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Zuletzt aktualisiert am 17-03-2008
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Insolvenz - Griechenland

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INHALTSVERZEICHNIS

1. Welche Arten von Insolvenzverfahren gibt es und wozu dienen sie? 1.
2. Welche Voraussetzungen müssen für die Eröffnung der verschiedenen Insolvenzverfahren gegeben sein? 2.
3. Welche Rolle spielen die einzelnen Beteiligten in den jeweiligen Verfahren? 3.
4. Welche Folgen hat die Eröffnung des Verfahrens? 4.
5. Welche besonderen Regeln gelten für die einzelnen Forderungsarten? 5.
6. Welche Vorschriften gelten für benachteiligende Handlungen? 6.
7. Welche Bedingungen gelten für die Anmeldung und Zulassung von Forderungen? 7.
8. Welche Vorschriften gelten für Sanierungsverfahren? 8.
9. Welche Vorschriften gelten für das Liquidationsverfahren? 9.
10. Unter welchen Voraussetzungen wird das Verfahren beendet? 10.

 

1. Welche Arten von Insolvenzverfahren gibt es und wozu dienen sie?

Insolvenz bezeichnet eine Situation, in der die Verbindlichkeiten eines Schuldners sein Vermögen übersteigen und er seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht mehr erfüllen kann. Vorinsolvenz- oder Präventivverfahren sind Verfahren zur Erwirkung einer einstweiligen Verfügung oder einer gerichtlichen Zahlungsaufforderung mit Konkursandrohung. Ordentliche Verfahren sind das Konkursverfahren, die Zwangsliquidation, die zeitweilige Verwaltung, die Geschäftsführung und Verwaltung durch die Gläubiger sowie die Anordnung der Zwangsverwaltung des Unternehmens mit dem Ziel, einen Vergleich mit den Gläubigern zu erreichen.

2. Welche Voraussetzungen müssen für die Eröffnung der verschiedenen Insolvenzverfahren gegeben sein?

Für zahlungsunfähig erklärt werden können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, doch nur Unternehmen können zwangsliquidiert, unter zeitweilige Verwaltung oder unter Zwangsverwaltung gestellt werden. Damit ein Geschäftsmann als zahlungsunfähig gilt, muss er die Bezahlung seiner Geschäftsschulden eingestellt oder die Zahlungseinstellung erklärt haben und es muss ein gerichtlicher Beschluss ergehen. Ein entsprechender Antrag kann von einem Gläubiger gestellt werden, wenn er seine Forderung schriftlich nachweist. Ein Unternehmen kann nur auf Antrag von 51 % der Gläubiger, deren Forderungen in den Büchern des Unternehmens ausgewiesen sind, zwangsliquidiert werden. Zur Eröffnung eines Zwangsliquidationsverfahrens muss das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit ausgesetzt oder eingestellt haben, zahlungsunfähig sein oder unter der Leitung und Verwaltung seiner Gläubiger stehen oder sich in zeitweiliger Verwaltung oder Liquidation befinden, es sei denn, sein Grundvermögen und seine Ertrag bringenden Aktiva sind bereits versteigert und es ist offenkundig nicht in der Lage, Zahlungsrückstände zu begleichen. Ein Unternehmen kann unter denselben Voraussetzungen auf Antrag von 20 % seiner Gläubiger zwangsliquidiert werden. In diesem Fall wird ein Zwangsverwalter bestellt. Unter denselben Voraussetzungen können Gläubiger, deren Forderungen in den Büchern des Unternehmens und im Jahresabschluss für das letzte Geschäftsjahr ausgewiesen sind, oder das Unternehmen selbst die Bestellung eines Verwalters zur Vermittlung eines Vergleichs zwischen den Gläubigern und dem Unternehmen zur Regelung oder Begrenzung seiner Schulden beantragen. Auf Beschluss kann ein Unternehmen unter die Leitung und Verwaltung seiner Gläubiger gestellt werden, wenn feststeht, dass es die Zahlungen eingestellt hat, 55 % der in seinen Büchern ausgewiesenen Gläubiger einen entsprechenden Antrag gestellt haben und ein Sonderausschuss der Bank of Greece eingesetzt worden ist. Der zeitweilige Verwalter unternimmt die nötigen Schritte zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs und beruft eine Haupt- bzw. Gesellschafterversammlung ein, um die Leitung und Verwaltung des Unternehmens durch seine Gläubiger zu beschließen.

