZPO) und die in Artikel 187 ff. ZPO beschriebenen zusätzlichen Bestandteile beinhalten.

Ein Schriftsatz muss insbesondere Folgendes enthalten:

  1. die Bezeichnung des Gerichts, an das er gerichtet ist, die Vor- und Nachnamen oder die Firmennamen der Parteien, ihrer gesetzlichen Vertreter oder ihrer Sachwalter;
  2. den Streitwert in polnischen Zloty, aufgerundet auf einen ganzen Zloty;
  3. sofern dies der erste Schriftsatz in der Rechtssache ist, Wohnort bzw. Firmensitz der Parteien, ihrer gesetzlichen Vertreter und ihrer Sachwalter sowie bei weiteren Schriftsätzen das Aktenzeichen;
  4. die Bezeichnung der Art des Schriftsatzes;
  5. den Kernpunkt des Antrags oder der Erklärung sowie Beweismittel zum Beleg des geschilderten Sachverhalts;
  6. in Schriftsätzen zur Vorbereitung auf die Anhörung (vorbereitende Schriftsätze) muss der Stand der Rechtssache kurz dargestellt werden, es sollte auf die Erklärungen der Gegenpartei und die von ihr vorgelegten Beweismittel eingegangen werden, und schließlich sollten die Beweismittel, die bei der Anhörung vorgelegt werden, aufgezählt oder beigefügt werden;
  7. die Unterschrift der Partei oder ihres gesetzlichen Vertreters oder Sachwalters; kann eine Partei den Schriftsatz nicht selbst unterschreiben, muss eine von ihr dazu bevollmächtigte Person unterschreiben und dabei angeben, warum die Partei den Schriftsatz nicht selbst unterschrieben hat;
  8. eine Liste der Beweisstück;
  9. Kopien des Schriftsatzes und der Beweismittel, welche den Verfahrensbeteiligten zugestellt werden, sowie eine Kopie jedes Beweisstücks für die Gerichtsakten, falls die Originale der Beweisstücke nicht dem Gericht vorgelegt wurden; bei Handelssachen muss eine Kopie des Schriftsatzes und der Beweisstücke direkt an die Gegenpartei geschickt werden, entweder zusammen mit einer Empfangsbestätigung oder per Einschreiben (Artikel 4799 ZPO);
  10. wird der Schriftsatz von einem Sachwalter eingereicht, der noch keine Vollmacht vorgelegt hat, muss dem Schriftsatz zusätzlich eine Vollmacht beigefügt werden.

Gemäß Artikel 187 ZPO muss die Klageschrift außerdem Folgendes beinhalten:

SeitenanfangSeitenanfang

  1. eine ausführliche Darstellung des Anspruchs;
  2. Tatsachen, die den Anspruch und nötigenfalls auch die Zuständigkeit des Gerichts begründen.

Darüber hinaus können in die Klageschrift aufgenommen werden:

  • Anträge auf Sicherheitsleistungen, auf sofortige Vollstreckbarkeit des Urteils und auf Durchführung der Verhandlung in Abwesenheit des Klägers.
  • Anträge, die mit der Vorbereitung der Hauptverhandlung in Zusammenhang stehen, z.B. auf Ladung der vom Kläger benannten Zeugen und Sachverständigen, Durchführung einer Augenscheinprüfung, Aufforderung an den Beklagten, alle in seinem Besitz befindlichen und für die Beweisführung erforderlichen Unterlagen zur Verhandlung oder Augenscheinprüfung mitzubringen, oder Vorlage sämtlicher im Besitz des Gerichts, amtlicher Einrichtungen oder Dritter befindlicher Beweismittel bei der Verhandlung.

5. Muss ich Gerichtsgebühren zahlen? Wenn ja, wann? Muss ich von Anfang an einen Anwalt bezahlen?

Gemäß Gerichtskostengesetz vom 28. Juli 2005 für Zivilsachen sind die Gerichtskosten (Gebühren und Auslagen) durch die Partei zu entrichten, die dem Gericht einen Schriftsatz vorlegt, der gebührenpflichtig ist oder Auslagen zur Folge hat. Die Gebühr muss zu dem Zeitpunkt bezahlt werden, an dem der gebührenpflichtige Schriftsatz beim Gericht eingereicht wird. Wird die verlangte Gebühr nicht bezahlt, bleibt das Gericht untätig (Artikel 1262 ZPO).

