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Zuletzt aktualisiert am 22-02-2007
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Insolvenz - Portugal

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Welche unterschiedlichen Arten und Ziele von Insolvenzverfahren gibt es? 1.
2. Welche Voraussetzungen müssen für die Eröffnung der verschiedenen Insolvenzverfahren gegeben sein? 2.
3. Welche Rolle spielen die einzelnen Beteiligten in den jeweiligen Verfahren? 3.
4. Welche Folgen hat die Eröffnung des Verfahrens? 4.
5. Welche besonderen Regeln gelten für die einzelnen Forderungsarten? 5.
6. Welche Regeln gelten für benachteiligende Handlungen? 6.
7. Welche Bedingungen gelten für die Anmeldung und Zulassung von Forderungen? 7.
8. Welche Regeln gelten für Sanierungsverfahren? 8.
9. Welche Vorschriften gelten für Liquidationsverfahren? 9.
10. Welche Bedingungen gelten für die Beendigung des Verfahrens? 10.

 

1. Welche unterschiedlichen Arten und Ziele von Insolvenzverfahren gibt es?

Nach portugiesischem Recht wird "Insolvenz" als Unfähigkeit eines Schuldners definiert, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen.

Juristische Personen und autonome Gruppen von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, bei denen keine Einzelperson unbeschränkt persönlich für die Schulden haftet, gelten ebenfalls als insolvent, wenn ihre Verbindlichkeiten ihre Vermögenswerte eindeutig übersteigen.

Eine potenzielle Insolvenz wird zu einer tatsächlichen Insolvenz, wenn der Schuldner vor Gericht eine Insolvenzerklärung abgibt.

Nach dem Gesetz ist ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren vorgesehen, das Unternehmen, die vor der Insolvenz stehen oder finanzielle Schwierigkeiten haben, eine Sanierung ermöglicht. Dieses Verfahren wird vom staatlichen Institut zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen und Investitionen (IAPMEI) durchgeführt.

Ziel dieses Verfahrens ist die Herbeiführung einer Einigung zwischen dem Unternehmen und allen oder einigen seiner Gläubiger, die den Weg für eine tragfähige Sanierung ebnen soll.

Die Tatsache, dass ein juristisches Insolvenzverfahren anhängig ist, stellt kein Hindernis für das Schlichtungsverfahren dar. Falls die Insolvenz noch nicht erklärt wurde, kann in einem solchen Fall das gesetzliche Verfahren auf Ersuchen des Unternehmens oder eines Beteiligten aufgeschoben werden.

Die im Schlichtungsverfahren erzielte Einigung muss schriftlich niedergelegt werden, und in bestimmten Fällen ist nach dem Gesetz eine öffentliche Urkunde erforderlich.

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Die Insolvenz- und Unternehmenssanierungsordnung (Código da Insolvência e da Recuperação de Empresas) sieht ein einziges Verfahren ohne Unterschied zwischen Unternehmenssanierung und Insolvenz vor. Die Gläubiger sind gehalten, die Rentabilität des Unternehmens zu bewerten und gemeinsam zu entscheiden, ob und zu welchen Bedingungen eine Sanierung oder Liquidation angemessen ist. Das Gesetz sieht ferner ein weiteres Verfahren zur Liquidation der Vermögenswerte des Schuldners vor und räumt den Gläubigern die Möglichkeit ein, einem Plan ohne Liquidation zuzustimmen.

2. Welche Voraussetzungen müssen für die Eröffnung der verschiedenen Insolvenzverfahren gegeben sein?

Es gibt nur ein einziges Insolvenzverfahren.

Zur Einleitung des Verfahrens muss nachgewiesen werden, dass der Schuldner nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen oder, soweit juristische Personen und autonome Gruppen von Vermögenswerten betroffen sind, dass die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte eindeutig übersteigen.