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3. Welche Rolle spielen die einzelnen Beteiligten in den jeweiligen Verfahren?

Nach der Veröffentlichung des Konkursbeschlusses werden ein Konkursrichter zur Überwachung des Verfahrens sowie ein Anwalt als zeitweiliger Treuhänder bestellt; die Bestellung wird mit der Genehmigung durch die Gläubigerversammlung wirksam, der Treuhänder vertritt dann den Konkursschuldner und die Gläubiger. Der Treuhänder stellt ein Verzeichnis der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Konkursschuldners auf und vertritt ihn in Gerichtsverhandlungen über die Konkursmasse. Nach Abschluss des Konkursverfahrens verkauft er die Konkursmasse und verteilt den Erlös an die Gläubiger, die an der Haupt- bzw. Gesellschafterversammlung teilnehmen und ihre Forderungen vorbringen, die dann in ein Verzeichnis eingetragen werden. Ist laut dem Bericht des Konkursrichters kein Vermögen mehr vorhanden, erklärt das Gericht den Fall für abgeschlossen. Während des Konkursverfahrens ist der Konkursschuldner nicht befugt, die Konkursmasse zu verwalten, kann jedoch, wenn der Treuhänder untätig bleibt, Notmaßnahmen ergreifen. Ein Unternehmen kann auf Antrag der Gläubiger zwangsliquidiert werden. Dabei bestellt das Berufungsgericht die Liquidatoren und den Zwangsverwalter und bestätigt den Vertrag. Nach der Veröffentlichung der Beschlüsse erlischt die Verwaltungsbefugnis der im Gesellschaftsvertrag und der Satzung dazu bestimmten Organe des Unternehmens. Ist Artikel 46 anzuwenden, verkauft der Liquidator die Konkursmasse einzeln oder insgesamt durch Zwangsversteigerung zur Befriedigung der Gläubiger, die ihre Forderungen angemeldet haben. Ist Artikel 46a anzuwenden, wird das Unternehmen öffentlich versteigert, wobei der Liquidator den Kaufvertrag aufsetzt, den Erlös eintreibt und ihn im Verhältnis der angemeldeten Forderungen an die Gläubiger verteilt. Wird ein Unternehmen unter zeitweilige Verwaltung gestellt, ergreift der Verwalter Maßnahmen zum Schutz seines Vermögens, indem er das Unternehmen vor Gerichten und Behörden vertritt, ein Vermögensverzeichnis und eine Bilanz aufstellt, die Gläubiger zur Anmeldung ihrer Forderungen auffordert und diese in ein Verzeichnis einträgt und die Anteilseigner ersucht, die Fortführung des Geschäftsbetriebs unter Leitung und Verwaltung der Gläubiger zu genehmigen. Daraufhin bestellen die Gläubiger einen Verwaltungsausschuss, der das Grundkapital durch Ausgabe von Anteilen erhöht, die den Gläubigern im Verhältnis ihrer Forderungen zugeteilt werden. Nach Ablauf von drei Jahren können die Gläubiger den Verwaltungsausschuss zur Auflösung oder Zwangsliquidation des Unternehmens ermächtigen.

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4. Welche Folgen hat die Eröffnung des Verfahrens?