Kann ein Schriftsatz aufgrund der Nichterfüllung der formalen Anforderungen, des Fehlens eines amtlichen Formblattes oder der Nichtzahlung der Gebühr nicht ordnungsgemäß bearbeitet werden, wird die Partei gemäß Artikel 130 ZPO und Artikel 1301 ZPO aufgefordert, innerhalb von einer Woche den Mangel zu beheben. Geschieht dies nicht, wird der Schriftsatz an die Partei zurückgeschickt. Wurde der Schriftsatz von einer Person eingereicht, die ihren Wohn- oder Firmensitz im Ausland hat und in Polen über keinen Vertreter verfügt, sollte die Frist zur Ergänzung des Schriftsatzes mindestens einen Monat betragen. Erfolgt innerhalb der in der Benachrichtigung gesetzten Frist keine Reaktion, wird der Schriftsatz zurückgeschickt. Ein zurückgeschickter Schriftsatz entfaltet keinerlei Rechtswirkungen. Ein Schriftsatz, dessen Mängel fristgemäß behoben wurden, wird zum Zeitpunkt seiner Einreichung wirksam (Artikel 130 ZPO).

SeitenanfangSeitenanfang

Gemäß Artikel 1302 ZPO werden durch einen Anwalt, einen Rechtsberater, einen Patentanwalt oder im Falle von Handelssachen durch ein Unternehmen eingereichte Schriftsätze, die Formfehler enthalten oder für die die Gebühr nicht ordnungsgemäß bezahlt wurde, ohne Fristsetzungsschreiben zurückgeschickt. Ebenso werden von den Genannten eingereichte Rechtsbehelfe oder Revisionsanträge (Anträge auf Aufhebung einer rechtskräftigen Entscheidung, Widersprüche gegen ein Versäumnisurteil, Einreden gegen einen Zahlungsbefehl, Beschwerden gegen die Entscheidung eines Gerichtsbeamten u.ä.), die mit Formfehler behaftet sind oder für die die Gebühr nicht ordnungsgemäß bezahlt wurde, grundsätzlich ohne weitere Aufforderung zur Mängelbeseitigung zurückgewiesen.

Die Erstattung der Prozesskosten ist in den Artikeln 98 bis 110 ZPO sowie Artikel 520 ZPO geregelt. Die Grundregel (Artikel 98 ZPO) lautet, dass die unterlegene Partei der Gegenseite auf Antrag die für die zielführende Durchsetzung der Ansprüche bzw. eine zielführende Verteidigung notwendigen Kosten (Prozesskosten) erstattet. Gemäß Artikel 100 ZPO gilt, dass die Kosten gegeneinander aufgerechnet oder anteilig bemessen werden, wenn den Forderungen nur zum Teil stattgegeben wurde. Das Gericht kann einer Partei jedoch sämtliche Kosten auferlegen, wenn die Gegenpartei ihr nur einen kleinen Teil ihrer Forderung zugestanden hat oder wenn die Feststellung der geschuldeten Summe auf einer gütlichen Einigung oder der Bewertung des Gerichts beruht. Bei freiwilliger Gerichtsbarkeit kommt jeder Teilnehmer für die Kosten auf, die durch seine Beteiligung an dem Fall entstanden sind. Wenn die Umstände des Falles dies gerechtfertigen, kann das Gericht die Kosten nach Schuld- oder Billigkeitsgesichtspunkten zuteilen.

SeitenanfangSeitenanfang

Die Kosten für ein Verfahren, das von der Partei selbst oder einem Sachwalter, der kein Anwalt oder Rechtsberater ist, angestrengt wird, umfassen die der Partei entstandenen Gerichtskosten, die der Partei oder dem Sachwalter entstandenen Kosten für die Fahrt zum Gericht sowie den Gegenwert des durch das Erscheinen der Partei vor Gericht entstandenen Verdienstausfalls. Die Fahrtkosten und der Gegenwert des Verdienstausfalls dürfen die Vergütung eines am Sitz des Gerichts, bei dem das Verfahren anhängig ist, praktizierenden Anwalts nicht überschreiten. Die Verfahrenskosten einer durch einen Anwalt vertretenen Partei umfassen das Anwaltshonorar bis zu einer gesetzlich festgelegten Höhe, die Auslagen des Anwalts, die Gerichtskosten sowie die Kosten für das gerichtlich angeordnete persönliche Erscheinen der Partei vor Gericht (Artikel 98 und 99 ZPO).

