Die Flut der Beileids- und Gedenkschreiben ebbt nicht ab – wie sollte sie auch. In den Archiven werden sie Spuren hinterlassen – natürlich – aber die Trauer bleibt auf ewig. Wir, Deine treuen Getreuen – Claude, Marc, Nadine, die beiden Oliviers, Youri, Gustaaf – haben die Ehre gehabt, an Deiner Seite zu arbeiten. Wir verlieren nicht nur einen außergewöhnlichen „Chef“, sondern einen Freund – einen echten.
Wir werden nicht mehr mit Dir beim Mittagessen über Gott und die Welt diskutieren können – über die Zukunft Europas, Gartenarbeit, den Beitritt der Türkei zur EU, Pfröpflinge verschiedener Obstsorten, die Bonmots der einen und anderen.
Jetzt bleiben uns nur noch Tränen, um Deinen Abschied – so absurd er sein mag – zu beweinen.
Uns bleibt nur noch dieser Schmerz, gemischt mit Wut: „Warum er?“
Mir bleibt die unauslöschliche Erinnerung an unsere Freundschaft.
Du warst der geborene Kommunikator – Dein Sprecher sein zu dürfen, war eine reine Freude.
Du warst immer für uns da. Du schenktest uns Dein Vertrauen.
Du wehrtest Dich gegen die „Mächtigen“, gestärkt durch die Gewissheit, die Interessen einer Mehrheit zu vertreten.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, was Du sagtest, als ein italienischer Ministerpräsident Bill Clinton nachplapperte, um Deine Entscheidung im heiklen Fusionsfall Boeing/McDonnell-Douglas zu beeinflussen:
„Ob nun der Präsident der Vereinigten Staaten, der Papst oder der Kaiser von Japan – sie können gerne alle in mein Büro kommen, das ändert nichts an meiner Entscheidung!“
Oder wie Du diesen französischen Minister abgefertigt hast, der Dich eines Morgens anrief, um sich über den Titel einer unserer Pressemitteilungen zum Crédit Lyonnais zu beschweren: „Ich dachte, es ginge um eine dringende Angelegenheit. Auf Wiederhören, Herr Minister“.
Das warst unverkennbar Du, Karel.
Das warst …
Das Präteritum – welch abscheuliches Tempus, um über Dein Leben zu sprechen – über unser Leben, das Du auf immer geprägt hast.
Dag, Kareltje, mijn vriend.
Willy Hélin