Mit der Bekanntmachung des Eröffnungsbeschlusses verliert der Schuldner das Recht, über sein Vermögen zu verfügen; dies gilt nicht für Forderungen, die nicht der Pfändung unterliegen, nicht übertragbare Rechte und Vermögen, das nach der Verfahrenseröffnung erworben wird. Es wird zwischen nicht gesicherten, gesicherten und allgemein bevorrechtigten Konkursgläubigern unterschieden. Einzelverfahren ungesicherter und allgemein bevorrechtigter Gläubiger werden ausgesetzt, die Verfahren von Gemeinschaftsgläubigern, Gläubigern, deren Forderungen nach der Konkurseröffnung entstanden sind, gesicherten oder absonderungsberechtigten Gläubigern hingegen nicht. Innerhalb von 24 Stunden nach der Konkurseröffnung nimmt der Friedensrichter die Konkursmasse in Besitz und stellt eine Vermögensübersicht auf. Gegenstände werden dem Treuhänder übergeben und Geldbeträge an die Staatskasse überwiesen. Sobald ein Konkursverwalter bestellt und der Beschluss veröffentlicht ist, werden alle Einzelzwangsvollstreckungen ausgesetzt. Dies gilt nicht für laufende Prozesse und Rechtsbehelfe. Mit Zustimmung des Konkursverwalters werden Vermögenswerte verteilt und der Gesellschaftsvertrag und die Satzung geändert. Der gerichtlich bestätigte Vergleich ist auch für Gläubiger, die ihn nicht geschlossen haben, verbindlich. Im Falle einer Zwangsliquidation sind Zwangsvollstreckungen, einstweilige Verfügungen und Konkurserklärungen ab dem Tag nach der Antragstellung unzulässig. Mit der Veröffentlichung des Beschlusses zur Geschäftsführung und Verwaltung der Konkursmasse gehen die entsprechenden Befugnisse an den Zwangsverwalter über. Wird ein Unternehmen unter zeitweilige Verwaltung oder unter die Geschäftsführung und Verwaltung der Gläubiger gestellt, sind nach der Antragstellung Zwangsvollstreckungen, einstweilige Verfügungen und Konkurserklärungen unzulässig, soweit die betreffenden Schulden vor der Antragstellung entstanden sind. Die Verwaltung des Unternehmens wird zunächst einem Verwalter und danach dem Verwaltungsausschuss der Gläubiger übertragen.

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5. Welche besonderen Regeln gelten für die einzelnen Forderungsarten?

Das Konkursverfahren erstreckt sich nur dann auf die Konkursmasse, wenn Konkurs angemeldet wurde. Jegliche im Besitz des Schuldners befindliche Gegenstände können vom Eigentümer zurückgefordert werden. Parteien, die mit ihm Verträge geschlossen haben, sind nicht verpflichtet, noch nicht erfüllten Vertragspflichten zuerst nachzukommen. Beschäftigungsverträge werden nicht aufgehoben und im Zahlungsrückstand befindliche Arbeitgeber werden auch nicht von der Abnahme erbrachter Leistungen und der Zahlung von Löhnen und Gehältern entbunden. Durch Insolvenz von Mietern oder Vermietern werden Mietverträge nicht aufgehoben. Bei Gesellschaften des bürgerlichen Rechts hat die Insolvenz eines Gesellschafters mangels einer gegenteiligen Vereinbarung der übrigen Gesellschafter die Auflösung der Gesellschaft zur Folge. Kapitalgesellschaften werden bei Konkurs aufgelöst, behalten jedoch während der Liquidation ihre Rechtspersönlichkeit und ihren Status als gewerbliche Unternehmen. Die Insolvenz eines Gesellschafters führt hingegen nicht zur Auflösung. Anweisungen werden aufgehoben, laufende Konten aufgelöst und Darlehensverträge automatisch gekündigt. Einseitige Aufrechnungen aus Verträgen sind unwirksam. Die Einleitung der Zwangsliquidation führt nicht zur Auflösung des Unternehmens oder nicht erfüllter Verträge, es sei denn, sie dienten der Vertrauensbildung oder dem Renommeeaufbau einer der Parteien. Durch die Zwangsliquidation werden bestehende Beschäftigungsverträge aufgehoben; auf Antrag der Gläubiger kann das Gericht jedoch anordnen, dass einige Personen vorläufig weiterbeschäftigt werden, wenn dies im Interesse des Unternehmens liegt. Leasingverträge für Kraftfahrzeuge, Maschinen und anderen Anlagen sowie alle Vereinbarungen, welche deren Verwahrung, Besitz oder Nutzung durch Dritte zum Inhalt haben, werden gekündigt. Bürgschaften oder Sicherheiten Dritter werden nicht berührt. Der Liquidator kann Schulden begleichen und Forderungen des Unternehmens gegen Forderungen Dritter aufrechnen oder verkaufen. Wird das Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt, bleiben Bürgschaften, Hypotheken, Pfandrechte und andere dingliche Nebenrechte sowie Rechte, die nicht der Sicherung der damit verbundenen Forderungen und Vorrechte dienen, bestehen. Wird das Unternehmen unter zeitweilige Verwaltung oder unter die Geschäftsführung und Verwaltung der Gläubiger gestellt, setzt es seinen normalen Geschäftsbetrieb fort, kann jedoch kein Vermögen veräußern oder belasten und darf ohne gerichtliche Genehmigung keine Rechtsgeschäfte mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr tätigen. Hypotheken, Pfandrechte und Vorrechte bleiben bis zur Befriedigung der Hypotheken- und Pfandgläubiger oder bevorrechtigten Gläubiger bestehen. Bürgschaften werden nicht berührt.