Die Gerichtskosten bestimmen sich nach dem Gerichtskostengesetz vom 28. Juli 2005 für Zivilsachen. Das Mindesthonorar für Anwälte und Rechtsberater ist in zwei Verordnungen des Justizministers vom 28. September 2002 geregelt. Alle anderen Fragen hinsichtlich der Vergütung von Anwälten und Rechtsberatern unterliegen den Bestimmungen in Artikel 735 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die Fälligkeit des Honorars bestimmt sich nach den zwischen den Parteien vereinbarten Vertragsbedingungen.

Die Befreiung von den Gerichtskosten ist in den Artikeln 94 bis 118 des Gerichtskostengesetzes vom 28. Juli 2005 für Zivilsachen geregelt. In den Artikeln 94 bis 98 werden die Kategorien der Rechtssubjekte und der Rechtssachen aufgezählt, die nach dem Gesetz von der Verpflichtung zur Zahlung von Gerichtskosten befreit sind. Von der Zahlung der Gerichtskosten befreit sind beispielsweise Personen, die einen Vaterschaftsnachweis oder Unterhaltszahlungen beantragen.

SeitenanfangSeitenanfang

Personen, die erklärtermaßen nicht in der Lage sind, die Gerichtskosten ohne Beeinträchtigung ihres eigenen Lebensunterhalts oder des Unterhalts ihrer Familie zu tragen, können Prozesskostenhilfe beantragen (Artikel 102). Das Gericht kann auch einer juristischen Person oder einem Rechtsgebilde, das keine juristische Person, aber dem Gesetz nach rechtsfähig ist, Prozesskostenhilfe gewähren, wenn diese Person nachgewiesen hat, dass sie nicht über genügend Mittel verfügt, um für diese Kosten aufzukommen (Artikel 103). Außerdem kann das Gericht Einrichtungen ohne Erwerbszweck Prozesskostenhilfe für deren Verfahren gewähren, die sie im Zusammenhang mit sozialen, wissenschaftlichen, Bildungs-, kulturellen, Wohlfahrts- oder Selbsthilfeaktivitäten auf dem Gebiet des Verbraucher-, Umwelt- oder Sozialschutzes führen. Dabei berücksichtigt das Gericht vor allem die satzungsmäßigen Ziele und Möglichkeiten der Einrichtung sowie die Notwendigkeit, diese Ziele durch Zivilverfahren zu erreichen.

Anträge auf Prozesskostenhilfe müssen schriftlich eingereicht oder mündlich zu Protokoll gegeben werden bei dem Gericht, bei welchem das Verfahren eingeleitet werden soll oder bereits anhängig ist. Zusammen mit dem Antrag muss eine Erklärung abgegeben werden, die Angaben zu Familienstand, Vermögen, Einkommen und Lebensunterhalt der Person enthält, für die die Hilfe beantragt wird. Die Erklärung muss bestimmte Formerfordernisse erfüllen. Fehlt die Erklärung oder enthält sie nicht alle verlangten Angaben, wird die Partei zur Beseitigung der Mängel innerhalb der vorgeschriebenen Frist aufgefordert; kommt sie dieser Aufforderung nicht nach, wird der Antrag zurückgeschickt. Personen, deren Wohnort sich nicht am Gerichtsstand befindet, können bei dem für ihren Wohnort zuständigen Kreisgericht Prozesskostenhilfe beantragen. Dieses Gericht leitet die Anträge dann unverzüglich an das zuständige Gericht weiter.

SeitenanfangSeitenanfang

In Grundbuchverfahren kann Prozesskostenhilfe nur vor dem Antrag auf Eintragung in das Grundbuch geltend gemacht werden. Erfolgt die Beantragung des Grundbucheintrags durch eine notarielle Urkunde, kann die Prozesskostenhilfe nur vor der Ausstellung einer solchen notariellen Urkunde gewährt werden.

