Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Rohtabak

Rohtabak

Rohtabak
Rohtabak

Produktion und Handel

Tabak wird in der Europäischen Union auf rund 100 000 Hektar von 60 000 spezialisierten landwirtschaftlichen Betrieben in 12 EU-Mitgliedstaaten angebaut, hauptsächlich in Italien, Bulgarien, Griechenland, Spanien und Polen – ca. 85 % der europäischen Tabakanbaufläche befinden sich in diesen Ländern. Auf europäischer Ebene sind die Anbauflächen im Rückgang begriffen, hauptsächliche wegen des abnehmenden Tabakkonsums.

In der Union werden jährlich etwa 200 000 Tonnen Tabak in Form von getrockneten Blättern erzeugt. Die Produktion von getrockneten Tabakblätter schwankt je nach Sorte zwischen einer und drei Tonnen. Auf die Sorte „flue-cured" Virgina entfallen nahezu 50 % der Produktion, auf „Light-air-cured“ Burley rund 15 %, auf „sun-cured“ oder Orienttabak etwa 35 %. Die anderen „dark-air-cured“- und „fire-cured“-Sorten machen weniger als 3 % aus.

Die Europäische Union produziert weniger als 3 % des weltweiten Trockentabak-Jahresvolumens und importiert pro Jahr ca. 400 000 Tonnen, hauptsächlich aus Afrika und Amerika. Die EU exportiert ca. 100 000 Tonnen pro Jahr. Das weltweite Angebot an Rohtabak deckt die Nachfrage; die durchschnittlichen Marktpreise sind seit 2009 ziemlich beständig.

 

Rechtsgrundlage

Die Gemeinsame Marktorganisation (Verordnung (EU) Nr. 1308/2013) enthält die Rechtsvorschriften zu Rohtabak (KN-Code 2401) betreffend Branchenverbände und Erzeugergruppierungen.

Seit dem 1. Januar 2010 wird die Produktion von Rohtabak nicht mehr durch besondere EU-Maßnahmen unterstützt. Die früheren EU-Beihilfen wurden zum Teil in eine in Direktzahlungen integrierte finanzielle Unterstützung umgewandelt (Verordnung (EU) Nr. 1307/2013) und zum Teil in den Haushalt für Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums (Verordnung (EU) Nr. 1309/2013) eingebunden.

 

Reform des Tabaksektors

Im April 2004 beschloss der Rat der Landwirtschaftsminister der Europäischen Union, den Tabaksektor zu reformieren und sich dabei auf die Grundsätze der GAP-Reform vom Juni 2003 zu stützen. Das System der Produktionsquoten wurde abgeschafft und die Beihilfe wurde von der Produktion abgekoppelt, wobei den Mitgliedstaaten eine Übergangsphase von 2006 bis 2009 eingeräumt wurde.

Während dieses Zeitraums konnten die Mitgliedstaaten zwischen zwei Optionen wählen, d. h. entweder die Produktion und die für den Tabaksektor bereitgestellten finanziellen Beihilfen vollständig „entkoppeln“ oder weiterhin teilweise produktionsabhängige Beihilfen gewähren. Durch die Entkopplung der Beihilfe von der Produktion können die Erzeuger, sofern sie es wünschen, andere Kulturen anbauen und weiterhin ein stabiles Einkommen erzielen.

Seit 2010 sind Beihilfe und Produktion vollständig entkoppelt. 50 % der ehemaligen Tabakbeihilfe wurden in das System der Direktzahlungen eingebunden. Die anderen 50 % wurden zur Förderung der ländlichen Entwicklung umgewidmet – insbesondere in den Tabakanbaugebieten.