Insolvenzverfahren können bei Vorliegen folgender Tatbestände eingeleitet werden:

  1. generelle Aussetzung der Zahlungen für zu begleichende Schulden;
  2. Nichterfüllung einer oder mehrerer Verpflichtungen, die aufgrund ihres Volumens oder der Umstände der Nichterfüllung zeigen, dass der Schuldner generell nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen;
  3. Verschwinden des Firmeneigners oder der gesetzlichen Vertreter ("directors") des Schuldners beziehungsweise Aufgabe des Hauptsitzes oder des Tätigkeitsschwerpunkts aufgrund der Insolvenz des Schuldners ohne Benennung eines geeigneten Ersatzes;
  4. Vergeudung, Preisgabe oder übereilte und grob unwirtschaftliche Liquidation von Vermögenswerten und Begründung fiktiver Forderungen;
  5. Fehlen angemessener Vermögenswerte zur Sicherung der Zahlung der Forderungen des Antragstellers, wie in dem Vollstreckungsverfahren gegen den Schuldner entschieden;
  6. Nichterfüllung der in einem Insolvenz- oder Rückzahlungsplan enthaltenen Bedingungen, der von den Gläubigern in einem bereits laufenden Insolvenzverfahren gebilligt wurde;
  7. in den vorausgegangenen sechs Monaten Nichtbezahlung der Schulden bezüglich Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, der Schulden aus einem Arbeitsvertrag oder der Verletzung beziehungsweise Beendigung eines solchen Vertrags und der Gebühren für Mietgeschäfte, einschließlich Finanzleasing, der Raten des Kaufpreises oder des Darlehens, das durch eine Hypothek auf die Geschäftsgebäude, den Hauptsitz oder die Wohnung des Schuldners gesichert ist;
  8. deutlich mehr Verpflichtungen als Vermögenswerte in der letzten genehmigten Bilanz oder eine Verzögerung von mindestens neun Monaten bei der Genehmigung und Erstellung von Bilanzen, sofern eine rechtliche Verpflichtung dazu besteht, wenn es sich bei dem Schuldner um eine juristische Person oder eine autonome Gruppe von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten handelt.

3. Welche Rolle spielen die einzelnen Beteiligten in den jeweiligen Verfahren?

Das Gericht

Das Insolvenzverfahren muss vor dem Gericht des Hauptsitzes oder des Wohnsitzes des Schuldners beziehungsweise im Falle der Insolvenz eines nicht beanspruchten Nachlasses vor dem Gericht des Ortes, an dem der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes seinen Wohnsitz hatte, eingeleitet werden.

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Der Antrag auf Insolvenzerklärung kann auch bei dem Gericht des Ortes gestellt werden, an dem sich die wichtigsten Interessen des Schuldners befinden – wobei dies der Ort ist, an dem er normalerweise seine Angelegenheiten regelt und der für Dritte als solcher erkennbar ist.

Das Gericht übernimmt im Wesentlichen die Rolle, die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen für Insolvenzverfahren zu gewährleisten, und ist besonders für die erste Bewertung des Insolvenzantrags und eine Beurteilung dessen zuständig, ob die von den Gläubigern gebilligten Insolvenz- und Zahlungspläne dem Gesetz entsprechen und genehmigt werden können.

Es ist ferner gehalten, die mutmaßliche Insolvenz eines Schuldners im Lichte der sich während des Verfahrens ergebenden Tatsachen zu bewerten und, falls es der Auffassung ist, dass die Tatsachen dies rechtfertigen, eine Insolvenzerklärung herauszugeben, ohne sich dabei zum Sanierungspotenzial des Unternehmens äußern zu müssen.

Der Richter ist für eine Entscheidung über den Nachweis der Schulden und ihre Einstufung zuständig und kann einen Treuhänder für nicht geschäftsfähige Personen ernennen, und er kann die Aussetzung der Liquidation der Vermögenswerte und Verteilung des Erlöses unter den Gläubigern anordnen.

Ebenso obliegt dem Gericht die Anordnung der Beendigung des Verfahrens.

Der Verwalter

Der Verwalter wird vom Richter ernannt, der bei der Ernennung Vorschläge des Schuldners oder gegebenenfalls des Gläubigerausschusses berücksichtigen muss. Eine Gläubigerversammlung kann jedoch für eine Ersetzung des ernannten Verwalters stimmen.

