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Europäisches Semester: EU kommt wieder ins Lot, KMU in Österreich profitieren davon - Reformen müssen voranschreiten
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19.11.2013

Österreichs KMU sehen die Mitgliedschaft in der EU als vorteilhaft an und profitieren von ihr. Vor dem Hintergrund des Europäischen Semesters 2013/2014, das die EU-Kommission letzte Woche gestartet hat, gibt es aber insgesamt Nachholbedarf bei Reformen, Entbürokratisierung und Kommunikation. Das sind die zentralen Erkenntnisse der Pressekonferenz "Die EU aus Sicht österreichischer Unternehmen - Trends und Herausforderungen des europäischen Semesters", die heute im EU-Haus stattfand.

    Im Bild v.l.n.r. Mag. Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Österreich und Dr. Harald Pitters, Trendexperte und Meinungsforscher Fotograf: Thomas Preiss, Fotocredit: Vertretung der EU-Kommission in Österreich/APA-Fotoservice/Preiss

    "Die EU kommt wieder ins Lot. Das zeigen uns die ersten Zahlen aus dem europäischen Semester, das die EU-Kommission jährlich zur wirtschaftlichen Koordinierung der Mitgliedsstaaten durchführt. Österreich steht vergleichsweise gut da, was vor allem auch an der starken Stellung der KMU im Land liegt. Die solide Situation liegt auch am internationalen Engagement im EU-Ausland. Allerdings müssen die Unternehmen ihre Mitarbeiter stärker zu den Vorteilen der EU-Mitgliedschaft informieren. Genauso wie Europakommunikation allgemein auf allen Ebenen in Österreich verstärkt werden muss, damit die zentralen Vorteile der EU-Mitgliedschaft für Österreich stärker wahrgenommen werden", sagte der Vertreter der EU-Kommission in Österreich, Richard Kühnel, am Dienstag bei der Pressekonferenz im Europäischen Haus.

    Kühnel regte außerdem an, die Empfehlungen aus dem Europäischen Semester in ein künftiges Regierungsprogramm als Richtschnur einfließen zu lassen. Trotz des recht guten Zeugnisses für Österreich, das Währungskommissar Olli Rehn am Freitag ausgestellt hatte, sei es nun an der Zeit dringende Reformen des Pensionssystems, im Bereich der Arbeitskräfte (Migranten, Frauen und ältere Arbeitnehmer) sowie Bildung anzugehen. Auch die zukünftigen Bewertungen der österreichischen Wirtschaftslage hingen maßgeblich von der Umsetzung notwendiger Reformen ab.

    Vor dem Hintergrund des Europäischen Semesters hat die EU-Kommission eine Umfrage unter mehr als 400 österreichischen KMU zur EU durchführen lassen. Dabei wird deutlich, dass Österreichs KMU sehr stark vom Binnenmarkt der EU profitieren. Mehr als die Hälfte (53%) der befragten kleinen und mittleren Unternehmen sind im EU-Ausland aktiv und rund zwei Drittel (68%) sehen den europäischen
    Binnenmarkt als Vorteil. Mehr als jedes zehnte Unternehmen nutzt EU-Förderungen, wobei größere Unternehmen stärker als kleinere davon Gebrauch machen. Damit sind die KMU - als Rückgrat der österreichischen Wirtschaft - Profiteure der EU-Mitgliedschaft. Im
    Hinblick auf ein noch stärkeres Engagement (42%) im EU-Ausland sind diese Ergebnisse ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des
    EU-Marktes. Allerdings informieren nur wenige KMU-Manager (36%) ihre Mitarbeiter über die Bedeutung der EU für das Unternehmen oder nutzen Informationsdienste (Jobplattformen, Eures, Solvit usw. - 16%) der EU für Ihre Zwecke.

    Harald Pitters (Pitters Trendexpert), Studienleiter der Umfrage, sagte dazu im Rahmen der Pressekonferenz: "Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sehen die österreichischen Unternehmen die EU durchaus positiver. Im Zentrum stehen dabei vor allem die Vorteile
    des Binnenmarktes und zukünftige Chancen, während hingegen der bürokratische Aufwand etwa für Förderungen kritisiert wird."

    Laut einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage, die im Rahmen der Veranstaltung mit präsentiert wurde, sind 84% der Österreicher und Österreicherinnen der Meinung, dass die EU zu viel Bürokratie verursache. Damit steht Österreich an vierter Stelle hinter Schweden, Finnland und Deutschland (zum Vergleich 74% im EU-Durchschnitt).

    Richard Kühnel betonte, dass Entbürokratisierung im Sinne einer besseren Regulierung Priorität für die EU habe. So seien mit dem
    REFIT-Programm der EU allein in den letzten zehn Jahren 660 Initiativen zur Vereinfachung von Rechtsvorschriften erlassen, der
    Verwaltungsaufwand für KMU zwischen 2007-2010 um mehr als ein Viertel gesenkt worden und weitere Erleichterungen für KMU im
    Verwaltungsbereich mit bis zu 5 Mrd. EUR Einsparungen geplant. "Die EU-Kommission hat das Problem schon seit langem erkannt und will vor
    allem KMU in Europa weiter entlasten. Allerdings gibt es auch auf nationaler Ebene großes Potential der Entbürokratisierung, das im Rahmen von Reformen genutzt werden sollte", so Kühnel.

    Für die Umfrage wurden 421 KMU in ganz Österreich befragt. Zudem wurden aktuelle Eurobarometer-Umfragen herangezogen. Das Europäische
    Semester ist ein Steuerungs- und Kontrollmechanismus, um frühzeitig makroökonomische Ungleichgewichte bei EU-Mitgliedsstaaten zu erkennen.

     

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    Letzte Aktualisierung: 19/11/2013  |Seitenanfang