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Frauentag: EU-Kommission für mehr Frauen in Chefetagen
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09.03.2012

Anlässlich des internationalen Frauentags fand am 8. März 2012 im Haus der Europäischen Union eine Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen: Strategien auf europäischer und österreichischer Ebene" statt. Annemarie Huber, Pressesprecherin der Kommissionsvertretung in Österreich, stellte die Eckpunkte des von der Europäischen Kommission kürzlich vorgelegten Fortschrittsberichts zum Thema "Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU" erstmals in Österreich vor.

    Podiumsdiskussion zum Internationalen Frauentag im Haus der Europäischen Union - Annemarie Huber (am Rednerpult)

    "Laut unserem Bericht 2012 ist nur eines von sieben Aufsichts- oder Vorstandsmitgliedern führender europäischer Unternehmen weiblich. EU-weit beträgt der Frauenanteil 13,7 %. Dies bedeutet zwar eine kleine Verbesserung gegenüber 2010 (11,8%), allerdings sind wir damit noch immer meilenweit von den angepeilten 30% für 2015 entfernt. Bei der Geschwindigkeit – oder eher müsste ich sagen - Langsamkeit des Fortschritts - würde es noch ganze 40 Jahre dauern, bis ein signifikantes, ausgewogenes Geschlechterverhältnis (Mindestanteil von 40% Frauen bzw. Männern) herrscht!" zog Huber eine ernüchternde Bilanz. Was Österreich angeht, liegt das Land mit einem Frauenanteil von 11,2% sogar unter dem EU-Durchschnitt.

    Annemarie Huber betonte, dass man sich stärker bewusst machen müsse, dass es bei dem EU-Engagement für Gleichstellung der Frauen um Grundrechte geht: "Weniger Lohn für gleiche Leistung, geringere Karrierechancen bei gleicher Kompetenz, wie es derzeit leider noch gang und gäbe ist, ist Diskriminierung. Ich glaube, dass die klare Benennung der bestehenden Problematik ein wichtiger Beitrag dazu ist, Dinge in diesem Bereich voranzutreiben". In diesem Zusammenhang verwies Huber auf das "außerordentliche Engagement und die Durchsetzungsstärke von Vizepräsidentin Viviane Reding, mit der wir Frauen eine große Unterstützerin für unsere Anliegen in der Europäischen Kommission haben".

    Der im Rahmen der Veranstaltung präsentierte Fortschrittbericht kommt ein Jahr nach der Aufforderung von EU-Justizkommissarin Viviane Reding an die börsennotierten Unternehmen in Europa, Selbstregulierungsinitiativen zu ergreifen, um die Zahl von Frauen in den Aufsichtsräten und Vorständen zu erhöhen. Die von der Europäischen Kommission angeregte Erklärung stellte eine freiwillige Selbstverpflichtung börsennotierter Unternehmen dar, den Frauenanteil in ihren Vorständen oder Aufsichtsräten bis 2015 auf 30% und bis 2050 auf 40% zu erhöhen.

    "Nur 24 Unternehmen haben die Initiative der Kommission unterzeichnet und über die letzten zwei Jahre konnten leider keine bzw. nur geringfügige Fortschritte punkto Geschlechterdiversität in Führungspositionen von europäischen Unternehmen erzielt werden. Nichtsdestotrotz hat die Initiative der Kommission sicher zu einer Intensivierung der Debatte  beigetragen und stellt einen wichtigen Zwischenschritt in der Vorbereitung eventueller Legislativ-Maßnahmen dar" erläuterte Huber.

    Die Schlussfolgerung, die aus dem Bericht zu ziehen ist, hat Vizepräsidentin Viviane Reding bei der Präsentation des Fortschrittsberichts in Brüssel deutlich gemacht: "Ich bin zwar keine Befürworterin der Quote, schätze aber ihre Ergebnisse. Meines Erachtens ist es höchste Zeit für Europa, die gläserne Decke zu durchbrechen, die weibliches Talent weiterhin von der Spitze der börsennotierten Unternehmen in Europa trennt. Um den Wandel zustande zu bringen, werde ich mit dem Europäischen Parlament und allen Mitgliedstaaten eng zusammenarbeiten.“

    Aufgrund der klaren Ergebnisse des Fortschrittberichts - konkrete Fortschritte konnten nur in jenen EU-Mitgliedsländern erzielt werden, die eine gesetzliche Quotenregelung eingeführt haben - prüft die Europäische Kommission derzeit intensiv die Möglichkeiten der Einführung einer EU-weiten Quotenregelung. Um einen eventuellen Gesetzesvorschlag optimal vorbereiten zu können, hat sie am 5. März eine Konsultation auf breiter Basis eingeleitet. Bis 28. Mai können Interessierte bzw. Betroffene Vorschläge und Stellungnahmen zu möglichen gesetzlichen Maßnahmen zu Herstellung eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses einreichen. Auf Basis der Ergebnisse dieser Konsultation wird die Europäische Kommission entscheiden, ob und in welcher Form legislative Maßnahmen gesetzt werden.

    Vizepräsidentin Reding hat schon vor einem Jahr bei der Präsentation der Selbstverpflichtungsinitiative für Unternehmen klar gemacht, dass sie bereit ist, gesetzliche Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um den Fortschritt in diesem wichtigen Bereich der Gleichstellungspolitik zu sichern. Ihre Erklärung "Wenn die Selbstverpflichtung keinen Erfolg bringt, können Sie Sie auf meine regulatorische Kreativität vertrauen " ist ein klares Indiz für weiter zu erwartende Initiativen seitens der Kommission. "Der Zug ist abgefahren und ich bin überzeugt, er fährt in die richtige Richtung" so Huber in ihrem Abschluss-Statement.

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    Letzte Aktualisierung: 09/03/2012  |Seitenanfang