Der Verwalter hat folgende Aufgaben, die er unter Mitwirkung und vorbehaltlich der Prüfung durch den Gläubigerausschuss wahrnimmt:

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  1. die Zahlung der Schulden des Zahlungsunfähigen aus dem Barvermögen der Konkursmasse (den Vermögenswerten des Schuldners), d.h. dem Erlös aus der Veräußerung der Vermögenswerte, die er befördern muss;
  2. längerfristig die Rechte des Zahlungsunfähigen zu schützen und es ihm zu ermöglichen, diese weiterhin auszuüben, und dem Unternehmen gegebenenfalls die Fortführung der Geschäfte zu ermöglichen, wobei eine Verschlechterung der finanziellen Lage so weit wie möglich vermieden werden soll.
Der Gläubigerausschuss

Hierbei handelt es sich um ein fakultatives Gremium, dessen Existenz und Zusammensetzung von den Wünschen der Gläubigerversammlung abhängt. Die Versammlung kann auf den vom Richter ernannten Ausschuss verzichten oder umgekehrt einen einberufen, wenn der Richter dies versäumt hat, und in jedem Fall dessen Zusammensetzung ändern.

Das Gericht kann auf die Einsetzung eines Ausschusses verzichten, wenn dies seiner Meinung nach aufgrund des geringen Volumens der Vermögenswerte, der Unkompliziertheit der Liquidation oder der geringen Zahl von Gläubigern gerechtfertigt ist.

Gibt es einen Ausschuss, so ist dessen Zustimmung zu Rechtshandlungen erforderlich, die für das Verfahren besonders bedeutsam sind.

Der Schuldner

Der Schuldner muss innerhalb von sechzig Tagen nach dem Zeitpunkt, zu dem er seine Zahlungsunfähigkeit erkennt oder erkennen sollte, Insolvenz beantragen; dies gilt nicht für eine Privatperson, die im Zeitpunkt der Insolvenz nicht Eigentümer eines Unternehmens ist.

Ist der Schuldner Eigentümer eines Unternehmens, besteht die rechtliche Insolvenzvermutung drei Monate, nachdem er generell nicht mehr in der Lage ist, die Steuerschulden oder Sozialversicherungsbeiträge zu begleichen beziehungsweise die Pflichten aus Arbeits- oder Mietverträgen zu erfüllen.

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Während des Verfahrens ist der zahlungsunfähige Schuldner gehalten,

  1. alle vom Verwalter, der Gläubigerversammlung, dem Gläubigerausschuss oder dem Gericht geforderten einschlägigen Informationen beizubringen;
  2. persönlich vor Gericht zu erscheinen, wenn dies vom Richter oder Verwalter verlangt wird, sofern er nicht aus gutem Grund verhindert ist oder es ihm ausdrücklich erlaubt wird, einen Vertreter zu schicken;
  3. jegliche Mitwirkung zu leisten, um die der Verwalter zur Wahrnehmung seiner Aufgabe ersucht.
Der Gläubiger

Der Gläubiger ist die Schlüsselfigur im Insolvenzverfahren.

Er hat das Recht zu fordern, dass der Schuldner für zahlungsunfähig erklärt wird, und kann auch den Antrag zurückziehen oder das Verfahren aussetzen, bis die endgültige Entscheidung getroffen wird.

Weist das Gericht den Insolvenzantrag ab, kann er (sofern er der Antragsteller ist) Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Er kann an der Gläubigerversammlung teilnehmen, auf der er über das weitere Schicksal des Unternehmens frei bestimmen kann, d.h. er kann entscheiden, ob und zu welchen Bedingungen das Unternehmen saniert oder liquidiert wird.

Er kann den Zahlungsplan, sofern der Schuldner einen solchen vorlegt, annehmen oder ablehnen.

Er hat das Recht, den vom Gericht ernannten Verwalter zu ersetzen, und kann die genannten Befugnisse durch die Gläubigerversammlung ausüben.

Das Widerspruchsrecht ist auf eine Ebene beschränkt – das heißt Widerspruch ist nur vor dem Berufungsgericht möglich. Eine Ausnahme ist nur bei Widersprüchen gegen Urteile in Bereichen möglich, für die es derzeit keine einheitliche Rechtsprechung gibt.

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4. Welche Folgen hat die Eröffnung des Verfahrens?

Definition der Insolvenzmasse

Sofern nichts anderes festgelegt wird, umfasst die Insolvenzmasse alle Vermögenswerte des Schuldners zum Zeitpunkt der Insolvenzerklärung durch das Gericht, nebst den vom Schuldner während des schwebenden Verfahrens erworbenen Vermögenswerten und Rechten.