Gerichtskosten, zu deren Zahlung weder die Partei noch deren Vertreter verpflichtet waren, werden - vorbehaltlich der ordnungsgemäßen Anwendung der Vorschriften über die Erstattung von Prozesskosten - in der abschließenden Entscheidung des Gerichts in diesem Rechtszug in begründeten Fällen der Gegenpartei aufgebürdet. Alle nicht der Gegenpartei in Rechnung gestellten Kosten werden in der abschließenden Entscheidung in diesem Rechtszug von dem Anspruch, der der Partei zuerkannt wurde, abgezogen. In Fällen, in denen dies besonders geboten scheint, kann das Gericht darauf verzichten, diese Kosten in Rechnung zu stellen (Artikel 113).

Eine Befreiung von Gerichtskosten entbindet die Partei nicht von der Verpflichtung, der Gegenpartei die Verfahrenskosten zu ersetzen.

6. Habe ich Anspruch auf einen Rechtsbeistand? (Siehe auch Thema „Prozesskostenhilfe“)

Gemäß Artikel 117 ZPO kann eine Partei, die vollständig oder teilweise durch ein Gericht von den Gerichtskosten befreit wurde, oder eine Partei, die von Gesetzes wegen von den Kosten befreit ist, schriftlich oder mündlich zu Protokoll beantragen, dass für sie von Amts wegen ein Anwalt oder ein Rechtsberater bestellt wird. Dieser Antrag ist an das Gericht zu stellen, bei dem der Fall anhängig ist oder Klage erhoben werden soll. Eine Partei, die nicht am Gerichtsstand wohnhaft ist, kann den Antrag bei dem für den Wohnort zuständigen Kreisgericht stellen. Dieses Gericht leitet den Antrag dann unverzüglich an das zuständige Gericht weiter. In Rechtsmittelverfahren oder Kassationsverfahren erstmalig gestellte Anträge auf Bestellung eines Anwalts oder Rechtsberaters können vom Gericht zur Prüfung an das Gericht der ersten Instanz weitergeleitet werden.

Hält das Gericht die Hinzuziehung eines Anwalts oder Rechtsberaters in dem betreffenden Fall für notwendig, gibt es dem Antrag statt. Es fordert die örtliche Anwaltskammer oder Rechtsberatervereinigung auf, einen Anwalt oder Rechtsberater zu benennen. Muss der auf diesem Weg bestellte Anwalt oder Rechtsberater außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des in der Sache entscheidenden Gerichts tätig werden, wird die örtliche Anwaltskammer oder Rechtsberatervereinigung auf Antrag des bestellten Anwalts oder Rechtsberaters nötigenfalls einen Anwalt oder Rechtsberater aus einem anderen Ort bestellen. Die Beantragung der Bestellung eines Anwalts oder Rechtsberaters sowie das Einlegen eines Rechtsbehelfs gegen die Weigerung, diesen zu bestellen, unterbricht ein laufendes Verfahren nicht, es sei denn, die Sache bezieht sich auf die Bestellung eines Anwalts oder Rechtsberaters aufgrund eines in der Klageschrift oder vor der Klageerhebung gestellten Antrags. Das Gericht kann jedoch die Untersuchung des Falls aussetzen, bis rechtskräftig über den Antrag entschieden wurde; es muss in diesem Fall also keinen Termin für die Verhandlung festsetzen oder kann eine bereits festgesetzte Verhandlung absagen oder verschieben (Artikel 124 ZPO).

Die Befreiung von Prozesskosten sowie die Bestellung eines Anwalts von Amts wegen in einem grenzübergreifenden Rechtsstreit unterliegen dem Gesetz vom 17. Dezember 2004 über Prozesskostenhilfe in innerhalb der EU geführten Zivilverfahren sowie in einem solchen Verfahren vorausgehenden Streitbeilegungsverfahren (siehe die Seite zu Prozesskostenhilfe).

« Klage vor Gericht - Allgemeines | Polen - Allgemeines »

SeitenanfangSeitenanfang

Zuletzt aktualisiert am 12-05-2009

 
  • Gemeinschaftsrecht
  • Internationales Recht

  • Belgien
  • Bulgarien
  • Republik Tschechien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Estland
  • Irland
  • Griechenland
  • Spanien
  • Frankreich
  • Italien
  • Zypern
  • Lettland
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Ungarn
  • Malta
  • Niederlande
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Slowenien
  • Slowakei
  • Finnland
  • Schweden
  • Vereinigtes Königreich