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[ Inhalt ]

Von der Strategie zur Aktion:
Die Projektauswahl

Kapitel 5
Optimale Gestaltung der Auswahlverfahren
ihre Auswirkungen auf die lokale Ebene

 


Auswahlprozesse führen zu zwei Arten von Ergebnissen:

  • zur konkreten Umsetzung der ausgewählten Projekte - Dabei ist für jedes Projekt eine Kosten/Nutzen-Analyse vorzunehmen und es ist auf direkte und indirekte Auswirkungen, auf den Multiplikatoreffekt usw. hin zu prüfen. Projekte können bestimmte Ungleichgewichte im Gebiet wieder ausgleichen oder das (soziale oder territoriale) Ungleichgewicht noch verschärfen.

  • zu einer Dynamik, die durch das Einreichungsverfahren und die Auswahl von Projekten ausgelöst wird, zum Beispiel:

  • zur Entwicklung von Ideen - Eine Ausschreibung kann zur Vorbereitung zahlreicher Projekte führen. Nicht ausgewählte Projekte können Ausgangspunkt für Õberlegungen für zukünftige Initiativen werden. Durch Bildungsmaßnahmen und technische Hilfe kann die Aktionsgruppe die Ansätze der Beteiligten unterstützen;

    zu wachsendem Interesse für Ansätze kooperativer Organisationsformen
    - Eine Ausschreibung für Projekte zur Aufwertung des vernachlässigten lokalen Kulturerbes usw. kann z.B. auf allgemeines Interesse im Gebiet stoßen und zu einem neuen gemeinsamen Bezugsrahmen werden. Sie kann Denkanstöße geben, Kreativität und Vorstellungskraft fördern, vergessene oder unterschwellig vorhandene Werte wieder ins Rampenlicht stellen usw. Aber sie kann auch zu Konflikten führen oder Konflikte verschärfen, Frustrationen hervorrufen, die soziale Ausgrenzung verstärken usw.

Somit ist dafür zu sorgen, daß die Ausschreibung und die Projektauswahl selbst zu einem Anstoß für die Entwicklung, für Ausgleich, Beteiligung der Bevölkerung und Kohäsion werden. Hier sind die LEADER-Erfahrungen besonders lehrreich.

 


5.1 Optimierung der Auswirkungen der ausgewählten Projekte

 

Auswirkungen lassen sich entweder für jedes Projekt einzeln oder aber bezogen auf alle Aktionen in einem bestimmten Gebiet messen.

a) Die Auswirkungen der einzelnen Projekte

Jedes umgesetzte Projekt hat direkte und indirekte Auswirkungen auf das Gebiet:

  • direkte Auswirkungen hängen ab von den Projektergebnissen (zusätzliche Produktionen, Wertzuwachs, Schaffung neuer natürlicher, technischer und Humanressourcen usw., neue Aktivitäten, neue Arbeitsplätze usw).;

  • indirekte Auswirkungen hängen vom Demonstrationscharakter und Multiplikatoreffekt des Projekts sowie der allgemeinen Auswirkung des Projekts auf die ganzheitliche Gebietsentwicklung ab.

Partnerschaftliche Ansätze spielen eine wesentliche Rolle bei der Projektoptimierung, denn in Anbetracht der vielschichtigen Probleme bringt jeder Partner unterschiedliche, komplementäre Standpunkte ein. Diese Synergie zwischen den verschiedenen Standpunkten sowie die vielfältigen Argumente tragen dazu bei, mögliche negative Faktoren oder Hinderungsgründe berücksichtigen zu können. Jede Beteiligung potentieller Begünstigter an der Erarbeitung der Auswahlkriterien ist ein Schritt in die richtige Richtung. Schließlich spielen auch die Kommunikation, Vermittlung und Darstellung eine Schlüsselrolle.

b) Die Auswirkungen der Projekte insgesamt: Kohäsion durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts im Gebiet

Im Mittelpunkt der Anliegen zahlreicher Aktionsgruppen steht die Bekämpfung des sozialen bzw. territorialen Ungleichgewichts. Häufig leiden ländliche Gebiete unter einer unausgeglichenen Entwicklung, die die interne Kohäsion und die Gemeinwesenentwicklung gefährden kann. Deshalb versuchen viele Aktionsgruppe, dieses Ungleichgewicht, das verschiedene Ursachen haben kann, zu bekämpfen:

  • Soziales Ungleichgewicht - Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind benachteiligt oder werden aus Gründen des Alters, des Geschlechts, der beruflichen Qualifizierung usw. marginalisiert.

  • Geographisches Ungleichgewicht - Bestimmte Zonen des Fördergebiets veröden, in anderen ist eine Konzentration von Humanressourcen, wirtschaftlichen, ökologischen usw. Mitteln zu beobachten.

  • Ungleichgewichtige Verteilung und Nutzung natürlicher Ressourcen - Bestimmte Aktivitäten erfordern große Mengen natürlicher Ressourcen, die auch für andere gebietsspezifische Aktivitäten notwendig wären (Wasser, Böden, Wälder usw.), oder haben gar zerstörerische Einwirkungen auf diese Ressourcen.

  • Unausgeglichene Entwicklung bestimmter Sektoren - Bestimmte Schlüsselsektoren im Gebiet sind unterentwickelt (wie z.B. Dienstleistungen für die Bevölkerung).

Wie können Ausschreibungen und die Projektauswahl somit richtig und gezielt eingesetzt werden, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren ? Dies ist eine heikle Frage, denn Projektauswahl bedeutet gleichzeitig "Konkurrenz", "Gewinner" und "Verlierer" ...

Das klassische Auswahlkriterium "die Besten zuerst" kann solche Unterschiede und vor allem das soziale Ungleichgewicht noch verschärfen. Bei solchen Schwierigkeiten sind z.B. folgende Maßnahmen denkbar:

  • Einführung spezifischer Kriterien - Bestimmte Aktionsgruppen haben die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen als Kriterium zur Einstufung oder zur Ablehnung von Projekten eingeführt:

  • In Friaul-Julia-Venetia (Italien) hat die Aktionsgruppe Montagna LEADER "Unternehmensgründerstipendien" für junge Unternehmer vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt mit 3 Stipendien (45 000, 35 000 oder 25 000 ECU) für einen Jugendlichen oder eine Gruppe von Jugendlichen, die nach ihrer Ausbildung ein neues Unternehmen im Gebiet gründen möchten, das den Entwicklungseckpunkten der Aktionsgruppe entspricht. Diese Stipendien müssen nicht zu- rückgezahlt werden und sollen die Umsetzung der Unternehmensgründung erleichtern, Zugang zu Beratung und Forschung ermöglichen, um die ursprüngliche Projektidee zu verbessern usw. Eigentlich handelt es sich bei diesem Stipendium um einen Beitrag zum Startkapital für das neue Unternehmen.

  • Einführung eines Kriteriums, das einen ausdrücklichen Beitrag zur Korrektur des Ungleichgewichts fordert - In ihrem Bewertungssystem vergibt die Aktionsgruppe Guadiato (Spanien) einen Punkt für Projekte, die einen Beitrag zur Korrektur des territorialen Ungleichgewichts leisten (vgl. Kapitel 1).

Auf diese Weise können die Projekte besser auf diejenigen Bevölkerungsgruppen, Kleingebiete oder auf die Verwendungsarten lokaler Ressourcen zugeschnitten werden, die zur Korrektur des Ungleichgewichts erforderlich sind.


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