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6. Welche Vorschriften gelten für benachteiligende Handlungen?

Während der Sperrfrist vorgenommene Handlungen des Schuldners, die die Konkursmasse schmälern, werden rückgängig gemacht. Vom Schuldner während des Zeitraums der Zahlungseinstellung und 10 Tage davor vorgenommene einseitige Handlungen, die zu einer Verringerung der Konkursmasse führen, Barzahlungen, vorzugsweise gewährte Zahlungen, Verkäufe, Verrechnungen und sonstige unbaren Leistungen oder die Ausstellung von Warenwechseln für noch nicht fällige oder überfällige Zahlungen sind gegenüber den Gläubigern unwirksam.

7. Welche Bedingungen gelten für die Anmeldung und Zulassung von Forderungen?

Die Gläubiger werden durch die öffentliche Bekanntmachung des Beschlusses zur Bestellung des Konkursrichters und des Treuhänders sowie zur Anberaumung der Haupt- bzw. Gesellschafterversammlung von dem Konkurs unterrichtet. Sie melden ihre Forderungen an, indem sie zunächst beim Konkursrichter bzw. - nach endgültiger Bestellung des Treuhänders - bei diesem oder dem Konkursrichter Anteilsscheine und Erklärungen einreichen. Gläubiger, die dies nicht tun, werden einzeln und durch Veröffentlichung einer entsprechenden Mitteilung im Anzeiger der Anwaltspensionskasse dazu aufgefordert. Nach Prüfung der Forderungen erstellt der Konkursrichter einen Bericht. Wird die Forderung anerkannt, erklärt der Gläubiger vor ihm unter Eid, dass sie auf Treu und Glauben beruht. Gläubiger, die die Anmeldung ihrer Forderung versäumen, können bis zur endgültigen Verteilung des Liquidationserlöses die Aufhebung des Versäumnisurteils beantragen und werden, wenn dem Antrag stattgegeben wird, in die Verteilung einbezogen. Forderungen von Gemeinschaftsgläubigern werden vor denen einfacher Konkursgläubiger und vor der Verwertung des Vermögens, jedoch nach allgemein bevorrechtigten und absonderungsberechtigten Gläubigern, Hypotheken- und Pfandgläubigern befriedigt. Geht das Unternehmen in Zwangsliquidation, melden die Gläubiger ihre Forderungen beim Liquidator an, der ein entsprechendes Verzeichnis aufstellt. Dabei werden Forderungen berücksichtigt, die entstanden sind, bevor die Sanierung des Unternehmens durch die Unternehmenssanierungsbehörde angeordnet, die Zwangsliquidation des Unternehmens beantragt und das Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Die Kosten der Zwangsliquidation und der Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie vor Beginn des Konkursverfahrens entstandene Verwaltungs- und Zwangsvollstreckungskosten werden nicht berücksichtigt und können nicht als Forderungen angemeldet werden. Anschließend wird ein Forderungsverzeichnis erstellt. Zweifelhafte oder irrtümlich angemeldete Forderungen werden dabei als willkürlich oder unter Vorbehalt eingestuft. Wird das Unternehmen nach Artikel 46a liquidiert, veröffentlicht der Liquidator eine Aufforderung an die Gläubiger zur Anmeldung der Forderungen, wonach die Einstufungsvorschriften nach Artikel 46 anzuwenden sind. Geht das Unternehmen unter der Geschäftsführung und Verwaltung der Gläubiger in Zwangsliquidation, werden die Forderungen gemäß Artikel 975 ff. der Zivilprozessordnung und Artikel 61 des Gesetzbuches über die Einziehung der Staatseinnahmen eingestuft.

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8. Welche Vorschriften gelten für Sanierungsverfahren?

