Inflation und die EU

Inflation und die EU
  • Die WWU zeichnet sich durch eine historisch niedrige und stabile Inflation aus.
  • Die wirtschaftliche Konvergenz trägt zur Kontrolle der zuvor hohen und volatilen Inflationsraten bei.
  • Die Inflationsraten variieren in den einzelnen Mitgliedstaaten und Regionen der EU.

Die Wirtschaft der EU zeichnet sich seit der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) durch eine historisch niedrige und stabile Inflation aus. Zu dieser allgemeinen positiven Entwicklung haben zahlreiche Faktoren beigetragen. Dazu gehören die für alle Mitgliedstaaten geltenden Auflagen des EU-Vertrags (z.B. die im Stabilitäts- und Wachstumspakt verankerten Haushaltsnormen), die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und ein günstiges globales Umfeld.

Das Streben nach wirtschaftlicher Konvergenz

Vor der Einführung des Euro waren hohe und volatile Inflationsraten an der Tagesordnung. Nachdem die EU-Mitgliedstaaten die Vorbereitung der Euroeinführung beschlossen hatten, ging die Inflation zu Beginn der 1990er Jahre nachhaltig zurück. Durch das Streben nach wirtschaftlicher Konvergenz konnten die hohen und volatilen Inflationsraten der 1970er und 1980er Jahre unter Kontrolle gebracht und stabile Inflationsraten erreicht werden, die für den Schutz des Wertes der Einkünfte der Menschen, nachhaltiges Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der EU eine wesentliche Voraussetzung sind.

Bei der Vorbereitung der Euro-Einführung muss jeder Mitgliedstaat die im Maastricht-Vertrag festgelegten Konvergenzkriterien einhalten. Zu diesen Kriterien gehört die Anforderung, dass die Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Rate der drei Mitgliedstaaten liegen darf, die auf dem Gebiet der Preisstabilität das beste Ergebnis erzielt haben.

Diagramm: Meilensteine der Inflation in den Ländern des Euroraums: von Volatilität zu Stabilität
Interaktives Diagramm zur Preisinflation

Unterschiede in den Inflationsraten

Trotz der in der Vorbereitungsphase zur Euro-Einführung erreichten Konvergenz und einer verbesserten Funktionsweise des Binnenmarktes bestehen nach wie vor Unterschiede zwischen den Inflationsraten in den einzelnen Ländern des Euroraums und auch zwischen den Regionen dieser Länder. Wie lässt sich das erklären?

Die abweichenden Inflationsraten spiegeln die spezifischen wirtschaftlichen Bedingungen auf nationaler und regionaler Ebene wider.

Die Inflationsrate kann für einzelne Bürger, Haushalte und Unternehmen unterschiedlich ausfallen. Dies liegt zum Beispiel an Einkommensunterschieden, verschiedenem Konsumverhalten, der Intensität des lokalen Preiswettbewerbs oder unterschiedlichen Steuersätzen und Transportkosten.

Um diese Unterschiede festzustellen, berücksichtigen die nationalen Statistikdienste bei ihren Preisaufzeichnungen immer auch die bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten (Inflationsmessung in der EU).

Diese Inflationsdifferenzen sind allerdings im Euroraum nicht wesentlich größer als in anderen großen Währungsunionen wie z.B. den USA.

Inflation in den Bewerberländern des Euroraums

Die jüngeren Mitgliedstaaten, die ihre Volkswirtschaften auf die Einführung des Euro vorbereiten, haben meist eine höhere Inflationsrate als die des Euroraums.

Während diese Länder die Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften vorantreiben, um die Kriterien für den Beitritt zum Euroraum zu erfüllen, kann es zu einem starken Anstieg des BIP kommen, was eine höhere Nachfrage und höhere Preise nach sich zieht. Diese Erscheinung ist während des wirtschaftlichen Aufholprozesses völlig normal. Im Zuge der Konvergenz mit den Ländern des Euroraums und der Beendigung des Aufholprozess fällt die Inflationsrate auf ein niedrigeres und stabileres Niveau zurück.

Diagramm: Konvergenz der Verbraucherpreisinflation in der Euro-Vorbereitungsphase

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