Nicht pfändbare Vermögenswerte gehören nur zur Insolvenzmasse, wenn der Schuldner sie freiwillig anbietet und ihre Nichtpfändbarkeit nicht absolut ist.

Das Gesetz macht einen Unterschied zwischen Insolvenzschulden und den Masseforderungen.

Bei ersteren handelt es sich um Forderungen gegen den Zahlungsunfähigen, die vor der Insolvenzerklärung entstanden sind. Forderungen, die der Gläubiger nachweislich als während des Verfahrens entstanden ausweisen kann, werden ebenso behandelt.

Masseforderungen entstehen während des Verfahrens und beinhalten beispielsweise die Verfahrenskosten und die Vergütung für den Verwalter.

Folgen für das Vermögen des Schuldners

Was das Vermögenswerte des Schuldners angeht, so bewirkt die Insolvenzerklärung, dass dem Schuldner unverzüglich – entweder unmittelbar oder durch seine gesetzlichen Vertreter – die Befugnis entzogen wird, die Konkursmasse zu verwalten und zu veräußern. Ab diesem Zeitpunkt gehen diese Befugnisse auf den Verwalter über, der die Rolle des Vertreters des Schuldners in allen finanziellen Angelegenheiten betreffend die Insolvenz übernimmt.

Generell sind Handlungen des Zahlungsunfähigen in Verletzung dieser Bestimmungen unwirksam.

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Die Insolvenzerklärung führt dazu, dass alle Verbindlichkeiten des Zahlungsunfähigen, die nicht einer Vorbedingung unterliegen, ausgeglichen werden müssen.

Forderungen

Beim Insolvenzverfahren gibt es vier Kategorien von Forderungen: gesicherte, bevorrechtigte, nachrangige und nicht gesicherte Forderungen.

Gesicherte Forderungen sind solche mit einer dinglichen Sicherheit an Massegegenständen bis zum Wert dieser Gegenstände. Sie beinhalten auch besondere bevorrechtigte Forderungen der Gläubiger. Diese Kategorie umfasst nicht nur die Forderungen, sondern auch die darauf anfallenden Zinsen.

Bevorrechtigte Forderungen sind allgemeine bevorrechtigte Forderungen der Gläubiger in Bezug auf Massegegenstände, hinsichtlich deren solche bevorrechtigten Forderungen bestehen und bei denen die Forderungen infolge der Insolvenzerklärung nicht erlöschen.

Nachrangige Forderungen sind solche, die nur befriedigt werden, wenn die nicht gesicherten Gläubiger in vollem Umfang befriedigt wurden.

Die folgenden Forderungen gelten als nachrangig, außer wenn sie mit allgemeinen oder besonderen Vorzugsrechten der Gläubiger verbunden oder durch Hypotheken gesichert sind, die infolge der Insolvenzerklärung nicht erlöschen:

  1. Forderungen von Personen, die in einem besonderen Verhältnis zum Schuldner stehen, wie Ehepartner, Vorfahren, Nachkommen oder Geschwister des Schuldners (wenn es sich um eine natürliche Person handelt) oder Teilhaber, Partner oder Personen, die Mehrheitsaktionäre sind oder zur Unternehmensgruppe des Schuldners gehören, wenn es sich um eine juristische Person handelt, sowie Forderungen derjenigen, auf die diese Forderungen in den zwei Jahren vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens übergegangen sind;
  2. Zinsen auf nicht nachrangige Forderungen, die nach der Insolvenzerklärung entstehen, ausgenommen diejenigen, die durch eine dingliche Sicherheit und durch allgemeine Vorzugsrechte der Gläubiger bis zum Wert der fraglichen Vermögenswerte gedeckt sind;
  3. Forderungen, die in Absprache der Parteien nachrangig sind;
  4. Forderungen in Bezug auf Dienstleistungen, die vom Schuldner unentgeltlich erbracht werden;
  5. Masseforderungen, die aufgrund von Entscheidungen zugunsten der Masse von einem Dritten angemeldet werden, der nicht gutwillig handelt;
  6. Zinsen auf nachrangige Forderungen, die nach der Insolvenzerklärung entstehen;
  7. Forderungen in Bezug auf Darlehen der Anteilseigner.

Nicht gesicherte Forderungen sind all diejenigen, die von den oben genannten Kategorien nicht erfasst sind.