Das Sanierungsverfahren betrifft die Geschäftsführung und Verwaltung eines Unternehmens durch seine Gläubiger sowie die Reorganisation des Geschäftsbetriebs und der Abläufe nach Artikel 44 und 45. Wird ein Unternehmen unter die Geschäftsführung und Verwaltung der Gläubiger gestellt, sind nach der Antragstellung Zwangsvollstreckungen, einstweilige Verfügungen und Konkurserklärungen unzulässig. Der Verwaltungsausschuss verwaltet das Unternehmen, überwacht Kredite, erhöht das Grundkapital und gibt die Anteilsscheine aus. Drei Jahre nach dem Antrag können 3/5 der Gläubiger die Auflösung oder Zwangsliquidation des Unternehmens beantragen. Das Unternehmen oder die Gläubiger können beantragen, dass auf Beschluss des Ministers das Sanierungsverfahren eingeleitet wird. Daraufhin wird die Unternehmenssanierungsbehörde zum vorläufigen Verwalter bestellt und eine Vereinbarung mit den Gläubigern aufgesetzt. Die Zahlung überfälliger Schulden, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, Zinsen und die Verjährung von Forderungen werden ausgesetzt. Die Vereinbarung zwischen den Anteilseignern, den Gläubigern und der Unternehmenssanierungsbehörde berührt keine Bürgschaften, Hypotheken, Pfandrechte oder sonstigen Sonderrechte, durch die Forderungen gemindert oder Fristen zur Begleichung der Forderungen gewährt werden. Mit der im Regierungsanzeiger veröffentlichten Zustimmung des Ministers endet die vorläufige Verwaltung sowie die Aussetzung von Einzelforderungen und sonstigen Maßnahmen. Der Vergleich zwischen den Gläubigern und dem Unternehmen ist auch für nicht beteiligte Gläubiger bindend und legt eine Frist zur Begleichung von Forderungen fest, mindert die Forderungsbeträge (unter Verzicht auf die Restbeträge), begrenzt Sicherheiten und Bürgschaften auf den vereinbarten Zahlungsbetrag und hebt die Zahlungsunfähigkeit auf. Mit der Veröffentlichung des Beschlusses, ein Unternehmen unter Zwangsverwaltung zu stellen, werden Zwangsvollstreckungen, das Recht auf Erwirkung einer einstweiligen Verfügung sowie Zinsen ausgesetzt. Aufgabe des Zwangsverwalters ist die Vermittlung einer Übereinkunft zwischen den Gläubigern und dem Unternehmen, die auch für nicht beteiligte Gläubiger bindend ist und Sicherheiten und Bürgschaften auf den vereinbarten Zahlungsbetrag begrenzt.

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9. Welche Vorschriften gelten für das Liquidationsverfahren?

Wenn ein Vergleich geschlossen wird, bilden die Gläubiger eine Art Zusammenschluss. Das Ziel besteht nun darin, das Vermögen abzuwickeln und den Erlös zu verteilen. Dazu veräußert der Treuhänder das bewegliche und unbewegliche Vermögen. Ist eine Abwicklung nicht möglich oder unrentabel, beschließt das Gericht auf Vorschlag des Konkursrichters die Stilllegung des Unternehmens. In diesem Fall wird, sofern genügend Masse vorhanden ist, das bewegliche Vermögen öffentlich versteigert oder mit Kaufvertrag verkauft und das unbewegliche Vermögen mit Zustimmung des Konkursrichters verkauft. Das Geld wird bei der Hinterlegungs- und Konsignationskasse hinterlegt. Bevor es unter den nicht gesicherten Gläubigern verteilt wird, werden die Gerichts- und Konkursverwaltungskosten, Finanzhilfe für den Konkursschuldner und seine Familie, die Forderungen allgemein bevorrechtigter Gläubiger, Sammelforderungen und gesicherte Forderungen abgezogen und ein gewisser Teil für diejenigen Gläubiger zurückbehalten, deren Forderungen vorläufig anerkannt wurden, die ihre Forderungen nicht rechtzeitig angemeldet hatten und die Aufhebung des Versäumnisurteils und Prüfung ihrer Forderungen beantragt haben, die im Ausland ansässig sind (soweit ihre Forderungen in der Bilanz ausgewiesen sind) oder deren Forderungen zum Zeitpunkt der Verteilung an Bedingungen geknüpft sind. Der Konkursrichter beruft eine Gläubigerversammlung ein, auf der der Treuhänder dem Konkursschuldner berichtet, ob die Konkursgläubiger aus den Veräußerungserlösen in vollem Umfang befriedigt werden konnten. Ein der Geschäftsführung und Verwaltung der Gläubiger unterstelltes Unternehmen geht auf gerichtlichen Beschluss in Liquidation. Dabei wird ein Stichtag für die Zahlungseinstellung festgelegt. Der Verwalter versteigert das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen. Gibt es keinen Meistbietenden, der den Zuschlag erhält, wird die Versteigerung vertagt und das Verfahren so lange wiederholt, bis der Zuschlag erteilt ist. Bei der Verteilung werden Hypothekengläubiger, gesicherte und bevorrechtigte Gläubiger nach der Reihenfolge der einzelnen Hypotheken, Pfandrechte oder Vorrechte zuerst befriedigt. Werden die in Artikel 44 und 45 aufgeführten Vereinbarungen nicht befolgt, ordnet das Berufungsgericht die Abwicklung nach Artikel 46 an. Der Liquidator verkauft das Vermögen einzeln oder insgesamt durch Zwangsversteigerung. Im Fall einer Zwangsliquidation nach Artikel 46a veröffentlicht der Liquidator einen Aufruf zur schriftlichen Interessenbekundung für den Erwerb des Unternehmens, erstellt ein Angebot, übermittelt jedem Interessenten eine Kopie davon und veröffentlicht mindestens 35 und höchstens 60 Tage im Voraus eine Versteigerungsbekanntmachung. Die eingereichten Angebote werden geöffnet und der Liquidator erstellt einen Evaluierungsbericht, in dem er das höchste Angebot für die Zuschlagserteilung vorschlägt. Den Bericht legt er den Gläubigern zur Genehmigung vor. Legen diese innerhalb eines Monats keine schriftliche Entscheidung vor, gilt der Vorschlag als angenommen. Der Vertrag zur Übertragung des Vermögens an den erfolgreichen Bieter wird unterzeichnet und dieser zahlt den Kaufpreis auf ein Konto bei einer in Griechenland zugelassenen Bank ein. Anschließend werden etwaige Belastungen gelöscht. Wird kein gültiges Angebot eingereicht oder erachten die Gläubiger die eingereichten Angebote für unzureichend oder unrentabel, wiederholt der Liquidator auf Verlangen der Gläubiger die Versteigerung mit denselben Formalitäten. Ist auch die zweite Versteigerung erfolglos, ordnet das Berufungsgericht die stückweise Versteigerung des Vermögens an oder es findet eine dritte Versteigerung statt. Außerdem kann beim Berufungsgericht die Aufhebung des Beschlusses zur Zwangsliquidation des Unternehmens beantragt werden. Innerhalb von 15 Tagen nach der Übertragung des Vermögens veröffentlicht der Liquidator eine Aufforderung zur Anmeldung von Forderungen. Diese werden in das Forderungsverzeichnis eingetragen, anschließend wird der Erlös verteilt.

10. Unter welchen Voraussetzungen wird das Verfahren beendet?

Das Konkursverfahren wird beendet, wenn a) im Falle eines Vergleichs, und sofern der Konkursschuldner nicht wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt ist, der Konkursschuldner die Vergleichsvorschläge vorgelegt und die Gläubigerversammlung diese durch Beschluss angenommen hat und beides vom Gericht genehmigt worden ist, oder b) der Zusammenschluss der Gläubiger vollzogen ist, wobei der Konkursrichter nach der Veräußerung der Aktiv- und Passivmasse eine Gläubigerversammlung einberuft, auf der der Treuhänder Bericht erstattet und die entscheidet, ob dem Konkursschuldner eine Restschuldbefreiung gewährt werden kann, wenngleich der endgültige Beschluss darüber dem Gericht obliegt. Im Fall der Liquidation endet das Verfahren, wenn a) alle neuen Anteilsscheine gezeichnet worden sind oder b) das Unternehmen und die Gläubiger einen Vergleich geschlossen haben oder c) der Erlös verteilt worden ist. Ein Verfahren nach dem Gesetz Nr. 1386/83 endet a) mit der Genehmigung der Vereinbarung zur Fortführung des Unternehmens durch den Minister und der Bekanntmachung im Regierungsanzeiger oder b) mit der Abwicklung und Verteilung des Erlöses. Verfahren nach Artikel 44 und 45 enden mit einem Beschluss des Berufungsgerichts zur Genehmigung der Vereinbarung zwischen den Gläubigern und dem Unternehmen. Die Zwangsliquidation endet mit der Verteilung des Veräußerungserlöses.

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