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Vorläufige Maßnahmen

Besteht die begründete Furcht einer unredlichen Verwaltung, kann der Richter von Amts wegen oder auf Ersuchen des Antragstellers die Sicherungsmaßnahmen anordnen, die erforderlich oder angemessen sind, um eine Verschlechterung der finanziellen Situation des Schuldners bis zum Zeitpunkt der Abgabe der Erklärung zu vermeiden.

Diese Maßnahmen können beispielsweise die Ernennung eines gerichtlichen Verwalters für eine begrenzte Zeit beinhalten, der die ausschließliche Befugnis hat, das Vermögen des Schuldners zu verwalten oder den Schuldner bei dessen Verwaltung zu unterstützen.

5. Welche besonderen Regeln gelten für die einzelnen Forderungsarten?

Mit der Insolvenzerklärung erlöschen folgende Forderungen:

  1. allgemeine Vorzugsrechte der Gläubiger in Verbindung mit Masseforderungen des Staates, kommunaler Behörden und Sozialversicherungsinstitutionen, die mehr als zwölf Monate vor Beginn des Insolvenzverfahrens entstanden sind;
  2. besondere Vorzugsrechte der Gläubiger in Verbindung mit Masseforderungen des Staates , kommunaler Behörden und Sozialversicherungsinstitutionen, die mehr als zwölf Monate vor Beginn des Insolvenzverfahrens fällig und zahlbar waren;
  3. Hypotheken, für die in den zwei Monaten vor dem Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung ein Antrag auf Eintragung gestellt wurde und die Masseforderungen sichern, wenn der Staat, kommunale Behörden oder Sozialversicherungsinstitutionen Hypothekengläubiger sind;
  4. falls abhängig von der Eintragung die dingliche Sicherheit an eintragungsfähigem Grundvermögen und beweglichem Vermögen, das zur Masse gehört, Masseforderungen unterstützt und bereits existiert, aber noch nicht eingetragen ist oder wenn die Eintragung noch nicht beantragt wurde;
  5. die dingliche Sicherheit an Vermögen, das zur Masse gehört und Forderungen sichert, die als nachrangig gelten.

6. Welche Regeln gelten für benachteiligende Handlungen?

Das Gesetz besagt, dass alle Handlungen innerhalb von vier Jahren vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu vermeiden sind, wenn sie die Befriedigung der Forderungen der Gläubiger verringern, vereiteln, behindern, gefährden oder verzögern.

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Generell setzt die Vermeidung Unredlichkeit seitens Dritter voraus, die im Falle von Handlungen vermutet wird, die innerhalb von zwei Jahren vor Beginn des Insolvenzverfahrens unternommen oder unterlassen werden und eine Person einbeziehen, die in einem besonderen Verhältnis zum Zahlungsunfähigen steht, oder von denen diese Person profitierte, selbst wenn das besondere Verhältnis zum fraglichen Zeitpunkt nicht bestand.

Sobald für die Masse benachteiligende Handlungen vermieden worden sind – mit rückwirkender Kraft – muss die Lage, die ohne die Handlung oder Unterlassung bestanden hätte, wiederhergestellt werden.

7. Welche Bedingungen gelten für die Anmeldung und Zulassung von Forderungen?

In der Insolvenzerklärung wird ein Zeitraum von bis zu dreißig Tagen festgelegt, innerhalb dessen die Gläubiger die Zulassung ihrer Forderungen beantragen müssen. Soweit es sich um bekannte Gläubiger handelt, beginnt dieser Zeitraum mit dem Datum der Zustellung oder Unterrichtung des Gläubigers. Für sonstige Gläubiger wird die Frist um fünf Tage verlängert, und der Zeitraum beginnt mit dem Datum der Veröffentlichung der letzten Mitteilung im portugiesischen Amtsblatt oder in einer überregionalen Zeitung mit großer Auflage.

8. Welche Regeln gelten für Sanierungsverfahren?

Nach den portugiesischen Vorschriften müssen die Gläubiger entscheiden, ob der Ausgleich ihrer Forderungen durch eine vollständige Liquidation des Vermögens des Schuldners oder durch Umstrukturierung und Fortführung des Unternehmens entweder unter der Leitung des Schuldners oder von Dritten erreicht werden kann. Ihre Auffassungen müssen in einem Insolvenzplan festgehalten werden, der von der Gläubigerversammlung zu genehmigen ist.

Entscheiden sich die Gläubiger für die Sanierung, steht es ihnen frei, die geeignetsten Maßnahmen zur Erreichung ihres Zieles zu wählen.

9. Welche Vorschriften gelten für Liquidationsverfahren? 

In der Gläubigerversammlung, die einberufen wird, um den vom Verwalter nach der Insolvenzerklärung ausgearbeiteten Bericht zu bewerten, wird auch eine Entscheidung darüber getroffen, oder das oder die Unternehmen des Schuldners, die zur Insolvenzmasse gehören, fortgeführt oder stillgelegt werden.

Sofern jedoch vom Gläubigerausschuss genehmigt oder sofern nicht genehmigt, der Schuldner aber keine Einwände erhebt, oder sofern der Schuldner Einwände erhebt, der Richter aber die Genehmigung erteilt, kann der Verwalter die Unternehmen des Schuldners vor der Einberufung der Versammlung zur Bewertung des Berichts schließen.

Erteilt die Gläubigerversammlung dem Verwalter den Auftrag, einen Insolvenzplan zu erstellen, kann sie die Aussetzung der Liquidation und Verteilung des Vermögens anordnen. Diese Aussetzung endet, falls der Plan nicht innerhalb der nächsten sechzig Tage vorlegt oder falls er nicht genehmigt wird.

10. Welche Bedingungen gelten für die Beendigung des Verfahrens?

Das Insolvenzverfahren kann mit der Insolvenzerklärung unverzüglich beendet werden, wenn es Hinweise gibt, dass das Vermögen des Unternehmens nicht ausreicht, um die Verfahrenskosten und die erwarteten Schulden der Insolvenzmasse zu begleichen.

Weitere Informationen

Die vollständige Fassung dieses Informationsblatts kann unter http://www.redecivil.mj.pt/ abgerufen werden.

Weitere Auskünfte stehen auf folgenden Websites zur Verfügung:

  • http://www.stj.pt English - français - português – Oberster Gerichtshof;
  • http://www.conselhosuperiordamagistratura.pt/ English - português– Oberster Gerichtsrat;
  • http://www.tribunalconstitucional.pt/ português – Verfassungsgericht;
  • http://www.mj.gov.pt/ English - português– Justizministerium;
  • http://trl.pt/ português –Berufungsgericht Lissabon;
  • http://www.trc.pt/ português – Berufungsgericht Coimbra;
  • http://www.tre.ptEnglish - français - português–; Berufungsgericht Évora;
  • http://www.trp.pt português – Berufungsgericht Porto;
  • http://www.pgr.pt/ português – Staatsanwaltschaft;
  • http://www.itij.mj.pt português – Rechtsdatenbanken;
  • http://www.cej.pt/English - français - português–Zentrum für Rechtsstudien (für die Ausbildung portugiesischer Richter zuständig);
  • http://www.dgsj.pt português – Generaldirektion für die Rechtspflege (stellt unter anderem Informationen über Kontakte zu den Gerichten und ihre territoriale Zuständigkeit zur Verfügung und gewährt Zugang zu der Seite von Justizbediensteten);
  • http://www.gplp.mj.pt/English - português– Amt für Gesetzespolitik und –planung des Justizministeriums;
  • http://www.dgrn.mj.pt português – Generaldirektion für Registerbehörden und notarielle Dienstleistungen;
  • http://www.asjp.pt/ português – Portugiesische Richtervereinigung;
  • http://www.smmp.pt/ português – Vereinigung der Staatsanwälte;
  • http://www.oa.pt/ português – Portugiesische Anwaltsvereinigung;
  • http://dre.pt/ português – Gesetze on-line;
  • http://www.solicitador.net/ português – Vereinigung gesetzlicher Vertreter;
  • http://www.sfj.pt/ português – Vereinigung von Justizbediensteten;
  • correio@lisboa.tcom.mj.pt – Handelsgericht Lissabon, - Rua do Ouro, 49 – 2º, 110-060 Lisboa, Portugal;
  • correio@lisboa.sgciveis.mj.pt – Zivilgericht Lissabon - Rua Marquês da Fronteira, Palácio da Justiça, 1098-001 Lisboa, Portugal.

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